Gehen wir etwa falsch?


„Gehen wir möglichweise falsch? Auf eine Weise, die uns nicht gut tut? Oder anders        ausgedrückt, könnte es eine Art des Gehens geben, die uns besser tun würde?

Ballengang-Laufen-HeiselEine kurze Sequenz eines Mickey Mouse Heftes werde ich nie vergessen. Ich  fand  sie eindrucksvoll und wusste gar nicht warum. In der Szene ging es  darum, dass  Indianern ein Verbrechen in die Schuhe geschoben wurde, das in Wirklichkeit  natürlich auf Kater Carlos Kappe ging. Dieser liederlichen List ist Mickey Mouse dadurch auf die Spur gekommen, dass die Fußabdrücke am Tatort niemals von den Indianern stammen konnten. Weil diese, und deshalb könnten sie auch so gut schleichen, beim Gehen zuerst auf dem Ballen auftreten würden. Das ist ja ein Ding, dachte ich. Wie ginge das wohl? Ich versuchte mich im Ballengang und kam nach wenigen Versuchen zu der Erkenntnis, dass das kein Gang für mich sein kann. So stokelig, so ungewohnt, so andersrum.

Vor wenigen Wochen fiel mir dann auf, dass ich auf Socken durch die Wohnung auch etwas seltsam gehe. Um unnötiges Gestampfe zu vermeiden. Sei es, um die Kinder während ihres Mittagsschlafs oder die Frau nach einer Nachtschicht nicht zu wecken, die Nachbarn unter uns nicht unnötig zu belästigen oder auch nur, weil ich es angenehmer finde, nicht laut aufzutreten. Es ging mir auf jeden Fall erst vor kurzem auf, dass ich barfuß oder auf Socken anders gehe, als mit Schuhen.

Und dann lese ich vor einer Woche einen Beitrag, der darauf hinweist, dass ein großer Teil unserer körperlichen und seelischen Probleme daher rühren würden, dass wir falsch gehen. Klingt verrückt, aber für mich nicht verrückt genug, um es nicht gleich auszuprobieren, anders zu gehen. Denn wenn Du mal eben aufstehst, Dir die Finger in die Ohren steckst und ein paar Schritte machst, wirst Du hören, wie Deine Knochen jedes Mal, wenn Du auftrittst, ein Tok machen. Jeder Schritt ein Tok. Jeder Schritt ein winziges Trauma. Dass jedes Mal bei einer der normalsten Sachen der Welt, dem Gehen, unsere Knochenstruktur gestaucht wird, und wenn auch nur ein klitzekleines Bisschen, kann doch nicht gut sein. Und dass viele Kinder Haltungsschwierigkeiten haben und Bandscheibenvorfälle und Rückenprobleme Normalität unter Erwachsenen ab 30 Jahren sind, lässt doch zumindest vermuten, dass irgendwas im Argen liegt. Natürlich kommt die Haltung, das viele Sitzen vorm Computer oder im Auto erschwerend hinzu, aber was, wenn den größten Anteil an der Misere das falsche Gehen hätte?

Auf dem Ballen aufzutreten kommt einem im ersten Moment spanisch vor, aber es ist doch tatsächlich so, dass wir die allermeisten Betätigungen auf zwei Beinen über den Ballen ausführen: Treppensteigen, Tanzen, Rückwärtsgehen, Seitlichgehen, Sprinten, Springen, alles das, was gut tut, alles das, was Aufmerksamkeit erfordert, alles das, was uns zum Teil zu Höchstleistungen anregt. Ist doch merkwürdig, dass es beim Gehen anders sein soll. Neulich hab ich mal in einer Reportage gesehen, dass der aufrechte Gang verantwortlich für die diversen gesundheitlichen Probleme sein soll. Aber vielleicht war die Analyse einfach zu ungenau und nicht der aufrechte Gang an sich, sondern die Art des aufrechten Gangs ist der Knackpunkt. Tok.

Ich fand die Argumentation für den Ballengang so überzeugend, dass ich ihn circa 25 Jahre nach meinem ersten Versuch vor einer Woche noch einmal ausprobieren sollte. Und wieder kam ich mir zu Beginn wie ein Ei auf Stelzen vor. Wie ein Storch, der durch die Wiese stakst. Ich merkte ein leichtes Ziehen in meinen Sehnen und gleichzeitiges partielles Verkrampfen einelner Muskelstränge, die jahrelang eine ruhige Kugel schieben durften. Aber trotzdem machte ich weiter. Während des Gehens jedes Mal auch bewusst zu gehen, war dabei schon eine besondere Erfahrung. Gehen neu zu lernen, wie ein Kind. Ein wenig Übung hatte ich schon in der Umstellung von Altbewährtem, weil ich vor kurzem auch meine Technik verändert habe, das “S” zu sprechen. War früher gezischt, jetzt weitgehend nicht mehr. Bin also als alter Hund auch noch bereit, neue Tricks zu lernen. Und das Ballengehen fällt mir zusehends leichter. Wirkt zwar immer noch etwas staksig, fühlt sich aber im Vergleich viel besser an als der alte Hackengang. Bin also gerade in der Übergangsphase, wo das Neue noch nicht ganz Normalität geworden ist. Du kannst ja auch mal in Dein Herz gehen, um zu erfahren, ob der Ballengang für Dich der Richtige sein könnte. Sage dafür ICH GEHE IN RESONANZ ZUR BEDINGUNGSLOSEN LIEBE, spüre die Wärme, die Weite oder die FREUDE. Anschließend gehst Du in Resonanz zum Hacken-, bzw zum Ballengang. Finde selbst heraus, was sich für Dich besser anfühlt.

Für mich ist der Gang über den Ballen auf jeden Fall der Richtige, auch wenn ich in der Übergangszeit eigenwillig aussehen mag.

…“

Quelle: http://www.du-bist-da.net/spitze-hacke-spitze-hacke/

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2 responses to this post.

  1. Posted by Sandra on 25. Februar 2013 at 13:22

    Ich kann dem nicht zustimmen. Die Anatomie unseres Fusses bestimmt dessen Gebrauch sehr eindeutig. Selbst bei einem gut entwickelten und kräftigen Längs- und Quergewölbe (was die meisten Leute nicht haben) sind die grazilen und feinen Knöchelchen nicht in der Lage den Aufprall des Körpergewichtes abzufedern bzw. zu dämpfen. Die Ferse mit ihrer natürlichen Anatomie, ihrem Fettpolster und den darinliegenden Propriozeptoren, fängt uns zunächst adäquat ab und sendet dem restlichen Körper durch die Reaktivkraft die entsperechenden Impulse für eine Ganzkörperaufrichtung bis zum Scheitel. Ich kann mich mit dem Aufkommen auf dem Mittelfuss bei einer guten Fusskoordination noch anfreunden, aber auf gar keinen Fall mit Vorfusslauf ausser beim Sprint…..
    Sandra

    Antwort

    • Hallo Sandra,
      Vielen Dank für das konstruktive Feedback auf den von mir zitierten Erfahrungsbericht.
      Zunächst muss ich hierzu bemerken, dass eine PERSÖNLICHE positive ERFAHRUNG mit einer THEORETISCH abgefassten (recht restriktiven) MEINUNG dementiert wird.
      (Es gibt auch genügend Beispiele, in denen der Ballengang nicht als angenehm/ bereichernd angesehen wurde, was m. E. an einem falschen Verständnis dafür liegt)
      Als nächstes versichere ich, dass ich persönlich keine „Gangart“ als richtig oder falsch erachte, sondern unsere Vielseitigkeit in der Art der Bewegung betone. Allerdings gibt es – je nach Situation / Intension- optimale und suboptimale Gewohnheiten bzw. erlernte Ansichten. 😉
      Nun inhaltlich zu deinem Beitrag, Sandra:
      Du schreibst, dass der Fuß rein anatomisch schlussfolgern lässt, dass allein die Ferse dazu geeignet ist, größere Stöße adäquat aufzufangen. Weiter unten räumst du ein, dass beim Sprinten dies wiederum gegeben ist…. Das widerspricht sich.
      -> Würde der Vorfuß starken Belastungen nicht standhalten, dann wäre Sprinten in hohem Maß fußschädigend.
      Aber nicht nur Sprinten… Mit etwas Aufmerksamkeit erkennt man sehr viele weitere hohe Belastungen, die wir ohne darüber nachzudenken mit dem Vorfuß abfangen (müssen):
      Jede Art von Springen (versuche aus 20 cm Höhe auf der Ferse zu landen … -> bitte nicht! 🙂 )
      Jede schnellere Richtungsänderung, Abstoppen, Treppe abwärts steigen, … Dazu natürlich feinere Bewegungen z.B. beim Tanzen, Ballspielen, Boxen, Tischtennis, …. Ohne Vorfußkompensation komplett undenkbar.
      Ich teile daher diesen Punkt in dieser stringenten Form nicht.
      Selbstverständlich kann die Ferse auch abfedern und tut dies auch sinnigerweise in bestimmten Fällen. Aber sicher nicht ausschließlich.
      Der nächste Punkt ist das Abfangen über den ganzen Körper nebst Aufrichtung:
      Natürlich liegen AUCH in der Ferse entsprechende Propriozeptoren, wie auch in der gesamten Gliedmaßenkette, die u.a. zum Abfangen und Aufrichten beitragen.
      Würde man aber nur von der Ferse ausgehen, dann verzichtet man auf das von der Kraft, und Hebelwirkung her mit Abstand größte Gelenk, das Sprunggelenk. Dies kann nur sinnvoll aktiv werden, wenn der zugehörige Hebel, nämlich der Vorfuß auch genutzt wird. Das gilt sowohl für den Abdruck vom Boden als auch für das Aufsetzen.
      Die Funktionskette „bis zum Scheitel“ beginnt nicht mit der Ferse, sondern beim Vorfuß. Menschen, die bereits Verletzungen/Brüche am großen Zeh hatten, wissen genau um die Wichtigkeit des Vorfußes, auch beim Gehen.
      Wären bei einem Menschen Vorfuß, beim anderen die Ferse beeinträchtigt, bzw. nicht belastbar, dann würde man ebenso schnell feststellen, wo die Wertigkeit liegt.
      Für eine optimale Aufrichtung ist zudem die Stellung und Lage des Beckens als Träger der Wirbelsäule am relevantesten. Je besser und ausgewogener dessen Unterbau, also Beine und Füße, desto höher die Chance einer optimalen Aufrichtung.
      Das Abfangen von Stößen über die Ferse während des Gehen kann man leicht überprüfen, indem man einfach ein paar Schritte bei zugehaltenen Ohren im Fersengang geht, danach es mal auf dem Ballen versucht. Man hört es.
      Es muss also andere Gründe dafür geben, weshalb wir, also die meisten Menschen, dennoch beim normalen Schreiten zuerst mit der Ferse aufsetzen.
      Dennoch finde ich deinen Beitrag wertvoll, da hierdurch die Gelegenheit besteht, eben nicht die Richtigkeit oder Falschheit einer bestimmten Gangart „theoretisch“ zu bewerten, sondern viel differenzierter zu beobachten, zu fühlen und zu verstehen.

      Mit freundlichem Gruß,
      Stefan Heisel

      Antwort

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