Barfußlaufen vs Schuheinlagen


Wozu benötigen wir eigentlich Schuheinlagen, Fußbett oder gar Absätze, wo es doch recht eindeutig an der Fähigkeit mangelt, sich als gesunder Mensch so zu bewegen, wozu sich der Körper recht ausgeklügelt nun einmal entwickelt hat?

Bevor wir der Frage genauer auf den Grund gehen verweise ich gerne auf einen kurzen Artikel aus Umwelt-Panorama.de:

[…eine Studie der Universitätsklinik für Orthopädie in Wien, für die mehr als 800 drei- bis sechsjährige Kinder untersucht wurden. Sie ergab, dass 54 Prozent der Dreijährigen einen Knick-Senkfuß hatten, während diese Fehlbildung nur noch bei 26 Prozent der Sechsjährigen auftrat. Nur in einem einzigen Fall war der flache Fuß eines Kindes krankhafter Natur. Allerdings trug jedes zehnte untersuchte Kind Einlagen, obwohl eine gesunde Fußwölbung erst im Laufe der ersten sechs bis zehn Jahre durch Laufen, Rennen und Spielen erworben wird….]

zum ganzen Artikel: http://umwelt-panorama.de/news.php?newsid=160010

Wenn man solche und ähnliche Meldungen (Beispielweise über echte Haltungsschäden bereits bei Kindern) liest, stellt sich die Frage nach Eigenverantwortung. Weder Schuhindustrie noch traditionelle Medizin, auch nicht die Schule incl. Lehrer sind über elementare Dinge wie Bewegung ausreichend im Bilde, obwohl dies einen fundamentalen Bereich unserer Entwicklung darstellt. Nicht ausreichend bedeutet quasi mangelhaft.

Also müssen wir uns selbst darum kümmern, dass es uns bzw. unseren Kindern auch in diesem Bereich möglichst gut geht.

Was das Gehen betrifft, spielt leider nicht nur das Schuhwerk eine tragende Rolle, sondern auch unsere zivilisierte Umwelt mit den ebenen asphaltierten Straßen an sich. Dort wo Fahrzeuge mit runden Rädern prima vorankommen, ist unsere Anatomie langfristig auf verlorenem Posten. Sorgen wir also neben dem richtigen Schuhwerk (wenn es denn sein muss) und der richtigen Motorik auch auf eine körperfreundliche Geh-Umgebung!

Mein Empfehlung geht ganz klar dahin, dass Sie – spätestens wenn die Temperaturen es erträglicher machen – so oft wie möglich wirklich barfuß unterwegs sind. Das heißt gleichzeitig, dass sie raus aus der Stadt sollten und nicht-asphaltierte Wege und Pfade begehen sollten. Ein besseres Training für ihren gesamten Körper gibt es nicht – sofern das Gehen so überhaupt möglich ist!

Gleichzeitig ist es auch ein Test für Sie, inwieweit ihre Gehfähigkeit überhaupt noch richtig funktioniert oder inwieweit sie auf die Prothese „Schuh“ zwingend angewiesen sind.
Wann sind Sie das letzte Mal bei schönem Wetter komplett barfuß durch einen Wald gewandert?

Ich bin mir sicher, dass leider sehr viele Menschen das Barfußgehen außerhalb von gefließten oder mit Teppichen oder Laminat ausgelegten Räumen verlernt haben. Oder liege ich sehr falsch? 🙂

Lassen Sie sich gerne dazu motivieren, am nächsten Tag, der über 15° C und Sonnenschein hat, eine halbe Stunde barfuß durch Wald oder Feld zu gehen und berichten Sie darüber, um mir das Gegenteil zu beweisen. 🙂

In diesem Sinne, auf hoffentlich baldiges wärmeres Wetter!

Mit freundlichen Grüßen, Stefan Heisel

 
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2 responses to this post.

  1. Leider habe ich die Erfahrungen gemacht, dass bei manchen Orthopäden viel zu schnell Einlagen verschrieben werden ohne einen Blick darauf, dass viele Beschwerden auch durch ein falsches Bewegungsmuster beim Gehen bzw. Laufen verursacht sein können. In einem Sportfachgeschäft habe ich ein Plakat gesehen, welches in einem anderen Zusammenhang diese Einstellung sehr auf den Punkt bringt: „Wir finden den passenden Schuh für ihren Laufstil“. Wie oft es wohl besser wäre zumindest zuerst nach dem Motto „Wir finden den natürlichen Laufstil für ihren Körper“ zu verfahren?

    Antwort

  2. Posted by Stefan Heisel on 28. März 2013 at 19:25

    Hallo Bernd, da hast du vollkommen Recht!
    Schau mal, die ganze Branche „Wellness und Gesundheit“ ist ja auf der anderen Seite ein riesengroßes Geschäft. Das ist auch in Ordnung prinzipiell. Was dabei verloren gegangen ist, ist die Menschdienlichkeit.
    Was nützt es dem Orthopäden oder dem Schuhverkäufer, wenn er Dir ein besseres Bewegungsmuster empfiehlt, von dem er
    a. keine Ahnung hat und
    b. an dem er nichts verdient – vor allem langfristig ?

    – Nichts. Deshalb muss er, da es sein selbst ausgewählter Beruf ist, so oft wie möglich die Dinge verkaufen, die er nun mal hat oder kann.
    EIne Schuheinlage zu verordnen dauert ca. 2 Minuten (habe auch ich neulich erlebt, da ich selbst seit sehr langem wegen einer unerklärlichen Schwellung am Knöchel sicherheitshalber einen Arzt aufsuchte – 2 Minuten: „Das ist eine Sehnenscheidungentzündung und Sie haben einen Knickfuß. -> Bandage und Einlage verordnet und tschüss 🙂
    (Natürlich trat ich mit diesem Fuß in diesen 2-3 Wochen innenbetont auf, weil die Schwellung gar keine andere Haltung zuließ – hätte der Mann mal auf den anderen Fuß geschaut und … nach … gedacht??
    Und so geht das im Fließband täglich.

    Bei den Laufanalysen stecken sehr aufwändige technische Geräte dahinter, die einen Mordseindruck machen und ebenso teuer sind. Natürlich müssen diese auch genutzt werden, damit es irgendwann auch eine Rendite dafür gibt.
    Wäre dies in einem Rahmen, z.B. bei einem sehr guten Sportler verbessernde Feinheiten zu entdecken, die man mit bloßem Auge kaum sieht und er selbst auch nicht spürt, dann ist so ein Gerät sehr nützlich.
    Aber um einem normalen Kunden einen Sportschuh im Angebot anzupassen, so würde man eine Brille oder Hörgerät anpassen ….. relativ lächerlich, oder? 🙂

    WIchtig ist immer noch, dass man selbst für sich den Durchblick erhält und Toleranz walten lässt 😉

    Viele Grüße, Stefan Heisel

    Antwort

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