Dies ist KEIN Ballengang!


Kein Ballengang

Dies ist KEIN Ballengang

Liebe Leser,
angeregt durch eine Frage einer interessierten Leserin, die wegen einer Verletzung ihre Ferse beim Gehen schonte, ob denn dieser Ballengang tatsächlich „normal“ sei, sehe ich einen Aufklärungsbedarf.

Der Begriff „Ballengang“ hat sich seit relativ kurzer Zeit überhaupt erst in einer Art stiller Übereinkunft etabliert.
Wenn ich hier oder „draußen“ diese Terminologie nutze, meine ich das, was in „vom Ballengang“ zu lesen ist.
Allein im deutschen Sprachgebrauch ist „Ballengang“ keineswegs einheitlich, schon der „Ballen“ wird regional unterschiedlich aufgefasst. Und in anderen Sprachen gibt es hingegen keine eigenen Bezeichnung oder nur sehr umständliche Umschreibungen.

(Wegen dieses Umstandes hat beispielsweise Dr. Hans-Peter Greb den Begriff „Godo“ markenrechtlich schützen lassen und damit eine internationale Bezeichnung für seine eigene Interpretation und Philosophie des Gehens definiert.)

Meiner Einschätzung nach können wir aber getrost die Bezeichnung „Ballengang“ so belassen, auch wenn ich persönlich den Ballengang eben nicht nur darauf beschränke, um jeden Preis auf dem Vorfuß zu landen, sondern nach natürlichen Bewegungsrezepten die Vielfalt an Bewegungsmöglichkeit sehr schätze und fördere.

Kommen wir nun zu dem eigentlichen Thema, nämlich was der Ballengang auf gar keinen Fall meint und mit den folgenden Dingen bitte NIE in Zusammenhang gebracht wird:

habitueller und idiopathischer Zehenspitzengang

Hierbei handelt es sich um sogenannte Ganganomalien, die bei etwa 5-10 % der Kinder auftreten. Und zwar entweder permanent oder situativ:Das bedeutet, die betroffenen Kinder bewegen sich tatsächlich (fast) immer mit voll „gestrecktem“ Sprunggelenk, also mit spitzem Fuß und setzen selbst beim Stehen (fast) nie die Ferse ab.  Etwa die Hälfte dieser Kinder legen den Zehenspitzgang von selbst wieder ab. Bekannte Ursachen für einen Zehenspitzgang sind z.B. neuromuskuläre Erkrankungen, Spastiken oder eine angeborene verkürzte Achillessehne. Mit anderen Worten: Der Zehenspitzengang ist ein Symptom von mehr oder weniger tiefgreifenden Erkrankungen, dessen Folgen sehr weitreichend sein können. (Fußdeformationen, Sehnenverkürzungen, Beckenfehlstellungen, starkes Holhkreuz, etc.)

Kompensation von Verletzungen oder Erkrankungen des Bewegungsapparates wie beispielsweise Fersensporn, Warzen, Verstauchungen, Krämpfe

Wenn zum Schutz einer schmerzempfindlichen Stelle eine Bewegung verändert wird (also zum Beipiel aus Schmerz die Ferse nicht mehr belastet werden kann), dann findet immer ein muskuläres Ungleichgewicht statt mit teils erheblichen Folgeschäden. Eine Schonhaltung, die sehr lange beibehalten wird, kann auch nach Wegfall der ursprünglichen Schmerzursache zu einer körperlich wie psychisch verankerten chronischen Beeinträchtigung führen. Wer also aus derartigen Gründen auf dem Ballen geht, ist überhaupt nicht in der Lage, ein vielfältiges natürliches Bewegungsmuster zu entwickeln und bleibt in einem einseitigen, unflexiblen Gang quasi gefangen. Dies hat mit dem hier dargestellten Ballengang, der das gesamte Potential des Körpers nutzt, nicht das geringste zu tun.

Frühkindliches Gehen

Kleinkinder haben aufgrund ihrer ganz eigenen Physiologie, ihres ganz besonderen Körperbaus und ihres noch unvollkommen bzw. unfertigen Bewegungsapparates eine ganz eigene Art, sich zu bewegen. Dieses Bewegen ist bedingt durch andere Gewichtsverhältnisse (zum Beispiel der im Verhältnis große und schwere Kopf), andere Gelenkstellungen, sowie ein noch nicht entwickeltes Fußgewölbe, fehlende Sprungkraft, etc. Wenn ein Kleinkind beim Gehen meistens mit dem Ballen voran landet, wird gerne und häufig von Ballengang gesprochen. Nur: Sobald das Kind aber beginnt zu rennen, fehlt die Stabilität in Fußgewölbe und Beinen, um diesen vermeintlichen Ballengang aufrecht zu erhalten. Auch fehlt noch der nötige Abdruck mit dem Ballen. Daher ist m.E. dieses frühkindliche Gehen auf keinen Fall mit dem Ballengang, den sich der reife Erwachsene oder Jugendliche aneignet, zu vergleichen! (siehe auch den vorangehenden Artikel über das kindliche Laufen)

Als Erwachsener sieht das Gehen in dem eigentlichen Ballengang ganz anders aus als das frühkindliche Gehen, auch wenn beide auf den Ballen landen.

Gerne verweise ich auf den kostenlosen email-Fernkurs „Richtig Gehen lernen im Ballengang“, zu dem Sie sich bei Interesse an Neuem >HIER< unverbindlich anmelden können.

Zum Abschluss habe ich noch ein kleines Bonbon für Sie, dass ich Ihnen auf keinen Fall vorenthalten möchte, wenn Sie sehen möchten, wie Sie eher nicht den Ballengang üben sollten.

Viel Spaß! 🙂

http://www.youtube.com/watch?v=IqhlQfXUk7w

(PS: leider nur auf Youtube direkt zu sehen, dafür aber ohne Werbung 😉 )

Viele Grüße, Stefan Heisel

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