Ballengangerfahrungen (6) Morbus Bechterew und Hallux Valgus


Ballengang_bechterewLiebe Leser,

heute möchte ich Ihnen eine ganz besondere Erfahrung mit ganzkörperlichem Gehen in Verbindung mit Faszientherapie vorstellen.
Wenn die Wirbelsäule an sich bereits krankheitsbedingt versteift ist, können wir durch sie nicht mehr Abfedern und ein zusätzlich harter Gang aus den Füßen und Beinen heraus belastet den Körper dann noch mehr.

Hier wird ganz besonders deutlich, dass „Ballengang“ etwas anderes ist, als es im Begriff suggeriert wird. Die hauptsächlichen Vorgänge finden nicht in den Füßen statt, sondern vor allem im Rumpf.

So dachte sich das auch Peter H. und wandte sich in hohem Alter an mich…

Hier sein Bericht:

Ausgangssituation

Nach jahrelanger nahezu unauffälliger Entwicklung eines ‚Hallux Valgus‘ hat sich dieser dann innerhalb weniger Monate operationsreif entwickelt (großer Zeh hat sich auf den Nachbarzeh geschoben). Bei der Suche nach alternativen Möglichkeiten habe ich im Internet mehrere Hinweise gefunden auf das

Barfußgehen.

Dem war ich total entwöhnt, so dass der Genusswert meiner ersten Versuche äußerst bescheiden war. Meine Frau war wohl von meinem Bemühen beeindruckt, hat sich umgehört und mir das Buch von Sabrina Fox ‚Warum ich barfuß gehe‘ geschenkt. Dieses Buch hat mich fasziniert und motiviert, mehr über das Barfußgehen zu erfahren. Also: Internet befragen. Unter zahlreichen,
interessant wirkenden Artikeln hat mich dann Dein Artikel über das natürliche Gehen im Ballengang am meisten angesprochen. Dein Seminar zum Ballengang online lernen kam genau richtig. Dies vor allem, weil ich von dem Ballengang erhoffen konnte, dass mein durch MB (Morbus Bechterew) versteifter Rücken von den ‚Hackengang‘-Stößen entlastet wird. Somit neues Thema:
Ballengang:
Das hört sich einfach an, war aber leichter gesagt als getan. Dazu kommt, dass ich den Ballengang auch auf das mir lieb gewordene und als MB-Therapie notwendige alltägliche Laufen anwenden wollte. Also rein in die extra gut stoßgedämpften und seitenstabilen Laufschuhe und einfach an Stelle mit der Ferse mit dem Ballen aufgetreten. Das ganze intervallmäßig und schön langsam gesteigert.
Um das Ergebnis vorwegzunehmen: ich habe etwa 3 Monate durchgehalten – es war die Hölle.[Anm: Ja, die Fußarbeit / Landung spielt eine untergeordnete Rolle und trägt nicht zum eigentlichen Ballengang bei]
Nach dem Motto: nicht verzagen – Stefan fragen ergab sich dann, dass eines Deiner
Seminare hilfreich sein könnte oder/und auch eine Faszienbehandlung.
Das nächste Seminar war meinerseits terminlich nicht möglich, wohl aber die
Faszienbehandlung:
Trotz Deiner Beschreibung konnte ich mir darunter eigentlich nichts vorstellen. Und Deine Aussage, dass die Faszienbehandlung keiner Wiederholung bedarf war für mich nach unterschiedlichsten Therapien über mehrere Jahrzehnte einfach unvorstellbar.
Heute, etwa 2 Jahre danach, genieße ich das Ergebnis Deiner Faszienbehandlung, ausgedrückt in einer begeisternden ganzkörperlichen Elastizität, die meine tägliche Gymnastik, das Gehen und das Laufen und auch ganz gewöhnliche Alltagsbewegungen zur Freude macht. Beispiel dafür kann vielleicht auch sein,

dass ich heute früh das vierte mal in diesem Monat ‚echt barfuß‘ gelaufen bin.“

Peter H. (Rentner, 82 Jahre)

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Ballengang IST die natürliche Bewegungsform – mancher Menschen!


Oder: Eine Frage der Qualität…

ballengang_balerinaLiebe Leser,
Heute möchte ich aus gegebenem Anlass intensiver auf den Ballengang (oder das was darunter zu verstehen ist!) eingehen. Mir ist es wichtig, mit Missverständnissen und teils überflüssigen kontroversen Diskussionen aus meiner Sicht etwas aufzuräumen.
Angeregt durch konkrete Nachfragen und dem Verweis auf interessante und gut recherchierte Blogartikel und Videos, haben meine Leser und ich uns die Mühe gemacht,

Erfahrungen aufzuzeichnen und
⁃ die Essenz aus der Bewegung zu erarbeiten, um die es geht: der menschliche Gang

A. Die unhaltbare These

Ich beginne mit einem Zitat aus dem Artikel eines Fachkollegen, worin die These aufgestellt wird „Ballengang ist nicht die natürlich präferierte Fortbewegungsart des Menschen“
Untermauert wird diese These u.a. durch einen Clip, auf dem teils alte Videoaufnahmen von verschiedenen offenbar noch in ihrer ursprünglichen Tradition lebenden afrikanischen Völkern. Interessanterweise bewegen sich diese Personen größtenteils im Ballengang bzw. eigentlich sehr individuell! Doch dazu später mehr….

Ich möchte nicht explizit diesen oder andere Artikel „widerlegen“ – egal ob „pro oder contra Ballengang“. Nein, mir geht es darum, aus ECHTEN ERFAHRUNGSWERTEN gepaart mit fachlicher Sichtweise und einer undogmatischen Offenheit den Dingen auf den Grund zu gehen.

Beginnen wir mit einem echt schönen Videoschnitt, den mein Kollege Dirk Beckmann vor einiger Zeit mal aufgeschnappt und online gestellt hat.

Hier brauchen wir uns nicht über erlerntes Verhalten zu unterhalten. Die Kinder verhalten sich offensichtlich intuitiv und den Umständen höchst angemessen – auf dem Vorfuß.
….

Aber eins nach dem anderen, gehen wir nun zum Fachlichen:

Mit einigen Definitionen räumen wir als erstes mal auf:

⁃ natürlich
Gerne wird dieser Begriff benutzt, um eine Sache als „richtig“ darzustellen bzw. dem „nicht natürlichen“ vorzuziehen. Doch was bedeutet es?
Streng genommen ist „natürlich“ klar antonym zu dem Begriff „kulturell“

Wenn ich also zum Beispiel ein Verhalten als „natürlich“ bezeichne, muss ich jeglichen kulturellen Einfluss ausschließen können.
Es stellt sich die Frage, ob wir Menschen uns ohne kulturellen Einfluss überhaupt entwickeln können…
Auch sehr alte Kulturen sind Kulturen und Menschen sind auch dort vom Lernen innerhalb ihrer Kultur beeinflusst.
Auch Aborigines haben eine ureigene Kultur, die sich deutlich von anderen Kulturen unterscheidet. Dabei spielt das Alter der Kultur überhaupt keine Rolle.

-> Die Menschen sind immer von ihrer jeweiligen Kultur geprägt und damit keinesfalls „natürlich“.

Ergo ist neben Essgewohnheiten, sozialem Verhalten und dem Wissen selbstverständlich auch die Bewegung vollends kulturell geprägt!
Es gibt bei Menschen also keinen „natürlichen Gang“,sondern es gibt jeweils aus einem tatsächlich angeborenen Pool an Kompetenzen ein jeweils individuell und kulturell geprägtes Gangbild.
Schminken wir uns getrost das „Natürliche“ ab. Wir existieren komplett in und mit der Gesellschaft/ Kultur, in der wir leben. Wenn etwas natürlich ist, dann die genetische Grundveranlagung, einige essentielle Grundtriebe, sicher aber keine erlernte Bewegung oder Verhaltensweise.
Stopp! In meiner Überschrift steht aber trotzdem „natürlich“ …
Nun, das ist eben der umgangssprachliche Verwendungszweck dieses Wortes und meint: selbstverständlich; klar; logo; … 🙂
Aber machen wir weiter…

⁃ präferierte Bewegungsart
Bedeutet wörtlich „bevorzugte …“

Nun, es scheint hier darum zu gehen, nachzuforschen, welche Bewegungsart, konkret welche Gangart von der Masse aus allen Kulturkreisen bevorzugt wird und daraus zu schließen, was für den EINZELNEN, also beispielsweise für DICH und MICH demzufolge ebenfalls zu bevorzugen ist…
Dazu fällt mir – um mal etwas lockerer zu sprechen- der Spruch meines Lateinlehrers ein: „Milliarden Fliegen können sich nicht irren: Sch€!$$€ schmeckt.“
Im Ernst! Man schaue sich bevorzugte Verhaltens- oder Lebensweisen an, die die Masse der Menschheit so praktiziert.

Je nach Region, wild aufgezählt:
Dauerhaftes Sitzen auf Stühlen ab dem 6. Lebensjahr
⁃ Verschiebung der Wirbelsäule durch Absätze
⁃ Liegen auf weichen Matratzen
⁃ genereller Bewegungsmangel
⁃ Monotone Tätigkeit, Einseitigkeit – auch durch Sport
⁃ Synthetische bzw. einseitige und zu exzessive Ernährung ab Geburt
⁃ Mangel- bzw. Unterernährung!
⁃ Was halt gerade Trend ist 😉
⁃ … (selbst nach Belieben zu ergänzen)

Wenn man sich mal genauer mit diesen Dingen befasst, wird dem einen oder anderen bewusst, dass es eben NICHT zwingend erstrebenswert ist, sich an das präferierte Verhalten einer Mehrheit anzupassen, sondern seinen individuellen – teils dann auch zeitweise unbequemen – Weg zu finden. Letztlich SICH SELBST innerhalb all dieser kulturellen Prägungen zu finden.
Was/Wer bin ich überhaupt und was an mir ist nichts weiter als bloß von meinem kulturellen/ familiären Umfeld ÜBERNOMMEN ?
(Das nur als Denkimpuls, tut nichts zum Thema dieses Artikels 😉 )

Zusammenfassend ist es also
a. nicht möglich, eine natürliche Bewegung zu vollziehen.
b. nicht erstrebenswert, das von der Masse Bevorzugte einfach so zu übernehmen.

Damit sollten Menschen, die vorhaben, sich zu entwickeln, gründlich davon absehen, sich von einer Grundthese leiten zu lassen, welche nach einer „natürlich präferierte Fortbewegungsart des Menschen“ sucht. 😉
Interessanterweise wurde dieses Thema auch schon in einem Forum mit ganz ähnlichem Ergebnis ausdiskutiert. Ich bedanke mich für den Hinweis für die

-> Diskussion im Barfußforum

B. Die Debatte „Ballengang vs Fersengang vs Mittelfußgang“

Ich beginne mit einer frechen Behauptung, die ich gerne in jeder Hinsicht untermauere 🙂

„Es ist völlig egal, auf welchem Teil des Fußes ich lande; ich kann mich auf der Ferse landend im „Ballengang“ bewegen oder auf dem Vorfuß landend im „Fersengang“ bewegen.“

Autsch … 🙂 was geht jetzt … ?
Nun, das ist eben der springende Punkt. (Leser des Emailkurses haben in der 9. Lektion dieses Thema schon mal gesehen.)
Anhand der Erfahrungen vieler Praktiker zeigt sich nämlich genau dieses Phänomen:
Man probiert den „Ballengang“ und kommt irgendwann nicht weiter. Dann erfährt man (mit Glück), dass Ballengang ja aus dem ganzen Körper kommt und dann verändert sich etwas Entscheidendes und zwar in der Regel im kompletten Körpergefühl.
Bei wem das nicht passiert, der muss früher oder später wieder über die Ferse gehen, da die Körperstruktur zum Gehen über den Vorfuß einfach nicht passt.
Bei anderen verändert sich etwas im Rumpf und sie entwickeln dann tatsächlich ihren eigenen Gang, bei dem die Landung ebenso angepasst ist wie viele andere Details bei der Fortbewegung.

Es scheint also zwei verschiedene Bewegungsprinzipien zu geben, deren Realisierung mehr von der grundsätzlichen Körperstruktur und der generellen Bewegungssteuerung abhängt als durch irgendwelche Techniken!

Und genau da ist anzusetzen.
Anstelle von der Fußauflage zu sprechen, die uns vom eigentlichen Ziel der leichten und fließenden Bewegung nur ablenkt, sollten wir den Gang als Ganzes beachten.
Schließlich geht aber nichts über die eigene Erfahrung.
Deshalb zitiere ich an dieser Stelle einige ausgesuchte Erfahrungsberichte, die ich aus den Rückmeldungen ganz unterschiedlicher praktizierender „Ballengänger“ mit oder ohne Namensnennung veröffentlichen darf:
Einige der Zitate sind direkte Rückmeldungen aus einem online- oder direkten Coaching. Andere sind ganz unabhängig und ohne Anleitung intuitiv entstanden:

….Meine persönliche Ballenganggeschichte geht ums Bergabwandern im
Hochgebirge. Früher trug ich Trekkingschuhe und lief relativ
unkonzentriert ins Tal, dabei habe ich auch gewaltige Stöße in den
Bewegungsapparat in Kauf genommen. Das führte allerdings zu
Schwierigkeiten: Knieschmerzen und einmal eine Achilles-Tendonitis, die
ich auf ärztlichen Rat mit Deflamat-gel (Diclofenac) behandelte.
Bergauf bin ich schon länger begeistert barfuß gegangen, bergab ging das
zunächst nicht. Ich habe es aber dann doch mal ausprobiert und bin im
Ballengang, sehr weich in den Knien, mit höchster Konzentration
gegangen. Das ging zwar auf die Muskeln, ersparte mir aber Probleme mit
den Gelenken und Sehnen. Inzwischen mache ich das regelmäßig und habe so
auch meine Beinmuskeln besser trainiert; Notschuhe habe ich nur noch für
wirkliche Notfälle dabei – oder den Extremfall „kilometerlange
Schotterstraße ohne Ausweichmöglichkeit“.
Es erfordert etwas Übung, aber seit ich meine Gangart umgestellt habe,
hatte ich nie wieder Schwierigkeiten mit den Knien oder Achillessehnen…. (Tobias aus Österreich)


„Bei mir machte es vor allem bei der ersten Lektion „klick“: das wieder vom Ballen aus nach oben den Impuls geben war das was mir bisher gefehlt hatte. Ich hatte mich schon mit godo auseinandergesetzt, mit Cantienica (die machen kein Vorfußlaufen, aber es hat den Impuls nach oben drin). Und ich mache länger schon Aikido, da wird der Fuß ja eher vom Ballen aus aufgesetzt, aber sehr flach über die Matte geführt, mit tiefem Schwerpunkt.

Kurz und gut, der Unterschied ist eher mental, verändert aber viel. Und die weiteren Lektionen, auch Beobachtungen, machen Spaß….“   (Almuth Sch.)


…Durch ihren Ballengangkurs habe ich gelernt auf welche Feinheiten ich achten kann. Vielen Dank!

…Vielen Dank noch einmal für Ihre inspirierende Website, die mir geholfen hat, eines meiner Kindheitsprobleme zu lösen. Tatsächlich habe ich mich als Heranwachsender zwei- oder dreimal gefragt, wieso die Natur sich eigentlich ausgedacht hat, mit einem harten Stück Knochen, auf dem sich keine Muskeln befinden (Ferse), mit Wucht aufzutreten. Hat sie gar nicht 😉
Übrigens, meine Knieprobleme, die mich seit meines 17. Lebensjahres plagen, sind deutlich (!) zurückgegangen….  (Christoph B)


….Schaffe ich es, eine längere Strecke auf ebener Fläche im Ballengang zu gehen, dann spüre ich eine Befreiung im Becken bis hin zu einem glücklichen Gefühl.

Auch bin ich sehr viel aufmerksamer für die Menschen, die mir begegnen, wie die laufen und schaue mit Vergnügen sehr kleinen Kindern beim Rennen zu.

Ein hilfreicher Trick, um in den Ballengang zu kommen bzw. darin zu bleiben, ist für mich, dass ich den Oberkörper im Becken ein wenig nach vorne neige, dann fällt es schwer bzw. ist es unmöglich, in den Hackengang zu kommen.

Ich staune wirklich über die schnellen Erfolge, fühle mich stärker im LWS Bereich, kann lange Strecken problemlos gehen. Im Hackengang wurde ich schon nach kurzer Zeit pflastermüde und bekam ich je nach Schuhwerk starke Rückenschmerzen…. (Frau Mira, Berlin)


Nach einer plötzlichen Verdickung beider Füße (so wie nach einem Insektenstich, aber deutlich dicker und den ganzen Fuß betreffend) bemerkte ich bei der Rückbildung, dass einige Mittelfußknochen wie Überbeine vorstanden.

Ich machte mich daher auf die Suche nach einer intensiven bewussten Benutzung genau dieses Knochenapparates – und fand den Ballengang 🙂 (Thomas K.)


… Ich bin auf das Thema aufmerksam geworden, nachdem ich auf eigene Faust versucht habe meine Knieschmerzen loszuwerden. Nachdem ich bei vielen Ärzten war und niemand mir ernsthaft weiterhelfen konnte. Ich war als die Schmerzen anfingen noch keine 20 und mitten in der Ausbildung zur Zimmerin. Es hieß der Job sei schuld… Erschien mir damals nicht ganz abwegig, daher: Traumjob geschmissen und das vom Arzt verordnete ‚ein Jahr möglichst kaum die Knie bewegen‘ durchgezogen. Hat natürlich nichts genützt. Jedesmal wenn ich etwas unternommen habe sofort wieder geschwollene Knie und Schmerzen. Irgendwann habe ich aus Frust und Zeitmangel das Thema ruhen gelassen. Als ich mit meiner Tochter schwanger war bekam ich ein Beschäftigungsverbot und somit viel Zeit. In dieser kam mir der Gedanke, dass es das Bewegungstechnisch nicht einfach gewesen sein kann, und begann zu Forschen. Mit 25 bestellte ich das erste Paar Barfußschuhe und hab seitdem nichts anderes mehr an meine Füße gelassen. Die Eingewöhnung war recht einfach, da nach der Schwangerschaft die Kondition eh im Eimer war. Jetzt mit 29 kann ich sogar wieder laufen gehen! Als positiver Nebeneffekt hat sich auch meine Haltung deutlich verbessert. Allein die Tatsache, dass ohne Trainer sich so viel ‚von selbst‘ verbessert hat lässt für mich nur den Schluss zu, dass es sich um ein natürliches Bewegungsmuster handeln muss. (Sandra S.)


Ich kam zum Ballengang bei meiner Suche nach Hilfe für den Hallux Valgus, ich wollte keine OP, die mir viel, viel zu intrusive erschien.

 Ich fand dann Videos von Dr. Greb, las sein Buch, fing an, mich wegen Minimalschuhen umzusehen. Anfangs war meine Idee von Ballengang auch verzerrt – ich dachte, ich müsse die Fußspitze bewusst nach unten beugen, mich dann abstoßen/abdrücken, um die Energie der Bewegung richtig auszunutzen.

Ich begann, spezifisch jeden Tag für mind. 1/2 Std zu versuchen, im Ballengang zu laufen und hatte dabei auch bereits sehr gute Lauf-Gefühle. (Ich spreche vom Gehen, nicht Laufen im Sinne von Joggen)

Was mir schon da auffiel, war, wie lebendig sich meine Füße anfühlten, wie herrlich warm und durchblutet sie waren (sonst kenne ich fast nur kalte Füße).

Leider sind Videos mit Anleitungen viel zu kompliziert, ich habe viel zu kompliziert gedacht, wie wir das eben so gewohnt sind. Das Einfache haben wir verlernt!

Dann kam ich zu Dir und Deinem e-mail Kurs und nach einer Weile hatte ich es endlich kapiert – es ist überhaupt keine Anstrengung, gar nicht „storchig“, weder Abdrücken noch Fußspitze nach unten beugen. Lediglich, den Fuß „hängen“ lassen und dann kommt er ganz automatisch am Ballen auf. Es sieht gar nicht so viel anders aus.

Ich gehe Ballengang vor allem, wenn ich keine Eile habe und kein Gepäck. Im Winter habe ich Probleme mit den passenden Minimalschuhen. Ich lebe in einer mittelalterlichen Stadt mit Kopfsteinpflaster, was mitunter super glatt werden kann und es ist hier streckenweise sehr steil. Ich bin schon auf Strümpfen nach Hause gelaufen, weil ich mit Schuhen nicht gehen konnte.

Die Minimalschuhe haben natürlicherweise wenig Profil und taugen nicht immer.

Ich empfinde den Fersengang dann oft als sehr schwer und bremsend, weil ich eben den Vorderfuß hoch nehmen muss.

Meine Erfahrungen zusammengefasst sind dahingehend, dass ich Ballengang als sehr angenehm empfinde und ihn dem Fersengang vorziehe, sofern machbar. Meine Schmerzen im Bereich des Großzehenballens haben aufgehört, wenn auch der Hallux nicht besser geworden ist. Auf jeden Fall sind die großen Zehen voll beweglich, nichts ist versteift, wie ich es sonst sehr häufig sehe. Vorher habe ich Einlagen benötigt. Es war dann ein echter Schock, als ich nach einem Winter mit Einlagen, im Freibad nicht mehr barfuß laufen konnte! Dann habe ich mich der Einlagen schnell entledigt!

Der Ballengang ist sicher kein Allheilmittel und sollte nicht mit zu hohen Erwartungen überfrachtet werden. Dennoch kann er sehr hilfreich sein.

Zum Artikel [Ballengang nicht präferierte Gangart…], den ich mir angesehen habe möchte ich gern folgendes anmerken:

Wir leben in einer dualen Welt! Es gibt zu JEDEM Thema zumindest schwarz und weiß, meist jedoch noch ganz viele Grauschattierungen dazwischen. Es wird niemals eine Übereinstimmung geben können, das ist hier in dieser Welt ganz ausgeschlossen.

Insofern finde ich die Diskussion über den Ballengang müßig – wer sich ein Bild davon machen will, wird seine ureigenen Erfahrungen damit machen und kann dann FÜR SICH selbst entscheiden.

Bei diesem speziellen Artikel denke ich eigentlich, dass der Schreiber keine Ahnung vom Ballengang hat, denn wieso dieser ein Sicherheitsrisiko wegen Instabilität darstellen soll, ich mir total schleierhaft! Für mich kann es auch gar keine hergeleitete Bestätigung geben. Es braucht sie nicht, der Ballengang spricht für sich selbst, wenn er verstanden wird!!!

Es ist wie mit den Schuhen – alle Welt meint, spitze oder runde Schuhe seien ok – ich als Fußpflegerin sehe die Auswirkungen! Ich kaufe gar keine Schuhe mehr, die nicht Wildling, Leguano oder auch mal Vivobarefoot heißen. (Astrid, Fußpflegerin)


…. Nachdem ich des Öfteren vom Ballengang gehört habe, fragte ich meinen Physiotherapeuten, was er davon hält. Ich bekam die simple Erklärung, man würde dabei halt auf dem Vorfuß statt auf der Ferse landen bei jedem Vorwärtsschritt. Das sei aber nicht physiologisch. Deshalb riet er mir davon ab.
Dennoch hatte ich das starke Gefühl, dass meine Hüftprobleme irgendwie mit der Art des Gehens zusammenhängen könnten, also probierte ich es einfach.
Mein erster Versuch, sich so zu bewegen, scheiterte auch kläglich. Die Hüfte war zwar ganz ok, doch die Unterschenkel krampften und die Füße fühlten sich überfordert an.
Langer rede, kurzer Sinn, schließlich landete ich über den Newsletter von Ballengang.de auf einem Seminar bei Hannover und erfuhr dort, wie der ganze Körper sich beteiligen – ja regelrecht verändern- muss, um dann wie von selbst abfedern zu können. Im Besonderen lag es bei mir tatsächlich an einem Festhalten der Hüfte aus Angst vor Schmerz, und dahingehend von einer völlig steifen Haltung im gesamten Rumpf.
Seither gehe ich mehr und mehr ganz selbstverständlich und immer entspannter in einem Ballengang, den ich gar nicht für möglich hielt … (Eva B. aus Nürnberg)  


 

Soviel zu den Erfahrungswerten (Unten folgen noch einige mehr auf einer eigenen Seite und noch ausführlicher)

Schauen wir uns nun aber den Teil des Fußes an, dessen Funktion so umstritten ist:

EXKURS: Die menschliche Ferse

ferse_fuss_ballengang

Oft wird in medizinischen Kreisen die Anatomie der Ferse als zum Auffangen und Abrollen geschaffenes Körperteil beschrieben.
Die Polsterung nach unten und die evolutionär zunehmende Länge des Fersenbeins wird hierzu als Argument genannt. Diese Auffassung kann ich immer weniger teilen, je länger ich mich mit der Verbesserung meiner Bewegung und dem Coaching anderer ebenso an einer Verbesserung interessierter Menschen befasse.

Ich möchte hierzu eine Sichtweise dagegenhalten, die für mein Verständnis viel logischer und vor allem in der Praxis viel nachvollziehbarer ist.

Wir können davon ausgehen, dass der Mensch sich im Laufe der Zeit von einem mehr gebeugten Lebewesen – ähnlich den heute lebenden Menschenaffen – das noch die Arme zum Stabilisieren des Stehens und zur Unterstützung des Laufens benutzt – zum ganz frei aufgerichteten Zweibeiner entwickelt hat.
Damit sind viele Veränderungen des gesamten Körperbaus einhergegangen.
Um nur Einige zu nennen:
-Das Becken musste nun Organe von unten stützen können (Ausbildung eines starken Beckenbodens)
-Die Wirbelsäule musste eine Doppel-S-Form annehmen, die nach oben gegen die Schwerkraft federt.
-Die Hände wurden beweglicher und filigraner (weil sie frei nutzbar wurden)
-Der Schädel musste mehr Gehirn fassen können und das Gebiss weniger kräftig zubeißen können.

-> Die Füße mussten nun nicht mehr greifen können, dafür aber als alleinige Grundfläche für dauerhaftes freies Stehen dienen. Als Basis für die gerade nach oben gerichtete mehrteilige Kraftlinie der Balance.

Um den Stand genügend nach hinten abzusichern, musste das auch bei Menschenaffen bereits stärker ausgebildete Fersenbein noch länger werden, die Zehen dafür nach vorne ausgerichtet und das Sprunggelenk für stark federnde Belastungen des ganzen aufrechten Körpers ausgebildet werden. Und ebenso wie beim Becken ersichtlich, ist sogar die anatomische Aufrichtung evolutionär noch nicht gänzlich abgeschlossen. Daher findet man weltweit noch Abweichungen in bestimmten Details wie beispielsweise der Länge des Fersenbeins.
Aufgrund dieser Entwicklung können Menschen auch alleine aus der Kraft über den Vorfuß sehr große federnde Kräfte zum Landen oder Abstoßen verarbeiten. Dies ist z. B. Menschenaffen nicht möglich, da sie noch alle vier Gliedmaßen benötigen.

Die Funktion des verlängerten Fersenbeins liegt folglich ganz klar in der statischen Stabilisierung unseres aufrechten Körperbaus bei relativ hohem Körperschwerpunkt. Ohne verlängerte Ferse wäre längeres freies Stehen unmöglich bzw. extrem ineffizient.

Betrachtet man die Ferse als Ganzes, dann ist auch klar zu erkennen, dass diese ein verlängerter Teil eines Gelenkes ist, das dazu da ist, bewegt zu werden und nicht, um sich darauf in belastender Weise mit der Kraft des mehrfachen Körpergewichtes aus einem Fall heraus abzufangen.
Andere Zweibeiner besitzen aber keine so ausgebildete Ferse, da die statische Stabilisierung anders funktioniert:

Kängurus nutzen den Schwanz zum Stabilisieren nach hinten, das Sprunggelenk wird auch hier in Ruhestellungen auf den Boden abgesetzt, hat aber niemals die Funktion, Sprünge abzufangen.
ballengang_kangoroo_balance
⁃ Bei Laufvögeln und den früheren zweibeinigen Dinos dien(t)en Kopf und Schwanz wie ein mehr oder weniger langer Balancestab nach vorne und hinten, was eine Ferse überflüssig macht.

ballengang_vogel_balance

ballengang_dino_balance

Menschenaffen und Bären sind noch Vierbeiner und haben hauptsächlich die Vordergliedmaßen zur zusätzlichen Stabilisierung

ballengang_affe_balance

Schauen wir und jetzt direkt die Silhouette des menschlichen Körpers an, dann wird klar, dass unser Körper mit Abstand der schlankste ist, mit einer extremen vertikalen Ausrichtung und verhältnismäßig wenig körperlicher Stabilität (instabiles Gleichgewicht) und sehr hohem Schwerpunkt, verglichen mit anderen Lebewesen.
ballengang_mensch_balance
Es gibt in aufrechter Position nach vorne und hinten nichts Vergleichbares zu den obigen Zweibeinern, das uns halbwegs stützen könnte als Zehen und Ferse. Ansonsten sind wir auf ein sehr feines ständiges Gleichgewicht in alle Richtungen angewiesen, um unsere Struktur optimal nach oben gegen die Schwerkraft auszurichten.

(Wie sensibel solch ein System ist gegenüber Störungen, kann man erahnen. Dies zu beschreiben, übertrifft bei Weitem diesen Artikel.)

Wir brauchen also dieses verlängerte Fersenbein, um überhaupt stehen zu können und nicht ständig in Bewegung sein zu müssen!
(Wie schwer das dennoch ist, erkennen wir leicht daran, dass wir dazu neigen, uns bei jeder Gelegenheit zusätzlich abzustützen, beispielsweise an Wänden etc..)

Selbstverständlich muss unsere Ferse in der Stützfunktion auch genügend gepolstert sein. Denn sie wird ja ständig mit Körpergewicht belastet.
Doch sie wird niemals – im Erstkontakt – im Zusammenspiel mit allen anderen Funktionseinheiten (Knie, Becken, Wirbelsäule,..) einen Sprung auf gesunde Art auffangen können.
Auf der Ferse zu landen ist gleichbedeutend damit auf dem Sprunggelenk, dem im Hebel stärksten Gelenk in der aufrichtenden Kraftlinie zu landen. (Etwas überspitzt: Wer würde freiwillig auf dem Knie landen, was gleich das nächsthöhere Gelenk darstellt, wenn das Knie schön gepolstert wäre?)
Die Frage, ob die menschliche Ferse rein anatomisch zum Aufnehmen von Körpergewicht oder „Abrollen“ beim Gehen eingerichtet ist, würde sich daher wie folgt beantworten:
Da beim Gehen – anders als z. B. beim Laufen- immer ein längerer Bodenkontakt pro Schritt vorliegt, wird sie meistens als zwischenzeitliche Stütze zwischen zwei Abdruckvorgängen genutzt. Um die Hauptkräfte beim Landen und beim Abdruck optimal vom oder zum Boden zu übertragen, muss das Sprunggelenk über den Vorfußkontakt eingesetzt werden.
Landen auf der Ferse bedeutet Landen auf dem Sprunggelenk selbst und das ist dysfunktional!

Die Prothese „Schuh“

Und WEIL das Nutzen der Ferse zum Landen in dieser exzessiven Form ohne Hilfsmittel – also barfuß, was man tatsächlich als natürlich bezeichnen kann – NICHT gut funktioniert, haben Schuhe der modernen Zeit Dämpfungen, Sprengungen und Verstärkungen an der Ferse. Oder sind gar konvex abgerundet, um ein Abrollen zu ermöglichen, das es barfuß nicht geben kann, weil der Fuß weitgehend konkav (also hohl) geformt ist, um FEDERN zu können. Wenn man ihn denn lässt..!
Hilfsmittel, die fehlende Körperfunktionen ersetzen oder ausgleichen, nennt man auch Prothesen oder Orthesen (je nach Funktion).
Daher kann das Gehen mit und ohne solche Hilfsmittel (Schuhe) nicht miteinander verglichen werden.
Noch weniger kann ein jahrzehntelanges Gewöhnen an Bewegung MIT Prothese aus Bequemlichkeit als Maßstab für das Bewegen OHNE Prothese gesetzt werden. Zumindest ist dies aus rein logischen Gründen hoch fragwürdig.
Will man also ernsthaft herausfinden, wie man sich ohne den kulturellen Einfluss von Schuhwerk bewegen könnte, dann sind intensive Erfahrungsprozesse erforderlich, die über „so ist es am bequemsten“ hinausgehen.

C. Die Bewegungsqualität

Wenn wir an unserem Gang arbeiten wollen, kann es nicht darum gehen, einzelne Techniken zu üben- oder sogar von einem Lehrer einfach nachzuahmen. Nein, es kann nur um das WIE, also um die QUALITÄT der Bewegung gehen, mit der ich u. a. gehe.
Aus meinen Beobachtungen habe ich eine Tabelle erstellt, die die Bewegungsqualitäten verdeutlichen, die auch die Art und Weise des Gehens maßgeblich bestimmen.

bewegungsqualität_ballengang

Wir stellen also fest, dass es – individuell ausgeprägt- eher grundsätzliche BEWEGUNGSQUALITÄTEN gibt, die noch über den jeweils konkreten Techniken stehen.

Die meisten Menschen, die positiv vom Ballengang sprechen, stellen in ihrem gesamten Bewegungsspektrum eher Qualität A dar. Sie fühlen sich leicht, aufgerichtet und auch beweglicher als früher.
Man könnte daraus schließen, dass dies an der Vorfuß-Landung liegt, mit der Ballengang gerne definiert wird.
Das stimmt so aber nicht! Zwar wird durch den aufrichtenden Reflex vom Sprunggelenk nach oben diese Bewegungsqualität provoziert, aber wer nicht weiter arbeitet und faktisch ALLE Gelenke und damit die ganze Körperstruktur einbezieht, der kann diese Qualität A nicht halten. Der Fuß passt nicht in das restliche Bewegungsschema und der ganze „Ballengang“ fühlt sich gekünstelt und „unnatürlich“ an. Folge: Der Gang bleibt wie er ist, ebenso die Körperstruktur. Fazit in diesem Fall: „Ballengang ist nicht natürlich.“ …
Und dann sucht man Bestätigung in der Masse und bekommt natürlich mehrheitlich Recht! 😉

D. Ballengang ist NICHT einfach

Trotzdem gibt es da auch ganz andere Erfahrungswerte. Menschen, die durch die sukzessive Umstellung ihrer Bewegungsqualität äußerst positive Veränderungen durchlaufen haben. Nicht dass einfach nur Schmerzen ausblieben – das sollte nicht unbedingt der Hauptantrieb sein, weil es darum eigentlich nicht vorrangig geht – nein, das Körpergefühl an sich und die Freude am Bewegen nimmt deutlich zu und bekommt auch mental eine andere Qualität.

Doch WIE geht das? Sollte das nicht einfach so von allein kommen? Sind wir nicht natürlich dazu veranlagt, uns frei, aufgerichtet, mühelos, flexibel und nicht zuletzt schmerzfrei durchs Leben zu bewegen? Und zwar in der Masse? …
Dazu meine ganz persönliche derzeitige Erkenntnis, die ich an anderer Stelle noch ausführlicher erläutern werde:
Schauen wir wieder auf die Tabelle oben. Wir erkennen zwei Arten, sich grundsätzlich zu bewegen und dabei gegen die Schwerkraft anzutreten, die ja fortwährend wirkt.
Beide Qualitäten – ich nenne sie heute nur A und B – sind in uns veranlagt und entwickeln sich fortan weiter von dem Moment an, wo wir eine absichtsvolle Bewegung ausführen können. Also schon nach wenigen Lebensmonaten.
Während wir ganz zu Beginn als Säugling nur „alles oder nichts“ bewegen können, wird das Nervensystem immer differenzierter und erlaubt mehr und mehr nur gewollte, zielgerichtete Aktionen.
Während wir anfangs mehr Qualität B einsetzen, beginnt sich mit den faszialen Strukturen (beispielhaft das Fußgewölbe) mehr und mehr Qualität A herauszubilden.
Und ab da scheiden sich die Werdegänge deutlich.
Die meisten Menschen bilden Qualität A offensichtlich nicht genug aus, um langfristig im Alltag Zugriff darauf zu haben. Bewegungen werden aus verschiedenen Gründen undynamischer, fester, zu muskulär, zu schiebend und die Aufrichtung wird schwerer. -> So wird Qualität B in immer mehr Situationen zum Standard. Auch beim Gehen.

Dennoch gibt es Menschen, die weiterhin Qualität A praktizieren und im Alltag umsetzen. Diese Menschen sind nicht automatisch „Ballengänger“, sind aber diesem so nah, dass eine bewusste Umstellung gut gelingt. Weil Ballengang nichts anderes ist, als die Umsetzung der allgemeinen Qualität A beim Gehen.

Wieso ist der Ballengang also alles andere als einfach?

Wer sich ohnehin ähnlich Qualität A bewegt, wird – egal ob andere Probleme vorliegen oder nicht – eine recht leichte Integration des Ballengangs in den Alltag schaffen.
Wer (und das ist die Mehrheit) sich mehr in Qualität B bewegt, der kann nicht „einfach so“ mal eben per Vorfuß-Dribbling sich den Ballengang antrainieren.
Nein, es geht nur, wenn die Körperstruktur- sprich die Faszien – und die Wahrnehmung allmählich und ALLE Lebenssituationen umfassend angepasst werden.
Das beginnt eigentlich schon beim Liegen! -> Sind denn die Wirbelkörper schön langgestreckt? Sind die Schultern frei? Ist das Becken beweglich?
Nur wenn die Verbindung von Zehen zum Scheitel (auch im Liegen) frei ist, kann ich beim Gehen komplett vom Boden nach oben federnd aufrichten.
Eigentlich logisch aber man achtet weniger drauf ohne speziell und richtig intensiv mit dem eigenen Körper beschäftigt zu sein.

Ergo: Ballengang zu praktizieren ist weniger der eigentliche Zweck sondern vielmehr ein Zeichen dafür, dass viel am eigenen Körper in Ordnung zu sein scheint und Qualität A weit genug entwickelt ist.

Ziel und Zweck langfristig sollte es sein, wenn man sich entwickeln möchte(!), dem Körper die als Kind schon ansatzweise aber meist sehr unvollständig ERLERNTEN Qualitäten (aktiv, aufrichtend, faszial, federnd, leicht, flexibel) weiter auszubilden.
Und das ist leider Arbeit. Das kommt nicht einfach so.
Und genau deshalb tun es logischerweise auch nicht viele bzw. auf keinen Fall „die Masse“.

E. Fazit

Wir sollten uns von den Begriffen „Ballengang, Fersengang, Vorfußgang, Mittelfußgang“ langsam verabschieden und statt dessen auf das Wesentliche schauen, was bei Bewegung stattfindet und über die Qualität entscheidet: Die fasziale Körperstruktur, die Bewegungswahrnehmung (Kinästhetik) und die Arbeit des Torsos.
Mehr dazu im kostenlosen Emailkurs + Newsletter (Link) sowie in weiteren Publikationen.

F. Authentische Erfahrungen mit dem Ballengang

Letztlich ist es immer der eigene Weg, wohin man möchte, welche Priorität man sich setzt oder manchmal einfach auch welche Bedingungen man gerade hat und denen den Vorrang gibt.

Es folgen nun verschiedene Erfahrungsberichte quer Beet von unterschiedlichen Ballengang-Praktizierenden.
Der Übersicht wegen hier der Link zu den Berichten, die regelmäßig erweitert werden.

-> zu den Erfahrungsberichten

G. Danksagung

Um diesen Artikel so verfassen zu können, habe ich einen Aufruf an alle Bezieher meines kostenlosen Emailkurses geschickt mit der Bitte, frei heraus ihre ganz persönlichen Erfahrungen und Ansichten zum Thema Ballengang aufzuschreiben.

Dieser Bitte sind dutzende Leserinnen und Leser gerne nachgekommen mit der Erlaubnis, ihre Texte mit oder ohne Namensnennung zu veröffentlichen. Dafür möchte ich mich bedanken.

Herzlich, euer

Stefan Heisel

ballengangseminar_heisel

Wie soll ich Ballengang lernen?


oder: Der richtige Schuh wird’s schon richten …

Ballengang_Heisel_Strand1Lieber Leser,

diese Frage höre oder lese ich gerade in letzter Zeit immer häufiger.
Noch vor wenigen Jahren war der Ballengang wirklich sehr speziell und weitgehend unbekannt. Nun hat sich ein regelrechter Trend entwickelt, an seinem Gehen etwas ändern zu wollen. Mit verantwortlich ist auch der wachsende Markt der Barfußschuhe, weil diese als „gesund“ gelten, aber ohne körperliche Umstellung nicht wirklich bequem sind, bzw. sogar bestehende Probleme verstärken können.
Die hauchdünne Sohle sowie fehlende Fersenerhöhung lassen eine künstliche Dämpfung vermissen.
So wird dem frischen Barfußschuhträger das entsprechende unphysiologische Fersenaufschlagen oft ebenso bewusst wie ein Überlastungsgefühl im vorderen Fußbereich.
Durch das starke Interesse an dem Produkt (Schuh) hat sich etwas Wesentliches in unserer Branche verändert, was sich auch in der Art und Weise des Coachings zwangsläufig niederschlägt:

Bevor es die heutigen Schuhprodukte gab, die ein natürliches, nicht unterstütztes Gehen fordern, stellte sich folgende Situation dar:
Menschen mit hohem Körperbewusstsein und gleichzeitig großer Offenheit gegenüber Veränderungen von Konventionen begannen, sich verstärkt auf ihre Intuition und ihr angeborenes Körpergefühl einzulassen.
Es gab weder Literatur noch Produkte noch Anleitungen oder gar Coaches oder Seminare für natürliches Bewegen/ Gehen.
(Wenn, dann gab/ gibt es traditionelle Lehren, die dieses Thema eher stilisieren oder am Rande angehen, wie z. B. Yoga, innere Kampfkünste oder Eurythmie)

Vielmehr existiert(e) „lediglich“ ein Gefühl von Harmonie beim Bewegen im „Ballengang“, mehr Dynamik, Leichtigkeit, innere Freiheit, Gewandtheit, …

Bei mir persönlich startete sogar ein ganz neues Lebensgefühl, weil das Ablegen eines so tief verwurzelten Bewegungsmusters wie das alltägliche Gehen mir ermöglichte, ALLE Bewegungen und Haltungen in jedem Bereich wesentlich zu verbessern. 
(Mit dazu half wesentlich eine intensive Neuordnung meiner Faszienstruktur durch gute Faszientherapeuten)

Das einzige Problem zeigte sich (wie heute), dass es quasi kaum Schuhe gab, die sich mit bereits erarbeitetem Körpergefühl vereinbaren ließen. Unter Insidern empfahl man sich als „zivilisierten“ Schuh gern die leichten Modelle der Marke „Bär“ mit Nullabsatz und Zehenfreiheit. Erst später wuchs die neue Barfußschuh-Branche aus dem Laufsport heraus.

Der Vorfuß-(Barfuß)-Laufstil etablierte sich damit mehr und schuf auch Probleme. Viele Läufer begannen, sich diesen Laufstil anzueignen und bedachten dabei nicht, dass ihr Körper, insbesondere die Füße damit erst mal strukturell überfordert waren. Es häuften sich, Verletzungen, oft Ermüdungsbrüche im Mittelfuß, weil das Bindegewebe (die Faszien) viel zu schnell überlastet wurde.
Dennoch setzte sich der Barfußschuh-Trend bis heute fort, da es andererseits ja mehr als augenscheinlich ist, dass barfuß die natürlichste und letztlich gesündeste Art ist sich fortzubewegen.
Und genau in dieser Situation befinden wir uns heute:
Anstatt dass zuerst der Impuls da ist, sich natürlich zu bewegen (was ja auch mehr als das Gehen betrifft) haben wir heute in der Mehrheit ein PRODUKT als Startpunkt: den „Barfußschuh“.
Nur ändert sich durch das Tragen anderer Schuhe oder das Umsteigen auf häufiges Barfußgehen leider noch nicht das Körpergefühl. Also ändert sich auch nicht zwingend die Bewegungsqualität.
Und mit Sicherheit verbessert sich dadurch erstmal die Körperstruktur nicht die Bohne…
Was eher passieren kann (und tatsächlich häufig beklagt wird) sind Verschlimmerungen bestehender Probleme (z. B. Spreizfuß, Hallux Valgus, Rücken-, Kniebeschwerden), da die fehlende Dämpfung, kombiniert mit dem Versuch, nur anders aufzutreten, weitere Fehlbelastungen hervorrufen. Weder ist das Fußgewölbe für die neue, intensivere Belastung genügend ausgebildet, noch sind Knie, Hüfte, Wirbelsäule, Rücken, Bauch und Schultern geschmeidig genug, um wirklich als Ganzes richtig federnd und aufrichtend zu funktionieren. Genau diese veränderte Situation kann ich als Bewegungscoach immer häufiger beobachten. Während vor dem Schuh-Boom noch viele an sich bewegungsbewusste Menschen nach Feinschliff in der Bewegung und/oder nach einem Körpertuning in Form von Faszientherapie fragten, stehen inzwischen viele frischgebackene Barfußschuhträger ohne entsprechendes Körpergefühl in Seminaren oder Einzelcoachings.

Noch ein weiterer Punkt kommt hinzu, der aber mehr unserer industriellen bzw. mechanistischen Denkweise zuzuschreiben ist. Wir sind es gewohnt, seit wir die Schulbank drücken, dass wir Musterlösungen vorgesetzt bekommen, die es bei geringstmöglicher Toleranz zu KOPIEREN gilt. Die Welt wird nicht mehr selbst entdeckt, sondern uns meist ohne Lebensrelevanz synthetisch vorgesetzt. Wir sitzen fast nur noch da und lassen uns passiv von der „Wahrheit“ aus zweiter oder dritter Hand berieseln. Und wer diese „Wahrheit“ am exaktesten kopiert, enthält die bessere Bewertung durch andere Menschen.
Eigene Erfindungen oder Gedanken sind fast ebenso sehr gefürchtet wie Kreativität oder – am Schlimmsten- Fehler …?
Damit geht uns etwas sehr Wichtiges und Wesentliches verloren: Unsere Neugier und das Vertrauen in die Fähigkeit zu eigenen Empfindungen und eigener Intuition. Was uns ja eigentlich von Geburt an mitgegeben ist. Und das betrifft auch unser Körpergefühl und die Art und Weise, wie wir glauben, Bewegungen lernen zu müssen. Es wird nämlich erwartet, dass exakt zu kopierende Übungen, die regelmäßig durchzuführen sind, tiefgreifende Verbesserungen hervorrufen sollen.

Was bedeutet das für den Ballengang und das Wiedererlernen natürlicher Bewegungen?
Um überhaupt auch nur im Entferntesten auf die Idee zu kommen, etwas an seinem Gang zu ändern, bedarf es eines AUSLÖSERS. Auf meinen Seminaren frage ich immer nach, worin der Grund des Besuchs liegt, woher das Interesse am Ballengang überhaupt rührt. Und wie eingangs schon beschieben, wandelt sich dieser Auslöser mehr und mehr auf das Produkt „Barfußschuh“ und dessen richtigen Gebrauch. Während früher noch – rein mental schon – die Frage nach dem richtigen Gebrauch des eigenen KÖRPERS im Vordergrund stand.
An dieser Stelle möchte ich deshalb für alle, die bis hierher mitgelesen haben (und nur für jene macht der weitere Text Sinn) wieder erinnern, wie wir alle zu unseren natürlichen Bewegungen überhaupt gekommen sind.

Als Kleinkind waren wir ständig folgende Dinge am Tun:

– spielen

– neugierig sein -> beobachten

– Fehler machen, hinfallen, weiter probieren

– fühlen (statt denken!) -> dem „Instinkt“ folgen
Mit diesen Tätigkeiten und Qualitäten lernten wir leicht und ganz von selbst Folgendes:
# krabbeln

# drehen

# perfekt aufrichten

# perfekt hocken

# perfekt sitzen

# perfekt stehen

# hüpfen

# klettern

# bauen

# malen und zeichnen

# singen
(Ergänzen Sie gerne …)

Dabei findet außer bei Sprache und zum Teil beim Gehen alles rein aus eigenem Antrieb ohne direkte Nachahmung statt. Wir sind quasi perfekt ausgestattet und erreichen ohne Coach, ohne Sportlehrer und Physiotherapeuten die wichtigsten Basis-Skills des Menschseins.
Leider geht sehr vieles davon in dem Moment verloren, wenn es damit anfängt, dass man uns Dinge vorsetzt, die nicht selbst ausprobiert werden konnten. Und wenn wir von einem Tag auf den nächsten mit sechs Jahren für fünf Stunden täglich an einen Stuhl gefesselt sind und einen kleinen Stift an die Hand gebunden bekommen, der dann „richtig abkopieren“ soll. Selbst das Bewegen des Körpers (Sportunterricht) folgt von nun an Kategorien wie „richtig“ und „falsch“ und steht plötzlich in Relation zu den Leistungen anderer. Es geht also nicht mehr darum, sich selbst zu erfahren, sondern von sich abzusehen und den Vergleich zu anderen zu betrachten und dazu noch von Dritten beurteilt zu werden. So wird die noch vorhandene Intuition sukzessive zugunsten eines reflektierten „es anderen Recht tun“ abgebaut.

Liebe Leser, sollten Sie Interesse an Ihrem persönlichen natürlichen (also auch leichten und mühelosen) Gehen haben, dann sind Sie gut beraten, sich NICHT an jenes von außen gesteuertes „Anleitungslernen“ zu halten, sondern sich genau davon wieder zu lösen und das spielerische Entdecken, Probieren und Fehler machen wieder zu wagen! Je leerer Ihr Kopf dabei ist, desto größer die Chance, sich selbst nah zu kommen. Und umso erfolgreicher finden Sie auch Ihren „Ballengang“.
Lassen Sie also Ihr Gehen von gar keiner Schuhmode oder gar Ideologie oder einem Zeitgeist bestimmen. (Ja, auch und gerade Ideologien geben willkürlich vor, was für alle Menschen oder eine Gruppe davon „richtig“ sein soll – meist aber mit dem Hinweis, wie „falsch“ oder gar „dumm“ doch andere sind, um sich selbst im Wert ihres Tuns zu erhöhen).

Nein – Finden Sie es doch selbst für sich heraus, was auch immer Sie dazu gebracht hat, überhaupt darüber nachzudenken! In dem Fall sind auch Schuhe ganz toll, wenn sie zur Reflexion anregen und Menschen dazu bringt, sich die Sache mit dem eigenen Körper doch mal genauer anzusehen.

Daher mein Vorschlag an alle Ballenganganfänger oder jene, die im Moment an der „exakten Ausführung“ scheitern:

Stellen Sie sich (am besten barfuß) so hin, wie Sie sich am Ausgewogensten fühlen und wippen Sie auf der Stelle. Mit so vielen Gelenken wie möglich. Jeden Tag, wenn Sie möchten, und sei es nur eine Minute oder weniger.

Ich verspreche Ihnen: Irgendwann macht es „Klick“ und Sie wollen unbedingt wissen, wie denn der erste Schritt nach vorne wirklich funktioniert ….

Viel Spaß am Entdecken!

Mit herzlichem Gruß

Stefan_Heisel_Bodymotic
Ihr Stefan Heisel

 

PS: Neue Seminare in 2018:

http://seminare.ballengang.de 

Zeige mir, wie du gehst und ich sage dir, wer du bist


Oder

Wie unsere Körperstruktur und Bewegung unser Inneres ausdrückt

Liebe Leser, wir alle haben eine intuitives, angeborenes, bzw. sehr früh erlerntes natürliches Fähigkeit, die uns auf einen Blick die Stimmungs- und Gefühlslage unserer Mitmenschen erkennen lässt. Es fällt uns leicht, Zustände wie Freude, Angst, Niedergeschlagenheit, Selbstsicherheit anhand der Körperhaltung, Gestik und Mimik klar zu unterscheiden. Diese Körpersignale laufen aber nicht nur grob ab, sondern bestimmen bis in feinste Nuancen in überragendem Maß unsere Kommunikation und unsere Einschätzung bzw. sogar Bewertung untereinander.

Menschen, die sich mit darstellender Kunst, Schauspielerei oder auch mit Malerei, Fotografie und Bildhauerei beschäftigen, erlangen automatisch ein überdurchschnittliches Wissen über Körpersprache. In diesen Berufen geht es in außerordentlicher Weise um den Ausdruck aller denkbaren menschlichen Befindlichkeiten in Zusammenhang mit dem körperlichen Ausdruck.

Der weltbekannte Pantomine und Experte für Körpersprache Samy Molcho hat durch seine berühmten Werke [->Körpersprache], die in keiner Hausbibliothek fehlen sollten, viel zum Verstehen unserer Gestik und Mimik beigetragen.

Doch es geht noch weiter: Beginnend mit der Wissenschaft der Psychologie und den damit auch teilweise einhergehenden westlichen Körpertherapien, erlangte man immer weitreichendere Erkenntnisse um den Zusammenhang zwischen Körper, Fühlen und Denken. Daraus folgernd geht es bei weitem nicht mehr „nur“ darum, die momentane Körpersprache zu deuten (oder bewusst darzustellen) sondern auch darum, bestehende Probleme körperlicher wie psychischer Art nicht mehr isoliert zu betrachten, sondern deren Einfluss aufeinander zu erkennen.
Eine solche Erkenntnis besteht beispielsweise darin, dass bestimmte Lebensereignisse positiver wie negativer Art, die in der konkreten Situation eine körperliche (Schutz)Reaktion veranlassten, im späteren Leben – also wenn dieses Ereignis überhaupt keine Relevanz mehr hat – immer noch unbewusst aufrecht erhalten wird und letztlich als „normale Körperhaltung“ fest abgespeichert wird.
Ein klassisches Beispiel soll das verdeutlichen:
– Ein von Geburt an neugieriges Kind möchte möglichst viel in seiner Umwelt erkunden und greift daher natürlicherweise nach jedem Gegenstand in seiner Umgebung, um ihn zu berühren, je nach Alter noch zum Mund zu führen, mit ihm zu spielen, sein Gewicht zu spüren, ihn fallen zu lassen etc. Das Umfeld des Kindes findet dieses Verhalten unangemessen (es versteht die Wichtigkeit dieser Entwicklungsphase nicht) und maßregelt das Kind konsequent mit Entzug von Gegenständen und einem Klaps auf die Finger, wenn ein „unerwünschter“ Gegenstand genommen wird.

Diese regelmäßige Erfahrung (es kann auch eine besonders heftige einmalige Erfahrung sein) „Schmerz und Tadel beim Greifen von Sachen“ wird in der Situation als körperliche Reaktion ausgelebt: Die Hände werden zurückgezogen , die nächsten Erkundungen erfolgen zurückhaltender, vorsichtiger, insbesondere dann, wenn andere Menschen in der Nähe sind, die Schmerz und/oder Tadel verursachen könnten. Ein solches Kind kann als körperliche und psychische Manifestation dazu neigen, generell zögerlich bei allem zu sein, was Erkunden, Zupacken und Zugehen auf andere Menschen sein. Das äußert sich dann, dass der Händedruck passiv und schwach ausgeführt wird, bzw. sogar möglichst vermieden wird. Die Arme hängen bei einem solchen Menschen schwach/lasch und sehr körpernah am Rumpf herunter, sie kleben regelrecht an ihm. Die Schultern bilden sich relativ schwach aus, bzw. neigen verstärkt zum Vorwölben, was wiederum die freie Atmung behindert und quasi schon einen Rundrücken vorprogrammiert.

Gleichzeitig mit den sichtbaren körperlichen Besonderheiten finden wir auch im Inneren starke Parallelen: Neue Aufgaben werden mit übergroßer Vorsicht angegangen. Offensives Vorgehen, Selbstverwirklichung sind stark gedämpft. Dagegen ist als Kompensation dafür eine übergroße Anpassung und Weisungsgebundenheit vorhanden.
Was also im Inneren an Vorsicht und Zurückhaltung aus einer bestimmten prägenden Erfahrung heraus entstanden ist (weil das Anpassen alters-, und umständebedingt weniger Leid erzeugte als das Rebellieren) zeigt sich im Körper durch eine entsprechende Struktur (schwach ausgeprägte schlaffe Arme, Schultern, inklusive Rundrücken).

Und die KörperSTRUKTUR ist im Gegensatz zur momentanen HALTUNG oder GESTE eine FESTE Größe, die sich nicht unmittelbar und kurzfristig willentlich verändern lässt!
Anhand dieses Beispiels lässt sich erahnen, welch ein Universum von Zusammenhängen zwischen Körperstruktur, Bewegung und Gefühlen, Gedanken, Selbstbeschränkungen oder auch Freiheiten zu entdecken sind.
Wer sich mit diesen relativ neuen und aktuell auch in der Faszienforschung behandelten Zusammenhängen näher beschäftigen möchte, der kann sich beispielweise mit der Bioenergetik näher befassen. Oder auch zum Einstieg dieses faszinierende schon was ältere Büchlein „Botschaften des Körpers“ zu Gemüte führen

Kommen wir wieder zu Gehen zurück! Bei diesem zutiefst persönlichen Bewegungsmuster treten nahezu alle existierenden Körpererfahrungen, Befindlichkeiten, Beschränkungen und auch Freiheiten in Erscheinung. Genau deshalb ist es ja meistens auch nicht so einfach, bei Erkennen von Änderungsbedarf sein gehen „mal eben“ umzustellen. Vielmehr bedarf es mehrerer Bausteine oder auch „Bewegungsschlüssel“, um die eigene Gewohnheit gewissermaßen zu überlisten und damit umzuprogrammieren. Aber nicht nur das „anders Bewegen“ kann in diese festen Gewohnheiten eingreifen, sondern auch zweit weitere wichtige Ansatzstellen:

1. Die innere Faszienstruktur bestimmt, welche Bewegung und Haltung überhaupt physisch möglich ist, zumindest mühelos möglich ist. Die Faszien besitzen unter Anderem ein Gedächtnis für das subjektiv „Normale“. Die detaillierte Art und Weise, wie wir sitzen, stehen, gehen, heben, hantieren ist in Faszien und Zentralnervensystem abgespeichert und funktioniert völlig unbewusst. (Um das Bewusstsein für die generelle Planung unserer Handlungen nutzen zu können und Überforderungen zu vermeiden: Solche eine Überforderung tritt dann ein, wenn etwas völlig Neues getan wird und das wäre für den Alltag fatal) Wenn also Beispielsweise „Fersengang“ im gesamten Faszien- und Nervennetzwerk als „normal“ anerkannt ist, bewirkt eine direkte manuelle Faszienmanipulation auch eine erhöhte Toleranz für Neues und Leichteres. Daher ist Arbeit an den Faszien immer auch eine essentielle Vorbereitung auf andere/neue Alltagsbewegungen.(Alltagsbewegungen werden hier bewusst von Bewegungen aus Sport, Beruf, Hobby differenziert, weil diese immer unbewusst und äußerst persönlich und intuitiv gesteuert sind, daher auch entsprechend anders zu verändern sind als kulturelle Techniken aller Art)
2. Mentale Arbeit: Es nützt nichts, wenn man sich seine Alltagsbewegung und -haltung „hart erarbeitet“, wie man das beispielsweise vom Sport kennt. Denn unser Körper möchte es im ALLTAG bzw. PRIVAT stets angenehm und bequem, oder auch einfach „schön“ haben. Üben wir nun also Ballengang als strenges Übungsprogramm, zu dem wir uns zwingen müssen, dann haben wir den Sinn von ALLTAGSbewegungen noch nicht begriffen. Um nämlich unbewusst das zu tun, was wir automatisch als „richtig“ und „gut“ wahrnehmen, sollte die Situation, in der wir üben, auch genau diesen positiven Hintergrund haben. Es gilt also, sich beim bewussten „Üben“ des Ballengangs in einen positiven Zustand zu versetzen, sich über seine Bewegung zu freuen und die Veränderungen richtig zu genießen! Das kann auf verschiedene Weise geschehen:

– in einer Gruppe Gleichgesinnter üben, wandern, ..

– sich das Privileg, barfuß zu sein herausnehmen und stolz darauf sein

– sich innerlich frei fühlen, ungeachtet dessen, was Leute denken

– sich etwas Besonderes leisten in Zusammenhang mit Ballengang (ein Buch, neue Schuhe, eine Reise, ein Seminar, …) = Belohnung!

– (innerlich) singen, pfeifen, tanzende Schritte einbauen

Dauergrinsen beim bewussten Üben …

Wie Sie es auch anstellen – Sie weden mit dem anderen Bewegen auch andere Gefühle erleben und auch anders Denken. Vielmehr denken Sie ja bereits jetzt schon anders, sonst würden Sie gar nicht bir hierher gelesen haben. 😉

Ich wünsche viel Freude und Spaß am persönlichen Wachstum bei allem, was Sie tun!

PS: Richtige persönliche Selbsterfahrung beim Gehen gibt es -> hier <-

Weitere Infos zu Gehen und Fühlen gibt es in einem Artikel der Welt online von Oktober 14

Herzliche Grüße,

Bodymotic-Coach Stefan Heisel
Bodymotic-Coach Stefan Heisel

Interview mit Körperbewegungscoach Stefan Heisel


Liebe Leser, mein frischgebackener Fachkollege und Blogger Sebastian Nowak hat ein aufschlussreiches Interview mit mir geführt. Ihn hatten insbesondere folgende Fragen interessiert, die auch für Sie von Interesse sein können:

 

Studioline_Photography_ 001 - Kopie
der Fragende: Sebastian Nowak, Körpertherapeut
Stefan_Heisel_koerperbewegungscoach
der Antwortende: Körperbewegungscoach Stefan Heisel

 

 

<<—>>

 

 

 

 

 

 

Sebastian: Wann kamst du in Kontakt mit dem Thema funktionales Bewegen und welchen Stellenwert hat es in deinem eigenen Leben?

Stefan: „Nun, ein „Bewegungsmensch“ war ich immer schon. Neben der Musik hat mich dabei die Kampfkunst am meisten gefesselt. Während jedoch allgemein…..“(->weiterlesen)

Sebastian: Was macht deiner Meinung nach den Ballengang einzigartig?

Stefan: „Ballengang ist als Bewegungsmuster einzigartig, weil er ein… „(->weiterlesen)

Sebastian: Wann kamst du zum ersten Mal in Kontakt mit diesem Bewegungsmuster und was hat sich seit dem verändert?

Stefan: „Den Ballengang entdeckte ich zunächst durch einen Hinweis eines meiner Kampfkunstlehrer vor knapp zehn Jahren. Nachdem ich damit große Fortschritte…“ (-> weiterlesen)

Sebastian: Wie sorgst du sonst für deine Gesundheit?

Stefan: „Gesundheit …. Bei der Frage muss ich dazu erwähnen, dass „Gesundheit“ oft missverstanden wird. Grund dafür ist, …“ (-> weiterlesen)

Sebastian: Was ist deiner Ansicht nach die Essenz funktionalen Bewegens in kurzen Worten?

Stefan: „Die Essenz funktionalen Bewegens liegt meiner Meinung nach im Erinnern und Zulassen dessen, was unser Körper …“ (-> weiterlesen)

Sebastian: Woran arbeitest du aktuell und wie sehen deine Pläne für die Zukunft aus?

Stefan: „Zur Zeit arbeite ich an der Veröffentlichung meines Körpercoaching-Konzeptes, Bodymotic – Form & Function, welches ich … (->weiterlesen)

>> Zum ganzen Interview darf ich Sie auf Herrn Nowaks „Bewegblog“ leiten <<

Ich bedanke mich bei Sebastian für sein Interesse und die Möglichkeit, auch anderen Menschen meine Ideen und Kozepte verfügbar zu machen!

Herzliche Grüße, Stefan Heisel

Ballengang – intensiv erlebt


Eindrücke vom Ballengang- und Faszienwochenende in Seelze/Hannover

Ballengang_Seminare_Stefan_Heisel

Liebe Leser,

Was geschieht, wenn sich 9 nette, aufgeschlossene Menschen in einem wunderschönen Seminarhaus mit erstklassigen und warmherzigen Gastgebern zu einem langen Ballengang-Wochenende treffen?

Haus "La Vie" im WiGro-Gewerbepark Seelze
Haus „La Vie“ im WiGro-Gewerbepark Seelze

Offenbar sehr viel! Aber von vorne:

Begonnen hat das ganze aus meiner Sicht mit einer längeren aber angenehmen Zugfahrt Freitag nachmittag ab Mannheim mit relativ viel Gepäck, weil ja einiges geplant war …

Helle, hüsche Zimmer mit Balkon
Helle, hüsche Zimmer mit Balkon

Gastgeber Stefan Grote holte mich netterweise am gleichen Abend vom Bahnhof Seelze ab und wies mich in das Haus „La Vie“ mit allen Räumlichkeiten und Einrichtungen ein.

Das Haus ist ein Traum! Ganz neu eingerichtet, extra für unser Seminar und wir hatten die Ehre der Einweihung in alles weitere, was sich im „La Vie“ noch abspielen wird.

Es liegt inmitten des Wigro-Gewerbeparks in Seelze bei Hannover wie eine Insel mit Grünflächen und einer Architekturim amerikanischen Landhausstil mit Terasse und „Rundum-Balkon“ – alles komplett in Holz.

Noch zwei Gäste kamen ebenfalls bereits Freitags an.

 

Tag 1 – Die Basics im Ballengang

Am Samstag Morgen, nach einem sehr leckeren Frühstück (dieses Früchtemüsli … 🙂 ) , das uns Gastgeberin Isabelle Breitenbach gerichtet hat, trafen alle anderen Gäste ein und wir konnten pünktlich starten.

In der Vorstellungsrunde stellte sich heraus, dass wir Gäste aus Nürnberg, Thüringen, Lübeck, Bremen sowie dem Umland Hannovers dabei hatten. Alle waren durch den kostenlosen Newsletterkurs zwar mehr oder weniger vorgebildet, dennoch ist die reale Erfahrung eine ganz andere Hausnummer, wie sich dann schnell herausstellte.

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Ballengang-Übung in der Gruppe

Der Samstag war ganz dem Erarbeiten des Ballengangs gewidmet. Die Inhalte waren so gestaltet, dass die Teilnehmer durch Tests und zahlreiche und sehr abwechslungsreiche Übungen anschaulich an die Prinzipien des Ballengangs herangeführt wurden.

Absolute Priorität war, dass jeder am eigenen Körper fühlen konnte, wie natürliche und bereits angeborene Bewegungsmuster von sich aus entstehen und in der Summe zu einem völlig natürlichen Gang führen.

Einige der Übungen erforderten richtigen Körpereinsatz, führten aber auch zu interessanten Einsichten in funktionelles Bewegen, Aufrichten, Krafteinsatz und Wendigkeit.

So erarbeiteten wir uns in der Gruppe im Laufe des Tages insgesamt 5 grundlegende Prinzipien des natürlichen Gehens und landeten damit zielsicher im ganzkörperlichen Ballengangmuster.

Die meisten Teilnehmer nahmen die Möglichkeit der vergleichenden Ganganalyse wahr: So konnte man sich am Samstag VOR und dann wieder NACH dem kompletten Seminartag aus drei Perspektiven beim Gehen filmen lassen, um dann einige Tage später einen ausführlichen ca. 10-minütigen Film als von mir verfasste Dokumentation der Bewegungen, der Körperstruktur und der Veränderungen, sowie persönliche Anleitungen zum Weiterüben zu erhalten.

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Beste Stimmung beim veganen Essen im „La Vie“

In der Mittagspause wurden wir wieder vom Haus regelrecht verwöhnt: Es gab aufwändige vegane Kost und für später auch noch selbstgebackenen Kuchen.

Ich muss hinzufügen, dass wir an beiden Tagen mit dem Wetter sehr viel Glück hatten und einige Übungseinheiten auch draußen bei Sonnenschein genießen konnten.

Nach dem offiziellen ersten Seminartag gab es die Möglichkeit für bis zu drei Gäste eine Kurzbehandlung in Faszientherapie (Bodymotic FORM) zu erhalten. Diese wurden auch voll ausgeschöpft und bildeten einmal einen Eindruck in die immensen Möglichkeiten dieser Art der Körperarbeit und auch eine hervorragende Einstimmung auf den folgenden Tag, der ausschließlich den Faszien gewidmet war.

Tag 2 – Einführung in die Faszienarbeit

Sonntags, nach dem nochmals köstlichen und geselligen Frühstück wiederholten und verinnerlichten wir gemeinsam die 5 Ballengangprinzipien und nahmen sie mit wiederum neuen Übungen im ganzen Körper wahr.

Danach begann das zweite Seminarthema dieses Ballengang- und Faszienwochenendes:

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Faszienarbeit für alle -> zauberhafte Füße!

– Was sind Faszien, wie wirken Sie, wie können wir auf sie einwirken und was bedeutet das für unsere tägliche Bewegung?

Alles in leicht verständlichen einfachen Worten erklärt und auf den Punkt gebracht.

Nun folgte ein für Laien eher ungewöhnlicher Part:

Die Teilnehmer wurden selbst in die aktive manuelle Faszienarbeit eingewiesen und übten unter meiner ständigen Anleitung in kleinen Schritten insgesamt 9 Techniken, um ihre eigenen Füße strukturell beweglicher und im Gewölbe kräftiger zu „machen“.

Aus vorigen Erfahrungen gelernt, funktionierte dies sehr gut und zu meinem eigenen Erstaunen beschrieben die Teilnehmer die gleichen positiven Auswirkungen, wie sie auch bei einer professionellen Faszienbehandlung auftreten:

– festerer Stand, mehr Bodenkontakt, stabileres Gewölbe und stark erhöhte Geschmeidigkeit und Beweglichkeit im Fußgelenk!

-> Phänomenal und sehr erfreulich!

Gleich darauf durften sich meine Gäste gegenseitig unter ausführlicher Anleitung selbst in 6 Schritten so in Rückenlage bringen, dass die Wirbelsäule maximal lang und die Schultern maximal breit und völlig entspannt auf dem Boden auflagen.

Die so erreichte maximale Aufrichtung blieb für den Rest des Tages mindestens erhalten und kann sich sogar permanent ins Bewegungsgedächtnis einpflanzen.

Hier bereitete sowohl der passive als auch der aktive Part viel Freude. Und als zusätzlichen Effekt bildete sich beim gemeinsamen Arbeiten eine hohe gegenseitige Achtsamkeit aus.

Exakte Anleitung durch Stefan Heisel
Exakte Anleitung durch Stefan Heisel

Ein kleiner Nebeneffekt lag darin, dass man als der Behandelnde sehr an seiner eigenen Bewegung und Haltung arbeiten muss, weil:

  1. jede Anspannung auf den anderen übertragen wird -> keine Wirkung
  2. die Arbeit selbst damit überhaupt nicht anstrengend sondern ebenfalls als wohltuend empfunden wird.

Die so erworbenen Fähigkeiten in dieser manuellen Entspannungstechnik konnten nun „mit nach Hause“ genommen und weitergegeben werden.

Schließlich konnte das ganze Wochenende mit leicht und aufrecht gehenden, von innen strahlenden und begeisterten Menschen mehr als zufrieden abgeschlossen werden.

In Kombination mit der ganzen Atmosphäre im „La Vie“ ergab sich eine angenehme Gruppendynamik. Intensive Gespräche ergaben sich ganz von selbst, Beziehungen wurden geknüpft und alle Adressen wurden untereinander ausgetauscht – auch mit dem Haus „La Vie“, in dem es noch weitere unterschiedliche, spannende Seminare, auch durch die Gastgeber selbst, geben wird.

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So ausgelassen ging es das gesamte Wochende zu 🙂

Ich selbst bin als Seminarhalter beim Anblick der zufriedenen bis glücklichen Menschen ebenso erfüllt nach Hause gefahren. Ich freue mich schon jetzt auf die nächsten Termine In Seelze in 2015!

Abschließend noch einige Stellungnahmen und email-Ausschnitte von Teilnehmern, die ich freundlicherweise teilweise veröffentlichen darf:

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Hallo Stefan,

ich möchte dir ein ganz dickes Dankeschön schicken für das Seminar. Es hat meinen Blickwinkel für Körper und Bewegung verändert. Einfach fantastisch, was da möglich ist….

Du hast mir am WE einen wohl „alterslosen“ Weg gewiesen und ich bin sehr neugierig auf mehr. Würde sehr gerne mit dir weiter arbeiten.

Angelika Pahl, Hannover

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Lieber Stefan!

Vielen Dank auch dir für das tolle, erlebnisreiche Wochenende, dein offenes Ohr und deine humorvolle- nichtrechthaberische Art (!)! So macht Lernen Spaß….mir zumindest! …

Ich war mit einigen Wünschen und Erwartungen in das Seminar gegangen und die sind bei weitem erfüllt bzw. übertroffen worden. …Gigantisch, seit Jahren habe ich mich nicht mehr so gut gefühlt und finde wieder Zugang und Selbstbewußtsein zu meinem Körper….Und ich merke noch immer die schöne Nachwirkung deiner Faszienbehandlung, gerade im BWS/Schulterbereich. …

Eine teilnehmende Ärztin aus Lübeck

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„Stefan Heisel ist ein sehr aufmerksamer, humorvoller und erfahrener Lehrer.

Auf Grundlage seiner langjährigen Erfahrung im Kampfkunstbereich hat er in Verbindung mit dem Ballengang tiefgehende Erfahrungen gemacht, die er kompetent an seine Seminarteilnehmer übermittelt.

Die Informationen und Anleitungen zum Ballengang gehen deutlich über ein sogenanntes “Tagesprogramm“ hinaus. Ich habe als Kursteilnehmer ein Stück begreifbares Wissen in mein Leben genommen.

Freue mich schon auf seine Ganganalyse und die „weiter-gehenden“ Erfahrungen.“

Rainer aus Hannover

(wird fortgesetzt)

Auch meinerseits vielen Dank für diese bereichernde Zusammenkunft!

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Körperbewegungscoach Stefan Heisel

Selbst Fühlen oder Nachahmen?


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Möchten Sie diese Äthiopierin nachahmen?

Der aufrechte Gang: Ahmen Sie nach oder fühlen Sie schon?

 

Liebe Leser,

ich erhalte von vielen Klienten, die erkannt haben, dass richtiges Gehen eine der Säulen für körperliche Gesundheit darstellt, oft solche oder ähnliche Fragen:

 

– Wie genau funktioniert denn der natürliche Ballengang?

– Welche Bewegungen gehören denn genau dazu, wie muss der Fuß denn aufsetzen?

– Warum funktioniert bei mir der Ballengang nicht genau so wie bei anderen?

– Weshalb muss ich mich so furchtbar anstrengen, um überhaupt mit dem Vorfuß zu landen?

– Ist Ballengang wirklich so schwer?

 

Viele der Fragen habe ich mir auch selbst oft gestellt, ich habe versucht, diverse Übungen möglichst genau umzusetzen und dann immer wieder festgestellt, dass ich im Alltag selten etwas davon umsetzen kann, spätestens dann nicht, wenn ganz andere Themen im Kopf waren und somit die Konzentration auf’s „richtig machen“ flöten ging.

 

Wie kam das und was ist im Laufe der Jahre anders geworden?

 

Um eine Sache vorweg zu nehmen: Immer wenn wir grundsätzlich neue Dinge lernen, eine Sportart, ein Musikinstrument, ein Handwerk etc. müssen wir die Aufmerksamkeit auf eine einzige Sache lenken. Sei es eine bestimmte Handhaltung, ein Entspannen in der Schulter, auf die Atmung, auf einen Gegenstand … Das bedeutet, dass andere Funktionen außerhalb dieses Fokus dabei nicht mehr unserer Kontrolle unterliegen und dementsprechend unharmonisch mit dem Restkörper laufen.

Dieser Sachverhalt ist völlig normal und Teil des Lernens von ganz neuen Bewegungsmustern. Momentan bin ich auch wieder in der Situation, Neues zu lernen und komme in den Genuss dieses anfänglich unkoordinierten Verhaltens. Ich finde das übrigens sehr angenehm, weil es zeigt, wie sehr das Nervensystem am Arbeiten ist.

 

Bei diesen Lernvorgängen kann man es sich allerdings einerseits leichter machen, andererseits aber auch unnötig schwer. So gibt es Menschen, denen neue Bewegungen scheinbar einfach so zufließen und Menschen, die sich gerne als „Bewegungslegastheniker“ bezeichnen und schier endlos auf der Stelle treten. Man könnte es sich jetzt einfach machen und behaupten, dass dies alles anlagebedingt sei und der eine eben schneller lernt während ein anderer untalentiert ist. Dennoch schaffen es aber nicht selten scheinbar „Untalentierte“ letztlich außerordentliche Fertigkeiten zu entwickeln. Wie kann das sein? Und was hat das alles mit natürlichem Gehen zu tun?

 

Nicht umsonst wissen wir, dass am Ende nicht das Talent entscheidet, sondern die „Arbeit“ dahinter, also die Wiederholfrequenz, die Beharrlichkeit und die Fehlerakzeptanz beim Üben.

Je häufiger ich Fehler aufspüre und durch Wiederholung und Intensität des Tuns diese Fehler abarbeite, desto konstanter ist der Fortschritt.

Wenn ich aber etwas „üben“ möchte, das im Grunde genommen schon im Körper angelegt ist, müssen wir ganz anders herangehen als beim Erlernen neuer körperfremder Techniken. Das bedeutet, dass hier eben nicht beharrlich wiederholt, auf Fehlerfreiheit überprüft und dann bis zur „Perfektion“ erarbeitet werden muss, ja nicht mal darf. Denn dann würde man ja etwas tatsächlich Neues antrainieren und eben nichts Natürliches! Ballengang ist aber die natürliche menschliche Art der Fortbewegung (auch wenn wir uns auf sehr mannigfaltige Arten, je nach Zweck bewegen können!)

 

Beim Ballengang kommt es deshalb darauf an, abseits von fremden exakten Anweisungen einen eigenen Weg zu finden, wie der eigene Körper zu eigenen Bewegungen findet, indem er in die Lage versetzt wird zu FÜHLEN, was er tatsächlich an Bewegung braucht.

 

Der Schlüssel zum richtigen Gehen liegt demzufolge darin, zu einem natürlichen und intuitiven Bewegungsrezept zu finden. Und worin liegt dieser Schlüssel zur intuitiven Bewegung?

 

-> In der Wahrnehmung! Genauer gesagt in der sogenannten Tiefenwahrnehmung.

 

Je tiefer (also freier von jeden Gedanken und Bewertungen) ich meinen Körper wahrnehme bei meinem aktuellen Tun, desto überwältigender ist das Ergebnis der darauf resultierenden Körperbewegungen.

 

Der nächste Ballengang-Workshop soll genau unter diesem Motto stehen:

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Besser Bewegen – Besser Leben:

 Ballengang – leicht gemacht!

-Ein besonderer Workshop für natürliche Fortbewegung-

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Samstag, 31.05.2014    11:00 bis 15:00 Uhr

Kulturverein Wespennest, Friedrichstr. 36

67433 Neustadt a.d. Weinstraße

-> google maps

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Fühlen – Selbst Entdecken – Umsetzen

 

Der Workshop findet in drei Teilen statt:

 

# In Teil 1 werden die Teilnehmer aus erster Hand in die wichtigsten Basisübungen zum Ballengang eingewiesen. Erfahren Sie, wie das Steppen, die „Steine im Flussbett“ als Partnerübung, das Beckengehen, die Rumpflänge, die ZZ-Linie und mehr genau gemeint sind und lassen Sie sich individuell in die Bewegungsabläufe führen.

 

# In Teil 2 erlernen Sie die Torsokalibrierung aus Bodymotic® – die erste und gleichzeitig intensivste Übung meiner Körperbewegungslehre, um schrittweise im vollkommenen Lot aufrecht und maximal entspannt stehen zu können.

 

# in Teil 3 nutzen Sie das neu erworbene Körpergefühl, um ihre ganz eigene, für Sie persönlich stimmige Hauptübung für das natürliche Gehen zu entwickeln.

 

Ich kann Ihnen jetzt schon versprechen, dass dieser Workshop sehr spannend und aufschlussreich werden wird.

 

Kosten: 79,- €

Teilnehmerzahl: 6  bis max. 12 Erwachsene

->Jetzt anmelden und Ihren Teilnahmeplatz sichern <-

Ballengänger2

 

Ich freue mich darauf, Sie persönlich kennen zu lernen und mit Ihnen zu arbeiten! 

Mit freundlichen Grüßen

Stefan Heisel