Selbst Fühlen oder Nachahmen?


Äthioperin2_Fersengang

Möchten Sie diese Äthiopierin nachahmen?

Der aufrechte Gang: Ahmen Sie nach oder fühlen Sie schon?

 

Liebe Leser,

ich erhalte von vielen Klienten, die erkannt haben, dass richtiges Gehen eine der Säulen für körperliche Gesundheit darstellt, oft solche oder ähnliche Fragen:

 

– Wie genau funktioniert denn der natürliche Ballengang?

– Welche Bewegungen gehören denn genau dazu, wie muss der Fuß denn aufsetzen?

– Warum funktioniert bei mir der Ballengang nicht genau so wie bei anderen?

– Weshalb muss ich mich so furchtbar anstrengen, um überhaupt mit dem Vorfuß zu landen?

– Ist Ballengang wirklich so schwer?

 

Viele der Fragen habe ich mir auch selbst oft gestellt, ich habe versucht, diverse Übungen möglichst genau umzusetzen und dann immer wieder festgestellt, dass ich im Alltag selten etwas davon umsetzen kann, spätestens dann nicht, wenn ganz andere Themen im Kopf waren und somit die Konzentration auf’s „richtig machen“ flöten ging.

 

Wie kam das und was ist im Laufe der Jahre anders geworden?

 

Um eine Sache vorweg zu nehmen: Immer wenn wir grundsätzlich neue Dinge lernen, eine Sportart, ein Musikinstrument, ein Handwerk etc. müssen wir die Aufmerksamkeit auf eine einzige Sache lenken. Sei es eine bestimmte Handhaltung, ein Entspannen in der Schulter, auf die Atmung, auf einen Gegenstand … Das bedeutet, dass andere Funktionen außerhalb dieses Fokus dabei nicht mehr unserer Kontrolle unterliegen und dementsprechend unharmonisch mit dem Restkörper laufen.

Dieser Sachverhalt ist völlig normal und Teil des Lernens von ganz neuen Bewegungsmustern. Momentan bin ich auch wieder in der Situation, Neues zu lernen und komme in den Genuss dieses anfänglich unkoordinierten Verhaltens. Ich finde das übrigens sehr angenehm, weil es zeigt, wie sehr das Nervensystem am Arbeiten ist.

 

Bei diesen Lernvorgängen kann man es sich allerdings einerseits leichter machen, andererseits aber auch unnötig schwer. So gibt es Menschen, denen neue Bewegungen scheinbar einfach so zufließen und Menschen, die sich gerne als „Bewegungslegastheniker“ bezeichnen und schier endlos auf der Stelle treten. Man könnte es sich jetzt einfach machen und behaupten, dass dies alles anlagebedingt sei und der eine eben schneller lernt während ein anderer untalentiert ist. Dennoch schaffen es aber nicht selten scheinbar „Untalentierte“ letztlich außerordentliche Fertigkeiten zu entwickeln. Wie kann das sein? Und was hat das alles mit natürlichem Gehen zu tun?

 

Nicht umsonst wissen wir, dass am Ende nicht das Talent entscheidet, sondern die „Arbeit“ dahinter, also die Wiederholfrequenz, die Beharrlichkeit und die Fehlerakzeptanz beim Üben.

Je häufiger ich Fehler aufspüre und durch Wiederholung und Intensität des Tuns diese Fehler abarbeite, desto konstanter ist der Fortschritt.

Wenn ich aber etwas „üben“ möchte, das im Grunde genommen schon im Körper angelegt ist, müssen wir ganz anders herangehen als beim Erlernen neuer körperfremder Techniken. Das bedeutet, dass hier eben nicht beharrlich wiederholt, auf Fehlerfreiheit überprüft und dann bis zur „Perfektion“ erarbeitet werden muss, ja nicht mal darf. Denn dann würde man ja etwas tatsächlich Neues antrainieren und eben nichts Natürliches! Ballengang ist aber die natürliche menschliche Art der Fortbewegung (auch wenn wir uns auf sehr mannigfaltige Arten, je nach Zweck bewegen können!)

 

Beim Ballengang kommt es deshalb darauf an, abseits von fremden exakten Anweisungen einen eigenen Weg zu finden, wie der eigene Körper zu eigenen Bewegungen findet, indem er in die Lage versetzt wird zu FÜHLEN, was er tatsächlich an Bewegung braucht.

 

Der Schlüssel zum richtigen Gehen liegt demzufolge darin, zu einem natürlichen und intuitiven Bewegungsrezept zu finden. Und worin liegt dieser Schlüssel zur intuitiven Bewegung?

 

-> In der Wahrnehmung! Genauer gesagt in der sogenannten Tiefenwahrnehmung.

 

Je tiefer (also freier von jeden Gedanken und Bewertungen) ich meinen Körper wahrnehme bei meinem aktuellen Tun, desto überwältigender ist das Ergebnis der darauf resultierenden Körperbewegungen.

 

Der nächste Ballengang-Workshop soll genau unter diesem Motto stehen:

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Besser Bewegen – Besser Leben:

 Ballengang – leicht gemacht!

-Ein besonderer Workshop für natürliche Fortbewegung-

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Samstag, 31.05.2014    11:00 bis 15:00 Uhr

Kulturverein Wespennest, Friedrichstr. 36

67433 Neustadt a.d. Weinstraße

-> google maps

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Fühlen – Selbst Entdecken – Umsetzen

 

Der Workshop findet in drei Teilen statt:

 

# In Teil 1 werden die Teilnehmer aus erster Hand in die wichtigsten Basisübungen zum Ballengang eingewiesen. Erfahren Sie, wie das Steppen, die „Steine im Flussbett“ als Partnerübung, das Beckengehen, die Rumpflänge, die ZZ-Linie und mehr genau gemeint sind und lassen Sie sich individuell in die Bewegungsabläufe führen.

 

# In Teil 2 erlernen Sie die Torsokalibrierung aus Bodymotic® – die erste und gleichzeitig intensivste Übung meiner Körperbewegungslehre, um schrittweise im vollkommenen Lot aufrecht und maximal entspannt stehen zu können.

 

# in Teil 3 nutzen Sie das neu erworbene Körpergefühl, um ihre ganz eigene, für Sie persönlich stimmige Hauptübung für das natürliche Gehen zu entwickeln.

 

Ich kann Ihnen jetzt schon versprechen, dass dieser Workshop sehr spannend und aufschlussreich werden wird.

 

Kosten: 79,- €

Teilnehmerzahl: 6  bis max. 12 Erwachsene

->Jetzt anmelden und Ihren Teilnahmeplatz sichern <-

Ballengänger2

 

Ich freue mich darauf, Sie persönlich kennen zu lernen und mit Ihnen zu arbeiten! 

Mit freundlichen Grüßen

Stefan Heisel

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4 responses to this post.

  1. Posted by Petra on 6. Mai 2014 at 12:43

    Super Beitrag! Aber „Möchten Sie diese Äthiopierin nachahmen?“ Da bin ich mir nicht so sicher.

    Auch wenn das Bild recht klein ist und man nur eine kurze Momentaufnahme zu sehen bekommt, sieht es irgendwie eher danach aus als würde sie sich im Fersengang fortbewegen oder ?

    mfg p h

    Antwort

    • Posted by Stefan Heisel on 6. Mai 2014 at 13:21

      Hallo Petra, danke für dein Feedback. Tatsächlich ist dieses Bild eine Momentaufnahme aus einem kurzen Filmbeitrag, den ich entdeckt habe. Und ja, sie geht tatsächlich im Fersengang. Man sollte also schon sehr genau selbst spüren, welche Bewegung denn nun tatsächich wann ideal ist. Abschauen und nachahmen oder auch idealistisches Denken hilft tatsächich wenig. 😉 Liebe Grüße, Stefan Heisel

      Antwort

  2. Posted by Petra on 7. Mai 2014 at 06:03

    Okay das hätte ich nicht erwartet. Es gibt tatsächlich Situationen in denen es besser ist im Fersengang zu gehen?

    Sie scheint schon auf einem unebenem Weg mit Steinen zu gehen und das ohne Huarache oder ähnliches Schuhwerk.

    Gerade da empfinde ich es als sehr unvorteilhaft mit der ungedämpften Ferse zuerst aufzutreten.

    Zumal sie noch einen Krug auf dem Kopf balanciert. Wäre da nicht ein gedämpfter natürlicher Ballengang angebrachter ?

    Ich habe schon oft versucht Filmmaterial zu finden über Naturvölker um zu sehn wie sich diese fortbewegen. Ganz natürlich ohne Einfluss sondern aus dem Bauch herraus. Leider findet man wenig. Beine sind nicht im Bild , sie sitzen, jagen im Wald wo man kaum etwas erkennt usw…

    Ich bin nun ein klein wenig verunsichert und „verwirrt“. Ist der Fersengang nun doch natürlicher als ich dachte? Auch wenn er irgendwie anatomisch nicht viel Sinn macht?

    Fersengang (Barfuß) ist doch nahezu unmöglich wenn man nicht gerade über eine
    Wiese oder durch eine Sandwüste geht.

    Auf halbwegs stabilem,festem Boden fallen einem doch nach 10m die Ferse ab deshalb trägt der Mensch ja Schuhwerk mit möglichst gedämpfter Hackenregion um es sich selbst erst möglich zu machen sich so fortzubewegen.

    mfg P h

    Antwort

    • Posted by Stefan Heisel on 7. Mai 2014 at 22:08

      Eben drum habe ich genau nach solchen Beispielen gesucht, bei denen man scheinbar „Unerwartetes“ sieht. Es gibt generell nicht DAS Gehen, sondern eine mehr oder minder ökonomische oder für den Zweck sinnvolle Art, sich zu bewegen.
      Wenn man zum Beispiel eine größere Last trägt, kann man nicht mehr im Gang federn und bewegt sich auf einem gleichbleibenden Niveau. Das funktioniert mit Ballengang nicht, es sei denn man schleicht und setzt so sehr langsam einen Fuß auf dem Ballen vor den anderen. Schleichen hat aber mit Ballengang auch nicht viel zu tun, weil dabei keine Faszienspannung im Körper entsteht, die zur Dynamik des Ballengangs zwingend gehört.
      Auch der Einsatz des Körpergewichts spielt eine wichtige Rolle. Wenn ich mich aus Balancegründen nicht leicht nach vorne neigen kann beim Gehen, lande ich nie auf dem Ballen, ohne künstlich einen gestreckten Fuß zu erzeugen.
      Elastisches Gehen funktioniert auch, ohne, dass man immer mit dem Ballen landen muss. Es ist eine Frage des gesamten Körperspiels.

      Ich unterstelle auch nicht unbedingt allen Angehörigen eines „Naturvolkes“ (was ist das eigentlich?), dass sie ein gutes Körpergefühl haben müssen. Auch diese Menschen haben ihre eigenen Probleme und Schwächen und machen lange nicht alles „einfach so“ optimal.

      Um so wichtiger ist es, die eigene Körperwahrnehmung und die Natur der eigenen Bewegungen richtig zu verstehen. Das kann man nur selbst. Jemanden zu kopieren würde bedeuten, die äußeren Bewegungen eines anderen in sich hinein zu zwängen.

      Wenn man aufmerksam horcht, zum Beispiel in einem Mehrfamilienhaus mit mehreren Stockwerken, dann hört man unerhört viele Menschen, auch sehr junge, wie sie barfuß in ihrer Wohnung auf Laminat oder dünnem Teppich im Fersengang trampeln. Es geht also … 😉

      Nichtsdestotrotz verfechte ich ja den Ballengang als Folge einer intensiveren Körperarbeit, die sich jeder selbst erarbeiten kann. Ob das durch Nachahmen gelingt … das ist ja die Frage.

      Viele Grüße, Stefan Heisel

      Antwort

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