Ab wann können Kinder richtig laufen


Kinder_richtig_laufen_Ballengang
Sind Kinder unsere Vorbilder beim Laufen?

Liebe Leser,

in einem recht aktuellen Bericht der Sendung „Kopfball“ des WDR wurde anhand von Videoanalysen die Entwicklung des Laufens bei verschieden alten Kindern zwischen 2 und 11 Jahren dargestellt.

Bei diesen Videoaufnahmen, die Sie bei unten stehenden Link ansehen können, samt Bericht, erkennt man sehr deutlich, wie unterschiedlich Kinder sich bewegen, besonders hinsichtlich ihrer Proportionen und ihrer körperlichen Entwicklung.

Von Ballengang bzw. Ballenlauf ist interessanterweise nur bei dem 11-jährigen Mädchen etwas zu erkennen. Gerade der 2-jährige kann mit seinem physiologischen (also entwicklungstechnisch „normalen“) Knickfuß und den x-Beinen noch gar nicht sicher über den Ballen laufen, auch fehlt die Kraft für den dafür notwendigen Abdruck mit dem Ballen des hinteren Beines. (Dazu muss ich auch, etwas schmunzelnd, erwähnen, dass in der Nachbarschaft eines Bekannten von mir ein ca 18 Monate altes Kind ein Stockwerk tiefer lebt, das man sehr häufig „wie ein Maschinengewehr“ durch die Wohnung rennen hört. Die kurzen Beine machen eine ganz schön hohe Frequenz in „bummbummbummbummbummbumm“ – auch hier findet beim Laufen kein Ballengang statt.) Bei dem 7-jährigen Kind liegt eine Assymetrie vor. Der linke Fuß läuft über den Ballen, der rechte über die Ferse. Darauf wird natürlich nicht eingegangen, obwohl das überdeutlich ist. Ebensowenig wie auf generelle Bewegungsauffälligkeiten, die Kinder in jedem Alter haben können und diesen Versuch bei Einzelfällen ja eigentlich allgemein unbrauchbar bzw. ungültig machen. 😉

Davon abgesehen bildet sich das Fußgewölbe ungefähr innerhalb der ersten sechs Lebensjahre überhaupt erst richtig aus- später dann die Knieposition. VORAUSGESETZT das Kind durfte sehr viel barfuß gehen und auch viele Untergründe ergründen! Daher kann man zuvor noch nicht von einem Gehmuster sprechen, das ein ausgewachsener Mensch imitieren sollte bzw. woran er sich zwingend orientieren sollte. Uns bleibt nichts anderes als unserem Körpergefühl zu trauen und uns notfalls an Menschen zu orientieren, die über viel Körperbewusstsein und Praxis verfügen.

Dennoch finde ich die Aufnahmen, eventuell auch für Fachleute aus der Sportmedizin, Physiotherapie etc., recht interessant, da man sehr viel erkennen kann. Hier also der Bericht des WDR:

Ballengang_Laufen_Lernen_Kinder

Viel Spaß und viele Grüße von Stefan Heisel

Barfußlaufen vs Schuheinlagen


Wozu benötigen wir eigentlich Schuheinlagen, Fußbett oder gar Absätze, wo es doch recht eindeutig an der Fähigkeit mangelt, sich als gesunder Mensch so zu bewegen, wozu sich der Körper recht ausgeklügelt nun einmal entwickelt hat?

Bevor wir der Frage genauer auf den Grund gehen verweise ich gerne auf einen kurzen Artikel aus Umwelt-Panorama.de:

[…eine Studie der Universitätsklinik für Orthopädie in Wien, für die mehr als 800 drei- bis sechsjährige Kinder untersucht wurden. Sie ergab, dass 54 Prozent der Dreijährigen einen Knick-Senkfuß hatten, während diese Fehlbildung nur noch bei 26 Prozent der Sechsjährigen auftrat. Nur in einem einzigen Fall war der flache Fuß eines Kindes krankhafter Natur. Allerdings trug jedes zehnte untersuchte Kind Einlagen, obwohl eine gesunde Fußwölbung erst im Laufe der ersten sechs bis zehn Jahre durch Laufen, Rennen und Spielen erworben wird….]

zum ganzen Artikel: http://umwelt-panorama.de/news.php?newsid=160010

Wenn man solche und ähnliche Meldungen (Beispielweise über echte Haltungsschäden bereits bei Kindern) liest, stellt sich die Frage nach Eigenverantwortung. Weder Schuhindustrie noch traditionelle Medizin, auch nicht die Schule incl. Lehrer sind über elementare Dinge wie Bewegung ausreichend im Bilde, obwohl dies einen fundamentalen Bereich unserer Entwicklung darstellt. Nicht ausreichend bedeutet quasi mangelhaft.

Also müssen wir uns selbst darum kümmern, dass es uns bzw. unseren Kindern auch in diesem Bereich möglichst gut geht.

Was das Gehen betrifft, spielt leider nicht nur das Schuhwerk eine tragende Rolle, sondern auch unsere zivilisierte Umwelt mit den ebenen asphaltierten Straßen an sich. Dort wo Fahrzeuge mit runden Rädern prima vorankommen, ist unsere Anatomie langfristig auf verlorenem Posten. Sorgen wir also neben dem richtigen Schuhwerk (wenn es denn sein muss) und der richtigen Motorik auch auf eine körperfreundliche Geh-Umgebung!

Mein Empfehlung geht ganz klar dahin, dass Sie – spätestens wenn die Temperaturen es erträglicher machen – so oft wie möglich wirklich barfuß unterwegs sind. Das heißt gleichzeitig, dass sie raus aus der Stadt sollten und nicht-asphaltierte Wege und Pfade begehen sollten. Ein besseres Training für ihren gesamten Körper gibt es nicht – sofern das Gehen so überhaupt möglich ist!

Gleichzeitig ist es auch ein Test für Sie, inwieweit ihre Gehfähigkeit überhaupt noch richtig funktioniert oder inwieweit sie auf die Prothese „Schuh“ zwingend angewiesen sind.
Wann sind Sie das letzte Mal bei schönem Wetter komplett barfuß durch einen Wald gewandert?

Ich bin mir sicher, dass leider sehr viele Menschen das Barfußgehen außerhalb von gefließten oder mit Teppichen oder Laminat ausgelegten Räumen verlernt haben. Oder liege ich sehr falsch? 🙂

Lassen Sie sich gerne dazu motivieren, am nächsten Tag, der über 15° C und Sonnenschein hat, eine halbe Stunde barfuß durch Wald oder Feld zu gehen und berichten Sie darüber, um mir das Gegenteil zu beweisen. 🙂

In diesem Sinne, auf hoffentlich baldiges wärmeres Wetter!

Mit freundlichen Grüßen, Stefan Heisel