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Richtig Gehen lernen (7a)- Barfuß gehen – Teil 1


barfuss_laufen Richtig barfuß gehen (1)

Liebe Leser von ballengang.de

Ja, so ganz allmählich beginnt es hier und da frühlingshafter zu werden. Die ersten botanischen Vorboten sind längst da und auch die Vögel freuen sich schon auf den Neubeginn ihres Zyklus.
Und für manch einen ist es auch spätestens sehr bald die Zeit, sich auch draußen mehr dem barfuß gehen zu widmen. Endlich 🙂

Doch wie verhält es sich denn damit genauer? Warum geht man barfuß?

Freiheitsgefühl? Gesundheitsbewustsein bzw. Fitness? Alternativ Leben?

Wie dem auch immer sei. Mir ist aufgefallen, dass wir in der Regel total schuh-adaptiert sind und auch lange Zeit barfuß so gehen, als trügen wir Schuhe. Deshalb bedeutet barfuß gehen an sich noch nicht zwingend, dass man sich besonders natürlich bewegt.

Auffallend oft bekomme ich Anfragen von Lesern, die über Schmerzen oder zumindest Schwierigkeiten berichten, wenn sie versuchen barfuß zu gehen und dazu auch noch den Ballengang ausprobieren. In Wahrheit ist es aber so, dass Schuhträger einfach noch lange nicht die für den natürlichen Gang notwendige muskuläre und vor allem fasziale Struktur (also die stützenden und federnden Elemente) ausgebildet haben. Dann kann man „technisch“ zwar eine Weile lang alles richtig machen, aber real kommt das einer Überforderung gleich.
Insbesondere sehe ich ein gewisses Risiko darin, wenn sofortig sogenannte „Barfußschuhe“ angeschafft werden und diese dann sofort die bisherigen Schuhe ersetzen.

Dass dann Beschwerden auftreten, Reizungen von Strukturen, Überlastungen und auch ein wenig Frustration, ist ja fast schon vorprogrammiert.
Dieses Phänomen tritt meiner Überzeugung nach beim Tragen von Barfußschuhen viel stärker auf als beim tatsächlichen richtigen barfuß gehen!

Und die Erklärung dazu ist eigentlich ganz einfach:

Unser Nervensystem ist seit frühester Kindheit darauf ausgelegt, stets draußen Schuhe an den Füßen zu haben, diese zu spüren und den Gang den physikalischen Eigenschaften der Schuhe anzupassen. Alle Schuhe haben eine verstärkte Ferse und einen Absatz (oder eine Sprengung) von mindestens 0,5 bis 1 cm Höhe. Gerade Sportschuhe haben zusätzlich auch eine Dämpfung (Air … etc), um den Gebrauch der Ferse zu unterstützen und um jegliche Eigendämpfung aus de ganzen Körper heraus lahmzulegen. Dadurch erhält unser Nervensystem ein deutlich verfälschtes Feedback bei jedem Schritt:

  • Der Untergrund ist sozusagen immer gleich
  • Es gibt entweder einen notwendigen Stoß auf den Absatz ohne die Möglichkeit diesen abfangen zu können
  • oder es gibt eben keinen Stoß mehr bei guter Dämpfung.
  • Der Fuß hat fast immer eine Stütze von unten, genannt Fußbett, damit er, wie der Name schon sagt, im Schuh „schlafen“ kann.

Diese Summe von verfälschten Eindrücken spiegelt sich als eine Wahrnehmung wieder, die automatisch vom Gehirn suggeriert wird, sobald etwas Schuhartiges den Fuß umgibt.

Und jetzt kommts: Tragen wir nun also Schuhe, die sehr wenige der verfälschenden Eigenschaften besitzen (wie bei besagten „Barfußschuhe“ das mehr oder weniger der Fall ist), dann glaubt der Körper nach wie vor, dass er geschützt, geschützt und schräg gestellt ist. Dementsprechend wird er viel schwerer sein gesamtes (!) Bewegungsmuster umstellen als er das ganz ohne Schuhe tut!

Wir gehen also mit Barfußschuhen immer noch sehr ähnlich wie wir es immer in Schuhen getan haben, obwohl die Belastung auf Füße, Knie, Rücken etc. tatsächlich eine andere ist. Und wir tun dies aus einem guten Willen heraus (weil barfuß ja sooo gesund ist) oftmals recht radikal. 😉

Die Folge ist, dass tatsächlich durch totalen Wechsel auf Barfußschuhe OHNE wirklich das barfußgehen zu beherrschen, eher Probleme auftreten als dass es tatsächlich dem natürlichen Gehen zuträglich wäre.

Deshalb kann ich nur immer wieder dazu raten, sich bezüglich des Ballengangs auf das reale barfüßige Gehgefühl einzustellen, zu üben, sich zu konditionieren. Dann abzugleichen auf das ganz andere Gefühl in Schuhen (egal welchen) und dann allmähllich zu spüren (aufgrund des EIGENEN GEFÜHLS (!) und nicht weil es jetzt hipp ist 🙂 ) welche Art von Schuhen denn gerade angenehm ist.

Es ist wie bei allem: es macht nicht das Higtech- Fahrrad den guten Radsportler aus, auch nicht der aquadynamische Badehosenstoff den guten Schwimmer und nicht der Barfußschuh den ökonomisch-natürlichen Gänger aus, sondern der Mensch in seiner ihm höchst eigenen Form und Funktion! 🙂

Wenn Sie bis hierhin gelesen haben, möchte ich Ihnen gerne noch ein kurzes Video vorstellen, in dem ich einen der großen Fehler aufzeige, der mit Sicherheit so gut wie jedem Barfußgänger passiert, wenn er mal eben die Schuhe weglässt oder jahrelang vielleicht einer ungünstigen Geh-wohnheit anheim gefallen ist.

Viel Spaß beim Video und viel Erfolg beim Entdecken und Forschen!

Ihr Stefan Heisel

Rückenschmerzen durch falsches Gehen?!


Rückenschmerzen_durch_falsches_Gehen

Rückenschmerzen durch falschen Gehen?!

Sehr geehrte Leser(innen),

angeregt durch einen Hinweis meines Kollegen Dirk Beckmann, der sich u.a. auch mit dem Ballengang beschäftigt, -> http://ballengangblog.blogspot.de/2013/12/fersengehen-als-ursache-fur.html?m=1 , bin ich durch die unten genannte Reportage des SWR auf einige Gedanken gekommen, die ich Ihnen ungern vorenthalte.

In dem Beitrag geht es darum, dass Christoph Anders von der Uniklinik Jena mit Hilfe von sehr aufwändigen Messgeräten feststellt, dass ein Mensch die durch das Gehen verursachten  Stöße mithilfe der Rückenmuskulatur abfangen muss. Und genau diese Koordination durch messbare Schwäche in anderen Muskeln, insbesondere der Bauchmuskeln, nicht richtig funktioniert.

Als Fazit wird dazu geraten, sich generell mehr zu bewegen und so immer wieder den ganzen Körper trainiert zu halten.

Zunächst möchte ich hervorheben, dass ich solche Reportagen generell sehr gut finde!

Denn einerseits wird endlich darauf aufmerksam gemacht, dass die Mehrzahl der Schmerzen nur auf uns selbst zurückzuführen sind, also auf die Nutzung unseres eigenen Körpers.

Zum anderen wird darauf hingewiesen, dass eine ausgewogene Bewegung im Alltag bereits sehr viel Positives bewirken kann.

Interessanterweise zeigt gerade dieser Film einen äußerst gravierenden Fehler im Bewegungsmuster auf, stellt diesen als völlig normal hin und versucht daraufhin schlusszufolgern, wie man diesen durch andere Körperfunktionen ausgleichen könne.

Das ist aber meiner Meinung nach ein großer Irrtum und geht völlig an den Ursachen des beschriebenen Grundproblems vorbei!

Wenn Sie sich bereits ein wenig mit Ballengang beschäftigt haben, dann sehen ab etwa Minute 3, dass die junge Frau durch ihr die ganze Zeit über deutlich hörbares (und natürlich auch durch die Apparate indirekt messbares) Fersenpoltern ganz erhebliche Stöße auf ihre Wirbelsäule überträgt. Auch zeigt der Film in einer sehr guten Tricksaufnahme, wie sich diese Stöße über die Ferse auf den Rücken übertragen und damit unter anderem auch Stress in Gelenken und Muskeln auslösen.

Diese Art Stöße können jedoch von der Wirbelsäule selbst nicht wirksam abgefangen werden, auch nicht mit austrainierten Muskeln am ganzen Körper.

Test:

Um dies eindrucksvoll herauszufinden, halten Sie sich einfach (falls nicht bereits getan) beim Gehen über die Ferse die Ohren zu und lauschen sie dem dumpfen Stoß bei jedem Schritt.

Danach wiederholen Sie die Hörprobe, indem sie auf dem Vorfuß gehen, soweit Ihnen das zur Zeit möglich ist.

Die Antwort nach dem richtigen Umgang mit Ihrer Wirbelsäule ist also nicht primär in einer untrainierten Muskulatur zu suchen, sondern vor allem im korrekten funktionalen Umgang mit unserem Körper. Selbst vermeindlich gut austrainierte Sportler gehören zu den nicht ergründbaren Rückenschmerzkandidaten und suchen Rat bei Menschen, die sich mit ganz normalen Alltagsbewegungen besonders gut auskennen.

Menschen die sich im Ballengang bewegen können, kennen keine durch Gehen verursachte Belastung irgendwelcher Gelenke. Sie ermüden auch weit weniger und entwickeln im fortgeschrittenen Stadium mehr Kraft und Energie bis ins hohe Alter. Der Effekt ist unmittelbar spürbar, steigert sich mit der Zeit und ist somit authentisch.

Interessanterweise wurden im Film auch in keiner Weise die getragenen Schuhen betrachtet, die aufgrund von Absätzen und unphysiologoscher Passform einen erheblichen ursächlichen Anteil an Funktionsstörungen und/oder Deformationen haben.

-> Bei so vielen Fehlern:

Warum gefiel mir gerade dieser Film so passend für diesen Blog?

Ganz einfach: Falls Sie Neuling sind und sich noch nicht viel mit natürlichem Gehen beschäftigt haben, werden Sie durch meine „bodymotische“ Beurteilung auf eine neue Sichtweise aufmerksam gemacht, die den meisten aufgrund ihrerer Erfahrungen in Schule und Sportverein, aber auch bei Ärtzten und Physiotherapeuten unbekannt sein dürfte.

Falls Sie sich bereits mit Ballengang beschäftigen und diesen praktizieren, dann haben Sie mit diesem Film eine sehr gelungene Bestätigung Ihres Tuns vor Augen.

In jedem Fall wünsche ich Ihnen viel Spaß und jede Menge eigene Gedanken bei der folgenden Reportage des SWR: „Die wahren Ursachen von Rückenschmerzen“.

Viele Grüße an alle Leser(innen) und nochmals Dank an Dirk Beckmann für den guten Filmtipp!

PS: Falls Sie gerne den Ballengang unter kompetenter schriftlicher Anleitung ausprobieren wollen, lade ich Sie hiermit herzlich zu unserem wöchentlichen Emailkurs ein! Gratis und nur solange Sie möchten 🙂

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