Ballengang-Erfahrungen (1) Meine Wiederentdeckung des Ballengangs


Liebe Leserinnen und Leser,

ab heute startet eine neue Serie auf ballengang.de.

In regelmäßigen Abständen werden hier reale Erfahrungsberichte von Ballengang-Praktikern veröffentlicht, die Ihnen dabei helfen können, sich entweder tatsächlich an das Thema heranzuwagen, wertvollen Erfahrungsaustausch oder praktische Tipps aus erster Hand zu erfahren.

Sie sind dazu eingeladen, ihre eigenen Erfahrungen als Kommentar zu hinterlassen.
Oder verfassen Sie Ihre eigene Geschichte als eigenen Artikel hier im Blog (mit oder ohne Namen oder ggf eigenem Link)!  -> email an info(at)ballengang.de

Nun viel Spaß beim Lesen:

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Ballengangbericht von Christian Steiger ( http://yoga-moment.de)

Lieber Stefan,

Ich habe vor einem Jahr mit deiner Anleitung wieder den Ballengang erlernt. Es fing damit an, dass mir immer mehr bewusst wurde, wie die Schläge beim Gehen zu Schmerzen im Knie führten und ich mir sogar über die Erschütterungen im Kopf beim schnellen Gehen bewusst wurde. Es war von Anfang an ein gutes Gefühl, auf dem Ballen zu gehen, jedoch …
-> Zum kompletten Bericht von Christian Steiger…

-> zu allen bisherigen Erfahrungsberichten

 

 

 

Richtig Gehen Lernen (7a) Ballengang hat nichts mit den Füßen zu tun.


Ballengang-TorsoSehr geehrte Leser,
wenn von Ballengang die Rede ist, fällt auf, dass die Aufmerksamkeit stets auf die Füße gerichtet ist. So bestimmt sehr oft allein die Erstberührung der Füße bei der Landung die ganze Gangart. Auch wird „Ballengang“ und „Barfußgang“ sehr oft als Synonym benutzt. Infolgedessen versprechen sogenannte „Barfußschuhe“ ein anderes, besseres Gehen. Auch Fußgymnastik rückt in den Vordergrund, wenn das Gangbild verbessert werden soll. Und nicht zuletzt beinhalten sogar professionelle Ganganalysen, die meist auf Laufbändern durchgeführt werden, lediglich Aufnahmen vom Knie abwärts …
Doch kann unser Gehen oder Laufen aufgrund von Modewörter wie Ballengang, Fersengang, happy feet, gesunde Sohlen etc. wirklich auf dieses Detail in den Füßen beschränkt werden?

Je länger ich mich mit funktionellen Alltagsbewegungen beschäftige, desto unkomplizierter und minimalistischer stellt sich das Konzept natürlicher Bewegung dar. Es geht letzten Endes gar nicht um Ausführungsdetails bestimmter Körperteile; vielmehr bestimmt der Gesamteffekt aller Teile die Qualität einer Handlung oder einzelnen Bewegung.

Schauen wir uns das Gehen an, dann bestimmt auch hier immer die Gesamtheit aller Bewegungen die momentane Gangart und damit auch die Gangqualität.

Welcher Bereich unseres Körpers nimmt dabei den größten Einfluss auf die Gesamtbewegung?
Nicht die Zehen, nicht die Hand, nicht der Fuß oder das Knie…

Es ist der Rumpf, bzw. Torso als eine eigene bewegliche Einheit. Von ihm haben alle Körperbewegungen ihren Ursprung. Und nicht nur die Bewegungen an sich haben ihren Ursprung im Rumpf – viel einfacher gesehen entspringen alle Extremitäten und auch der Kopf dem Rumpf ebenso wie die Muskeln und Sehnen, die für die Bewegung der Extremitäten verantwortlich sind.

Um sich das vorstellen zu können, machen wir einen kurzen Test, sofern Sie gerade Gelegenheit haben:

Wir laufen in einem moderaten Tempo geradeaus. Dann möchten wir so schnell wie möglich um 180° drehen und in die andere Richtung laufen. Wie schaffen wir das am effizientesten?(am Schnellsten, mit dem wenigsten Kraftaufwand, …)

An dieser Stelle würde jetzt in [Seminaren] tatsächlich praktisch getestet, auf welche Lösungen der Körper intuitiv kommt. Für Blogleser kürzen wir das etwas ab:

Versuchen wir mal beispielhaft zwei Möglichkeiten:

  1. Wir achten darauf, bei der plötzlichen Drehung tunlichst auf dem Ballen bzw. der Ferse zu bleiben (je nachdem, welchem „Glaubenssatz“ man angehört)
  2. Wir laufen bewusst im Doppel-Z (Hüfte hinter dem Brustbein) und rotieren beim Richtungswechsel betont das Becken um 180°, wobei sich die neue Rumpfausrichtung sofort in die neue Richtung stabilisiert. Wir beobachten dabei quasi „nebenher“, was der restliche Körper, insbesondere die Füße, Beine, Arme, Kopf so anstellen.

Welche Bewegungspriorität fühlt sich am agilsten und leichtesten an?

Interessanterweise werden wir bei der zweiten Wendemöglichkeit beobachten, dass wir aus dem Vorfuß arbeiten, obwohl wir darauf gar keine Aufmerksamkeit gerichtet haben.
Genau das gleiche Phänomen passiert uns, wenn wir auf der Stelle hüpfen oder eine Treppe hinab steigen.

Wir merken dabei, dass die Verwendung des Fußballens ganz intuitiv und selbstverständlich passiert. Und zwar dann, wenn der Körper abgefedert werden muss, weil der Körperschwerpunkt genau über den Füßen landet. Es muss also gar nicht so sehr gelernt werden, wie man „richtig“ auf dem Fuß landet, denn das ist eine angeborene intuitive Fähigkeit.

Was wir offensichtlich verlernen, ist die Relation, das Verhältnis und das Zusammenspiel zwischen Rumpf und Beinen. Dadurch entsteht ein schweres, unharmonisches Gangbild. Die Beine werden dabei verfrüht nach vorne geworfen, um gestreckt auf einer (schuhgedämpften) Ferse zu landen. Der Rumpf hat dabei aber noch ein zweites Problem:

Nicht nur, dass er sich nicht an der für die Dynamik passenden Position in der Bewegung befindet – auch findet im Rumpf selbst kaum Aufrichtung statt. Er nimmt in der Gehbewegung annähernd die Haltung ein, die er auch beim (falschen) Sitzen innehat: passiv, gestaucht, fest. Beides zusammen schafft eine Fortbewegung, die nicht zu den natürlichen Anlagen der Muskeln, Gelenke, Knochen und Faszien passt. Natürlich führt das auch zu einer Degenration der Füße. Dennoch ist es nicht dauerhaft hilfreich, sich bei der Beschäftigung mit dem Gehen vorwiegend mit den Füßen zu beschäftigen. Diese sind nur ein Teil einer Bewegungskette, deren Ursprung der Rumpf ist.
“Ballengang“ ist deshalb auch ein ebenso irreführender Begriff wie „Barfußgang“.

Ich möchte an dieser Stelle für heute Schluss machen und Ihnen die Frage stellen:

Wie erkennt man die Leichtigkeit des natürlichen Gehens?
Tatsächlich an der Landefläche des vorderen Fußes oder an etwas ganz anderem?

Im nächsten Teil werden wir anhand eines Videos schauen, was es mit Ballengang und Rumpf und Füßen auf sich hat….

Ich wünsche bis hierhin viel Spaß beim entdecken,

Ihr Stefan Heisel Stefan_Heisel_Naturerlebnis_Ballengang

Richtig Gehen lernen (6a) Der Bodenkontakt


Richtig Gehen Lernen (6a)
Richtig Gehen Lernen (6a)

Hallo liebe Leserinnen und Leser,

 

Jetzt, wo die heiße Phase der Vorweihnachtszeit gestartet ist, greife ich auf ein viel diskutiertes Thema zurück und lade Sie auch gleich zum aktiven Mitwirken ein.

 

Wie berühren denn Ihre Füße beim Gehen den Boden?

Welcher Fußteil landet als erstes (Initialkontakt), welche Teile folgen und wie geht es mit dem Bodenkontakt weiter, wenn wir uns wieder abdrücken?

Die meisten Fachleute schauen sich hierzu die Knochen an und konstruieren aus ihrem Bau ein Konstrukt, welcher Teil der Ferse beispielsweise in welchem Winkel „aufzutreten“ hat, um Kräfte optimal zu kompensieren.

Nun, wären wir ausgestorben und jemand würde anhand von Knochenfunden unsere Lebensweise erforschen, dann müsste man so vorgehen. Glücklicherweise erfreut sich unsere Spezies aber noch munter des Daseins und wir können doch uns selbst befragen, wie unser Körper real funktioniert.

 Wir können so viel beobachten, an uns selbst und an anderen, an sehr jungen und an sehr alten Mitmenschen, also: nur zu!

Fangen Sie bei sich selbst an, ziehen Schuhe und Socken aus (wenn es natürlich von Ihrem jetzigen Standpunkt machbar ist 😉 ) und fühlen Sie genau, was Ihre Füße so tun – wann sie wie die Erde berühren bei einem normalen aber sehr bewussten Gang von Wohnzimmer zu Küche.

Auf den folgenden Szizzen sind verschiedene Möglichkeiten dargestellt, in welcher Reihenfolge der Bodenkontakt eines rechten Fußes im Verlauf eines Schritts geschehen kann.Versetzen Sie sich einfach mal genau in die Bewegung, die Ihnen am Schlüssigsten erscheint und klicken Sie Ihren persönlichen (aber anonymen) Tipp in dem Kasten unter dem Bild:

Folgende sechs Möglichkeiten sind gegeben:

Ballengang und Bodenkontakt    

In zwei Wochen, also zu Jahresbeginn 2015, erscheint die Auflösung an dieser Stelle in ausführlicher Form! 😉

Ich wünsche viel Spaß beim Ausprobieren und freue mich auf Ihren Tipp und/oder Kommentar!

Herzliche Grüße, Ihr Stefan Heisel

Richtig gehen am Strand!?


oder: Wer nutzt tatsächlich barfuß den Ballengang?

Ballengang_Heisel_Strand1

Liebe Leser,

ich höre immer wieder das Argument, dass man barfuß auf einem natürlichen Untergrund automatisch in den Ballengang bzw. Vorfußgang verfällt.

Bei meinem neuerlichen Mittelmeerurlaub packte ich deshalb die Gelegenheit beim Schopfe und beobachtete Menschen, die am Strand entlangliefen. Der folgende kleine Filmausschnitt wurde aus einer zufälligen ca 10-minütigen Aufnahme an einem Strand auf Mallorca zusammengeschnitten. Bevor Sie den Clip anschauen, stellen Sie sich doch mal die Frage, was Sie erwarten bzw. selbst bereits (auch an sich selbst) beobachten konnten:

Wer geht Ballengang….?

 

 

Haben Sie es angesehen? Wie ist das zu erklären? Gehen so viele Menschen grundsätzlich falsch? Kann man auf diesem Sandboden überhaupt den Fußballen nutzen?

Wir haben tatsächlich sehr viele Arten und Nuancen für die Fortbewegung – je nach Untergrund, Tempo, Richtung, Gefälle/Steigung, Schuhwerk, mitgeführter Last und Stimmungslage.

Anders als bei den meisten Landtieren steht uns mit dem Fuß eine große Oberfläche (5 Zehen, Vorfuß, Mittelfuß, Ferse, 28 Knochen, 19 Muskeln, 107 Sehnen/Bänder) und ein entsprechend hoch entwickeltes Nervengeflecht zur Wahrnehmung zur Verfügung. Er steht der Hand dabei in nichts nach.

Dagegen laufen die meisten Landtiere z.B. nur auf je 1 bis 4 Zehen oder auch noch auf dem Vorfußballen, was die Möglichkeiten im Vergleich zum Mensch von vornherein eingrenzt.

Bei einem Pferd stellt sich also nicht die Frage nach Vorfuß oder Ferse.  Ebensowenig beim Hund oder Schwein.

Warum also nutzen offensichtlich die meisten zivilisierten Menschen sogar barfuß am Strand den eher stumpfen Fersengang? 

  • Eine Erklärung besteht für mich darin, dass sich durch sehr frühes Tragen von ungünstigen Schuhen vereint mit dem vorherrschenden Vorbild ein faktisch millionenfach wiederholtes Bewegungsmuster ausgebildet hat, das exakt auf die Situation *„gleichförmiges Gehen auf dem Absatz in harten engen Schuhen auf Asphalt“ konditioniert ist. Durch diese extrem häufige Wiederholung des gleichen Bewegungsablaufs (Wir gehen durchschnittlich 100.000km im ganzen Leben, was in etwa 80 Millionen Schritte bedeutet) und der zusätzlichen Desensibilisierung des Fußes (v.a. in Schuhen) bleibt die bewusste und angemessene Anpassung an die Situation und den Untergrund im Detail aus. Die Füße (und damit auch der gesamte Körper) realisieren nicht mehr ohne Weiteres, dass es auf Sand, auf Gras, auf Stein barfuß jeweils ganz anders ist als in beengenden Schuhen. Ausgenommen es schmerzt richtig (z.B. durch Stacheln, Steinchen) In diesem Fall wird der Gang ohnehin barfuß vorsichtig tastend, was aber nichts mit dem eigentlichen Ballengang (Muskel-/Faszienkette) zu tun hat.

Die Folge davon: Man geht, wenn es nicht gerade schmerzt, auf nahezu jedem ebenen Untergrund nach Schema F (s.o.*), egal ob barfuß oder mit Schuhen. Also auch am Strand auf bestem Ballengangterritorium. 😉

 

  • Eine weitere Erklärung sähe ich noch darin, dass zumindest in tieferem lockerem Sand, der keinen festen Halt und Abdruck bietet, tatsächlich kein Ballengang möglich ist. Hier brauchen wir ähnlich wie bei Schnee einen mehr stapfenden Gang mit mehr Knieeinsatz, der die gesamte Fußfläche als Abdruck nutzt, egal wie wir landen. In dem Video oden ist jedoch das Gehen auf festerem feuchten Sand am Wellenauslauf zu sehen.

 

Kann man sich folglich an diesem Strandabschnitt überhaupt im Ballengang bewegen?

Nun, ich habe selbstverständlich auch immer mal wieder Menschen am Strand (und überhaupt) entdeckt, die barfuß tatsächlich ein nahezu astreines Ballengangmuster benutzen – unbewusst und natürlich. Meistens handelt es sich dabei um Kinder oder junge Erwachsene. Bis dato ist es mir alledings nocht nicht gelungen, ausgerechnet dann schnell genug eine Spontanaufnahme zu machen. Zudem kommt es nicht sehr häufig vor.

Deshalb bat ich jemand, mich an der selben Stelle wie oben gezeigt beim Gehen am Strand zu filmen.

Aber aufgepasst: Wenn Sie genau hinsehen, fällt Ihnen u.a. ein Reflex beim jeweiligen Fuß kurz vor dem Aufsetzen auf, den ich nicht willkürlich steuere und auch nicht im Normaltempo unterdrücken kann. Diese fühlende fächerförmige Spreizbewegung der Zehen sieht man auch bei Kleinkindern sehr deutlich, die gerade sicher gehen können.

Resumée: Wie wir feststellen, geht bei den meisten Menschen nicht alles sofort automatisch richtig, kaum dass man die Schuhe auszieht und durch Sand und Wiese läuft. Auch bei mir dauerte es eine geraume Zeit, bis sich die (auch bei Ihnen bereits vorhendenen) natürlichen Bewegungsmuster wieder entfaltet haben. Aber:

Alles ist möglich, wie ich auch sehr oft von Lesern, Klienten und Kollegen bestätigt bekomme.

Egal wo Sie jetzt stehen wird jeder einzelne bewusste Schritt im nun neuen-alten Ballengangmuster Ihren gesamten Körper funktionstüchtiger machen.

Probieren lohnt in jedem Fall!

Ich wünsche Ihnen viel Freude beim Bewegen und Erforschen,

Ihr Stefan Heisel

 

 

Sind Barfußschuhe böse?


oder: Kann man Natürlichkeit einfach kaufen?

Ballengang_Teufel

 

Sehr geehrte Leser,

was würden Sie davon halten, wenn jemand von Ihnen Schadenersatz dafür verlangt, dass er es nicht schafft, sich natürlich zu bewegen?

Das klingt so ausgedrückt recht schräg, aber um nichts anderes handelt es sich in dem HIER veröffentlichten Titel von Spiegel online.

(http://www.spiegel.de/gesundheit/ernaehrung/barfussschuhe-vibram-entschaedigt-us-kaeufer-der-fivefinger-schuhe-a-968695.html)

Inhaltlich geht es darum, dass Schuhfirmen wie Vibram, Reebok und Sketchers in den U.S.A. von Kunden verklagt wurden, die angeblich durch das Tragen von Barfußschuhen gesundheitliche Probleme bekommen haben.

Um das zu verstehen, muss man sich vergegenwärtigen, welchen Effekt Barfußschuhe im Allgemeinen haben (wenn sie gut sind!):

– Der Fuß wird so weit wie möglich in den Zustand versetzt, den er beim Gehen und Laufen von Natur aus hat. Der Unterschied zum reinem barfuß sein besteht nur darin, dass eine 2-4 mm dünne flexible Sohle, den Gehenden vor Verletzungen schützt. Keine künstliche Dämpfung, keine Absatz, volle Zehenfreiheit.

Die betreffenden Kunden haben also Schäden durch geschütztes barfuß Gehen bzw. Laufen zu beklagen und machen denjenigen dafür verantwortlich, dessen Produkte dies möglich machen … ?

Das Verständnis dafür, was hier schiefgelaufen ist, bedarf etwas thematischen Ausholens:

Grundsätzlich ist der Ansatz hin zur Rückkehr zu natürlicher und damit evolutionär optimal angepasster Bewegung sehr zu begrüßen. So steht es außer Frage, dass die Mehrheit aller Beschwerden auf körperlicher Ebene -neben dem Übergewicht- vor allem in früh einsetzender Falsch- oder Mangelbewegung ihre Ursache haben. Keinen unbeträchlichen Anteil daran haben zweifelsohne auch Schuhe, die uns von Kleinkindalter an lehren, dass die Zehen seitlich gequetscht, die Unterlage immer gleich beschaffen, das Längsgewölbe von unten künstlich gestützt („Fußbett“ -> Gute Nacht, Füße! 😉 ) gehören und – letztlich – dass es immer etwas mehr bergab geht als tatsächlich in der Realität vorgegeben (Absätze oder Sprengung).

Stellen Sie sich doch einmal vor, sie trügen seit Ihrem ersten Lebensjahr für durchschnittlich 12 Stunden täglich enge, dicke und steife Fäustlinge, um Ihre Hände zu schützen….

Was geschieht mit der Sensibilität, der Muskulatur, dem Bindegewebe im Lauf von Jahren und Jahrzehnten, wenn das entsprechende Körperteil nicht voll in Gebrauch ist?

-> Die Strukturen und Funktionen bilden sich zurück und zwar nachhaltig!

Auch der Restkörper passt sich der Degeneration an und bewegt sich insgesamt nicht mehr optimal. Er kompensiert statt dessen zum Beispiel das fersenlastige Gehen oder das bergab Gehen (in Absätzen) dauerhaft und kennt nach längerer Zeit nicht mehr ohne weiteres die ursprüngliche angeborene Funktion.

Bezogen auf die Füße:

Jahrelange Einschränkung bzw. auch „Verwöhnung „der Füße führt zu Veränderung in der Struktur des Fußes selbst – aber auch zu veränderten Bewegungen des ganzen Körpers beim Gehen und Laufen. Stellt man nun durch Schuhe die Biomechanik her, die ein Barfuß-Bewegungsmuster erfordern aber andererseits ein „Schuhe-Tragen“ im Gehirn assoziieren, kommt es zunächst einmal zu einem Wahrnehmungswiderspruch.

Denn die richtige Bewegung, passend zum Barfußschuh, ist zunächst noch nicht vohanden und der Fuß selbst ist der dauernden Barfußbelastung strukturell noch nicht gewachsen.

Was aber machen die Schuhkäufer?

Mit dem Barfußschuh-Trend hat sich gleichzeitig auch der Barfuß-Laufen-Trend stärker entwickelt, ohne dabei die physiologischen Voraussetzungen zu berücksichtigen.

Es muss also trotz bester Absichten, natürliche Bewegung zu fördern, zu Problemen führen, wenn man als zukünftiger „barefoot runner“ seinen Füßen bzw. der ganzen Körperstruktur keine angemessene Zeit zur strukturellen Regeneration lässt!

Die Tatsache, dass Vorfußläufer den alltäglichen Ballengang recht häufig ablehnen, unterstreicht diesen Sachverhalt sogar noch.

Angesichts der in den U.S.A. laufenden Klagen von Schuhkunden stelle sich jeder selbst die Frage, ob körperliche Beschwerden durch gehäuftes (fast) Barfußaufen in minimalem Schuhwerk durch die Schuhe selbst verursacht sind oder etwa durch den möglicherweise unsachgemäßen Umgang mit diesen wider besseren Wissens…

Und: Weshalb können die meisten von uns kaum noch richtig Gehen und Laufen auf eigenen Füßen? 😉

Wie dem auch sei, als Fazit stellt sich auch hier wieder die Tatsache ein, dass Natürlichkeit niemals durch Produkte zu kaufen ist und wir so oder so nicht um ein interessiertes Sich-Einlassen auf den eigenen Körper herumkommen.

Ich wünsche Ihnen, lieber Leser, viel Spaß und Unbeschwertheit beim Entdecken und lade Sie, falls noch nicht geschehen, wie hunderte andere Menschen zum kostenlosen Emailkurs  -> „Richtig Gehen lernen im Ballengang“ <- ein!

Herzliche Grüße,

Stefan Heisel

Was lernt man auf einem Ballengang-Workshop?


 

Ballengang-Workshop - Alles ist bereit
Ballengang-Workshop – Alles ist bereit

Sehr geehrte Leser!

Was lernt man eigentlich auf einem Ballengang-Workshop?

Dieser Frage gingen am vergangenen Samstag, dem 22.03.14, Menschen zwischen Karlsruhe und den Friesischen Inseln nach als sie in Neustadt an der Weistraße den Ballengang übten.

Die Teilnehmer waren ausnahmslos Menschen, die bereits mehrere Lektionen der hier erhältlichen Email-Lektionen empfangen und – als positive Wahrnehmung des Veranstalters – auch damit gearbeitet haben!

Das Leitmotto dieses Workshops lautete:

 „Finde die optimale natürliche Gehspur“

Die Ruhe vor dem Workshop ...
Die Ruhe vor dem Workshop …

In diesem Sinn tauchten sie über dynamische Bewegungen, gefolgt von sehr feinen sensitiven Übungen in ein geschärftes Bewegungsgefühl ein. Auch die Faszien kamen dabei nicht zu kurz, denn die Teilnehmer lernten zwei einfache Techniken zur selbständigen Aktivierung des Fußgewölbes, die man zuhause jederzeit anwenden kann.

Nach und nach wurden verschiedene charakteristische Gehspuren am eigenen Körper nachvollzogen, hinterfragt und mit anspruchsvollen motorischen Übungen letztlich in die optimale natürliche Gehspur überführt.

Auch intensive spezielle Körperarbeit gehört zum Ballengang
Auch intensive spezielle Körperarbeit gehört zum Ballengang

Im Lauf des vierstündiges Seminars gelang es allen Teilnehmern, sichtbar dynamischer aus dem ganzen Körper heraus zu gehen und damit dem Konzept des auf diesem Blog dargestellten natürlichen Konzept des Ballengangs ein gutes Stück näher zu kommen.

Umrahmt wurde die Veranstaltung von Videoanalysen, die ganz zu Beginn und gegen Ende des Seminars aufgezeichnet wurden. Die Teilnehmer erhalten in den folgenden Tagen ganz individuelle Auswertungen ihres Bewegungsmusters. So kann jeder in der Folgezeit eine weitere selbständige Optimierung der eigenen Körperbewegungen erfolgen.

Balance - Rotation - Konzentration - Leichtigkeit
Balance – Rotation – Konzentration – Leichtigkeit

Einige praktische Tipps, um auch in alltäglichen Situationen völlig unauffällig verschiedene Aspekte des Ballengangmusters üben zu können, rundeten schließlich den Workshop ab.

Zum Abschluss sei noch die einladende Atmosphäre der neuen Räumlichkeiten des Kulturvereins Wespennest in Neustadt an der Weinstraße lobend erwähnt, in der sowohl Aufenthalt und Training angenehm zu gestalten waren.

Ich bedanke mich herzlich bei allen Teilnehmern, die eine schöne menschliche Bereicherung für mich waren, und freue mich jetzt schon auf das nächste Life-Event.

Herzliche Grüße, Ihr Stefan Heisel

 

Körperbewegungscoach Stefan Heisel
Körperbewegungscoach Stefan Heisel

 

PS:

Den besten Eindruck von solchen Workshops erhält man durch die Rückmeldungen von Menschen, die dabei waren.

Hier einige Auszüge von Feedbacks, die mir unmittelbar zugesendet wurden:

Hallo lieber Stefan,

das war bereits mein zweiter Ballengang-Workshop bei dir und ich muss sagen, es hat sich wieder gelohnt.
Deine Art die Inhalte und das worauf es ankommt zu vermitteln, finde ich sehr gut und verständlich.
Wie ich bereits am Ende des Workshops schon sagte, muss auch die Chemie zwischen „Lehrer und Schüler“
stimmen. Und diese stimmige „Chemie“ ist bei dir auf jeden Fall vorhanden.
Falls du weitere Kurse anbietest, werde ich auf jeden Fall wieder daran teilnehmen.

P.S

Gerade komme ich von meinem Waldlauf (natürlich in Minimalschuhen ;-)) zurück.
Natürlich habe ich die gelernten und erfahrenen Inhalte aus dem Ballengang-Workshop gleich umgesetzt. 
Mein gesamter Bewegungsablauf ist jetzt noch flüssiger und lockerer geworden.
Auch meine Schrittlänge (das Bein reicht ja über die Hüfte hinaus) hat sich verlängert.
Kurzum es hat richtig Freude gemacht.
Allerdings muss ich mich langsam an das Ballenlaufen gewöhnen. Die Belastung ist
auf jeden Fall wesentlich größer, als wenn ich auf den Ballen gehe.
Deshalb kann ich nur jedem raten, zuerst das Ballengehen zu lernen um dem
Körper genügend Zeit zur Anpassung der Sehnen, Muskeln und Fussgelenke zu geben.
Das kann mitunter Monate, ja sogar Jahre dauern, aber ich finde bei mir lohnt es sich.

Martin Wunsch aus Malsch / Kalrsruhe

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Hallo Stefan,

ein paar Worte zu den Stunden in Neustadt am Samstag, die ich sehr anregend fand.
Zumal ich gemerkt hab wie eingerostet und unbeweglich mein Körper gerade ist, deshalb kann ich mich dazu wenig ausdrücken, ..der Körperhat seine eigene Sprache….

Was mir gefallen hat, daß ich da keine größere „Sinngebung“, wie zum Beispiel – wenn du es so und so machst bekommst du keine Rückenschmerzen – oder du wirst glücklicher – oder so was . . . für mich empfunden habe .

Sondern :

Allein die Bewegung, allein die Dynamik ohne Zweck und Erwartung.
Ganz einfach , Spielen Bewegen Leben , wie die Kinder, im augenblicklichen Da-Sein.
Das mag vielleicht etwas überzogen klingen, es liegt aber daran, daß ich es vorher nicht gemerkt habe. (den Körper zu wenig bemerkt habe)

Als ich auf deinem Blog gelesen habe : Körpercoach, Founder of Bodymotic kam bei mir ein ?

Jetzt kann ich sagen: wahrhaftig !!!

Hans Dieter Sturm aus Hainfeld / südl. Weinstraße

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Lieber Stefan, 

Deinen Kurs fand ich sehr bereichernd. Die Übungen aus dem e-mail Kurs, die ich ja vorher schon sehr gut und verständlich fand, bekamen mehr Hintergrund, oder Basis. Die Heranführung an die hilfreichen Körperwahrnehmungen durch vorbereitende Übungen fand ich sinnvoll, nachvollziehbar und eine gute Hinführung zu einer neuen Fortbewegungsstrategie.

Dein Engagement zu diesem Thema und die gute Vorbereitung machten es mir leicht, mit zu gehen. Nun bin ich noch gespannt auf die Videos und darauf, wie es mit meinem „neuen Gehen“, wie ich es nenne, weiter geht.

Karen Hohn, Spiekeroog / Nordsee

Richtig Gehen lernen (3) – Kinder lernen Ballengang


Richtig Gehen Lernen (3)
Richtig Gehen Lernen (3)

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

angeregt durch eine Skypeanfrage bezüglich der 2-4 –jährigen Kinder eines Ballengängers möchte ich mich heute der Frage widmen, wie man Kinder dazu bringen kann, im Ballengang zu gehen.

Die Antwort darauf ist ebenso banal wie selbstverständlich: Direkt GAR NICHT!

Wie stellt sich das natürliche Gehen eines gesunden Kindes aber optimalerweise ein?

Nachdem sich das Kind frei aufrichten und selbständig auf die eigenen Beine stellen kann, muss es zunächst seine Balance finden. Der Kopf ist überproportional, die Wirbelsäule ist noch nicht vollständig in ihrer stabilisierenden Doppel-S-Form, die Muskulatur ist noch nicht auf das Stehen trainiert und die Faszien (das Bindegewebe) müssen sich an diese aufrechte Gestalt allmählich anpassen.

Ein ganz entscheidender Teil des faszialen Netzwerkes ist hier noch gar nicht ausgebildet, nämlich das Fußgewölbe. Dieses für die richtige Fortbewegung sehr wichtige Bindegewebe muss sich rein durch Training, das bedeutet also durch das Stehen und Gehen selbst, überhaupt erst ausbilden. Das selbe gilt für den ganzen Bewegungskörper und dessen stützende Funktionen. Alles, was vom gesunden Kind an Bewegungsimpuls kommt, ist angeborenerweise gut und richtig und dient der gesunden körperlichen und geistigen Entwicklung. Glücklicherweise müssen wir unserem Kind die wirklich essentiellen Dinge wie sich aufzurichten, sich zu setzen, zu stehen und zu gehen ebenso wenig aktiv beibringen wie das Sprechen. Es geschieht automatisch in einer gesunden Umwelt und der Interaktion mit anderen Menschen.

Worauf wir in Bezug auf das Gehen achten müssen, ist, dem Körper auch wirklich Gelegenheit zum Üben und Agieren zu geben und es nicht durch im Evolutionsplan nicht vorgesehene „Hilfsmittel“ wie Laufställchen, Laufrädern oder Schuhe zu behindern.

Unsere Aufgaben bestehen hierbei:

  1. Zu allererst schaffen wir den Rahmen für eine abwechslungsreiche und anregende Entwicklungsumgebung für das Kind (also viel Natur, viele Anreize, Dinge auszuprobieren) So kann sich das natürliche „Aufbautraining“ am besten entfalten.
  2. Dann sollten wir das Kind hin und wieder auch beobachten und erkennen, ob es wirklich Unterstützung braucht oder nicht. Hier kann im Zweifelsfall der Rat von Fachleuten hilfreich sein, um zu sehen, ob eine Beobachtung in den gesunden Entwicklungsbereich fällt oder davon abweicht. Achten Sie beim Beobachten insbesondere auf Symmetrie der Körperseiten in Ruhe und in Bewegung und werden Sie bei unflüssigen oder zu schnellen oder langsamen Bewegungen aufmerksam.
  3. Helfen Sie dem Kind (nur), wenn es wirklich Hilfe benötigt und dann aber so früh wie möglich, um Fehlentwicklungen und/oder unnötige Frustration zu vermeiden. Das kann auch bedeuten, entsprechende Hilfsmittel oder Therapien von Fachleuten in Anspruch zu nehmen, solange wie nötig.

Kann das Kind von alleine Ballengang?

Jein. Am Anfang wird es seine hochsensiblen Füße sehr häufig unwillkürlich tastend benutzen, die Zehen u.U. weit abgespreizt, da es noch auf einen unebenen und unregelmäßigen Boden „geeicht“ ist. Das sieht wie Ballengang aus, jedoch ist ja das Fußgewölbe ja bei weitem noch nicht so ausgebildet, dass viel (Feder-)Kraft über den Ballen übertragen werden kann. Deshalb können Kleinkinder trotz ihres geringen Gewichts beispielsweise nicht gut springen.

Aus dem selben Grund liegt ein leichter physiologischer Knick- und Senkfuß bis zum 5. / 6. Lebensjahr vor, der sich allmählich von selbst richtet, wenn der Fuß entsprechend natürlich benutzt wird.

In dieser Zeitspanne findet jedoch ein weiterer für das Leben einschneidender Prozess für das Kind statt: das Lernen durch Nachahmung!

Das Kind „inhaliert“ regelrecht jede Geste, jede Redensart und auch jede Bewegung von den engsten Bezugspersonen. Also auch die Art zu gehen.

Deshalb kommen jetzt SIE AKTIV ins Spiel!

Anstatt an dem Kind etwas verändern zu wollen, liegt es an Ihnen, die Dinge zu tun, die dem Kind einmal von Nutzen sein können und Dinge zu vermeiden, die dem Kind bei Nachahmung weniger nützen.

Bewegen Sie sich leichtfüßig im Ballengang, wird das Kind es unbewusst auch tun. Sitzen Sie aufrecht und entspannt auf den vorderen Sitzhöckern, wird ihr Kind dies als völlig normal aufnehmen und in seinem Gehirn ebenso verankern. Selbiges auch im emotionalen Bereich.

Hier also der letzte Punkt, mit dem ihr Kind Ballengang fürs Leben lernt:

  1. Seien Sie Vorbild! Ohne das Kind dabei zu maßregeln, wenn es Sie nicht 1 zu 1 kopiert. Jeder ist individuell. Das Kind sucht sich intuitiv die Dinge aus, die es von Ihnen übernimmt, oder es einfach nur JETZT noch nicht übernimmt, sondern später. Auf alle Fälle geschieht all das unbewusst seitens des Kindes.

Sie sehen: ein Kleinkind lernt völlig anders als ein Erwachsener.

Deshalb sollten Sie Ihre mühsam später gelernten Lektionen nicht auf die gleiche Weise an das Kind weitergeben, sondern einfach nur für sich selbst anwenden und dem Kind bloß den Rahmen geben, damit es die richtigen Dinge von selbst intuitiv tun kann.

Herzliche Grüße, Stefan Heisel

Richtig Gehen lernen (2a) – Die richtige Spur


Richtig Gehen Lernen (1)
Richtig Gehen Lernen (2a)

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

heute möchte ich auf eine Äußerlichkeit des Gehens eingehen, die man leicht sowohl an sich selbst als auch bei anderen beobachten kann und ein sehr wichtiger Baustein für richtiges Gehen darstellt.

Ich spreche von der „Spur“, die die Füße beim Gehen in der Luft zeichnen – also dem Weg, den die Füße bei jedem (Normalen Standard-) Schritt zurücklegen. Nicht zu verwechseln mit den bloßen Fußabdrücken!

Anhand dieser Gehspur lässt sich viel über die Beweglichkeit und Körperstruktur des Gehers herauslesen – und damit Ansatzpunkte finden, wie sich der Betreffende noch verbessern kann bzw. wo es beim Gehen noch „hängt.“

Bevor wir zu Anleitungen und Erklärungen kommen, lade ich Sie hier auf diesem Blog dazu ein, einen Tipp abzugeben, welches der folgenden Gehspuren dem natürlichen Gehen aus dem ganzen Körper heraus entspricht:

Beobachten Sie bei dieser Gelegenheit auch an sich selbst, welche Spur Sie beim Gehen zeichnen.

Schauen Sie genau hin!

Gehspuren
Welche Gehspur ist die Optimale für Ballengang?

Ich wünsche viel Spaß beim Beobachten und Probieren!

Kleiner interner Tipp für die Studenten des ->Ballengang-Fernkurses<- :

Sie können die optimale Gehspur selbst herausfinden, wenn Sie sich die Lektionen 3, 4 und 5 vergegenwärtigen, in sich hineinfühlen und sich den richtigen Ablauf selbst erarbeiten, sofern er hier abgebildet ist 😉

Herzliche Grüße, Stefan Heisel

Die Fortsetzung erscheint HIER

Ballengang in Barfußschuhen?


Die idealen Schuhe für Ballengang sehen genau so aus:

Barfußschuhe zum richtigen Gehen im Ballengang
Barfußschuhe zum richtigen Gehen im Ballengang

Liebe Leser,

seit ein paar Jahren hat sich ein neuer Markt innerhalb der Schuhindustrie etabliert, der Rubriken wie „Barfußschuhe“ oder „Minimalschuhe“ nennt. Zielgruppe sind Menschen, die ihr Bewusstsein auf mehr Körpergefühl und Körperbewusstsein gelegt haben und beispielsweise daher viel mehr barfuß gehen oder auch laufen. Einige Menschen bewegen sich sogar fast nur noch ausschließlich barfuß. Die anderen, die zwar spüren, dass barfuß ein unvergleichlich besseres Körpergefühl erzeugt, die aber dennoch gerne etwas an den Füßen hätten (alleine zum Schutz), benötigen eine Art Kompromiss.

Also so etwas wie einen Schuh, der eigentlich irgendwo doch keiner ist. Und ein super Begriff dafür ist das Paradoxon „Barfußschuh“ (Er heißt nicht so, weil man ihn ohne Strümpfe tragen kann, sondern, weil er sich „wie barfuß“ anfühlen soll)

Alleine schon von der Begrifflichkeit gibt es es so etwas nicht. Da passt „Minimalschuh“ schon viel besser, weil hier ehrlich von einem Schuh die Rede ist, der versucht, nur soviel an Material um den Fuß zu packen, wie technisch derzeit möglich.

Letzten Endes ist es aber völlig gleich, welchen Namen man dem Schuh gibt, es bleibt ein solcher, besonders, wenn das Design dann auch noch so gestaltet ist, dass er von außen möglichst so ausschaut wie ein wirklicher „stinknormaler“ Schuh, ohne den Anspruch auf besonderes Gehgefühl zu erheben.

Also: Der handelsübliche Barfußschuh soll folgendes leisten:

– den Fuß so wenig wie möglich vom barfuß-Zustand entfernen (leicht; ohne Einengungen; flache, dünnstmögliche flexible Sohle)

– er sollte haltbar sein und sich nicht zu schnell ablaufen (Sohlenbeständigkeit)

– er sollte warm genug halten in der kalten Jahreszeit

– er sollte nicht sehr auffällig gegenüber dem Mainstream aussehen (denn sonst könnte man gleich barfuß gehen 🙂 ) Es sei denn, es handelt sich um einen reinen Outdoorschuh, den man in der zivilen Welt ohnehin nicht trägt. Wobei man dann ja kaum noch Gründe hat, nicht gleich barfuß zu gehen oder zu laufen ….

Mit anderen Worten, der Schuh muss sich zwischen dem, was er können soll und welchen Schein er erwecken soll, regelrecht verbiegen.

Und wozu das alles? Damit der Träger des Schuhs der Illusion erlegen ist, einen per definitione und verbrieften einzig vernünftigen Schuh für natürliches Gehen zu tragen 🙂 ….

Da schon das Tragen von Baumwollsocken die feinen Wahrnehmungen von Fußsohle und Zehen nahezu komplett ausschaltet, erübrigt es sich, zu hoffen, dass eine wenige Millimeter dicke Ledersohle den Fuß irgendetwas wesentliches vom Untergrund spüren lässt. Das kann man auch damit vergleichen als würde man Handschuhe von mindestens 3 mm Dicke tragen und dann ohne zusätzliche Pflegekraft seine täglichen Verrichtungen zu meistern. (Die Hände verfügen über eine ähnliche sensible Nervenstruktur wie die Füße, auch wenn bei uns die Füße andere Aufgaben haben.)

Also was soll man jetzt konkret tun, um eine andere Wahl zu haben als ein reiner Barfußgänger durch alle Jahreszeiten und alle Begebenheiten zu werden? Auch sehr einfache „Naturvölker“, insbesondere solche, die in kälteren Regionen der Erde leb(t)en, waren Schuhträger und gleichzeitig hervorragende Läufer. Ihre Schuhe hatten gegenüber 99% unserer Schuhe, egal wer sie herstellt, einen entscheidenden Vorteil:

Sie sind absolut und ausschließlich ZWECKGEBUNDEN und gleichzeitig perfekt aus den zur verfügung stehenden RESSOURCEN hergestellt. Schuhe, die die Jäger in irgendeiner Weise behindert hätten, bedeuteten eine geringere Jagdausbeute und damit weniger Überlebensschancen. Hierzu gibt es aber in der späteren Kultur keine Notwendigkeit mehr und Schuhe wurden zum modischen und standesmäßigen Accesoire ohne wirkliche Zweckgebundenheit, die mit Gehen oder Laufen zu tun hat. Zunächst für die Wohlhabenderen als Statussymbol (barfuß galt bekanntlich als Zeichen der Armut und ist es heute IMMER NOCH!)) Später konnten Schuhe industriell sehr günstig und in sehr schlechter Qualität aber mit gutem (also der Gesellschaft angepasstem) äußeren Erscheinungsbild quasi an jedermann abgegeben werden. WELCH EIN FORTSCHRITT! … 🙂

In den letzten Jahren hat sich abgezeichnet, dass Schäden an den Füßen durch den Verursacher selbst, nämlich den Schuh, auch angeblich wieder behoben werden können: Die Geburtsstunde des Fußbetts und der orthopädischen Einlagen. (Sicherlich gibt es angeborene Handicaps, die tatsächlich durch Prothesen oder Orthesen eine unersetzliche Hilfe erfahren, aber das soll hier nicht Thema sein) Obwohl Ärzte immer wieder das Barfußgehen als beste Therapie und Prophylaxe für sämtliche selbstverursachten Haltungen und Fußschäden empfehlen, gebietet die Industrie/Wirtschaft auch gleichzeitig, im Grundsatz sinnfreie Prothesen für jedermann zu verordnen/verkaufen und zu produzieren. Heute sind wir gerade in dem Trend, dass viel einfallsreichere Produkte rund um den Fuß vertrieben werden, bloß um die einfachste Lösung (barfuß) kostenintensiv zu umgehen. Seien es konvex abgerundete Sohlen (die mittlerweile gar nicht mehr vom ursprünglichen Markteinführer empfohlen werden, aber immer noch aufgrund der erzeugten Nachfrage fleißig produziert werden) oder seien es Schuhe mit extrem weicher federnder Innensohle, Schuhe und Strümpfe mit einzelnen Zehen, oder mit rekordverdächtig dünnen Sohlen aus teils natürlichem und teils sythetischem Material. Ja, sogar Sportschuhe, die die Muskulatur so anregen, dass man davon abnehmen soll, werden angeboten.

Aber wie soll man sich noch zurechtfinden als jemand, der seit langem oder kurzen genau spürt, was seinem Körper an Gehbewegung gut tut und feststellt, dass dies nur barfuß richtig möglich ist?

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Dazu gebe ich drei Tipps, die auch inhaltlich auch gegen Ende des Email-Kurses nach etlichen Lektionen zuvor noch differenzierter gegeben werden:

1. Seien Sie sich darüber bewusst, welche Eigenschaften Schuhe auf gar keinen Fall haben sollten, wenn Sie sich damit fortbewegen möchten. Als Wichtigstes wären zu nennen:

Absätze bzw Sprengung, egal wie niedrig (Veränderung der Körperstruktur -> bergab-Effekt)

steife Sohle (keine Ballennutzung möglich)

seitliche Eineingung des Vorfußes und der Zehen (Gleichgewichtsverlust, Eingeschränkte Ballenfunktionalität und Gefahr von Deformationen)

Schaft über die Knöchel (Einschränkung des Sprunggelenks und der Ballenfunktion)

künstliche Materialien (Stinkfüße, Entzündungen, chemische Rückstände durch die Haut)

2. Bestimmen Sie für sich, welche Eigenschaften ihr Schuh, je nach Zweck, auf jeden Fall haben sollte, z.B.

– sollte er in jedem Fall bequem sein, und er sollte genau passen; dann sollte lange nichts folgen und dann

– sollte er seinen Zweck (also weshalb Sie nicht gleich barfuß gehen) gut erfüllen: Wärme, Schutz, Bauart (z.B. zum Motorradfahren, Tanzen, Schneewandern, ….)

– sollte er zu ihrer Persönlichkeit passen und nicht einem Trend folgen (was sehr schwer zu unterscheiden ist, weil Trends unterbewusst wirken)

3. Sobald Sie irgendwelche Schuhe tragen, müssen Sie ihr GANGMUSTER DEM SCHUH ANPASSEN!!

Immer wieder werde ich gefragt, in welchen Schuhen denn der Ballengang am besten funktioniert, so dass man „wie barfuß“ damit geht. Die Antwort lautet: Ihr Körper wird sich auf jedes einzelne Paar Schuhe immer wieder neu einstellen müssen! Ohne Ausnahme und ohne „einfacheren Weg“.

Das bedeutet klartext: Wie schon des Öfteren erwähnt, ist das Gehen ein Prozess, der aus jeder Faser des Körpers unterstützt wird. Desweiteren wird auch die Schwerkraft und die besondere Anatomie unseres Aufrechtseins zur Erleichterung des Gehens genutzt. Jeder wird festgestellt haben, dass er barfuß auf Sand ganz anders laufen muss als auf Gras und da wieder anders als auf Stein oder Fels und wieder ganz anders, wenn er durch Wasser watet. Und genau so verhält es sich mit unterschiedlichen Schuhen!

Mal müssen Sie mehr die Knie einsetzen, mal mehr das Sprunggelenk, mal mehr die Ferse, mal mehr den Ballen, mal laden Schuhe, je nach Untergrund regelrecht zum hüpfen ein, und ein anderes mal kann man nicht anders als zu trotten. Das ist ganz normal und ist auch insofern nicht „schlimm“, solange es immer eine ABWECHSLUNG gibt.

Die Kunst liegt hier darin, seinen Körper in jedem Fall so effizient und damit natürlich, wie es die Umstände gebieten, bewegen zu können. Und genau das ist auch der Grund, weshalb es viel Sinn macht, sich mit der Beweglichkeit seines Körpers – auch in Nuancen- auseinanderzusetzen.

Und ich denke, deshalb sind Sie, lieber Leser ja auch hier zu Gast! 🙂

Also, gehen Sie (im Ballengang) mit offenen Augen durch die Geschäfte und begutachten Sie Schuhe nach den oben genannten Kriterien, ungeachtet von Trends oder Marken (es sei denn, dies gehört zu Ihrer Persönlichkeit).

Ich selbst mache damit sehr gute Erfahrungen, finde in den ungeahntesten Momenten im Augenwinkel genau dann einen super Schuh, wenn ich eigentlich gar nicht damit rechnete. (wie das meistens der Fall ist, wenn man etwas bestimmtes sucht 😉 )

Ich wünsche Ihnen viel Glück und Erfolg bei der korrekten Schuhwahl. Am besten wäre ja der oben abgebildete Schuh, ganz ehrlich!

Viele Grüße, Stefan Heisel

PS: Ich empfehle zu diesem Thema auch die Teilnahme am email-Fernkurs

>„Richtig Gehen Lernen im Ballengang“<-

Dies ist KEIN Ballengang!


Kein Ballengang
Dies ist KEIN Ballengang

Liebe Leser,
angeregt durch eine Frage einer interessierten Leserin, die wegen einer Verletzung ihre Ferse beim Gehen schonte, ob denn dieser Ballengang tatsächlich „normal“ sei, sehe ich einen Aufklärungsbedarf.

Der Begriff „Ballengang“ hat sich seit relativ kurzer Zeit überhaupt erst in einer Art stiller Übereinkunft etabliert.
Wenn ich hier oder „draußen“ diese Terminologie nutze, meine ich das, was in „vom Ballengang“ zu lesen ist.
Allein im deutschen Sprachgebrauch ist „Ballengang“ keineswegs einheitlich, schon der „Ballen“ wird regional unterschiedlich aufgefasst. Und in anderen Sprachen gibt es hingegen keine eigenen Bezeichnung oder nur sehr umständliche Umschreibungen.

(Wegen dieses Umstandes hat beispielsweise Dr. Hans-Peter Greb den Begriff „Godo“ markenrechtlich schützen lassen und damit eine internationale Bezeichnung für seine eigene Interpretation und Philosophie des Gehens definiert.)

Meiner Einschätzung nach können wir aber getrost die Bezeichnung „Ballengang“ so belassen, auch wenn ich persönlich den Ballengang eben nicht nur darauf beschränke, um jeden Preis auf dem Vorfuß zu landen, sondern nach natürlichen Bewegungsrezepten die Vielfalt an Bewegungsmöglichkeit sehr schätze und fördere.

Kommen wir nun zu dem eigentlichen Thema, nämlich was der Ballengang auf gar keinen Fall meint und mit den folgenden Dingen bitte NIE in Zusammenhang gebracht wird:

habitueller und idiopathischer Zehenspitzengang

Hierbei handelt es sich um sogenannte Ganganomalien, die bei etwa 5-10 % der Kinder auftreten. Und zwar entweder permanent oder situativ:Das bedeutet, die betroffenen Kinder bewegen sich tatsächlich (fast) immer mit voll „gestrecktem“ Sprunggelenk, also mit spitzem Fuß und setzen selbst beim Stehen (fast) nie die Ferse ab.  Etwa die Hälfte dieser Kinder legen den Zehenspitzgang von selbst wieder ab. Bekannte Ursachen für einen Zehenspitzgang sind z.B. neuromuskuläre Erkrankungen, Spastiken oder eine angeborene verkürzte Achillessehne. Mit anderen Worten: Der Zehenspitzengang ist ein Symptom von mehr oder weniger tiefgreifenden Erkrankungen, dessen Folgen sehr weitreichend sein können. (Fußdeformationen, Sehnenverkürzungen, Beckenfehlstellungen, starkes Holhkreuz, etc.)

Kompensation von Verletzungen oder Erkrankungen des Bewegungsapparates wie beispielsweise Fersensporn, Warzen, Verstauchungen, Krämpfe

Wenn zum Schutz einer schmerzempfindlichen Stelle eine Bewegung verändert wird (also zum Beipiel aus Schmerz die Ferse nicht mehr belastet werden kann), dann findet immer ein muskuläres Ungleichgewicht statt mit teils erheblichen Folgeschäden. Eine Schonhaltung, die sehr lange beibehalten wird, kann auch nach Wegfall der ursprünglichen Schmerzursache zu einer körperlich wie psychisch verankerten chronischen Beeinträchtigung führen. Wer also aus derartigen Gründen auf dem Ballen geht, ist überhaupt nicht in der Lage, ein vielfältiges natürliches Bewegungsmuster zu entwickeln und bleibt in einem einseitigen, unflexiblen Gang quasi gefangen. Dies hat mit dem hier dargestellten Ballengang, der das gesamte Potential des Körpers nutzt, nicht das geringste zu tun.

Frühkindliches Gehen

Kleinkinder haben aufgrund ihrer ganz eigenen Physiologie, ihres ganz besonderen Körperbaus und ihres noch unvollkommen bzw. unfertigen Bewegungsapparates eine ganz eigene Art, sich zu bewegen. Dieses Bewegen ist bedingt durch andere Gewichtsverhältnisse (zum Beispiel der im Verhältnis große und schwere Kopf), andere Gelenkstellungen, sowie ein noch nicht entwickeltes Fußgewölbe, fehlende Sprungkraft, etc. Wenn ein Kleinkind beim Gehen meistens mit dem Ballen voran landet, wird gerne und häufig von Ballengang gesprochen. Nur: Sobald das Kind aber beginnt zu rennen, fehlt die Stabilität in Fußgewölbe und Beinen, um diesen vermeintlichen Ballengang aufrecht zu erhalten. Auch fehlt noch der nötige Abdruck mit dem Ballen. Daher ist m.E. dieses frühkindliche Gehen auf keinen Fall mit dem Ballengang, den sich der reife Erwachsene oder Jugendliche aneignet, zu vergleichen! (siehe auch den vorangehenden Artikel über das kindliche Laufen)

Als Erwachsener sieht das Gehen in dem eigentlichen Ballengang ganz anders aus als das frühkindliche Gehen, auch wenn beide auf den Ballen landen.

Gerne verweise ich auf den kostenlosen email-Fernkurs „Richtig Gehen lernen im Ballengang“, zu dem Sie sich bei Interesse an Neuem >HIER< unverbindlich anmelden können.

Zum Abschluss habe ich noch ein kleines Bonbon für Sie, dass ich Ihnen auf keinen Fall vorenthalten möchte, wenn Sie sehen möchten, wie Sie eher nicht den Ballengang üben sollten.

Viel Spaß! 🙂

http://www.youtube.com/watch?v=IqhlQfXUk7w

(PS: leider nur auf Youtube direkt zu sehen, dafür aber ohne Werbung 😉 )

Viele Grüße, Stefan Heisel