Knieschmerzen durch falsches Gehen


Ballengang und Schmerzen

Ballengang_KnieschmerzenSehr geehrte Leser(innen),

ich möchte an dieser Stelle auch das Thema Schmerzen in Bezug auf richtiges Gehen im Ballengang thematisieren.

(*)Da dies kein medizinischer Blog ist, ebenso wenig wie eine Gesundheitsberatung (die auf Ferne ohnehin nicht möglich wäre), verbleibe ich recht allgemein und schließe pathologische Krankheitsbilder grundsätzlich aus. Ich gehe davon aus, dass ein jeder, der Beschwerden hat, zunächst eine fachärtzliche Begutachtung erfährt, um anschließend mit oder ohne sogenanntem Befund neben der ärtzlichen Beratung/Behandlung selbstständig nach geeigneten Maßnahmen schaut.

Beginnen wir heute mit dem „einfachsten“, was man mit richtigem Gehen günstig beeinflussen kann:

Was kann man aktiv gegen Knieschmerzen tun?

Im Falle von (*) tun dennoch Ihre Knie weh, wenn Sie Treppen steigen, sich bücken oder sogar ständig beim Gehen. Sie haben sich keine Verletzung durch Überstreckung, seitliches Abknicken oder eine Prellung oder Stoß zugezogen – es tut einfach sozusagen chronisch weh, sehr wahrscheinlich einseitig, so dass sie manchmal zum Humpeln neigen, um das schmerzende Knie zu entlasten.

Woher kann dieser Knieschmerz kommen?

Dazu hole ich ein klein wenig ins Reich der Anatomie aus:

Das Knie ist ein Gelenk, also eine Stelle, an der ständig Reibung zwischen den einzelnen Teilen (Knochen, Knorpel, Sehnen, Faszien) stattfindet.

Wo Reibung stattfindet, muss auch gewährleistet sein, dass

– das Zusammenspiel möglichst reibungsarm stattfindet, damit es zu einem möglichst leichten Bewegungslauf und möglichst wenig Abrieb zwischen den Teilen kommt

– die „Schmierung“ zwischen den Teilen ständig in ausreichendem Maß und an jedem erforderlichen Reibungsort vorhanden ist

Ein auftretender Schmerz im Kniegelenk bei sonstiger Gesundheit kann eine Ursache darin haben, dass diese Reibung ungünstig verläuft und somit früher oder später eine Verletzung, Deformation oder gar Zerstörung von Gelenkteilen verursacht.

Ein Vergleich mit der Mechanik kann dies verdeutlichen:

Wenn ein Auto beispielsweise (aufgrund von Gewohnheit oder Nachahmung etc.) ständig nach rechts gelenkt würde (obwohl es völlig intakt ist), würde sich der linke Vorderreifen viel stärker außen abnutzen als bei Geradeausfahrt. Wenn nun nach einer geraumen Weile das Auto auch anders als nach rechts fahren soll, werden sich durch diese einseitige Abnutzung sämtliche Fahreigenschaften verändern. Aber nicht nur der Reifen, sondern auch andere Teile des Fahrwerks erfahren mehr Belastung. Würde man nun den Reifen tauschen (im menschlichen Körper könnte das eine Operation bedeuten) dann würde sich an der Neigung, bei Intaktheit ständig rechts zu fahren ja nichts ändern. Der nächste Reifenwechsel links vorne lässt nicht lange auf sich warten. Oder ein anderes Fahrwerksteil muss ausgetauscht werden. Die Ursache der „Störung“ liegt nicht an den Fahrzeugteilen selbst, sondern an demjenigen, der das Fahrzeug unangemessen lenkt.

Zurück zum Knie:

Wenn Sie sich vorstellen, dass durch bestimmte Gewohnheiten, Ihre Beininnenseite viel mehr Zug auf das Kniegelenk aufbaut als die Außenseite, dann erhält auch das komplexe Kniegelenk innen mehr Druck und Kompression als die Außenseite, so dass der Knorpel, der für die Reibung zwischen den Knochen wesentlich ist, viel mehr Abrieb erfährt und es irgendwann nicht mehr schafft, dies durch seine ständige natürliche Regeneration auszugleichen. Die Gegenseite erhält gleichzeitig zuviel Zug, der die Bänder permanent belastet.

Der Knorpel wird dünner, verliert seine Funktion und/oder entzündet sich und Sie haben dann nicht nur Schmerzen, sondern auch ein nicht mehr richtig funktionierendes Knie. Je früher sich hier der Schmerz meldet und je eher man sich mit richtiger Nutzung des Knies gegen einen weiteren Verschleiß einstellt, desto schneller kann sich das Knie ganz von alleine wieder regenerieren.

Das gleiche kann passieren, wenn im Unterschenkel eine ständige Verdrehung (meist außwärts) beim Gehen vorliegt und somit das Knie fast gar nicht mehr geradlinig geführt wird.

Oder wenn das Knie ständig durchgedrückt wird.

Was kann man also durch den korrekten Ballengang tun, um Knieschmerzen zu vermeiden, zu lindern oder letztlich ganz zu eliminieren?

Als Blog- und v.a. als Newsletterleser-Leser wissen Sie, dass über die Faszien, also unser allumspannendes aktives Bindegewebe, nie nur ein Gelenk isoliert arbeitet, sondern immer bloß ein Zahnrädchen innerhalb der gesamten Körperbewegungen darstellt. Wenn also ein Teil nicht mehr richtig funktioniert, zieht dieses den Restkörper immer in Richtung ungünstige Bewegung mit und es drohen weitere Folgeschäden an anderen Stellen, usw.

Umgekehrt funktioniert das aber genauso!

Wenn man leider nun mal in der Situation ist, durch jahrelangen Falschgebrauch am schwächsten Glied – hier beispielsweise dem Knie – einen spürbaren Schaden in Folge von Schmerzen und/oder Bewegungseinschränkungen zu haben, dann sollte man ERST RECHT! damit anfangen, den GANZEN KÖRPER zu optimieren!

Sobald nämlich Teile des Körpers beginnen, besser als vorher zu funktionieren, überträgt sich dies im Laufe der Zeit genau so auf immer weitere Körperteile wie das in der negativen Form der Fall ist.

Die Grenze der Besserung besteht dann nur noch in der natürlichen Regenerationsfähigkeit und Anpassungsfähig des menschlichen Körpers. Diese Regenerationsfähigkeit ist zwar bei sehr jungen Menschen besonders hoch, aber sie geht NIE verloren, so dass man auch im hohen Alter durch eine Veränderung der Bewegung sehr viel Positives bewirken kann!

Mann kann und sollte also bei bestehenden und ärtzlich „abgesegneten“ Knieschmerzen nach Möglichkeit (also wenn Sie überhaupt belasten können!) erst recht im Ballengang gehen. Da das ÜBEN des Ballengangs ja auch im Sitzen und im gestützten Gehen möglich ist (s. Newsletter) kann man neben der allgemeinen Kräftigung des Knies, die der Physiotherapeut des Vertrauens gerne anleitet oder durchführt, am gesamten Bewegungsmuster und damit an der Anregung der so wichtigen Faszien arbeiten.

Konkrete Tipps zum Gehen im Ballengang mit oder ohne Knieschmerzen:

– Achten Sie ganz besonders, in welche Richtungen Knie und Füße beim Gehen und Stehen zeigen! Das können Sie gut, wenn Sie sich entweder von vorne im Spiel betrachten, oder (im Stehen) von oben an ihren Knie herab schauen. Oder im Sitzen: Die Verlängerung des Obderschenkels sollte an der Innenkante des (Bar-)Fußes weiterlaufen.

Strecken sie NIE die Knie ganz durch! (Das ist im von mir beschriebenen Ballengang auch „technisch“ kaum machbar, wird aber bei Fersengängern beim Landen mit der Ferse sehr ausgiebig praktiziert.)

Federn Sie öfter auch über die Knie ab, wenn Ihr Fuß den Boden komplett berührt oder auch -schwieriger- wenn Sie lediglich nur über den Ballen Bodenkontakt haben

– Stellen Sie sich immer vor, dass sich eigentlich nur Ihr Knie nach vorne bewegt und Ihr Fuß (in der selben Richtung!) lediglich „dranhängt“.

– Wenn Sie sich auf der Stelle drehen möchten (das betrifft v.a. Tänzer, Kampfkünstler etc.), vermeiden Sie die schmerzende Richtung und üben Sie sehr wohl die nicht schmerzende – solange bis Sie insgesamt eine Besserung spüren. WENN sich gedreht wird, dann sollte hier der Fuß sehr AKTIV sein, und den Schwung von Oberkörper und Hüfte kontrolliert und unter Spannung mittragen.

– Sollten Sie eine X- oder O-Beinstellung aufweisen, dann achten Sie auch hier besonders auf die Kraftlinie, die vom Fuß direkt über einen leichten Vorwärtsknick zur Hüfte hoch geht, dabei aber nicht nach innen oder außen abweichen darf. Wenn Ihnen das nicht gelingt, könnte ein Faszientherapeut hier weiterhelfen, vorausgesetzt, die Beinstellung an sich stört überhaupt 😉

Schuhwerk: In Ihrem eigenen Interesse dürfte es selbstverständlich sein, nur Schuhwerk zu benutzen, in dem Ballengang möglich ist. Vor allem Absätze tun ihr Übriges daran, die Belastungen einseitig zu verschieben und damit mehrere Probleme zugleich zu schaffen. Dazu demnächst mehr, wenn es um die Füße geht. 😉 Also: NULL-ABSATZ-PFLICHT! 😉

Noch mehr Tipps und Anleitungen zum Ballengang finden sie in meinem kostenlosen Email-Fernkurs: Richtig Gehen lernen im Ballengang, zu dessen Bezug Sie herzlich eingeladen sind

Ich wünsche meinen Lesern nun eine weitere tolle Sommerzeit!

Viele Grüße,

Stefan Heisel

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One response to this post.

  1. Interessanter Artikel. Ich habe Arthrose im Kniegelenk und O-Beine. Ich werde mir mal die weiteren Artikel über richtiges gehen durchlesen. Kann ja nicht schaden und vielleicht ist es auch für mich ein richtiger Schritt in die richtige Richtung ohne Schmerzen im Knie zu leben.

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