Ballengang und Kampfkunst


oder:

Wie verwandle ich einen vermeindlichen Nachteil in einen großen Vorteil?

Hallo liebe Leserinnen und Leser,

aus gegebenem Anlass möchte ich heute auf einen mir persönlich sehr naheliegenden und wichtigen Aspekt des Ballengangs eingehen.

Der Anlass hierzu ist ein Statement eines international bekannten Kampfkunst-Großmeisters, der sich in  einem aktuellen Twitterbeitrag https://twitter.com/gm_kernspecht/status/427466706936954880 sehr positiv über den Ballengang äußert.

Aber WARUM sollte man als ein Könner überhaupt ganz neue Gesichtspunkte in Betracht ziehen? Man ist doch, gerade als Kampfkunstmeister, souverän und „fertig ausgebildet“. Man hat alles schon gesehen und beherrscht seine Kunst hervorragend … Warum also überhaupt neue Wege gehen?

Im Fall des oben genannten war es, wie er selbst berichtet, ein Fersensporn, der ihn dazu brachte, etwas anders zu machen als vorher. Bei anderen, beispielsweise Bruce Lee, war es eine schwere Rückenverletzung. Bei nahezu allen meinen Klienten oder Schülern haben sehr viele mit Rückenschmerzen, Knieproblemen, steifen Schultern, die sie in ihrem alltäglichen Tun einschränken und daher nach einer Veränderung suchen.

Man kann also sagen, dass zuerst eine „Schwäche“ vorliegt, die dann zu einem Prozess der Erkenntnis führt. Der Erkenntnis nämlich, dass etwas verändert werden muss, weil das bisherige ganz offensichtlich versagt hat oder zumindest alles andere als optimal war. Ganz bemerkenswert ist so eine Erkenntnis, wenn es sich dabei um scheinbar vollkommen banale Dinge handelt wie etwa das Gehen, Stehen, Sitzen, Atmen. Wir glauben, dass wir das selbstverständlich können, dass es da nichts Aufregendes mehr zu erkennen gibt und bauen unser gesamtes übriges Handeln auf diesem (Trug)Schluss auf. Interessanterweise weiß jeder Musiker, Tänzer und Leistungssportler, dass die unentwegte Arbeit an den Grundlagen bzw. Basics das Fundament des Erfolgs und Fortschritts darstellt. Im „Alltag“ scheint es allerdings oberflächlich gesehen nichts zu geben, was in der Basis verbessert werden kann(?)

Was passiert aber nun, wenn man beginnt, sich näher mit jenen „banalen“ Dingen wie beispielsweise dem eigenen Gehen zu beschäftigen?

Welche Prozesse werden in Gang gesetzt, wenn etwas längst Abgehaktes, nicht mehr bewusst Wahrgenommenes auf einmal in den Fokus unserer Aufmerksamkeit gerät?

> Wenn man den Betreffenden Glauben schenken möchte, ergibt sich immer eine durchgängige Antwort:

Positive Weiterentwicklung, verbunden mit einem Sprung in eine bis dato unbekannte Qualität in Bewegung, Fühlen und auch Denken!

Es entwickelt sich also aus einer Schwäche, einem Problem durch intensive grundlegende Aufmerksamkeit und Erkenntnis eine neue Stärke, eine neue Kompetenz!

Als Kampfkünstler spürt man dies in besonderer Weise, weil hier die neugewonnene Stärke durch den Ballengang absolut unmittelbar umgesetzt wird. Wenn wir beginnen, die Kraftkette vom Boden über das Fußgewölbe nach oben durch den Körper zu leiten, anstatt aus einem stabilen aber immobilen Stand heraus zu arbeiten, erhöhen sich gleichzeitig Beweglichkeit und Energiepotential.

Faszien-Punch1

Faszien-Punch-Vorspannung

Faszien-Punch2

Faszien-Punch-Entladung
Man Beachte die ganzkörperliche Ballenarbeit!

Wie äußert sich das konkret?
In meiner freien Kampkunstpraxis hat sich seit dem Praktizieren des Ballengangs (vor ca 9 Jahren) viel verändert:

– Durch die allgegenwärtige Hinzunahme des Sprunggelenks erhöht sich der Bewegungsspielraum, d.h. auch die Reichweite aller Gliedmaßen um mindestens 10-20 cm.

– Durch die ständige Präsenz der faszialen Kraftkette sind wesentlich spontanere und feinere Bewegungsrichtungswechsel möglich.

– Da die Kraft „aus der Ferse“ in bestimmten Fällen dennoch gebraucht/ eingesetzt wird, ergibt sich ein vielseitigeres, überraschenderes und dynamischeres Gesamtbewegungsmuster.

– Die über den Ballen aufgebaute fasziale Vorspannung ermöglicht äußerst explosive, schnelle Kräfte für alle Stoß-, Zug-, Schlag-, Reiß-, Kickbewegungen

– Ballengang im Alltag zwingt den Körper dazu, sich im Sinne einer Doppel-Z-Kraftlinie neu zu sortieren. In der Kampfkunstanwendung führt das einerseits zu einem veränderten (und variablen) Körperschwerpunkt und

– andererseits zu mehr Stabilität bei Kraftübertragungen aller Art z.B. auf einen Übungspartner bzw. Gegner

– bei Kampfkünsten mit Kontaktübungen (ChiSao, PushHands, ReakTsun, KaKie, …) verändern sich Distanz und Kontaktpunkt hinsichtlich mehr Möglichkeiten

– Ein fortgeschrittener Ballengänger fällt weicher und ist schneller wieder auf den Beinen. Grund hierfür ist die automatische Nutzung von mehr Körpersegmenten und Gelenken

– …. (es ergeben sich auch noch feinere sehr spezielle Fertigkeiten allein durch das ganzkörperliche Ballengangmuster)

Wie wir sehen, wird nur durch eine einzige Veränderung einer Basisbewegung, dem Gehen, eine regelrechte Lawine von positiven Entwicklungen in der Kampfkunstpraxis losgetreten. Das alles ist nur möglich, wenn man freiwillig -oder wie so oft unfreiwillig durch Schmerzen- die Bereitschaft für Entdeckungen aufbringt. Es gilt auch hier der Satz:

„Der Apfel fällt ganz von selbst vom Ast – WENN er reif ist!“

Mit freundlichen Grüßen, Stefan Heisel

PS: Lieber Leser, sind SIE schon reif für den Ballengang?

Falls ja, lade ich Sie herzlich zu meinem kostenlosen Intensiv-Email-Kurs ein!

-> hier gehts direkt zum Kurs

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: