Ballengang im Alltag (2)


Oder: Der Beobachter

Ballengang_lupe

Liebe Leser,

In der Reihe „Ballengang im Alltag“ geht es heute mit der zweiten von sechs Folgen weiter.

Stellen Sie sich vor, Sie wollen etwas, das Sie „eigentlich können“ weiter verbessern oder modifizieren. Etwas das so vertraut ist, dass Sie schon lange gar nicht mehr bemerken, was Sie tun.

Die erste Voraussetzung dafür hätten Sie genialer Weise bereits erfüllt, nämlich das WOLLEN. Ohne eigenen Antrieb, ohne ein WARUM wird es kaum möglich sein, tatsächlich etwas zu erreichen. Deshalb ganz vorab die Frage an Sie:

Warum möchte ich denn mein Bewegungsmuster (beim Gehen) verändern?

Unabhängig von Ihren persönlichen Gründen gehen wir nun in mehreren Schritten an die praktische Herangehensweise.

Da ich immer wieder Herausforderungen suche, neue Dinge richtig und konsequent neu zu lernen oder stark zu verbessern, bin ich permanent in dieser Situation und beobachte neben dem Gegenstand des Lernens immer wieder den Vorgang des Lernens, des Umlernens, sich Aneignens aufs Neue.

Ein eigenes aktuelles Beispiel sei mein neues Musikstudium. Ich habe mir vorgenommen, meine seit meiner Kindheit erworbenen Fähigkeiten von Grund auf neu zu erlernen und habe tagein tagaus damit zu tun, sowohl Neues zu erlernen als auch alte, total gewohnte Bewegungs- und Hörmuster zu erweitern bzw. gänzlich zu verändern. Und ein offenes, entdecken lassendes Unterrichten als Coach und Therapeut meinerseits unterstützt diesen Erkenntnisprozess immens.

Was wir, bei eigener Motivation, als Grundlage benötigen, ist die Beobachtung bzw. Wahrnehmung.

Wir können drei verschiedene essenzielle Beobachtungsmodi unterscheiden. Dabei ist es wichtig, diese penibel voneinander zu trennen. Andernfalls entsteht ein unscharfes Selbstbild, das für die eigene Weiterentwicklung wenig hilfreich ist.

1. Die Selbstwahrnehmung

Was fühle, höre, sehe,… ich bei mir? Unabhängig davon, wie das von außen wirkt! Um diese Wahrnehmung zu schärfen, ist es unerlässlich, ganz bei sich zu sein, bestenfalls ganz alleine ohne jegliche Beobachter/Zuhörer etc. Hier geht es darum, ganz in sich zu gehen und seinem eigenen Tun mit voller Aufmerksamkeit und Präsenz zu lauschen: Wie atme ich gerade? Wie stehe ich genau, auf welchem Bein liegt mehr Belastung? Sind meine Schultern wirklich hängend – halte ich etwas unentwegt fest? Wenn ich eine Bewegung ausführe, was bewegt sich mit, spannt sich an, ohne dass dies notwendig wäre und ohne, dass ich das eigentlich will? Wenn wir wirklich aufmerksam sind, werden uns immer neue Details über uns selbst bewusst, von denen wir vorher keinerlei Kenntnis hatten.

Leider gibt es im Punkt Selbstwahrnehmung einen Haken, nein … eigentlich zwei:

⁃       die Fähigkeit, sich wirklich vollumfänglich wahrzunehmen, ist eine Kunst für sich und bedarf wiederum des Übens. Würde die Selbstwahrnehmung perfekt einfach so funktionieren, dann gäbe es keinerlei Veränderungs- oder Lernbedarf, da man zu 100% sein eigener Lehrer wäre. Andererseits steigt die allgemeine Auffassungsgabe und der Lernfortschritt mit zunehmender Fähigkeit der Selbswahrnehmung rasant, weshalb sich die Stärkung der Selbstwahrnehmung extrem lohnt.

⁃       Der zweite Haken ist etwas tückischer: Leider ist die Wahrnehmung von sich selbst nie wirklich realistisch/objektiv. Beim Musizieren ist das inzwischen ein anerkanntes Phänomen. Während man musiziert, imaginiert man geistig einen bestimmten Klang, versucht ihn fast zeitgleich umzusetzen und das Gehirn täuscht dem Übenden vor, genau diesen Klang zu produzieren, auch wenn er real von der Vorstellung zu einem gewissen Grad abweichen kann. Hört man das gleiche als Audioaufnahme von außen, ist die Wahrnehmung eine ganz andere. Selbiges kann man auf viele Tätigkeiten übertragen. Während des Tuns ist es also trügerisch, sich einzuschätzen. Ein weiterer Täuschungseffekt bei der Selbstwahrnehmung ist der fehlende Vergleich zur Außenwelt. Beispielsweise fühlte ich mich nach 15 Jahren intensivstem Kampfkunsttraining äußerst sensibel für meine eigenen Bewegungen und die von anderen. Diesen großen Irrtum konnte ich erst feststellen und auflösen, als ich erkannte, wie extrem Wahrnehmung ausgebildet sein kann und dass ich bisher eine ungeeignete Methode praktizierte.

2. Die Wahrnehmung durch Andere

Etwas völlig anderes als die Eigenwahrnehmung ist das, was andere an mir beobachten, hören, fühlen. Diese Art der Wahrnehmung ist genauso wichtig wie die Eigenwahrnehmung, wird aber beim klassischen Unterrichten stark überbeansprucht.

Gemeint ist das Feedback, die Beurteilung durch einen Beobachter, Übungspartner, Zuhörer, Lehrer, die Aufschluss über die Qualität des eigenen Tuns gibt. Selbstverständlich ist die Beurteilung von außen (sofern sie erwünscht ist!) sehr wichtig zum Lernen, weil die eigene Wahrnehmung entweder (noch) nicht genügend ausgebildet ist oder das Gegenüber aufgrund höherer Erfahrung über mehr oder genauere Beobachtungskriterien verfügt. Dennoch sollte diese Außenbeobachtung immer mit dem eigenen Eindruck abgeglichen werden. Das fördert das Verständnis dafür, wo genau beim Lernen angesetzt werden kann. Die Außenwahrnehmung kann auch unerlässlich werden, wenn es um sehr tiefgreifende Informationen geht, die man als Betroffener selbst gar nicht wahrnehmen kann (Phototechnische, Chemische medizinische Untersuchungen, psychologische Gutachten, etc.).

Im Bereich der Körperarbeit / Bewegung steht hier beispielsweise die videogestützte Ganganalyse sowie die Körperstrukturanalyse. Hieraus können mit fachkundiger Auswertung sehr viele wertvolle Informationen zur Erweiterung des Selbstverständnisses und damit zum Lernen und Verändern geschöpft werden. Neben visueller oder auditiver Rückmeldung ist besonders bei Bewegung die Fremdwahrnehmung über fühlenden Körperkontakt sehr effektiv. Beim Tanzen, in Kampfkünsten und in körpertherapeutischer Arbeit ist dies der zentrale Prozess überhaupt.

Auch in der Außenwahrnehmung gibt es zwei Haken:

⁃       sie ist komplett von der Kompetenz desjenigen abhängig, der uns wahrnimmt und ist demzufolge (ebenso wie die Eigenwahrnehmung) zu relativieren. Es macht einen Unterschied, ob eine vertraute Person, ein Laie oder ein Experte uns wahrnimmt und entsprechend seines Hintergrundes Feedback gibt. Das hat dann entsprechend Auswirkungen auf das eigene Lernen.

⁃       Bei mangelnder Selbstbeobachtungsgabe besteht die Gefahr der zu großen Ausrichtung auf den Beurteiler. So kann es passieren, vollständig von Korrektur, Lob und Kritik eines anderen abhängig zu werden und das Gefühl für das eigene Tun nicht aktiv sein oder gar verkümmern zu lassen. Damit würde eine essenzielle Voraussetzung zum Lernen und wirklichem Verändern fehlen.

3. Das Beobachten der Umwelt

Diese Art der Wahrnehmung ist zunächst äußerst basal: Das Beobachten mit anschließender Imitation ist der wichtigste frühe Lernprozess von Menschen und findet ab den ersten Lebensmonaten statt. Wir benötigen aber eine uns weiterbringende Form des Lernens, indem wir auf eine reifere Art andere Beobachten, nämlich als Erweiterung der Selbstwahrnehmung:

Was VON MIR erkenne ich im Anderen wieder? Wie wirkt diese Beobachtung bei mir? Was hat das Beobachtete samt meiner Reaktion darauf mit mir selbst zu tun? Diese Art der Beobachtung kann äußerst wirkungsvoll sein, um Vorgänge und Gewohnheiten, die mir an mir selbst absolut nicht bewusst sind, von außen bei anderen zu bemerken. Es ist erstaunlich, welche Seiten man von sich selbst entdecken kann, wenn man den Sprung von dem Beobachteten zu sich selbst schafft.

Gerade im Bereich des Gehens bekam ich sehr viel Feedback für mich selbst aber auch von Klienten, denen diese Art der indirekten Selbstbeobachtung sehr hilfreich war.

Auch hier gibt es einen Haken, der recht schnell jeglichen Nutzen einstellt:

⁃       Leider neigen wir Menschen dazu, uns mit Anderen zu vergleichen und damit zu bewerten. Anstatt mit neutralen, neugierigen Augen und Ohren wahrzunehmen, passiert es oft, dass wir andere als „schlechter“ oder „besser“ kategorisieren und – schlimmer – ihnen Zusatzattribute wie „blöd“, „dumm“, „arrogant“, „überheblich“, etc. anhängen. Und das ist Ausdruck eines eigenen Gefühls und keine Eigenschaft der Anderen. Da dieser Übertrag auf sich selbst in solchen Fällen per se ausbleibt, sind Lernerfolg und persönliche Erkenntnis dann gleich null.

Wir sehen, dass die Wahrnehmung ein entscheidender Faktor, ja die Grundvoraussetzung dafür ist, mit Veränderungen im Alltag überhaupt anzufangen. Ebenso ist deutlich, dass auch die Wahrnehmung nicht selbstverständlich ist und der Ausbildung sowie des bedachten Umgangs damit bedarf. Erst wenn ein Bewusstsein dafür geschaffen ist, was genau ganz konkret einer Veränderung bedarf, können wir uns dem WIE zuwenden. Dazu dann in den folgenden vier Teilen demnächst mehr.

Wenn Sie Ihre eigenen Erfahrungen mit der Wahrnehmung haben, schreiben Sie gerne Ihren Kommentar dazu.

Herzlich, Ihr Stefan Heisel

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Bewegung im Alltag (1)


oder: „Ballengang“ ist Alles

 

Gehen-Lernen-Ballengang_Kind
Alltagslernen (1)

Liebe Leser, sehr oft taucht die Frage auf, ob man seinen Gehstil umstellen sollte. Die Gründe dafür liegen oft in der Vorbeugung oder Verbesserung von Fußbeschwerden, Knie-, Hüft-, oder Rückenschmerzen oder einfach als Rückkehr zur „natürlichen Bewegung“.

Um das zu erreichen, beginnen viele mit dem Barfuß-Gehen oder dem Tragen von Minimalschuhen. Da es auch offensichtlich ist, dass neben der Ausstattung der Füße auch das Erlernen einer bestimmten Technik das Gangbild positiv beeinflusst, haben sich Begriffe wie „Ballengang“, „Fersengang“ oder „Mittelfußgang“ eingebürgert.
Diese eher unglückliche Begriffswahl führt in der Praxis und in der Kommunikation über das Gehen dazu, dass die Bewegung ausschließlich auf Eigenschaften des Fußes beschränkt bleibt.
So untersucht man, wie der Fuß auftritt, wie welches Gewölbe beschaffen ist oder wo Deformationen sind. Mit hohem technischen Aufwand wird der Belastungsdruck der Füße im Stand gemessen und Ganganalysen auf Laufbändern durchgeführt, die den Gang zudem nicht unter praktischen Bedingungen messen. Die Bewegung wird dazu meist nur vom Unterschenkel abwärts analysiert.

Nun ist es ja so, dass Beschwerden ja auch aus ganz anderer Quelle entstehen können. So ragt das Sitzen in die Aufmerksamkeit der Maßnahmen. Auch hier werden aufwändige Sitzmöbel konstruiert, welche das Sitzen bequemer machen und die Wirbelsäule entlasten sollen. Ganze Arbeitsplätze werden ergonomisch optimiert, um dadurch schwerwiegenden Langzeitschäden/ Krankenständen vorzubeugen.

Selbiges im Bereich des Liegens/ Schlafens. Auch hier versprechen aufwändige Matratzen, dem Rücken gut zu tun, in dem sie jede Körperkurve im Liegen ausgleichen.
Die Fitness/Wellnessbranche bietet quasi jährlich neue Bewegungskurse an, je nach Trend, die in der Masse von Instruktoren mit zertifizierter Wochenendausbildung an größere Gruppen angeboten werden. So soll durch ungefähres Nachmachen von mehr oder weniger dynamischen Tänzen oder Einzelübungen ein Ausgleich für den sonst so ungesunden Bewegungsalltag geschaffen werden.

Doch was wird durch all diese Maßnahmen tatsächlich erreicht?

Genaugenommen wird der eigentliche Alltag vollständig ausgeblendet. Stattdessen wird versucht, entweder durch ein Detail der Bewegungsvielfalt oder durch ein kurzes Zeitfenster des Ausgleichs eine Behebung dessen versucht, was in der allermeisten Zeit unbewusst und automatisch schiefläuft.

Doch was macht unser Wesen und damit unsere Struktur, unser Bewegen, Denken und Fühlen tatsächlich aus?
Ein Schuh, ein Stuhl, eine ergonomische Maus, ein Fitnesskurs oder gar eine Matratze?
Sicherlich nicht…

Es ist unser Alltag, unser reales Tun und Erleben, was uns zu dem gemacht hat, was wir sind.
Aus der Psychologie ist bekannt, dass sich prägende Ereignisse in der Körperstruktur physisch manifestieren, meist äußerlich gut erkennbar. Das Bild, von einem Trauma einen „Knacks“ zu bekommen, hat daher einen realen körperlichen Gehalt. Es muss aber kein Trauma sein, denn auch jahrelange Gewohnheit, die sich langsam unbewusst einschleicht (und natürlich zur eigenen Individualität gehört) kann sich auch zu einem Laster entwickeln, das durch einfaches Üben schwerlich zu korrigieren ist.
Und hat sich eine Eigenheit fest etabliert (beispielsweise einseitiges Schulter Hochziehen, breitbeiniges Stehen, durchgedrückte Knie, Festhalten des linken Armes, …..) dann verändert sie langfristig die Form des Körpers. Und wenn der Körper in seiner Form auf diese Eigenheiten eingestellt ist, fallen ihm rein physisch relevante erwünschte Veränderungen schwer. So manifestiert sich im ungünstigen Fall eine körperschädliche Eigenheit langfristig immer mehr.

Demzufolge ist also nicht nur der Gang, sondern jede Bewegung von der individuellen Körperstruktur (Hardware) und den erworbenen Nervenbahnen (Software) die charakteristische Bewegungsmuster auslösen, geprägt.
Wollen wir aber – aufgrund von Beschwerden oder um uns leichter/ effektiver zu bewegen- unser Gangbild verändern, also EINE Alltagsbewegung von vielen, die allesamt unbewusst ablaufen, dann genügt es nicht, neue „Gangtechniken“ zu erlernen. Je spezieller diese wären (z.B. den Aufsatz des Fußes umstellen) desto weniger integriert sind diese in die bestehende Software und Hardware des Einzelnen.

[Um einen Vergleich zu stellen: Es ist einleuchtend, dass man seine Rückhand beim Tennis nicht alleine dadurch verbessern kann, indem man Handgelenkbewegungen übt und sich weder mental noch gesamtkörperlich weiter entwickelt. Dazu kommt, dass Tennis eine spezifische Disziplin ist, die wenig Berührungspunkte mit unbewusst ablaufenden Alltagsbewegungen hat]

Wie also kommt man an diese Alltagsbewegungen ran? Einzelne spezifische Übungen funktionieren zwar als Erfolgserlebnis für den Moment des Übens, doch die restlichen 95-99% der Lebenszeit, in der die Gewohnheit herrscht, überwiegt dennoch gravierend. Anders ausgedrückt: Es resultiert nur ein sehr eingeschränkter Lernerfolg, wenn pro Tag fünf Minuten etwas geübt wird, das in der ganzen restlichen Zeit durch die tägliche jahrzehntelange Alltagsroutine überlagert wird. Dennoch funktioniert diese Art des Übens bei speziellen Tätigkeiten wie dem Spielen eines Instruments oder dem Ausüben eines Handwerks, weil hier ein anderer Modus im Bewusstsein angelegt ist, der jedoch nicht zur Alltagsroutine gehört. Doch für Veränderungen fester unbewusster Gewohnheiten, zu dem auch das Gehen gehört, müssen wir anders vorgehen.

Der Gang charakterisiert uns zutiefst. Er ist individuell und nicht standardisierbar. Und das ist gut so. Doch gibt es bei all der Fülle von Gangbildern, die immer auch kulturell geprägt sind, einige GRUNDSÄTZLICHE Funktionen, die aus verschiedenen Gründen kontraproduktiv für das Wohlbefinden, die Gesundheit, die Beweglichkeit, den Kraftaufwand und auch die Ausstrahlung nach außen sein können. Die wichtigste Beobachtung dabei:

Die Bewegungsqualität, die sich beim Gehen zeigt bzw. nicht zeigt, durchzieht den Großteil jeglicher Bewegungsmuster, die ebenfalls unbewusst und routinemäßig Tag für Tag wiederholt werden. Eine wirkliche Veränderung des Gangbildes muss daher die grundsätzliche Qualität ALLER Alltagsbewegungen mit einschließen. Und umgekehrt wirkt sich eine allgemeine Veränderung des Körpergefühls und der Bewegungsqualität immer auch auf das Gangbild aus.

Was zeichnet ein ausgewogenes, dymanisches Gangbild aus:

# Federung durch alle tragende Gelenke von Ballen bis Altlasgelenk

# Gegenläufige Rotation zwischen Becken, Brustkorb und Kopf

# Aufrichtung der Körpersegmente entsprechend der Schwerkraft und der natürlichen Ausrichtung des Skeletts sowie der Bewegungsrichtung

# Kraft aus dem Körperzentrum

# Hemmung/ Entspannung aller nicht für die fokussierte Bewegung benötigten Muskelkontraktionen

# Weite Gelenke und langer Rumpf

Diese Qualitäten durchziehen untrennbar den gesamten Bewegungsspielraum vom der Atmung angefangen über das Liegen, Sitzen, Stehen, den entsprechenden Übergängen, dem Heben, Ziehen, Drücken, Werfen bis hin zum Gehen, Laufen und Springen.

Stellen Sie sich vor, Sie machen technische Übungen zum Gehen, z.B. den Fuß hängen lassen, und Atmen dabei wie immer, sitzen, stehen, heben den ganzen restlichen Tag wie Sie es immer schon taten. Ihr Becken steht noch immer in einem ungünstigen Verhältnis zum Kopf, Ihr Bauch ist angespannt, vom unteren Rücken oder dem Nacken ganz zu schweigen. Dieses Hängenlassen des Fußes wird maximal in der Übung funktionieren und sobald alles Restliche mit der bestehenden „Software“ und „Hardware“ in eine unbewusste Bewegung fällt, ist die Einzelübung vergessen und es findet keine Integration in die persönliche Bewegungsqualität statt.

Wie also kann eine unerwünschte Gewohnheit überhaupt modifiziert werden? ….

Vielen Dank für Ihr interessiertes Lesen bis hierher! Versuchen Sie doch gerne, sich eigene Gedanken dazu zu machen oder bereits erlebte Erfahrungen hierzu bewusst zu machen. Und schreiben Sie gerne Ihren Kommentar unter diesen Artikel.

in Kürze stelle ich meinen persönlichen Ansatz in diesem Blog vor.

Viel Spaß beim Entdecken und bis demnächst.

Ihr Stefan Heisel

Vom versuchten zum erlernten Ballengang


BG-Vorher_NachherSehr geehrte Leser, haben Sie schon einmal versucht, im Ballengang zu gehen? Haben Sie sich dabei an die Wortbedeutung (Fuß-)Ballen und Gang gehalten? Und kennen Sie das Gefühl, sich zwingen zu müssen, den Fuß kurz vor dem Auftreten nach unten strecken zu müssen, um ja auf dem Ballen zu landen? Hatten Sie deshalb nach kurzer Zeit Wadenschmerzen, Krämpfe und nach einigen wenigen Tagen keine Lust mehr auf diesen unnatürlichen Gang?

Sie sind dann in guter Gesellschaft. Mir selbst ging es so und die meisten Menschen, die ich auf meinen Seminaren kennen lerne, und die besonders fleißig bzw. ehrgeizig den Ballengang trainieren, kennen das auch…

Nach einem intensiven Wochenende und/oder einer Faszien- Session sieht das dann ganz anders aus. Es kann bei einer ausgewogenen Bewegung nicht darum gehen, eine bestimmte Technik im Detail zu verändern und dabei den ganzen Menschen außer Acht zu lassen. Und genau das suggeriert der Begriff „Ballengang“! Selbst Bewegungslehrer (Yoga, Tai Chi), Barfußcoaches und in der Regel die meisten Physiotherapeuten können daher mit der Bewegung, die eigentlich hinter dem Ballengang steckt, wenig anfangen. Vielmehr wird er aus diesem Grund auch negiert, als unnatürlich und erzwungen bezeichnet. Und ich kann es ihnen nicht verübeln.
Irgendwann hat jemand damit angefangen von „Ballen versus Verse“ im Sinne von „Gut versus Böse“ zu schreiben, zu referieren. Dadurch ist erstens eine Ideologie entstanden, die auch ein gewisses Maß an Bewertung von Menschen einschließt. Und zweitens ist aus einem ganz archaischen Bewegungsmuster etwas Künstl(er)isches geworden. Dem Ballengang wurde eine tänzerische Komponente zugesprochen, die (der ich auch sehr gerne tanze) im Alltag aber eigentlich unbrauchbar ist. Das bewirkte eine Trennung in zweifacher Hinsicht: In den Menschenschlag „Ballengänger“ – „Hackengänger“ und auch in „Tanzen“ – „Gehen“

Mir persönlich lag es immer schon, auch und gerade als Kampfkünstler nur daran, dass Bewegung effizient und mit so wenig Aufwand wie möglich stattfindet. Das setzt voraus, dass der eigene Körper zuerst einmal richtig kennengelernt werden sollte und dann die eigenen Möglichkeiten individuell aufgespürt werden. Der größte Feind dabei sind zum einen die eigenen Gewohnheiten, da sie unbewusst sind und aber auch das Anwenden von bewussten Bewegungstechniken! Denn wenn ich mich wie immer bewege, lerne ich nichts dazu, aber wenn ich mich nach Anleitung bewege, dann spüre ich mich ebenfalls nicht und verfalle dann in eine Mischung aus der Technik und dem Gewohnten. Aber das kann meilenweit von dem persönlich Effizienten sein.

Ich hatte mal ein Ereignis in meiner Kampfkunstschule, die mich sehr radikal hat werden lassen in dem, wie ich unterrichte.
Und zwar war ich seit einigen Jahren dabei, eine neue Bewegungsform zu unterrichten, die ich von meinem damaligen Mentor gelernt habe und die dieser sich wiederum selbst durch eigenes Körpergefühl aneignete. Ich wusste, dass er selbst sich ohnehin völlig intuitiv bewegt, so dass mir damals noch nicht so recht klar war, wie der Wert solcher Bewegungsformen einzuschätzen ist.
Zurück zu meinem Unterricht: Nach gut einem Jahr hatte ich die Idee, von meinen Schülern ebenfalls eigene Bewegungsformen zu entwickeln, indem sie die anstrengungsfreieste, fließendste Bewegung aus einer bestimmten Position heraus finden sollten. Ich selbst praktizierte das schon seit Jahren so und dachte mir, so etwas fühlt man doch als fortgeschrittener Schüler locker. Besonders, weil das ganze Konzept der Kampfkunst so aufgebaut war (dachte ich).
Doch weit gefehlt…. Es war absolut niemand imstande, eine sehr leichte Fortsetzung der Bewegung zu finden. Vielmehr bildeten sich alle Schüler ein, dass die in der Form vorgegebene Fortsetzung doch am leichtesten sei. Aber das stimmte nicht. Es war eine sehr umständliche Richtungsänderung. Doch da diese so oft eingeschliffen wurde, und sei es auch noch so langsam und bewusst, war kein Platz, keine Offenheit mehr für das Offensichtliche. Und das bezog sich letztlich nicht nur auf diese eine Situation aus der Übung, sondern grundsätzlich auf alles, was technisch erlernt wird.
Ich ertappte mich dabei, dass ich das (ebenso wie mein damaliger Mentor) völlig anders anging wie meine Schüler ohne zu ahnen, dass diese eben durch die Art des Unterrichts nicht selbst darauf kamen.

Von diesem Tag an, das dürfte jetzt bereits über zehn Jahre her sein, habe ich nie mehr feste Bewegungsabläufe als Basis für Kampfkunst unterrichtet, sondern nur noch „Forschungsaufgaben“ gestellt und diese dann gemeinsam gelöst und überprüft. Dann finden die gleichen Lernprozesse statt, wie er bei Kindern von Geburt an vorgegeben ist. (Und was dann ab der Einschulung systematisch untergraben wird)

In diesem Sinne ist auch der Ballengang zu verstehen: Es geht nicht um die eine Technik, wie der Fuß aufzusetzen hat, sondern es geht darum, sich zunächst einmal dumm zu stellen und zu forschen, wie überhaupt vom allerersten Moment an die Gehbewegung funktioniert, was überhaupt nötig ist an Bewegung und wie sehr uns unser Körper im IST – Zustand daran hindert, wirklich effizient zu sein.

Um ein wirklich sehr kleines Bild davon zu geben, was an einem Ballengangseminar bei Stefan Heisel passieren kann, habe ich mir mal die Mühe gemacht, eine der vielen Ganganalysen (die sehr persönlich gestaltet sind) herauszunehmen und wenige Sekunden im Vorher – Nachher – Vergleich zu schneiden.

bunt=nach dem Seminar sowie einer kompletten Faszienbehandlung
schwarzweiß= Ist- Zustand nach eigenem Ballengangversuchen

Wie man erkennen kann, hat sich die gesamte Ausstrahlung, die gesamte Bewegung im Körper verändert. Die Schritte sind dynamischer, der Rumpf hat eine völlig andere Aufrichtung, die Schultern und Arme bewegen sich völlig frei. In dem Fall ist noch zuviel Kopfbewegung drin, wobei das wiederum ganz normal ist, dass der Körper zuerst mal ganz viel an neuer Bewegung herausholt, um dann, mit diesem neuen Gefühl, das unnötige auf sinnvolle Weise wegzulassen.

Im Folgenden möchte ich mit Ihnen einen kleinen Clip teilen, den ich vorige Woche selbst aufgeschnappt habe. Hier sehen wir eine junge Frau sehr schön sich im Ballengang bewegen, sogar ohne dafür angeblich geeignetes Schuhwerk. Und auch recht flott.
Und zu 100% ohne die geringste Ahnung zu haben, was sie da überhaupt tut.

Wie Sie sehen, ist das Gehen eine Sache, die sich nicht mit Techniken erklären oder gar verbessern lässt, sondern durch mehrere Fähigkeiten, die wir bereits angeboren haben.
Die Kunst ist es, diese auszugraben und dann in vollen Zügen zu genießen. DAS ist dann das tägliche „Training“! Nicht das Üben von Übungen, sondern das Zulassen von stets neuen Erfahrungen und dem Erlebnis BEWEGUNG.
Wenn Ihnen der Artikel gefallen hat, lade ich sie ein zu meinem -> gratis email-Kurs.
Wenn Sie Bewegung authentisch und persönlich erleben möchten und damit um ein Vielfaches effektiver lernen möchten, besuchen Sie ein -> Faszien- und Ballengangseminar.

Noch eine angenehme sommerliche Zeit wünscht Ihr

Stefan Heisel

Ballengangerfahrungen (6) Morbus Bechterew und Hallux Valgus


Ballengang_bechterewLiebe Leser,

heute möchte ich Ihnen eine ganz besondere Erfahrung mit ganzkörperlichem Gehen in Verbindung mit Faszientherapie vorstellen.
Wenn die Wirbelsäule an sich bereits krankheitsbedingt versteift ist, können wir durch sie nicht mehr Abfedern und ein zusätzlich harter Gang aus den Füßen und Beinen heraus belastet den Körper dann noch mehr.

Hier wird ganz besonders deutlich, dass „Ballengang“ etwas anderes ist, als es im Begriff suggeriert wird. Die hauptsächlichen Vorgänge finden nicht in den Füßen statt, sondern vor allem im Rumpf.

So dachte sich das auch Peter H. und wandte sich in hohem Alter an mich…

Hier sein Bericht:

Ausgangssituation

Nach jahrelanger nahezu unauffälliger Entwicklung eines ‚Hallux Valgus‘ hat sich dieser dann innerhalb weniger Monate operationsreif entwickelt (großer Zeh hat sich auf den Nachbarzeh geschoben). Bei der Suche nach alternativen Möglichkeiten habe ich im Internet mehrere Hinweise gefunden auf das

Barfußgehen.

Dem war ich total entwöhnt, so dass der Genusswert meiner ersten Versuche äußerst bescheiden war. Meine Frau war wohl von meinem Bemühen beeindruckt, hat sich umgehört und mir das Buch von Sabrina Fox ‚Warum ich barfuß gehe‘ geschenkt. Dieses Buch hat mich fasziniert und motiviert, mehr über das Barfußgehen zu erfahren. Also: Internet befragen. Unter zahlreichen,
interessant wirkenden Artikeln hat mich dann Dein Artikel über das natürliche Gehen im Ballengang am meisten angesprochen. Dein Seminar zum Ballengang online lernen kam genau richtig. Dies vor allem, weil ich von dem Ballengang erhoffen konnte, dass mein durch MB (Morbus Bechterew) versteifter Rücken von den ‚Hackengang‘-Stößen entlastet wird. Somit neues Thema:
Ballengang:
Das hört sich einfach an, war aber leichter gesagt als getan. Dazu kommt, dass ich den Ballengang auch auf das mir lieb gewordene und als MB-Therapie notwendige alltägliche Laufen anwenden wollte. Also rein in die extra gut stoßgedämpften und seitenstabilen Laufschuhe und einfach an Stelle mit der Ferse mit dem Ballen aufgetreten. Das ganze intervallmäßig und schön langsam gesteigert.
Um das Ergebnis vorwegzunehmen: ich habe etwa 3 Monate durchgehalten – es war die Hölle.[Anm: Ja, die Fußarbeit / Landung spielt eine untergeordnete Rolle und trägt nicht zum eigentlichen Ballengang bei]
Nach dem Motto: nicht verzagen – Stefan fragen ergab sich dann, dass eines Deiner
Seminare hilfreich sein könnte oder/und auch eine Faszienbehandlung.
Das nächste Seminar war meinerseits terminlich nicht möglich, wohl aber die
Faszienbehandlung:
Trotz Deiner Beschreibung konnte ich mir darunter eigentlich nichts vorstellen. Und Deine Aussage, dass die Faszienbehandlung keiner Wiederholung bedarf war für mich nach unterschiedlichsten Therapien über mehrere Jahrzehnte einfach unvorstellbar.
Heute, etwa 2 Jahre danach, genieße ich das Ergebnis Deiner Faszienbehandlung, ausgedrückt in einer begeisternden ganzkörperlichen Elastizität, die meine tägliche Gymnastik, das Gehen und das Laufen und auch ganz gewöhnliche Alltagsbewegungen zur Freude macht. Beispiel dafür kann vielleicht auch sein,

dass ich heute früh das vierte mal in diesem Monat ‚echt barfuß‘ gelaufen bin.“

Peter H. (Rentner, 82 Jahre)

Ballengangerfahrungen (5) Arthrose und Hallux Valgus


Ballengang_Uebung_HeiselSehr geehrte Leser,
Die Reihe der  als heilsame und als natürlich empfundene Körpererfahrung darf ich heute um den Kurzbericht erweitern, den uns die Ballengängerin Sabine Weihrauch freundlicherweise zur Verfügung stellt.

Meine Erfahrungen mit Barfußschuhen und dem Ballengang

„Vor ca. 3 Jahren hatte ich verstärkt sehr starke Schmerzen beim Gehen. In der Athos Klinik in Heidelberg wurde beidseitig eine starke Arthrose in den Füßen und Knien sowie ein ausgeprägter Hallux Valgus bei beiden Füßen festgestellt. Der behandelnde Arzt empfahl mir, es statt einer Operation, die stark risikobehaftet sei, zunächst einmal mit Spriraldynamik (einer Physiotherapieform aus der Schweiz) zu versuchen und verschrieb mir gleichzeitig eine orthopädische Schuhranderhöhung. In der Nähe von Heidelberg fand ich einen Physiotherapeuten, der in Spiraldynamik ausgebildet war (es gibt hier nur wenige) und er begann mit mir zu arbeiten.

Die orthopädischen Schuhe, die mich sehr viel Geld gekostet hatten, landeten im Mülleimer. Sie fühlten sich wie ein Zwangskorsett für meine Füße an und waren sehr schmerzhaft.

Der Physiotherapeut empfahl mir, so oft wie möglich barfuß zu laufen, wodurch ich auf die Idee kam, mich über Barfußschuhe zu informieren.

Ich kaufte mir mein erstes Paar (Leguanos) und mir war sofort klar, dass ich nie mehr andere Schuhe tragen wollte.  Das Erlernen von Spiraldynamik und der Ballengang mit Barfußschuhen haben mich in kurzer Zeit von meinen Schmerzen weitgehend befreit.

Natürlich ist weder die Arthrose weg, noch der Hallux Valgus, dafür aber meine Beschwerden damit.

Für mich ging das Erlernen des Ballengangs sehr schnell und einfach. Es war wie eine „Rückkehr“ zu meiner ursprünglichen Gangart und fühlte sich überhaupt nicht „künstlich“ an.

Seither habe ich meine Erfahrungen schon häufig weitergegeben und konnte auch andere Menschen von dieser Art zu gehen überzeugen.“

Sabine Weihrauch (58 Jahre), Heidelberg

Ballengangerfahrungen (4) Den Fersensporn besiegt ….


ballengang_ferse
Ferse – ballengang.de

Sehr geehrte Leser, heute gibt es einen kurzen Bericht über eine Ballengängerin, die über die Veränderung ihrer Gesamtbewegung neben anderen Beschwerden vor allem einen schmerzhaften Fersensporn in den Griff bekam. Lesen Sie, wie sie dazu gekommen ist…

„Ich werde im Juni 2019 52 Jahre alt. Im Sommer 2011 hatte ich einen kleineren Verkehrsunfall, der sich jedoch für Körper in den Folgeerscheinungen als Katastrophe herausstellte. Kniebeschwerden sollten zwei Operationen nach sich ziehen.
In der Halswirbelsäule erlitt ich schwere Schmerzattacken und es machten sich massive Schulterbeschwerden bemerkbar.
Da inzwischen alles an Operationen vorgeschlagen wurde, zog ich die Reißleine und habe meine Blutwerte selbst betrachtet. Dabei fiel mir auf, dass ein Wert zu niedrig ist. Es folgte ein Gentest, der den Verdacht auf Hypophosphatasie, eine Knochenstoffwechselerkrankung, bestätigte. Nachdem der erste Schock verdaut war, ausgestattet mit Hilfsmitteln wie (u.a.) orthopädischen Maßschuhen, folgte das Martyrium des Fersensporns. Zuerst rechts, dann beidseitig. Die Hölle pur!
Ich konnte zeitweise gar nicht mehr laufen, es waren Qualen. Nachdem ich fast alles versucht habe auf der Suche nach Abhilfe und Linderung, bin ich durch Zufall auf das Thema Ballengang gestoßen. Ich habe mir durch Literatur und Videos diesen Gang antrainiert, habe fast alle meine alten Schuhe mit Absatz und Einlagen entsorgt und mir vernünftige Barfußschuhe angeschafft.
Was soll ich sagen? Ich habe seither keinerlei Probleme mehr mit Fersensporn und Schmerzen in den Füßen. Ich trainiere aber auch intensiv die Fußmuskulatur mit Gewicht und Gummiband.
Meine verbliebenen zwei Paar (normale) Schuhe trage ich gar nicht mehr. Die verursachen sofort Knieschmerzen.“

Ich fühle mich wieder ausgeglichen und im Gleichgewicht dank des Ballengangs.

Susann Pell, Nürnberg

https://www.facebook.com/susann.pell

Ballengang IST die natürliche Bewegungsform – mancher Menschen!


Oder: Eine Frage der Qualität…

ballengang_balerinaLiebe Leser,
Heute möchte ich aus gegebenem Anlass intensiver auf den Ballengang (oder das was darunter zu verstehen ist!) eingehen. Mir ist es wichtig, mit Missverständnissen und teils überflüssigen kontroversen Diskussionen aus meiner Sicht etwas aufzuräumen.
Angeregt durch konkrete Nachfragen und dem Verweis auf interessante und gut recherchierte Blogartikel und Videos, haben meine Leser und ich uns die Mühe gemacht,

Erfahrungen aufzuzeichnen und
⁃ die Essenz aus der Bewegung zu erarbeiten, um die es geht: der menschliche Gang

A. Die unhaltbare These

Ich beginne mit einem Zitat aus dem Artikel eines Fachkollegen, worin die These aufgestellt wird „Ballengang ist nicht die natürlich präferierte Fortbewegungsart des Menschen“
Untermauert wird diese These u.a. durch einen Clip, auf dem teils alte Videoaufnahmen von verschiedenen offenbar noch in ihrer ursprünglichen Tradition lebenden afrikanischen Völkern. Interessanterweise bewegen sich diese Personen größtenteils im Ballengang bzw. eigentlich sehr individuell! Doch dazu später mehr….

Ich möchte nicht explizit diesen oder andere Artikel „widerlegen“ – egal ob „pro oder contra Ballengang“. Nein, mir geht es darum, aus ECHTEN ERFAHRUNGSWERTEN gepaart mit fachlicher Sichtweise und einer undogmatischen Offenheit den Dingen auf den Grund zu gehen.

Beginnen wir mit einem echt schönen Videoschnitt, den mein Kollege Dirk Beckmann vor einiger Zeit mal aufgeschnappt und online gestellt hat.

Hier brauchen wir uns nicht über erlerntes Verhalten zu unterhalten. Die Kinder verhalten sich offensichtlich intuitiv und den Umständen höchst angemessen – auf dem Vorfuß.
….

Aber eins nach dem anderen, gehen wir nun zum Fachlichen:

Mit einigen Definitionen räumen wir als erstes mal auf:

⁃ natürlich
Gerne wird dieser Begriff benutzt, um eine Sache als „richtig“ darzustellen bzw. dem „nicht natürlichen“ vorzuziehen. Doch was bedeutet es?
Streng genommen ist „natürlich“ klar antonym zu dem Begriff „kulturell“

Wenn ich also zum Beispiel ein Verhalten als „natürlich“ bezeichne, muss ich jeglichen kulturellen Einfluss ausschließen können.
Es stellt sich die Frage, ob wir Menschen uns ohne kulturellen Einfluss überhaupt entwickeln können…
Auch sehr alte Kulturen sind Kulturen und Menschen sind auch dort vom Lernen innerhalb ihrer Kultur beeinflusst.
Auch Aborigines haben eine ureigene Kultur, die sich deutlich von anderen Kulturen unterscheidet. Dabei spielt das Alter der Kultur überhaupt keine Rolle.

-> Die Menschen sind immer von ihrer jeweiligen Kultur geprägt und damit keinesfalls „natürlich“.

Ergo ist neben Essgewohnheiten, sozialem Verhalten und dem Wissen selbstverständlich auch die Bewegung vollends kulturell geprägt!
Es gibt bei Menschen also keinen „natürlichen Gang“,sondern es gibt jeweils aus einem tatsächlich angeborenen Pool an Kompetenzen ein jeweils individuell und kulturell geprägtes Gangbild.
Schminken wir uns getrost das „Natürliche“ ab. Wir existieren komplett in und mit der Gesellschaft/ Kultur, in der wir leben. Wenn etwas natürlich ist, dann die genetische Grundveranlagung, einige essentielle Grundtriebe, sicher aber keine erlernte Bewegung oder Verhaltensweise.
Stopp! In meiner Überschrift steht aber trotzdem „natürlich“ …
Nun, das ist eben der umgangssprachliche Verwendungszweck dieses Wortes und meint: selbstverständlich; klar; logo; … 🙂
Aber machen wir weiter…

⁃ präferierte Bewegungsart
Bedeutet wörtlich „bevorzugte …“

Nun, es scheint hier darum zu gehen, nachzuforschen, welche Bewegungsart, konkret welche Gangart von der Masse aus allen Kulturkreisen bevorzugt wird und daraus zu schließen, was für den EINZELNEN, also beispielsweise für DICH und MICH demzufolge ebenfalls zu bevorzugen ist…
Dazu fällt mir – um mal etwas lockerer zu sprechen- der Spruch meines Lateinlehrers ein: „Milliarden Fliegen können sich nicht irren: Sch€!$$€ schmeckt.“
Im Ernst! Man schaue sich bevorzugte Verhaltens- oder Lebensweisen an, die die Masse der Menschheit so praktiziert.

Je nach Region, wild aufgezählt:
Dauerhaftes Sitzen auf Stühlen ab dem 6. Lebensjahr
⁃ Verschiebung der Wirbelsäule durch Absätze
⁃ Liegen auf weichen Matratzen
⁃ genereller Bewegungsmangel
⁃ Monotone Tätigkeit, Einseitigkeit – auch durch Sport
⁃ Synthetische bzw. einseitige und zu exzessive Ernährung ab Geburt
⁃ Mangel- bzw. Unterernährung!
⁃ Was halt gerade Trend ist 😉
⁃ … (selbst nach Belieben zu ergänzen)

Wenn man sich mal genauer mit diesen Dingen befasst, wird dem einen oder anderen bewusst, dass es eben NICHT zwingend erstrebenswert ist, sich an das präferierte Verhalten einer Mehrheit anzupassen, sondern seinen individuellen – teils dann auch zeitweise unbequemen – Weg zu finden. Letztlich SICH SELBST innerhalb all dieser kulturellen Prägungen zu finden.
Was/Wer bin ich überhaupt und was an mir ist nichts weiter als bloß von meinem kulturellen/ familiären Umfeld ÜBERNOMMEN ?
(Das nur als Denkimpuls, tut nichts zum Thema dieses Artikels 😉 )

Zusammenfassend ist es also
a. nicht möglich, eine natürliche Bewegung zu vollziehen.
b. nicht erstrebenswert, das von der Masse Bevorzugte einfach so zu übernehmen.

Damit sollten Menschen, die vorhaben, sich zu entwickeln, gründlich davon absehen, sich von einer Grundthese leiten zu lassen, welche nach einer „natürlich präferierte Fortbewegungsart des Menschen“ sucht. 😉
Interessanterweise wurde dieses Thema auch schon in einem Forum mit ganz ähnlichem Ergebnis ausdiskutiert. Ich bedanke mich für den Hinweis für die

-> Diskussion im Barfußforum

B. Die Debatte „Ballengang vs Fersengang vs Mittelfußgang“

Ich beginne mit einer frechen Behauptung, die ich gerne in jeder Hinsicht untermauere 🙂

„Es ist völlig egal, auf welchem Teil des Fußes ich lande; ich kann mich auf der Ferse landend im „Ballengang“ bewegen oder auf dem Vorfuß landend im „Fersengang“ bewegen.“

Autsch … 🙂 was geht jetzt … ?
Nun, das ist eben der springende Punkt. (Leser des Emailkurses haben in der 9. Lektion dieses Thema schon mal gesehen.)
Anhand der Erfahrungen vieler Praktiker zeigt sich nämlich genau dieses Phänomen:
Man probiert den „Ballengang“ und kommt irgendwann nicht weiter. Dann erfährt man (mit Glück), dass Ballengang ja aus dem ganzen Körper kommt und dann verändert sich etwas Entscheidendes und zwar in der Regel im kompletten Körpergefühl.
Bei wem das nicht passiert, der muss früher oder später wieder über die Ferse gehen, da die Körperstruktur zum Gehen über den Vorfuß einfach nicht passt.
Bei anderen verändert sich etwas im Rumpf und sie entwickeln dann tatsächlich ihren eigenen Gang, bei dem die Landung ebenso angepasst ist wie viele andere Details bei der Fortbewegung.

Es scheint also zwei verschiedene Bewegungsprinzipien zu geben, deren Realisierung mehr von der grundsätzlichen Körperstruktur und der generellen Bewegungssteuerung abhängt als durch irgendwelche Techniken!

Und genau da ist anzusetzen.
Anstelle von der Fußauflage zu sprechen, die uns vom eigentlichen Ziel der leichten und fließenden Bewegung nur ablenkt, sollten wir den Gang als Ganzes beachten.
Schließlich geht aber nichts über die eigene Erfahrung.
Deshalb zitiere ich an dieser Stelle einige ausgesuchte Erfahrungsberichte, die ich aus den Rückmeldungen ganz unterschiedlicher praktizierender „Ballengänger“ mit oder ohne Namensnennung veröffentlichen darf:
Einige der Zitate sind direkte Rückmeldungen aus einem online- oder direkten Coaching. Andere sind ganz unabhängig und ohne Anleitung intuitiv entstanden:

….Meine persönliche Ballenganggeschichte geht ums Bergabwandern im
Hochgebirge. Früher trug ich Trekkingschuhe und lief relativ
unkonzentriert ins Tal, dabei habe ich auch gewaltige Stöße in den
Bewegungsapparat in Kauf genommen. Das führte allerdings zu
Schwierigkeiten: Knieschmerzen und einmal eine Achilles-Tendonitis, die
ich auf ärztlichen Rat mit Deflamat-gel (Diclofenac) behandelte.
Bergauf bin ich schon länger begeistert barfuß gegangen, bergab ging das
zunächst nicht. Ich habe es aber dann doch mal ausprobiert und bin im
Ballengang, sehr weich in den Knien, mit höchster Konzentration
gegangen. Das ging zwar auf die Muskeln, ersparte mir aber Probleme mit
den Gelenken und Sehnen. Inzwischen mache ich das regelmäßig und habe so
auch meine Beinmuskeln besser trainiert; Notschuhe habe ich nur noch für
wirkliche Notfälle dabei – oder den Extremfall „kilometerlange
Schotterstraße ohne Ausweichmöglichkeit“.
Es erfordert etwas Übung, aber seit ich meine Gangart umgestellt habe,
hatte ich nie wieder Schwierigkeiten mit den Knien oder Achillessehnen…. (Tobias aus Österreich)


„Bei mir machte es vor allem bei der ersten Lektion „klick“: das wieder vom Ballen aus nach oben den Impuls geben war das was mir bisher gefehlt hatte. Ich hatte mich schon mit godo auseinandergesetzt, mit Cantienica (die machen kein Vorfußlaufen, aber es hat den Impuls nach oben drin). Und ich mache länger schon Aikido, da wird der Fuß ja eher vom Ballen aus aufgesetzt, aber sehr flach über die Matte geführt, mit tiefem Schwerpunkt.

Kurz und gut, der Unterschied ist eher mental, verändert aber viel. Und die weiteren Lektionen, auch Beobachtungen, machen Spaß….“   (Almuth Sch.)


…Durch ihren Ballengangkurs habe ich gelernt auf welche Feinheiten ich achten kann. Vielen Dank!

…Vielen Dank noch einmal für Ihre inspirierende Website, die mir geholfen hat, eines meiner Kindheitsprobleme zu lösen. Tatsächlich habe ich mich als Heranwachsender zwei- oder dreimal gefragt, wieso die Natur sich eigentlich ausgedacht hat, mit einem harten Stück Knochen, auf dem sich keine Muskeln befinden (Ferse), mit Wucht aufzutreten. Hat sie gar nicht 😉
Übrigens, meine Knieprobleme, die mich seit meines 17. Lebensjahres plagen, sind deutlich (!) zurückgegangen….  (Christoph B)


….Schaffe ich es, eine längere Strecke auf ebener Fläche im Ballengang zu gehen, dann spüre ich eine Befreiung im Becken bis hin zu einem glücklichen Gefühl.

Auch bin ich sehr viel aufmerksamer für die Menschen, die mir begegnen, wie die laufen und schaue mit Vergnügen sehr kleinen Kindern beim Rennen zu.

Ein hilfreicher Trick, um in den Ballengang zu kommen bzw. darin zu bleiben, ist für mich, dass ich den Oberkörper im Becken ein wenig nach vorne neige, dann fällt es schwer bzw. ist es unmöglich, in den Hackengang zu kommen.

Ich staune wirklich über die schnellen Erfolge, fühle mich stärker im LWS Bereich, kann lange Strecken problemlos gehen. Im Hackengang wurde ich schon nach kurzer Zeit pflastermüde und bekam ich je nach Schuhwerk starke Rückenschmerzen…. (Frau Mira, Berlin)


Nach einer plötzlichen Verdickung beider Füße (so wie nach einem Insektenstich, aber deutlich dicker und den ganzen Fuß betreffend) bemerkte ich bei der Rückbildung, dass einige Mittelfußknochen wie Überbeine vorstanden.

Ich machte mich daher auf die Suche nach einer intensiven bewussten Benutzung genau dieses Knochenapparates – und fand den Ballengang 🙂 (Thomas K.)


… Ich bin auf das Thema aufmerksam geworden, nachdem ich auf eigene Faust versucht habe meine Knieschmerzen loszuwerden. Nachdem ich bei vielen Ärzten war und niemand mir ernsthaft weiterhelfen konnte. Ich war als die Schmerzen anfingen noch keine 20 und mitten in der Ausbildung zur Zimmerin. Es hieß der Job sei schuld… Erschien mir damals nicht ganz abwegig, daher: Traumjob geschmissen und das vom Arzt verordnete ‚ein Jahr möglichst kaum die Knie bewegen‘ durchgezogen. Hat natürlich nichts genützt. Jedesmal wenn ich etwas unternommen habe sofort wieder geschwollene Knie und Schmerzen. Irgendwann habe ich aus Frust und Zeitmangel das Thema ruhen gelassen. Als ich mit meiner Tochter schwanger war bekam ich ein Beschäftigungsverbot und somit viel Zeit. In dieser kam mir der Gedanke, dass es das Bewegungstechnisch nicht einfach gewesen sein kann, und begann zu Forschen. Mit 25 bestellte ich das erste Paar Barfußschuhe und hab seitdem nichts anderes mehr an meine Füße gelassen. Die Eingewöhnung war recht einfach, da nach der Schwangerschaft die Kondition eh im Eimer war. Jetzt mit 29 kann ich sogar wieder laufen gehen! Als positiver Nebeneffekt hat sich auch meine Haltung deutlich verbessert. Allein die Tatsache, dass ohne Trainer sich so viel ‚von selbst‘ verbessert hat lässt für mich nur den Schluss zu, dass es sich um ein natürliches Bewegungsmuster handeln muss. (Sandra S.)


Ich kam zum Ballengang bei meiner Suche nach Hilfe für den Hallux Valgus, ich wollte keine OP, die mir viel, viel zu intrusive erschien.

 Ich fand dann Videos von Dr. Greb, las sein Buch, fing an, mich wegen Minimalschuhen umzusehen. Anfangs war meine Idee von Ballengang auch verzerrt – ich dachte, ich müsse die Fußspitze bewusst nach unten beugen, mich dann abstoßen/abdrücken, um die Energie der Bewegung richtig auszunutzen.

Ich begann, spezifisch jeden Tag für mind. 1/2 Std zu versuchen, im Ballengang zu laufen und hatte dabei auch bereits sehr gute Lauf-Gefühle. (Ich spreche vom Gehen, nicht Laufen im Sinne von Joggen)

Was mir schon da auffiel, war, wie lebendig sich meine Füße anfühlten, wie herrlich warm und durchblutet sie waren (sonst kenne ich fast nur kalte Füße).

Leider sind Videos mit Anleitungen viel zu kompliziert, ich habe viel zu kompliziert gedacht, wie wir das eben so gewohnt sind. Das Einfache haben wir verlernt!

Dann kam ich zu Dir und Deinem e-mail Kurs und nach einer Weile hatte ich es endlich kapiert – es ist überhaupt keine Anstrengung, gar nicht „storchig“, weder Abdrücken noch Fußspitze nach unten beugen. Lediglich, den Fuß „hängen“ lassen und dann kommt er ganz automatisch am Ballen auf. Es sieht gar nicht so viel anders aus.

Ich gehe Ballengang vor allem, wenn ich keine Eile habe und kein Gepäck. Im Winter habe ich Probleme mit den passenden Minimalschuhen. Ich lebe in einer mittelalterlichen Stadt mit Kopfsteinpflaster, was mitunter super glatt werden kann und es ist hier streckenweise sehr steil. Ich bin schon auf Strümpfen nach Hause gelaufen, weil ich mit Schuhen nicht gehen konnte.

Die Minimalschuhe haben natürlicherweise wenig Profil und taugen nicht immer.

Ich empfinde den Fersengang dann oft als sehr schwer und bremsend, weil ich eben den Vorderfuß hoch nehmen muss.

Meine Erfahrungen zusammengefasst sind dahingehend, dass ich Ballengang als sehr angenehm empfinde und ihn dem Fersengang vorziehe, sofern machbar. Meine Schmerzen im Bereich des Großzehenballens haben aufgehört, wenn auch der Hallux nicht besser geworden ist. Auf jeden Fall sind die großen Zehen voll beweglich, nichts ist versteift, wie ich es sonst sehr häufig sehe. Vorher habe ich Einlagen benötigt. Es war dann ein echter Schock, als ich nach einem Winter mit Einlagen, im Freibad nicht mehr barfuß laufen konnte! Dann habe ich mich der Einlagen schnell entledigt!

Der Ballengang ist sicher kein Allheilmittel und sollte nicht mit zu hohen Erwartungen überfrachtet werden. Dennoch kann er sehr hilfreich sein.

Zum Artikel [Ballengang nicht präferierte Gangart…], den ich mir angesehen habe möchte ich gern folgendes anmerken:

Wir leben in einer dualen Welt! Es gibt zu JEDEM Thema zumindest schwarz und weiß, meist jedoch noch ganz viele Grauschattierungen dazwischen. Es wird niemals eine Übereinstimmung geben können, das ist hier in dieser Welt ganz ausgeschlossen.

Insofern finde ich die Diskussion über den Ballengang müßig – wer sich ein Bild davon machen will, wird seine ureigenen Erfahrungen damit machen und kann dann FÜR SICH selbst entscheiden.

Bei diesem speziellen Artikel denke ich eigentlich, dass der Schreiber keine Ahnung vom Ballengang hat, denn wieso dieser ein Sicherheitsrisiko wegen Instabilität darstellen soll, ich mir total schleierhaft! Für mich kann es auch gar keine hergeleitete Bestätigung geben. Es braucht sie nicht, der Ballengang spricht für sich selbst, wenn er verstanden wird!!!

Es ist wie mit den Schuhen – alle Welt meint, spitze oder runde Schuhe seien ok – ich als Fußpflegerin sehe die Auswirkungen! Ich kaufe gar keine Schuhe mehr, die nicht Wildling, Leguano oder auch mal Vivobarefoot heißen. (Astrid, Fußpflegerin)


…. Nachdem ich des Öfteren vom Ballengang gehört habe, fragte ich meinen Physiotherapeuten, was er davon hält. Ich bekam die simple Erklärung, man würde dabei halt auf dem Vorfuß statt auf der Ferse landen bei jedem Vorwärtsschritt. Das sei aber nicht physiologisch. Deshalb riet er mir davon ab.
Dennoch hatte ich das starke Gefühl, dass meine Hüftprobleme irgendwie mit der Art des Gehens zusammenhängen könnten, also probierte ich es einfach.
Mein erster Versuch, sich so zu bewegen, scheiterte auch kläglich. Die Hüfte war zwar ganz ok, doch die Unterschenkel krampften und die Füße fühlten sich überfordert an.
Langer rede, kurzer Sinn, schließlich landete ich über den Newsletter von Ballengang.de auf einem Seminar bei Hannover und erfuhr dort, wie der ganze Körper sich beteiligen – ja regelrecht verändern- muss, um dann wie von selbst abfedern zu können. Im Besonderen lag es bei mir tatsächlich an einem Festhalten der Hüfte aus Angst vor Schmerz, und dahingehend von einer völlig steifen Haltung im gesamten Rumpf.
Seither gehe ich mehr und mehr ganz selbstverständlich und immer entspannter in einem Ballengang, den ich gar nicht für möglich hielt … (Eva B. aus Nürnberg)  


 

Soviel zu den Erfahrungswerten (Unten folgen noch einige mehr auf einer eigenen Seite und noch ausführlicher)

Schauen wir uns nun aber den Teil des Fußes an, dessen Funktion so umstritten ist:

EXKURS: Die menschliche Ferse

ferse_fuss_ballengang

Oft wird in medizinischen Kreisen die Anatomie der Ferse als zum Auffangen und Abrollen geschaffenes Körperteil beschrieben.
Die Polsterung nach unten und die evolutionär zunehmende Länge des Fersenbeins wird hierzu als Argument genannt. Diese Auffassung kann ich immer weniger teilen, je länger ich mich mit der Verbesserung meiner Bewegung und dem Coaching anderer ebenso an einer Verbesserung interessierter Menschen befasse.

Ich möchte hierzu eine Sichtweise dagegenhalten, die für mein Verständnis viel logischer und vor allem in der Praxis viel nachvollziehbarer ist.

Wir können davon ausgehen, dass der Mensch sich im Laufe der Zeit von einem mehr gebeugten Lebewesen – ähnlich den heute lebenden Menschenaffen – das noch die Arme zum Stabilisieren des Stehens und zur Unterstützung des Laufens benutzt – zum ganz frei aufgerichteten Zweibeiner entwickelt hat.
Damit sind viele Veränderungen des gesamten Körperbaus einhergegangen.
Um nur Einige zu nennen:
-Das Becken musste nun Organe von unten stützen können (Ausbildung eines starken Beckenbodens)
-Die Wirbelsäule musste eine Doppel-S-Form annehmen, die nach oben gegen die Schwerkraft federt.
-Die Hände wurden beweglicher und filigraner (weil sie frei nutzbar wurden)
-Der Schädel musste mehr Gehirn fassen können und das Gebiss weniger kräftig zubeißen können.

-> Die Füße mussten nun nicht mehr greifen können, dafür aber als alleinige Grundfläche für dauerhaftes freies Stehen dienen. Als Basis für die gerade nach oben gerichtete mehrteilige Kraftlinie der Balance.

Um den Stand genügend nach hinten abzusichern, musste das auch bei Menschenaffen bereits stärker ausgebildete Fersenbein noch länger werden, die Zehen dafür nach vorne ausgerichtet und das Sprunggelenk für stark federnde Belastungen des ganzen aufrechten Körpers ausgebildet werden. Und ebenso wie beim Becken ersichtlich, ist sogar die anatomische Aufrichtung evolutionär noch nicht gänzlich abgeschlossen. Daher findet man weltweit noch Abweichungen in bestimmten Details wie beispielsweise der Länge des Fersenbeins.
Aufgrund dieser Entwicklung können Menschen auch alleine aus der Kraft über den Vorfuß sehr große federnde Kräfte zum Landen oder Abstoßen verarbeiten. Dies ist z. B. Menschenaffen nicht möglich, da sie noch alle vier Gliedmaßen benötigen.

Die Funktion des verlängerten Fersenbeins liegt folglich ganz klar in der statischen Stabilisierung unseres aufrechten Körperbaus bei relativ hohem Körperschwerpunkt. Ohne verlängerte Ferse wäre längeres freies Stehen unmöglich bzw. extrem ineffizient.

Betrachtet man die Ferse als Ganzes, dann ist auch klar zu erkennen, dass diese ein verlängerter Teil eines Gelenkes ist, das dazu da ist, bewegt zu werden und nicht, um sich darauf in belastender Weise mit der Kraft des mehrfachen Körpergewichtes aus einem Fall heraus abzufangen.
Andere Zweibeiner besitzen aber keine so ausgebildete Ferse, da die statische Stabilisierung anders funktioniert:

Kängurus nutzen den Schwanz zum Stabilisieren nach hinten, das Sprunggelenk wird auch hier in Ruhestellungen auf den Boden abgesetzt, hat aber niemals die Funktion, Sprünge abzufangen.
ballengang_kangoroo_balance
⁃ Bei Laufvögeln und den früheren zweibeinigen Dinos dien(t)en Kopf und Schwanz wie ein mehr oder weniger langer Balancestab nach vorne und hinten, was eine Ferse überflüssig macht.

ballengang_vogel_balance

ballengang_dino_balance

Menschenaffen und Bären sind noch Vierbeiner und haben hauptsächlich die Vordergliedmaßen zur zusätzlichen Stabilisierung

ballengang_affe_balance

Schauen wir und jetzt direkt die Silhouette des menschlichen Körpers an, dann wird klar, dass unser Körper mit Abstand der schlankste ist, mit einer extremen vertikalen Ausrichtung und verhältnismäßig wenig körperlicher Stabilität (instabiles Gleichgewicht) und sehr hohem Schwerpunkt, verglichen mit anderen Lebewesen.
ballengang_mensch_balance
Es gibt in aufrechter Position nach vorne und hinten nichts Vergleichbares zu den obigen Zweibeinern, das uns halbwegs stützen könnte als Zehen und Ferse. Ansonsten sind wir auf ein sehr feines ständiges Gleichgewicht in alle Richtungen angewiesen, um unsere Struktur optimal nach oben gegen die Schwerkraft auszurichten.

(Wie sensibel solch ein System ist gegenüber Störungen, kann man erahnen. Dies zu beschreiben, übertrifft bei Weitem diesen Artikel.)

Wir brauchen also dieses verlängerte Fersenbein, um überhaupt stehen zu können und nicht ständig in Bewegung sein zu müssen!
(Wie schwer das dennoch ist, erkennen wir leicht daran, dass wir dazu neigen, uns bei jeder Gelegenheit zusätzlich abzustützen, beispielsweise an Wänden etc..)

Selbstverständlich muss unsere Ferse in der Stützfunktion auch genügend gepolstert sein. Denn sie wird ja ständig mit Körpergewicht belastet.
Doch sie wird niemals – im Erstkontakt – im Zusammenspiel mit allen anderen Funktionseinheiten (Knie, Becken, Wirbelsäule,..) einen Sprung auf gesunde Art auffangen können.
Auf der Ferse zu landen ist gleichbedeutend damit auf dem Sprunggelenk, dem im Hebel stärksten Gelenk in der aufrichtenden Kraftlinie zu landen. (Etwas überspitzt: Wer würde freiwillig auf dem Knie landen, was gleich das nächsthöhere Gelenk darstellt, wenn das Knie schön gepolstert wäre?)
Die Frage, ob die menschliche Ferse rein anatomisch zum Aufnehmen von Körpergewicht oder „Abrollen“ beim Gehen eingerichtet ist, würde sich daher wie folgt beantworten:
Da beim Gehen – anders als z. B. beim Laufen- immer ein längerer Bodenkontakt pro Schritt vorliegt, wird sie meistens als zwischenzeitliche Stütze zwischen zwei Abdruckvorgängen genutzt. Um die Hauptkräfte beim Landen und beim Abdruck optimal vom oder zum Boden zu übertragen, muss das Sprunggelenk über den Vorfußkontakt eingesetzt werden.
Landen auf der Ferse bedeutet Landen auf dem Sprunggelenk selbst und das ist dysfunktional!

Die Prothese „Schuh“

Und WEIL das Nutzen der Ferse zum Landen in dieser exzessiven Form ohne Hilfsmittel – also barfuß, was man tatsächlich als natürlich bezeichnen kann – NICHT gut funktioniert, haben Schuhe der modernen Zeit Dämpfungen, Sprengungen und Verstärkungen an der Ferse. Oder sind gar konvex abgerundet, um ein Abrollen zu ermöglichen, das es barfuß nicht geben kann, weil der Fuß weitgehend konkav (also hohl) geformt ist, um FEDERN zu können. Wenn man ihn denn lässt..!
Hilfsmittel, die fehlende Körperfunktionen ersetzen oder ausgleichen, nennt man auch Prothesen oder Orthesen (je nach Funktion).
Daher kann das Gehen mit und ohne solche Hilfsmittel (Schuhe) nicht miteinander verglichen werden.
Noch weniger kann ein jahrzehntelanges Gewöhnen an Bewegung MIT Prothese aus Bequemlichkeit als Maßstab für das Bewegen OHNE Prothese gesetzt werden. Zumindest ist dies aus rein logischen Gründen hoch fragwürdig.
Will man also ernsthaft herausfinden, wie man sich ohne den kulturellen Einfluss von Schuhwerk bewegen könnte, dann sind intensive Erfahrungsprozesse erforderlich, die über „so ist es am bequemsten“ hinausgehen.

C. Die Bewegungsqualität

Wenn wir an unserem Gang arbeiten wollen, kann es nicht darum gehen, einzelne Techniken zu üben- oder sogar von einem Lehrer einfach nachzuahmen. Nein, es kann nur um das WIE, also um die QUALITÄT der Bewegung gehen, mit der ich u. a. gehe.
Aus meinen Beobachtungen habe ich eine Tabelle erstellt, die die Bewegungsqualitäten verdeutlichen, die auch die Art und Weise des Gehens maßgeblich bestimmen.

bewegungsqualität_ballengang

Wir stellen also fest, dass es – individuell ausgeprägt- eher grundsätzliche BEWEGUNGSQUALITÄTEN gibt, die noch über den jeweils konkreten Techniken stehen.

Die meisten Menschen, die positiv vom Ballengang sprechen, stellen in ihrem gesamten Bewegungsspektrum eher Qualität A dar. Sie fühlen sich leicht, aufgerichtet und auch beweglicher als früher.
Man könnte daraus schließen, dass dies an der Vorfuß-Landung liegt, mit der Ballengang gerne definiert wird.
Das stimmt so aber nicht! Zwar wird durch den aufrichtenden Reflex vom Sprunggelenk nach oben diese Bewegungsqualität provoziert, aber wer nicht weiter arbeitet und faktisch ALLE Gelenke und damit die ganze Körperstruktur einbezieht, der kann diese Qualität A nicht halten. Der Fuß passt nicht in das restliche Bewegungsschema und der ganze „Ballengang“ fühlt sich gekünstelt und „unnatürlich“ an. Folge: Der Gang bleibt wie er ist, ebenso die Körperstruktur. Fazit in diesem Fall: „Ballengang ist nicht natürlich.“ …
Und dann sucht man Bestätigung in der Masse und bekommt natürlich mehrheitlich Recht! 😉

D. Ballengang ist NICHT einfach

Trotzdem gibt es da auch ganz andere Erfahrungswerte. Menschen, die durch die sukzessive Umstellung ihrer Bewegungsqualität äußerst positive Veränderungen durchlaufen haben. Nicht dass einfach nur Schmerzen ausblieben – das sollte nicht unbedingt der Hauptantrieb sein, weil es darum eigentlich nicht vorrangig geht – nein, das Körpergefühl an sich und die Freude am Bewegen nimmt deutlich zu und bekommt auch mental eine andere Qualität.

Doch WIE geht das? Sollte das nicht einfach so von allein kommen? Sind wir nicht natürlich dazu veranlagt, uns frei, aufgerichtet, mühelos, flexibel und nicht zuletzt schmerzfrei durchs Leben zu bewegen? Und zwar in der Masse? …
Dazu meine ganz persönliche derzeitige Erkenntnis, die ich an anderer Stelle noch ausführlicher erläutern werde:
Schauen wir wieder auf die Tabelle oben. Wir erkennen zwei Arten, sich grundsätzlich zu bewegen und dabei gegen die Schwerkraft anzutreten, die ja fortwährend wirkt.
Beide Qualitäten – ich nenne sie heute nur A und B – sind in uns veranlagt und entwickeln sich fortan weiter von dem Moment an, wo wir eine absichtsvolle Bewegung ausführen können. Also schon nach wenigen Lebensmonaten.
Während wir ganz zu Beginn als Säugling nur „alles oder nichts“ bewegen können, wird das Nervensystem immer differenzierter und erlaubt mehr und mehr nur gewollte, zielgerichtete Aktionen.
Während wir anfangs mehr Qualität B einsetzen, beginnt sich mit den faszialen Strukturen (beispielhaft das Fußgewölbe) mehr und mehr Qualität A herauszubilden.
Und ab da scheiden sich die Werdegänge deutlich.
Die meisten Menschen bilden Qualität A offensichtlich nicht genug aus, um langfristig im Alltag Zugriff darauf zu haben. Bewegungen werden aus verschiedenen Gründen undynamischer, fester, zu muskulär, zu schiebend und die Aufrichtung wird schwerer. -> So wird Qualität B in immer mehr Situationen zum Standard. Auch beim Gehen.

Dennoch gibt es Menschen, die weiterhin Qualität A praktizieren und im Alltag umsetzen. Diese Menschen sind nicht automatisch „Ballengänger“, sind aber diesem so nah, dass eine bewusste Umstellung gut gelingt. Weil Ballengang nichts anderes ist, als die Umsetzung der allgemeinen Qualität A beim Gehen.

Wieso ist der Ballengang also alles andere als einfach?

Wer sich ohnehin ähnlich Qualität A bewegt, wird – egal ob andere Probleme vorliegen oder nicht – eine recht leichte Integration des Ballengangs in den Alltag schaffen.
Wer (und das ist die Mehrheit) sich mehr in Qualität B bewegt, der kann nicht „einfach so“ mal eben per Vorfuß-Dribbling sich den Ballengang antrainieren.
Nein, es geht nur, wenn die Körperstruktur- sprich die Faszien – und die Wahrnehmung allmählich und ALLE Lebenssituationen umfassend angepasst werden.
Das beginnt eigentlich schon beim Liegen! -> Sind denn die Wirbelkörper schön langgestreckt? Sind die Schultern frei? Ist das Becken beweglich?
Nur wenn die Verbindung von Zehen zum Scheitel (auch im Liegen) frei ist, kann ich beim Gehen komplett vom Boden nach oben federnd aufrichten.
Eigentlich logisch aber man achtet weniger drauf ohne speziell und richtig intensiv mit dem eigenen Körper beschäftigt zu sein.

Ergo: Ballengang zu praktizieren ist weniger der eigentliche Zweck sondern vielmehr ein Zeichen dafür, dass viel am eigenen Körper in Ordnung zu sein scheint und Qualität A weit genug entwickelt ist.

Ziel und Zweck langfristig sollte es sein, wenn man sich entwickeln möchte(!), dem Körper die als Kind schon ansatzweise aber meist sehr unvollständig ERLERNTEN Qualitäten (aktiv, aufrichtend, faszial, federnd, leicht, flexibel) weiter auszubilden.
Und das ist leider Arbeit. Das kommt nicht einfach so.
Und genau deshalb tun es logischerweise auch nicht viele bzw. auf keinen Fall „die Masse“.

E. Fazit

Wir sollten uns von den Begriffen „Ballengang, Fersengang, Vorfußgang, Mittelfußgang“ langsam verabschieden und statt dessen auf das Wesentliche schauen, was bei Bewegung stattfindet und über die Qualität entscheidet: Die fasziale Körperstruktur, die Bewegungswahrnehmung (Kinästhetik) und die Arbeit des Torsos.
Mehr dazu im kostenlosen Emailkurs + Newsletter (Link) sowie in weiteren Publikationen.

F. Authentische Erfahrungen mit dem Ballengang

Letztlich ist es immer der eigene Weg, wohin man möchte, welche Priorität man sich setzt oder manchmal einfach auch welche Bedingungen man gerade hat und denen den Vorrang gibt.

Es folgen nun verschiedene Erfahrungsberichte quer Beet von unterschiedlichen Ballengang-Praktizierenden.
Der Übersicht wegen hier der Link zu den Berichten, die regelmäßig erweitert werden.

-> zu den Erfahrungsberichten

G. Danksagung

Um diesen Artikel so verfassen zu können, habe ich einen Aufruf an alle Bezieher meines kostenlosen Emailkurses geschickt mit der Bitte, frei heraus ihre ganz persönlichen Erfahrungen und Ansichten zum Thema Ballengang aufzuschreiben.

Dieser Bitte sind dutzende Leserinnen und Leser gerne nachgekommen mit der Erlaubnis, ihre Texte mit oder ohne Namensnennung zu veröffentlichen. Dafür möchte ich mich bedanken.

Herzlich, euer

Stefan Heisel

ballengangseminar_heisel

Ballengangerfahrungen (3) Über Faszien und Schuhe zum Gang, Sitzen, Liegen …


Sehr geehrte Leser!

heute möchte ich die Ballengangerfahrungen um eine weitere Geschichte erweitern.
Der Autor möchte nicht namentlich genannt werden.
Ich bedanke mich herzlich für das entgegengebrachte Vertrauen und den interessanten Erfahrungsbericht unsereres Mitlesers 🙂

Und nun viel Spaß bei der Lektüre:

ballengang_natur„Meine Ballengang-Geschichte beginnt vor etwa 3 Jahren. Als Mitte 40-Jähriger bin ich eines Tages mit Rückenproblemen aufgewacht. Da die Rückenprobleme insgesamt einige Wochen angehalten haben, habe ich im Internet und dort vor allen bei Youtube nach Lösungen gesucht. Über den Umweg der Faszienrollen bin ich auf Barfußschuhe und den Ballengang gestoßen.

Von Barfußschuhen hatte ich bereits ein paar Jahre vorher in Form von Zehenschuhen erfahren ohne jedoch den Sinn zu hinterfragen geschweige denn zu verstehen. Mein falsches Gehen hatte ich zudem bereits vor mehr als einen Jahrzehnt kurzzeitig hinterfragt, …

-> zum ganzen Bericht

-> zu allen bisherigen Erfahrungsberichten

Ballengangerfahrungen (2) Reha nach kompliziertem Unterschenkelbruch


Tibia-Fibula_Bruch_BallengangSehr geehrte Leser, in der Reihe von authentischen Erfahrungen von Menschen mit dem Praktizieren des Ballengangs erfahren Sie heute, wie Silvie nach einem komplizierten Bruch des Schien-und Wadenbeins nach Operationen, Reha und sehr langer Regenrationszeit durch den Ballengang wieder nahezu ihre alte Beweglichkeit herstellen konnte.

Auch Sie sind dazu eingeladen, ihre eigenen Erfahrungen als Kommentar zu hinterlassen.
Oder verfassen Sie Ihre eigene Geschichte als eigenen Artikel hier im Blog (mit oder ohne Namen oder ggf eigenem Link)!  -> email an info(at)ballengang.de

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Nun viel Spaß beim Lesen:

„Es begab sich 2013, im Alter von 31 Jahren, dass ich mir einen komplizierten Beinbruch bei einem Geländelauf zuzog. Distalfraktur der Tibia und Fibula nennt der sich.

Mein Glück: Es war ein geschlossener Bruch.

Mein Pech: Unter der Haut lag mein Bein im Chaoszustand.

Es folgten eine OP mit Protheseneinsatz von 19 Schrauben mitsamt Schienen an den Knochen. Ich lag 1 Woche nonstop und 5 weitere Wochen fast ausschließlich, bis die Schmerzen ein Gehen mit Gehhilfen zuließen. Danach stand 3 Wo. Reha an. Ich ging wieder voll arbeiten, aber an Gehhilfen und zeitweise unter so extremen Gehschmerzen, dass ich abends oft nur liegen konnte, um meiner Verletzung Erholung zu gönnen. Physiotherapie half- aber nicht genug zum entspannten Gehen…..

-> zum ganzen Bericht von Silvie

-> zu allen bisherigen Erfahrungsberichten

Barfuß Gehen für Weicheier :)


Oder: wie schaffe ich den Einstieg in gesundes Barfuß-Gehen bei empfindlichen Füßen?

Liebe Leser, nachdem nun nach längerer Kältephase der Frühling regelrecht sommerlich daherkam in unserem Land, überlegt sich doch der eine oder andere, endlich mal mit dem richtigen Barfuß Gehen zu starten.

Ich schreibe normalerweise selten über das Thema „barfuß“ an sich, da dieses Thema von ganz unterschiedlichen Hintergründen gesehen wird.

– Da gibt es einerseits die richtigen (ganzjährigen) Barfuß- Fans, denen es auf das Freiheitsgefühl und auch auf ein bisschen Rebellion gegen gesellschaftliche Konventionen geht.
Hier geht es meistens weniger um die biomechanischen Begebenheiten und ganzkörperlichen Vorzüge, die der unbeschuhte Fuß beim Gehen bietet. Auch die Art des Gehens wird selten verändert, weil eben ganz andere Wahrnehmungen im Vordergrund stehen.
Vielmehr wird der Fuß generell von der Umhüllung befreit und in möglichst jeder Situation unbeschuht gelassen. Zum Beispiel beim Fahrradfahren, obwohl dem Körper bei dieser Bewegungsart ganz andere Missstände drohen, die primär überhaupt nichts mit den Füßen zu tun haben. Eher wird auf einen möglichen Schutz für die Füße verzichtet, damit die „Freiheit“ weiter gewährleistet ist.

– Andererseits gibt es den gesundheitlichen Hintergrund des Barfuß-Seins, der die Verbesserung der Fuß- und Körperstruktur im Fokus hat. Hier wird auch auf die Bewegungsqualität großen Wert gelegt.
In diesem Punkt kommt dann auch der sogenannte Barfußschuh zur Geltung, der ja, obwohl beschuht, einem unbeschuhten Gehen möglichst nah rücken soll.
Was hier dann aber oft vergessen oder vernachlässigt wird, ist, dass auch diese Schuhe immer noch Schuhe sind und einen wirklichen Umstieg auf ein körpergerechteres Gehen erschweren.

Ich gehe davon aus, dass Sie eher zur zweiten Gruppe gehören und sich vorwiegend aus gesundheitlichen Gründen oder Gründen der effizienten Bewegung bis ins hohe Alter dem Barfuß Gehen annähern. Gerade jetzt bei diesen angenehmen Temperaturen bietet sich die beste Gelegenheit für Einsteiger oder bisherige Barfußmuffel, sich die beste Voraussetzung für das natürliche Gehen im Ballengang anzueignen:

Das Barfuß-Gehen im Wald oder auf unebenen, nicht glatten Böden.

Nun gibt es ein Problem, das einige Ballengangbegeisterte betrifft:

– Sie würden gerne mehr barfuß Gehen aber Ihre Füße sind für den Kontakt auf etwas rauerem, kantigeren Boden oder bei spitzen Steinchen oder Ästchen überempfindlich.
Das kann sich dadurch äußern, dass Sie viele Schritte nicht voll und schon gar nicht so ballenbetont ausführen können, weil sie um den Schmerz „herumeiern“.

– Oder Sie neigen (wie beispielsweise der Autor 😉 ) zu einer übermäßigen Entzündungsbildung bei kleinsten Verletzungen, die schon die äußeren Hautschichten betreffen. Was dann dazu führt, dass die danach auftretenden entzündlichen Miniwunden, sich zu einem größeren schmerzenden Entzündungsherd ausweiten und generell stark beim Gehen behindern können. In diesem Fall wäre die Rechnung für Barfußgenuss doch etwas hoch.

In beiden Fällen wäre es dennoch schade, wenn man ganz auf das Barfuß Gehen auf solchen Böden verzichten müsste.

Auf der Suche nach entsprechenden Kompromisslösungen bin ich auf ein schöne Idee gestoßen, die – wie so oft- aus dem Bereich des Tanzens parat steht. Da wir ja nur den Ballen schützen möchten und ansonsten möglichst viel sensomotorische Anreize von Zehen zu Ferse brauchen, bietet sich folgender Übungsschuh perfekt an:

Er lässt die Zehen und Mittelfuß/ Ferse ganz frei und ist unter dem Ballen wie eine zusätzliche Lederhaut, die bei oben genannten Problemen exakt hilft.

Das Barfuß-Gefühl ist minimal eingeschränkt und die Optik von oben ist dazu noch einer normalen Sandale recht ähnlich.

Wenn es diese Ballenganghilfe nicht schon gäbe, würde ich sie vermutlich gerade selbst entwerfen 🙂
Momentan steht aber noch ein Langzeittest an, um zu sehen, wie sich diese spezielle Konstruktion tatsächlich im Alltag bewährt.

Nach wie vor ist echtes Barfuß Gehen in jedem Fall vorzuziehen, insbesondere zu Beginn.

Wenn sich der Körper innerhalb von Jahren ein solides feines Bewegungsgefühl erarbeitet hat.
(Was darunter eigentlich zu verstehen ist, sprengt den Rahmen dieses Artikels bei Weitem), dann spielen Randbedingungen wie Schuhe, Untergrund keine so entscheidende Rolle mehr. Dann kann alles gesund und effektiv adaptiert werden ohne je in ungünstige Gewohnheiten zu verfallen.

Das wichtigste ist nach wie vor das Zusammenspiel des ganzen Körpers sowohl bezogen auf seine ihm eigenen individuellen Stärken und Schwächen, sowie auch bezogen auf die äußeren Umstände wie Gelände, Kleidung und Schuhe.

Intensivere Tipps mit lehrgangsmäßiger sukzessiver Einführung in den Ballengang erhalten Sie gratis als e-mail-Kurs hier

-> Gratis-Ballengang-Lernen

oder: Melden Sie sich zum Ballengang-und Faszienseminar an und lernen Sie in einer persönlichen Atmosphäre Ihren natürlichen Gang

-> Ballengang-Seminare

Und nun viel Spaß am Fast-Barfuß-Gehen auch für die empfindlicheren Füße!

Ihr Stefan Heisel

Wie soll ich Ballengang lernen?


oder: Der richtige Schuh wird’s schon richten …

Ballengang_Heisel_Strand1Lieber Leser,

diese Frage höre oder lese ich gerade in letzter Zeit immer häufiger.
Noch vor wenigen Jahren war der Ballengang wirklich sehr speziell und weitgehend unbekannt. Nun hat sich ein regelrechter Trend entwickelt, an seinem Gehen etwas ändern zu wollen. Mit verantwortlich ist auch der wachsende Markt der Barfußschuhe, weil diese als „gesund“ gelten, aber ohne körperliche Umstellung nicht wirklich bequem sind, bzw. sogar bestehende Probleme verstärken können.
Die hauchdünne Sohle sowie fehlende Fersenerhöhung lassen eine künstliche Dämpfung vermissen.
So wird dem frischen Barfußschuhträger das entsprechende unphysiologische Fersenaufschlagen oft ebenso bewusst wie ein Überlastungsgefühl im vorderen Fußbereich.
Durch das starke Interesse an dem Produkt (Schuh) hat sich etwas Wesentliches in unserer Branche verändert, was sich auch in der Art und Weise des Coachings zwangsläufig niederschlägt:

Bevor es die heutigen Schuhprodukte gab, die ein natürliches, nicht unterstütztes Gehen fordern, stellte sich folgende Situation dar:
Menschen mit hohem Körperbewusstsein und gleichzeitig großer Offenheit gegenüber Veränderungen von Konventionen begannen, sich verstärkt auf ihre Intuition und ihr angeborenes Körpergefühl einzulassen.
Es gab weder Literatur noch Produkte noch Anleitungen oder gar Coaches oder Seminare für natürliches Bewegen/ Gehen.
(Wenn, dann gab/ gibt es traditionelle Lehren, die dieses Thema eher stilisieren oder am Rande angehen, wie z. B. Yoga, innere Kampfkünste oder Eurythmie)

Vielmehr existiert(e) „lediglich“ ein Gefühl von Harmonie beim Bewegen im „Ballengang“, mehr Dynamik, Leichtigkeit, innere Freiheit, Gewandtheit, …

Bei mir persönlich startete sogar ein ganz neues Lebensgefühl, weil das Ablegen eines so tief verwurzelten Bewegungsmusters wie das alltägliche Gehen mir ermöglichte, ALLE Bewegungen und Haltungen in jedem Bereich wesentlich zu verbessern. 
(Mit dazu half wesentlich eine intensive Neuordnung meiner Faszienstruktur durch gute Faszientherapeuten)

Das einzige Problem zeigte sich (wie heute), dass es quasi kaum Schuhe gab, die sich mit bereits erarbeitetem Körpergefühl vereinbaren ließen. Unter Insidern empfahl man sich als „zivilisierten“ Schuh gern die leichten Modelle der Marke „Bär“ mit Nullabsatz und Zehenfreiheit. Erst später wuchs die neue Barfußschuh-Branche aus dem Laufsport heraus.

Der Vorfuß-(Barfuß)-Laufstil etablierte sich damit mehr und schuf auch Probleme. Viele Läufer begannen, sich diesen Laufstil anzueignen und bedachten dabei nicht, dass ihr Körper, insbesondere die Füße damit erst mal strukturell überfordert waren. Es häuften sich, Verletzungen, oft Ermüdungsbrüche im Mittelfuß, weil das Bindegewebe (die Faszien) viel zu schnell überlastet wurde.
Dennoch setzte sich der Barfußschuh-Trend bis heute fort, da es andererseits ja mehr als augenscheinlich ist, dass barfuß die natürlichste und letztlich gesündeste Art ist sich fortzubewegen.
Und genau in dieser Situation befinden wir uns heute:
Anstatt dass zuerst der Impuls da ist, sich natürlich zu bewegen (was ja auch mehr als das Gehen betrifft) haben wir heute in der Mehrheit ein PRODUKT als Startpunkt: den „Barfußschuh“.
Nur ändert sich durch das Tragen anderer Schuhe oder das Umsteigen auf häufiges Barfußgehen leider noch nicht das Körpergefühl. Also ändert sich auch nicht zwingend die Bewegungsqualität.
Und mit Sicherheit verbessert sich dadurch erstmal die Körperstruktur nicht die Bohne…
Was eher passieren kann (und tatsächlich häufig beklagt wird) sind Verschlimmerungen bestehender Probleme (z. B. Spreizfuß, Hallux Valgus, Rücken-, Kniebeschwerden), da die fehlende Dämpfung, kombiniert mit dem Versuch, nur anders aufzutreten, weitere Fehlbelastungen hervorrufen. Weder ist das Fußgewölbe für die neue, intensivere Belastung genügend ausgebildet, noch sind Knie, Hüfte, Wirbelsäule, Rücken, Bauch und Schultern geschmeidig genug, um wirklich als Ganzes richtig federnd und aufrichtend zu funktionieren. Genau diese veränderte Situation kann ich als Bewegungscoach immer häufiger beobachten. Während vor dem Schuh-Boom noch viele an sich bewegungsbewusste Menschen nach Feinschliff in der Bewegung und/oder nach einem Körpertuning in Form von Faszientherapie fragten, stehen inzwischen viele frischgebackene Barfußschuhträger ohne entsprechendes Körpergefühl in Seminaren oder Einzelcoachings.

Noch ein weiterer Punkt kommt hinzu, der aber mehr unserer industriellen bzw. mechanistischen Denkweise zuzuschreiben ist. Wir sind es gewohnt, seit wir die Schulbank drücken, dass wir Musterlösungen vorgesetzt bekommen, die es bei geringstmöglicher Toleranz zu KOPIEREN gilt. Die Welt wird nicht mehr selbst entdeckt, sondern uns meist ohne Lebensrelevanz synthetisch vorgesetzt. Wir sitzen fast nur noch da und lassen uns passiv von der „Wahrheit“ aus zweiter oder dritter Hand berieseln. Und wer diese „Wahrheit“ am exaktesten kopiert, enthält die bessere Bewertung durch andere Menschen.
Eigene Erfindungen oder Gedanken sind fast ebenso sehr gefürchtet wie Kreativität oder – am Schlimmsten- Fehler …?
Damit geht uns etwas sehr Wichtiges und Wesentliches verloren: Unsere Neugier und das Vertrauen in die Fähigkeit zu eigenen Empfindungen und eigener Intuition. Was uns ja eigentlich von Geburt an mitgegeben ist. Und das betrifft auch unser Körpergefühl und die Art und Weise, wie wir glauben, Bewegungen lernen zu müssen. Es wird nämlich erwartet, dass exakt zu kopierende Übungen, die regelmäßig durchzuführen sind, tiefgreifende Verbesserungen hervorrufen sollen.

Was bedeutet das für den Ballengang und das Wiedererlernen natürlicher Bewegungen?
Um überhaupt auch nur im Entferntesten auf die Idee zu kommen, etwas an seinem Gang zu ändern, bedarf es eines AUSLÖSERS. Auf meinen Seminaren frage ich immer nach, worin der Grund des Besuchs liegt, woher das Interesse am Ballengang überhaupt rührt. Und wie eingangs schon beschieben, wandelt sich dieser Auslöser mehr und mehr auf das Produkt „Barfußschuh“ und dessen richtigen Gebrauch. Während früher noch – rein mental schon – die Frage nach dem richtigen Gebrauch des eigenen KÖRPERS im Vordergrund stand.
An dieser Stelle möchte ich deshalb für alle, die bis hierher mitgelesen haben (und nur für jene macht der weitere Text Sinn) wieder erinnern, wie wir alle zu unseren natürlichen Bewegungen überhaupt gekommen sind.

Als Kleinkind waren wir ständig folgende Dinge am Tun:

– spielen

– neugierig sein -> beobachten

– Fehler machen, hinfallen, weiter probieren

– fühlen (statt denken!) -> dem „Instinkt“ folgen
Mit diesen Tätigkeiten und Qualitäten lernten wir leicht und ganz von selbst Folgendes:
# krabbeln

# drehen

# perfekt aufrichten

# perfekt hocken

# perfekt sitzen

# perfekt stehen

# hüpfen

# klettern

# bauen

# malen und zeichnen

# singen
(Ergänzen Sie gerne …)

Dabei findet außer bei Sprache und zum Teil beim Gehen alles rein aus eigenem Antrieb ohne direkte Nachahmung statt. Wir sind quasi perfekt ausgestattet und erreichen ohne Coach, ohne Sportlehrer und Physiotherapeuten die wichtigsten Basis-Skills des Menschseins.
Leider geht sehr vieles davon in dem Moment verloren, wenn es damit anfängt, dass man uns Dinge vorsetzt, die nicht selbst ausprobiert werden konnten. Und wenn wir von einem Tag auf den nächsten mit sechs Jahren für fünf Stunden täglich an einen Stuhl gefesselt sind und einen kleinen Stift an die Hand gebunden bekommen, der dann „richtig abkopieren“ soll. Selbst das Bewegen des Körpers (Sportunterricht) folgt von nun an Kategorien wie „richtig“ und „falsch“ und steht plötzlich in Relation zu den Leistungen anderer. Es geht also nicht mehr darum, sich selbst zu erfahren, sondern von sich abzusehen und den Vergleich zu anderen zu betrachten und dazu noch von Dritten beurteilt zu werden. So wird die noch vorhandene Intuition sukzessive zugunsten eines reflektierten „es anderen Recht tun“ abgebaut.

Liebe Leser, sollten Sie Interesse an Ihrem persönlichen natürlichen (also auch leichten und mühelosen) Gehen haben, dann sind Sie gut beraten, sich NICHT an jenes von außen gesteuertes „Anleitungslernen“ zu halten, sondern sich genau davon wieder zu lösen und das spielerische Entdecken, Probieren und Fehler machen wieder zu wagen! Je leerer Ihr Kopf dabei ist, desto größer die Chance, sich selbst nah zu kommen. Und umso erfolgreicher finden Sie auch Ihren „Ballengang“.
Lassen Sie also Ihr Gehen von gar keiner Schuhmode oder gar Ideologie oder einem Zeitgeist bestimmen. (Ja, auch und gerade Ideologien geben willkürlich vor, was für alle Menschen oder eine Gruppe davon „richtig“ sein soll – meist aber mit dem Hinweis, wie „falsch“ oder gar „dumm“ doch andere sind, um sich selbst im Wert ihres Tuns zu erhöhen).

Nein – Finden Sie es doch selbst für sich heraus, was auch immer Sie dazu gebracht hat, überhaupt darüber nachzudenken! In dem Fall sind auch Schuhe ganz toll, wenn sie zur Reflexion anregen und Menschen dazu bringt, sich die Sache mit dem eigenen Körper doch mal genauer anzusehen.

Daher mein Vorschlag an alle Ballenganganfänger oder jene, die im Moment an der „exakten Ausführung“ scheitern:

Stellen Sie sich (am besten barfuß) so hin, wie Sie sich am Ausgewogensten fühlen und wippen Sie auf der Stelle. Mit so vielen Gelenken wie möglich. Jeden Tag, wenn Sie möchten, und sei es nur eine Minute oder weniger.

Ich verspreche Ihnen: Irgendwann macht es „Klick“ und Sie wollen unbedingt wissen, wie denn der erste Schritt nach vorne wirklich funktioniert ….

Viel Spaß am Entdecken!

Mit herzlichem Gruß

Stefan_Heisel_Bodymotic
Ihr Stefan Heisel

 

PS: Neue Seminare in 2018:

http://seminare.ballengang.de 

Der soziale Fersengang


Liebe Leser,

Ballengang_sozialer_Fersengang_Heisel
Der soziale Fersengang ist erlernt
Inspiriert durch ein phantastisches Video möchte ich heute ein Thema aufgreifen, das mich auch auf meinen Seminaren intensiv beschäftigt. Sehr häufig tritt die Frage auf, wie es denn dazu kommt, dass wir unseren natürlich veranlagten (Ballen-)Gang zugunsten des Fersengangs verlieren.  

Bevor ich dem (Ver)Lernen Aufmerksamkeit widme, will ich mit einem weit verbreiteten Dogma der Ballengang-Community aufräumen:

Immer wieder wird behauptet und gegenseitig zitiert, dass der Ballengang von allen Kindern sofort und intuitiv eingesetzt wird. Dem kann ich aus persönlicher Erfahrung nicht uneingeschränkt zustimmen. Eher beobachte ich – und finde bei pädagogischen Fachkräften und Eltern auch Zustimmung- dass die Art des Gehens ein äußerer Ausdruck des persönlichen Temperaments eines Babys oder Kleinkinds ist. Nicht anders als das Schreiverhalten, Schlafverhalten, Spielverhalten, sprachlicher Ausdruck etc. Daher sollten wir uns hüten, dogmatisch an das Thema „Gehen“ heran zu gehen oder gar unsere Kinder vorschnell zu bewerten und wie ein Objekt verformen zu wollen, wie es unserer rationalen oder idealistischen Sicht beliebt.

Doch wie lernen wir nun das Gehen und wie kommt es, dass wirklich fast nur Fersengang praktiziert wird? Ich werde mich hier recht kurz fassen. Das „Lernen“-Thema füllt ganze entwicklungspsychologische Bände…

Wenn wir geboren werden, sind wir mit allerlei Reflexen ausgestattet, die zum Teil sogar noch aus der evolutionären Reptilienzeit stammen. Diese Reflexe machen anfangs noch Sinn und sind zum Teil überlebensnotwendig. Ohne Saugreflex gäbe es keine Ernährung und ohne Greifreflex würden zumindest Affenbabys sich nicht an dem Fell ihrer Mutter festhalten, wenn diese z. B. flüchten muss. Auch zur Fortbewegung gibt es Reflexe wie beispielsweise den Schreitreflex aber auch die kontralaterale Bewegung des Krabbelns, die exakt so von Echsen praktiziert wird. Für unsere weitere Entwicklung als anpassungsfähiges, lernfähiges Wesen ist es jedoch sehr wichtig, zu gegebener Zeit fast alle diese frühen Reflexe wieder zu verlieren! Daher ist es wesentlicher Bestandteil der Grunduntersuchungen des Kinderarztes, eben genau diese Reflexe zu testen und ihr Auftreten bzw. Verschwinden zu dokumentieren. Größere Abweichungen vom normalen Verlauf können Hinweise auf Entwicklungsstörungen sein, die dann frühzeitig erkannt und gegebenenfalls behandelt werden können.

Auch zum Gehen Lernen müssen wir einige angeborene unflexible Grundbewegungsmuster verlassen und eigene aktive Lernwege beschreiten.

Genau an diesem Punkt passiert es, dass wir alle unsere direkten Bezugspersonen zu imitieren beginnen.

Vom ersten bis etwa dritten Lebensjahr erreicht unsere Fähigkeit zum Beobachten und Nachahmen einen sonst nie erreichten Höhepunkt. Deshalb findet dann auch die Prägung der Muttersprache statt, die genau dann und nur dann erlernt wird. Damit einhergehend greift auch ein Wahrnehmungsfilter ein: Während Säuglinge beispielsweise noch alle Laute aller Sprachen ganz differenziert heraushören können, beschränkt sich diese Vielfalt etwa ab dem 12. Lebensmonat nur noch auf die relevanten Laute der Umwelt. Also auf das, was das Baby täglich umgibt. Alles andere verliert an Relevanz und wird schlicht im späteren Leben nicht mehr in der Klarheit eines „native speakers“ wahrgenommen und auch nur noch annähernd so ausgesprochen.

Nun versetzen wir uns in ein Kind genau dieses Alters, das gerade die Aufrichtung auf die eigenen Füße durch eine Mischung aus angeborenen und erlernten Bewegungen durch Versuch und Irrtum geschafft hat. Die ersten Gehversuche werden noch dem ihm eigenen Bewegungsrepertiore entspringen. Relativ viele Kinder werden zunächst den Vorfuß als Hauptkraftquelle zum Landen und Abdrücken vom Boden benutzen. Einige sind in der Tat dazu veranlagt, sich schwerer zu bewegen und sehr früh von sich aus mehr fersenbetont gehen. Was aber alle Babys vereint, ist das perfekte unbewusste Nachahmen ihrer Bezugspersonen. Ja, wir „Großen“ werden regelrecht ausgesaugt: Unser Gesten, unsere Worte, Mimik, Tätigkeiten, Vorlieben und natürlich auch die Fortbewegung …

Wie gut und früh dieses Nachahmen funktioniert, sieht man auf recht unterhaltsame Weise in diesem Video, das ich entdeckt habe und auf meinem Kanal zur Verfügung stelle:

Es ist nicht schwer zu erahnen, welchen Einfluss dieses Nachahmungslernen auf das hat, was die Alltäglichste aller Bewegungen ist: Das Gehen!
Wie wir alle beobachten können, bewegen sich fast 100% aller Menschen unseres Kulturkreises im sogenannten Fersengang. Das Kleinkind kann also nichts anderes in seinem persönlichen Umfeld wahrnehmen und wird dies ebenso nebenher übernehmen wie alle anderen Gewohnheiten und Gepflogenheiten, Eigenarten – und in ganz besonderem Maß die Muttersprache. Dazu bedarf es auch keiner Aufforderung oder einer bestimmten Pädagogik. Es passiert aus einem natürlich ablaufenden Lernprozess heraus, in dem wir uns sehr früh an unsere direkte Umgebung sozial anpassen.

Also kann man unseren Fersengang auch als einen sozialen Gang oder allgemein als soziales Verhaltensmuster betrachten.

Dennoch spielen auch andere Faktoren wie das zum Fersengang zwingende Schuhwerk eine große Rolle. Doch selbst wenn Kinder viel barfuß unterwegs sind oder – was der heutige Trend ist – „Kinder-Barfußschuhe“ tragen, wird es dennoch eher zum Fersengang neigen, wenn das Umfeld genau das vorlebt.
Hierzu kann ich natürlich keine objektive wissenschaftliche Studie vorweisen. Es entspricht lediglich meiner eigenen Beobachtung und den Erfahrungen meines persönlichen und beruflichen Umfelds.
So gesehen wird der (Fersen-)Gang durch soziales Lernen kulturell vererbt.

Wie können wir nun damit umgehen?

Ich persönlich sehe das recht entspannt: Das sich Einlassen auf seinen Körper in all seinen Funktionen und Feinheiten ist nun mal immer noch eine zunächst sehr individuelle Angelegenheit. Jeder entscheidet für sich, inwiefern er das Potential einer feinen Selbstwahrnehmung entdecken und nutzen möchte. Es kann weder verordnet noch durch Unterricht erzwungen werden. Also kann man Kindern gegenüber einfach nur ein Vorbild sein, ganz ungezwungen, ohne Druck, sondern ganz selbstverständlich und auf keinen Fall (be)wertend! Dann hat es die Chance, unbewusst und damit auf die effizienteste Weise zu lernen.

Ein bewusstes Umlernen setzt immer die eigene Erkenntnis und Selbstreflexion voraus. Deshalb wird es ab dem Jugendalter immer wieder Gelegenheiten geben, aus eigenem Antrieb heraus sein Gangbild genauer zu betrachten und ggf auch bewusst umzuwandeln.

Wenn Sie einen effektiven und einfachen Einstieg in das natürliche Ballengangmuster suchen, dann lade ich Sie zu meinem -> kostenlosen 10-teiligen Email-Kurs ein!

Ich bedanke mich für das Lesen und verbleibe mit herzlichem Gruß,

Ihr Stefan Heisel

Ballengang_Seminar_StefanHeisel

Richtig Gehen Lernen (7b) Wie erkenne ich die Dynamik beim Gehen?


Fortsetzung von diesem Artikel:

Sehr geehrte Leser,
Wenn Sie sich bereits mit Ballengang beschäftigt haben, kennen Sie sicherlich die folgende Situation:
„Ballengang bedeutet, auf dem Vorfuß zu landen, also wende ich das mal eben an und schaue, dass mein vorderer Fuß immer schön lang ist, damit ich auf dem Ballen landen kann“
Dann versuchen Sie es und stellen fest, dass das sehr anstrengend ist, die Waden weh tun und man sich vorkommt, als würde man auf Stelzen gehen. Richtig komisch und unnatürlich
Das stimmt leider auch. Als ich zum ersten mal erfuhr, dass es von Vorteil sei, auf dem Vorfuß zu landen, hatte ich solche Schmerzen bei meinem Bemühen, damit im Alltag zu gehen. Gleichzeitig war es in eher übungsbetonten Situationen, im Training tatsächlich von Vorteil. Viel mehr Beweglichkeit, Geschmeidigkeit und auch Schnelligkeit, wenn es um kurze Richtungsänderungen ging. Warum funktionierte das nicht im Alltag und selbst in absatzfreien super bequemen, weiten Schuhen nicht?

Das war nun vor mittlerweile fast 13 Jahren und wenn mich heute Faszienklienten oder Coachingstudenten bzw. Seminarteilnehmer ansprechen und ich ihr Gangbild sehe, dann wiederholt sich vieles, was ich auch an mir beobachtet hatte.
Nur mit dem Unterschied, dass mir niemand die Ursache dafür erklären konnte.

Wie kommt es also, dass einerseits das Nutzen des Sprunggelenks, das Aktivieren der Zehen, das Kräftigen der gesamten Fußstruktur, inklusive des Längs- und Quergewölbes sich sehr gut anfühlt und auch erhebliche Vorteile mit sich trägt – und dass gleichzeitig das entsprechende Gehen im Alltag so schwer sein kann, dass wirklich viele Menschen aufgeben und zwar sogenannte Barfußschuhe tragen, sich aber damit begnügen, wie bisher zu gehen. Das „barfuß“ alleine wirds schon richten…

Für den einen mag der folgende Gedanke neu sein, für den anderen mag es sehr einleuchtend und selbstverständlich sein:

Alle Bewegungen hängen miteinander zusammen und sind nur dann auf eine leichte natürliche Weise umzusetzen, wenn sich jedes Körperteil auf diese Bewegung eingestellt und optimiert hat.

Dabei gilt: Je weniger Anstrengung (= An- oder Verspannung) jedes einzelne Teil bewältigt, desto flüssiger, dynamischer, ausdauernder und runder fällt die gesamte Bewegung oder Tätigkeit aus.
Das gilt insbesondere für Stehen, Gehen und Laufen, weil hier wirklich der ganze Körper zusammen arbeitet als Gesamtwerk.
Wenn ich jetzt nur ein einzelnes „Bauteil“ verändere, wie beispielsweise die Fußhaltung kurz vor dem Landen, dann baue ich eine zusätzliche Aktion (=Anstrengung) ein, die eine ganze Latte an Folgeanstrengungen bewirkt, die mit leichter Bewegung nichts mehr zu tun hat. Dazu kommt ohnehin immer die kognitive Anstrengung, also die aufzubringende Konzentration, die immer bei neuen Bewegungen aufgebracht werden muss. Im Ergebnis ist dann das Gehen im Ballengang teilweise äußerst mühsam, auch wenn es sich andererseits auch irgendwie gut anfühlt.

Wir müssen also anfangen, die Füße wirklich mal nur als ein Teil einer ganzen Körperbewegung zu sehen und auch ein Stück weit von dem Begriff „Ballengang“ Abstand nehmen (auch wenn das Ziel letztlich ist, sehr wohl das Sprunggelenk und die damit verbundene kräftigere fasziale Fußstruktur sehr wohl beim Gehen viel stärker einzusetzen als bisher)

Woran erkennt man nun, ob sich jemand innerhalb der faszialen Kraftkette bewegt oder nicht, ohne auf seine Füße zu schauen? Also letztlich, ob sich jemand im „Ballengang“ bewegt? So ist es auch möglich, dass zwar jemand auf dem Vorfuß landet, sich aber dennoch überhaupt nicht im Ballengang bewegt, weil sein Rumpf sich nicht aufrichtet, keine Rumpfmuskeln lang werden, viel zu viel Anstrengung und Schwere in der Bewegung ist, etc …

Dazu habe ich ein Video vorbereitet, bei dem das für den vielleicht schon etwas fortgeschritteneren Beobachter erkennbar wird.

In welchem Gehmodus bewegen Sie sich denn die meiste Zeit?
Probieren Sie doch mal aus, in welcher Situation oder Begebenheit Sie sich eher schwer oder eher dynamisch gehend bewegen. Bergauf, bergab, mit/ohne Treppen oder Stufen. Oder in welcher Stimmung – Müdigkeit, Aufgedrehtheit, Freude, Trauer, Niedergeschlagenheit …
Ändert sich da nur die Fußstellung?

Ich wünsche viel Spaß beim Entdecken und sehe gerne Ihre Kommentare oder Anmerkungen und Fragen.

Wer noch nicht hat, ist eingeladen, in 10 gratis Lektionen die wichtigsten Grundlagen des Gehens zu erfahren: -> zum Gratis-Ballengangkurs

Wer es gerne praktisch haben möchte und sich ganz persönlich und intensiv seinem Gang- und Bewegungsmuster widmen möchte, dem empfehle ich diese Seite: Ballengang-Seminare

Es gibt auch die Möglichkeit einer Video-Ganganalyse mit exakter Rückmeldung Ihrer Bewegung aus drei Positionen ganzheitlich und Hinweisen zum Üben. – mail an: info@ballengang.de

Ihr Stefan Heisel

Ballengang_Heisel_Seminaraction
Seminar-Action

 

 

 

Richtig Gehen Lernen (7a) Ballengang hat nichts mit den Füßen zu tun.


Ballengang-TorsoSehr geehrte Leser,
wenn von Ballengang die Rede ist, fällt auf, dass die Aufmerksamkeit stets auf die Füße gerichtet ist. So bestimmt sehr oft allein die Erstberührung der Füße bei der Landung die ganze Gangart. Auch wird „Ballengang“ und „Barfußgang“ sehr oft als Synonym benutzt. Infolgedessen versprechen sogenannte „Barfußschuhe“ ein anderes, besseres Gehen. Auch Fußgymnastik rückt in den Vordergrund, wenn das Gangbild verbessert werden soll. Und nicht zuletzt beinhalten sogar professionelle Ganganalysen, die meist auf Laufbändern durchgeführt werden, lediglich Aufnahmen vom Knie abwärts …
Doch kann unser Gehen oder Laufen aufgrund von Modewörter wie Ballengang, Fersengang, happy feet, gesunde Sohlen etc. wirklich auf dieses Detail in den Füßen beschränkt werden?

Je länger ich mich mit funktionellen Alltagsbewegungen beschäftige, desto unkomplizierter und minimalistischer stellt sich das Konzept natürlicher Bewegung dar. Es geht letzten Endes gar nicht um Ausführungsdetails bestimmter Körperteile; vielmehr bestimmt der Gesamteffekt aller Teile die Qualität einer Handlung oder einzelnen Bewegung.

Schauen wir uns das Gehen an, dann bestimmt auch hier immer die Gesamtheit aller Bewegungen die momentane Gangart und damit auch die Gangqualität.

Welcher Bereich unseres Körpers nimmt dabei den größten Einfluss auf die Gesamtbewegung?
Nicht die Zehen, nicht die Hand, nicht der Fuß oder das Knie…

Es ist der Rumpf, bzw. Torso als eine eigene bewegliche Einheit. Von ihm haben alle Körperbewegungen ihren Ursprung. Und nicht nur die Bewegungen an sich haben ihren Ursprung im Rumpf – viel einfacher gesehen entspringen alle Extremitäten und auch der Kopf dem Rumpf ebenso wie die Muskeln und Sehnen, die für die Bewegung der Extremitäten verantwortlich sind.

Um sich das vorstellen zu können, machen wir einen kurzen Test, sofern Sie gerade Gelegenheit haben:

Wir laufen in einem moderaten Tempo geradeaus. Dann möchten wir so schnell wie möglich um 180° drehen und in die andere Richtung laufen. Wie schaffen wir das am effizientesten?(am Schnellsten, mit dem wenigsten Kraftaufwand, …)

An dieser Stelle würde jetzt in [Seminaren] tatsächlich praktisch getestet, auf welche Lösungen der Körper intuitiv kommt. Für Blogleser kürzen wir das etwas ab:

Versuchen wir mal beispielhaft zwei Möglichkeiten:

  1. Wir achten darauf, bei der plötzlichen Drehung tunlichst auf dem Ballen bzw. der Ferse zu bleiben (je nachdem, welchem „Glaubenssatz“ man angehört)
  2. Wir laufen bewusst im Doppel-Z (Hüfte hinter dem Brustbein) und rotieren beim Richtungswechsel betont das Becken um 180°, wobei sich die neue Rumpfausrichtung sofort in die neue Richtung stabilisiert. Wir beobachten dabei quasi „nebenher“, was der restliche Körper, insbesondere die Füße, Beine, Arme, Kopf so anstellen.

Welche Bewegungspriorität fühlt sich am agilsten und leichtesten an?

Interessanterweise werden wir bei der zweiten Wendemöglichkeit beobachten, dass wir aus dem Vorfuß arbeiten, obwohl wir darauf gar keine Aufmerksamkeit gerichtet haben.
Genau das gleiche Phänomen passiert uns, wenn wir auf der Stelle hüpfen oder eine Treppe hinab steigen.

Wir merken dabei, dass die Verwendung des Fußballens ganz intuitiv und selbstverständlich passiert. Und zwar dann, wenn der Körper abgefedert werden muss, weil der Körperschwerpunkt genau über den Füßen landet. Es muss also gar nicht so sehr gelernt werden, wie man „richtig“ auf dem Fuß landet, denn das ist eine angeborene intuitive Fähigkeit.

Was wir offensichtlich verlernen, ist die Relation, das Verhältnis und das Zusammenspiel zwischen Rumpf und Beinen. Dadurch entsteht ein schweres, unharmonisches Gangbild. Die Beine werden dabei verfrüht nach vorne geworfen, um gestreckt auf einer (schuhgedämpften) Ferse zu landen. Der Rumpf hat dabei aber noch ein zweites Problem:

Nicht nur, dass er sich nicht an der für die Dynamik passenden Position in der Bewegung befindet – auch findet im Rumpf selbst kaum Aufrichtung statt. Er nimmt in der Gehbewegung annähernd die Haltung ein, die er auch beim (falschen) Sitzen innehat: passiv, gestaucht, fest. Beides zusammen schafft eine Fortbewegung, die nicht zu den natürlichen Anlagen der Muskeln, Gelenke, Knochen und Faszien passt. Natürlich führt das auch zu einer Degenration der Füße. Dennoch ist es nicht dauerhaft hilfreich, sich bei der Beschäftigung mit dem Gehen vorwiegend mit den Füßen zu beschäftigen. Diese sind nur ein Teil einer Bewegungskette, deren Ursprung der Rumpf ist.
“Ballengang“ ist deshalb auch ein ebenso irreführender Begriff wie „Barfußgang“.

Ich möchte an dieser Stelle für heute Schluss machen und Ihnen die Frage stellen:

Wie erkennt man die Leichtigkeit des natürlichen Gehens?
Tatsächlich an der Landefläche des vorderen Fußes oder an etwas ganz anderem?

Im nächsten Teil werden wir anhand eines Videos schauen, was es mit Ballengang und Rumpf und Füßen auf sich hat….

Ich wünsche bis hierhin viel Spaß beim entdecken,

Ihr Stefan Heisel Stefan_Heisel_Naturerlebnis_Ballengang

Bericht: Reutlingen lernt den Ballengang!


Yogaunity Reutlingen

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,
das Interesse am natürlichen Gehen und Laufen nimmt immer mehr zu. Immer mehr Menschen erkennen den Zusammenhang zwischen Bewegungsqualität und Wohlbefinden und körperlicher Gesundheit und Fitness.
So kam es, dass Stefan Heisel jetzt in Kooperation mit der Barfußinitiative Reutlingen am 13. + 14. Mai 2017 ein ausgebuchtes intensives Ballengang- und Faszienseminar hielt.

Die Teilnehmer kamen vom hohen Norden, Berlin, Ostsee bis Schweiz/ Zürich nach Reutlingen im schönen Schwarzwald angereist, um sich ein persönliches Bild von Stefans ganzheitlichem Coaching zu machen.
Unter den regionalen Teilnehmern war die Inhaberin des örtlichen Vivobarefoot-Stores Sabine Bürkle. Durch ihre mehrfache Nachfrage bei Stefan Heisel kam es überhaupt erst zu diesem Seminar und wird es auch noch weitere geben, wie dieses Jahr noch im Juli.
Siehe ->Ballengangseminare
Ein weiterer Reutlinger Teilnehmer war der Barfußtrainer und Extremläufer Bernd Gerber, eine sehr gute Empfehlung für alle Barfuß-Läufer und -Kletterer!

Doch um was geht es in einem Seminar über das Gehen, über natürliches Bewegen? Was kann es geben, was nicht jeder halbwegs gesunde Mensch von seinem ersten Lebensjahr an eigentlich schon kann?
Welche Menschen interessieren sich denn dafür und reisen 700 km und mehr an, um „Gehen zu lernen“?

Um diese und viele andere Fragen zu beantworten, die oft gestellt werden, veröffentliche ich heute einen ausführlichen bebilderten Bericht über dieses Wochenende in Reutlingen.

Viel Spaß beim Lesen!

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Reutlingen Samstag, 13.05.17

Wir begannen pünktlich um 10:00 Uhr, nachdem (fast) alle Teilnehmer frühzeitig in der Yogaunity Reutlingen eingetroffen waren. Die Räumlichkeiten der freundlichen und offenen Inhaberin Elke Klosseck strahlten viel Charakter und Ruhe aus. Der dunkle Holzboden und die vielen liebevoll eingerichteten Lichtspielereien, Beleuchtungen, Asseccoires sowie die nützlichen Übungsmaterialien luden zu einem konzentrierten und kreativen Arbeiten ein.
An dieser Stelle möchte ich mich bei Elke Klossek für den netten und konstruktiven Kontakt bedanken!

Persönliche Einstimmung

Zu Beginn des Seminars waren die Teilnehmer dazu eingeladen, sich selbst vorzustellen und ihre persönliche Geschichte zu erzählen, wie sie überhaupt auf das Thema „natürliches Gehen/Ballengang“ gestoßen sind.

Anschließend, also bevor es ans Eingemachte ging, fand die erste Runde der Ganganalyse statt, die optional in Anspruch genommen werden konnte. Also die Aufnahmen „VORHER“.

Ganganalyse – Aufnahme vor Ort

 

Was ist eine Bodymotic-Video-Ganganalyse?

Es werden drei kurze ganzheitliche Aufnahmen des Gangbildes aufgenommen – bei Seminaren VOR und NACH dem gesamten Training. Mit diesem Material setzt sich Stefan Heisel in Heimarbeit an den PC und erstellt nach einem bewährten „Drehbuch“ ein eingenhändig bearbeitetes und geschnittenes ganz persönliches Video mit Echtzeit, Zeitlupe, Bewegungsausschnitten, Standbildern, Zeichnungen, Vergleichsstudien und individuellen Hinweisen zur täglichen Umsetzung. 

Die Dauer des fertigen Videos ist je nach Erklärungsbedarf zwischen 10 und 12 Minuten. Die reine Bearbeitungszeit dafür beträgt pro fertiges Video etwa fünf Stunden. 

Weil Stefans Seminare einerseits viel Erklärungsbedarf haben, was das grundsätzliche Bewegungs- und Lernverständnis betrifft, andererseits aber darauf abzielen, sich ein EIGENES Bewegungsrepertoire anzueignen, war der nächste Schritt im Seminar eine Partnerarbeit.

Partnerarbeit
Anschauliches gegenseitiges Erklären

Jeder sollte dem anderen erklären bzw ihn davon überzeugen, was überhaupt der Vorteil vom „Ballengang“ ist, sodass dieser die Ansichten seines Gesprächspartners danach überzeugend darstellen konnte.

Der Nebeneffekt durch diese selbstreflektierende Vorgehensweise war, dass der Seminarleiter einen guten Überblick über den Kenntnisstand und die Erfahrung der Gruppe bekam.
Diese Gruppe hatte einen verhältnismäßig hohen Stand an Vorbildung bzw. teils mehrjährige Erfahrung. Entsprechend gestaltete sich das Seminar immer praktischer und im Inhalt auch tiefer/ anspruchsvoller.

Erst jetzt stellte Stefan Heisel sein eigenes, selbst entwickeltes Konzept des natürlichen Gehens vor:

Entwicklung des aufrechten Gangs

Wie lernen wir Menschen überhaupt Bewegung, wieso können wir uns gezielt bewegen? (entwicklungspsychologisches und neurologisches Erklärungsmodell mit Beispielen aus der allgemeinen und persönlichen Erfahrung eines jeden Menschen)
Welche Stufen durchläuft natürliches Gehen Lernen?
Was beobachten wir bei uns, bei Kindern und bei Säuglingen und wieso muss das so ablaufen?

 

Stefan stellte dann seine Fünf Prinzipien natürlichen Gehens in den nächsten Stunden vor

5 Prinzipien des Gehens
Die Rotation

Dabei wurden zuerst viele Übungen und Tests in der Gruppe gemacht, die zunächst unvoreingenommen ausprobiert wurden. Wichtig war, dass jeder einen ganz eigenen Eindruck dadurch erhielt und sich selbst gut beobachtete.

 

Kraftlinie
Doppel-Z

Erst dann wurde jeweils das zugrunde liegende Prinzip explizit in Worten formuliert und somit all die gemachten Erfahrungen zu einem Begriff zusammengefasst. Dieser Part des Seminars war sehr intensiv und beinhaltete auch viele Fragen und Experimente, auf die Stefan uneingeschränkt einging, bis der jeweilige „Aha-Effekt“ angekommen war.

Der Vorfuß
Der „Gehmuskel“

Nach einer Mittagspause, bei der es viele Möglichkeiten in der Nähe gab, sich zu verköstigen, kamen wir bis zum Ausprobieren des vierten Prinzips. Und die Fortsetzung für Sonntag Vormittag wurde angekündigt ….

Am Abend konnten drei Teilnehmer die zuvor gebuchten und reservierten 60-minütigen Einzel-Faszienbehandlungen von Stefan Heisel in Anspruch nehmen. Diese vermitteln einen Eindruck von der Wirkung der Bodymotic-Form-Behandlungsmethode.

Bodymotic-Form-Faszien

Was ist eine Bodymotic-Faszienbehandlung:
Die Faszien sind das alle Muskeln, Organe und Nerven umhüllende Bindegewebe, einschließlich Sehnen und Bändern. Sie bestimmen Beweglichkeit, Leichtigkeit und Wahrnehmung von Bewegung maßgeblich.

Bodymotic-Form Technik

In einer Bodymotic-Faszienbehandlung werden gezielte Bereiche des Körpers systematisch faszial gelöst und damit potentiell langfristig beweglicher, entspannter und effizienter gemacht. Die Techniken sind langsam, intensiv, tiefgehend und haben eine extrem lösende und befreiende Wirkung auf das Gewebe, die Muskeln und die Gelenke. Die Behandlung im Seminar ist aus Gründen des Kennenlernens der Methode etwas kürzer als bei einer echten (8-10 teiligen) Bodymotic-Form-Kur vorgesehen. Der Eindruck vom Potential dieser Methode ist dennoch deutlich spürbar.

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Am Tag 2, Sonntag, 14.05.17

waren bis auf Sabine Bürkle alle Teilnehmer wieder am Start.

Raumorientierung

Zuerst wurden die Punkte des Vortages wiederholt und mit Übungen aus dem Bodymotic-Bewegungstraining (streng genommen aus Stefans Kinder-Übungsprogramm 🙂 )  gleichzeitig Muskeln (inklusive Lachmuskeln!) und Geist aufgefrischt.

Als es an des fünfte Prinzip ging, die mentale Schlüsselfähigkeit, um sich effizient zu bewegen, kam Leben in die Gruppe. Vielmehr tauchten immer mehr Fragen nach dem Warum auf und nach dem Wie. Stefan erläuterte anhand von Kampfkunstübungen und Alltagssituationen, warum weniger Wiederholung mehr ist, wie man die Qualität jeglicher Bewegungen durch eine sensitive/meditative Übungsmethode schneller steigern kann als durch Nachahmen.

Faszien-Selbstbehandlung

Nach der kurzen Pause war das Thema Faszienarbeit angesagt. Stefan Heisel erklärte, worauf es ankommt, wenn man Faszien manipulieren möchte und gab einen 10-teiligen Leitfaden mit, wie man seine eigenen Füße mit Hilfe von manuellen Faszientechniken geschmeidig, beweglich machen kann und damit auch ihre Verbundenheit mit der Erde verbessern kann.
Besonders war hierbei, dass es eine Hilfe zur Selbsthilfe darstellt und jederzeit angewendet werden kann.

Da anfangs die eigene Haltung und Bewegung etwas angespannt sein kann, lernten die Teilnehmer, ihren Rücken und die Schultern wieder selbst in Form zu bringen, nachdem man intensiv die eigenen Füße behandelt hat.

Konstruktive Ruhestellung

Als jeder nun schön entspannt und leichtfüßig war, wurden nun die „Danach“ – Aufnahmen der Video-Ganganalyse der Teilnehmer aufgenommen. Auch ohne Auswertung erkannten sich einige kaum wieder und die Bearbeitung der einzelnen Videos kann nun mit Spannung erwartet werden.

Am Ende fand wie immer selbstverständlich auch eine Feedbackrunde statt.
Einige Feedbacks, die freundlicherweise veröffentlicht werden dürfen, stehen hier unter dem Bericht.

An mehreren Stellen dieses Seminars wurde bewusst, dass die Thematik „natürliches Bewegen“ und vor allem dessen Aneignung unbedingt Aufbauseminare oder -coachings nach sich ziehen sollte.

Mehr beim Aufbauseminar …

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Ich bedanke mich bei allen Teilnehmern dieses für mich angenehmen, spannenden und lehhrreichen Seminars. Es war eine Freude, neue Menschen kennen zu lernen und einige intensive Stunden zu verbringen. Mein besonderer Dank gilt auch Denise Jäger für die Unterstützung bei der Seminarorganisation vor Ort und für die schönen Fotos.

Die nächsten Gelegenheiten, dabei zu sein, gibt es hier -> seminare.ballengang.de

Vielen Dank für das Lesen bis hierher und herzliche Grüße

Ihr Stefan Heisel

Ballengang_Seminar_StefanHeisel

 

Feedbacks der Teilnehmer:

„Das Seminar hat mein Leben verändert!

Zwei Kolleginnen haben mir am Dienstag gespiegelt, meine Persönlichkeit hätte einen Sprung nach vorn gemacht.

 Was hat das Seminar bei mir geändert?

 Ich habe gelernt, nicht den „stereotypen Ballengang“ lernen zu wollen, sondern den Ballengang zu entwickeln, der meinem Körper (Physiognomie und Charakter) entspricht.

Ich habe 5 Punkte an die Hand bekommen, wie ich dieses Ziel erreiche. Diese Punkte wurden im Seminar verständlich (praktisch und theoretisch) behandelt und waren klar umgesetzt. Nur der 5. Punkt „Fokus“ war etwas schwammig für mich am Ende des Seminars.

 Trotzdem erscheint mir dieser Punkt inzwischen der wichtigste.

Ich konzentriere mich inzwischen bei jeder Bewegung auf die Bewegung und überlege, wo ich locker und wo ich angespannt bin. Muss die Schulter angezogen sein, wenn ich über den Hof gehe? Nein, also kann ich sie auch lockern. Ich kann das Beispiel mit dem Lenkrad jetzt nachvollziehen, obwohl ich es auch im Kurs für etwas überzogen hielt. Morgens beim Aufwachen, fällt mir auf, dass ich mit hochgezogenen Schultern aufwache. Hier könnte ich noch einen Tipp von dir gebrauchen, wie man damit umgeht.

 Da ich vom Seminar nicht alles behalten habe, geleitet mich nun der kostenlose Online-Kurs von Woche zu Woche wieder durch diese 5 Punkte. Am Ende des Online-Kurses habe ich sicherlich meinen eigenen Ballengang entwickelt.

Für mich hat sich der Kurs in jeder Weise gelohnt, jeder Cent bestens investiert.“

Petra G. aus Reutlingen

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„Lieber Stefan,

in Gedanken hast du schon jede Menge Feedback bekommen, auf Schritt und Tritt und bei jedem Treppensteigen, aber wegen einer Beerdigung schreibe ich dir erst jetzt.

Was du auf deiner bodymotic Seite unter Ziele Punkt 3 beschreibst, hat mich im Januar sofort angesprochen, denn das ist mein eigentlicher Wunsch: äußere und innere Haltung zunehmend in Übereinstimmung zu bringen und meine Möglichkeiten zu entdecken und zu leben, indem ich das wunder-volle Zusammenspiel von Körper-Seele-Geist immer tiefer verstehe, erforsche und übe. Eine wahrhaft beglückende Lebensaufgabe!

Im Moment sind mir folgende Aspekte vorrangig, wie bei jedem feedback sagen sie mehr aus über mich als über dich, du kannst gerne öffentlich machen, was dir sinnvoll erscheint.

– meine Körperwahrnehmung ist wacher und feiner geworden, sie springt schneller an und verlangt nach Optimierung, z.B. wenn ich unnötigerweise Schultern und Nacken anspanne.

– dass sich deine 5 Prinzipien aus deiner eigenen Erfahrung heraus ent-wickelt haben, macht sie für mich unmittelbar einleuchtend und sie inspirieren zugleich zum Erforschen: wie ist das bei mir?

– durch deine Unterrichtsmethode die direkte Auswirkung von körperfreundlichen Veränderungen auf meine Befindlichkeit zu erleben – Beschwingtheit,

gute Laune – verstärkt meine Motivation, dranzubleiben – super intrinsisch!

– ich bin eher ein Bewegungs-als ein Feldenkreismatte- Typ. Über Bewegung zu achtsamer Selbstbeobachtung zu kommen, hat mir Freude gemacht und genau das kann ich selbst ohne Aufwand in jedem Moment in meinem Alltag tun – ich muss mich nur dafür entscheiden!

– langer Bauch und Hüfte fallen lassen sind gerade meine Forschungsfelder => aufrechtes Sitzen entsteht von selbst und mein Körper verlangt zunehmend danach, das teste ich gerade in Zug- und Straßenbahnfahrten bzw. immer wieder beim Ballengehen und Treppe runter Gehen.

– Autonomie ist für mich ein hoher Wert, deshalb waren mir deine Ermunterungen: Wie ist das bei dir? Probier’s aus. sehr willkommen und dein Feedback passend.

– so informativ und ermutigend deine Mitteilungen zum „Überschreiben“ und Lernen, für mich als ehemalige Lehrerin eine Herzensangelegenheit!

Das Nachhaltigste was ich mitnehme ist die wieder neu erfahrene Erkenntnis:

Solange ich in meinem Körper lebe und bei Bewusstsein bin, habe ich jeden Moment die Chance, neu anzufangen. Welch ein Geschenk!

Aufbau und „Hebammen-Methode“ erlebte ich als effektiv und zielführend – zu einem freien beweglichen Geist und einem freien Leben gehört ein freier, aufgerichteter und dynamischer Körper!(bodymotic site)“

Henriette Nagel-Harder, Heidelberg

Der Online-Barfuss-Kongress


Liebe Leser,

Heute darf ich eine sensationelle Ankündigung machen:

Dank dem unermüdlichen Engagement von Lisa Ritter, wird vom 6. bis 10. Mai 2017 eine kostenfreie Interviewausstrahlung von 15 Experten rund um das Thema Barfuß-Gehen online ausgestrahlt (live streaming)

Der Online-Barfuss-Kongress 2017

Da ich auch einer der Speaker und Coaches bin, der bei diesem Event dabei sein darf, konnte ich die sprühende Begeisterung und Offenheit der Initiatorin Lisa Ritter persönlich erleben.

Auf dieser Seite kannst du folgendermaßen vorgehen:

-> http://barfuss-kongress.ballengang.de <-

-> Klicke auf „Home“ rechts oben und trage dich für die live Teilnahme am Online-Barfuß-Kongress ein. Alle weiteren Hinweise folgen dann per Mail.
Während der Live-Übertragung vom 6. – 10. Mai 2017 kann der gesamte Kongress auch zu einem Sonderpreis als Download erworben werden.

-> Kongress-Paket

Ich wünsche viel Spaß bei dem Event und/oder den Aufzeichnungen, immerhin sind insgesamt über 15 Stunden Videomaterial dabei.

Herzliche Grüße,

Ihr Stefan Heisel

Stefan_Heisel_Cleks

Neue Seminare in 2017


Sehr geehrte Leser,

Im Laufe der letzten Monate erreichten mich zahlreiche Anfragen, wann und wo denn wieder ein intensives Ballengang-Seminare von mir durchgeführt wird…

Nun darf ich euch die ersten beiden festen Termine vorstellen, die ab sofort gebucht werden können.

Am 13. und 14. Mai,  am 24. und 25. Juni sowie am 15. und 16 Juli wird es wieder intensiv um dich, deinen natürlichen Gang und deine Faszien gehen.

Die Links mit allen Details findest du auf http://seminare.ballengang.de

Es sind noch mehr Termine in Planung, deshalb werde ich euch sowohl auf dem Blog als auch im Newsletter auf dem Laufenden halten.

Auch sind schon einige interessante Texte hier auf dem Schreibtisch, die bald online gehen werden und wieder neues Licht in das Phänomen der „einfachsten“ Bewegung der Welt bringen.

Soviel in aller Kürze.

Ich freue mich darauf, den einen oder anderen bald persönlich kennen lernen zu dürfen und verbleibe mit herzlichem Gruß,

Euer

Stefan Heisel

Stefan_Heisel_Naturerlebnis_Ballengang

Bewährt: Ballengang lernen bei Hannover


Haus
Haus „La Vie“ im WiGro-Gewerbepark Seelze

Liebe Leser, nach längerer persönlich bedingter Schreibpause darf ich Ihnen heute mit Freude einen Bericht über das jüngste Ballengang-Wochenende präsentieren.
Am letzten Juni- Wochenende ’15 trafen wir uns mittlerweile zum zweiten Mal in Seelze /Hannover und verbrachten im Seminarhaus „LaVie“ interessante, lehrreiche und gesellige Stunden.
Wir, das sind begeisterte Ballengänger(innen) aus dem norddeutschen Raum und den Mannheimer Seminarleiter Stefan Heisel.
Doch womit kann man sich eigentlich ein ganzes Wochenende lang zum Thema „natürliches Gehen“ beschäftigen?

Die Übungen:

Anschauliche Präsentationen
Anschauliche Präsentationen

Samstag morgen, nachdem alle Teilnehmer angekommen sind, startete Stefan Heisel per Flipchart mit der Klärung, worin krankmachende Faktoren im Leben zu finden sind und welche davon durch andere bessere Bewegungsweisen positiv beeinflussbar sind.

In der anschließenden Vorstellungsrunde eröffneten sich in der Runde zahlreich hochinteressante persönliche Begebenheiten und gemachte Erfahrungen, so dass sich ein bereichernder Dialog und Austausch schon zu Beginn einstellte.

Kurze Mitschrift zwischen den Übungen
Kurze Mitschrift zwischen den Übungen

Ans Eingemachte ging es dann bei den von Stefan Heisel entwickelten fünf Grundprinzipien des Ballengangs, die bisher nur auf Seminaren live unterrichtet werden.
Was im gesamten Verlauf entscheidend war, ist die Tatsache, dass sich bei jeder Einzelbewegung immer auch der gesamte Körper mitbewegt/ mitschwingt und so dafür sorgen kann, dass uns Bewegungen leichter oder schwerer fallen und sogar zu einer Belastung bis Schädigung führen können.
Durch simple Übungen wurden den Teilnehmern diese Zusammenhänge immer klarer.

Ballengang_Seminar_Seelze1
Hohe Konzentration auf den Körper

Die Praxis:

Der Sonntag war dann Praxistag. Etwa 200 Meter vom LaVie entfernt, beginnt ein größeres Stück freie Natur mit sehr schönen Waldwegen. Diese nutzten wir für einen zweieinhalbstündigen Freigang in barfuß und komplettierten die zuvor gemachten Gehprinzipien mit speziellen Körperübungen und kleinen Spielen. Dabei hatten wir so viel Spaß, dass eine einheimische Wanderin mit Hund uns erklärte, man solle sich im Wald gefälligste leise verhalten …. Herrliches Feedback! 🙂

Anwendung im Wald
Anwendung im Wald

Anschließend wollte Stefan Heisel noch mal alle Erfahrungen revue passieren lassen, wurde aber von den praxisbezogenen Fragen der begeisterten Teilnehmer so überschüttet, dass das Seminar letztlich eine ganze Stunde länger ging als geplant. Aber es hat sich gelohnt. Es war ein rundum erfüllendes Wochenende.

Individuelle Ganganalysen
Individuelle Ganganalysen

Die Ganganalyse:

Auch dieses Mal haben sich Teilnehmer dazu entschlossen, sich von vor und nach dem Seminar eine Videoanalyse ihres Gangbildes sowie ihrer Körperstruktur anfertigen zu lassen. Diese sind zur Zeit (8.7.15) noch in Arbeit. Die fertigen Videos liefern dann dauerhaftes konkretes Anschauungsmaterial über sich selbst mit genauen Analysen in bewegtem Bild, Standbild, Zeitlupe, Zeichnung und Ton, das immer wieder genutzt werden kann.

Bodymotic-Faszienbehandlung
Bodymotic-Form: Die Faszienbehandlungen

Die Faszienbehandlungen:

Am Samstag nachmittag bis Abend konnte Stefan Heisel eine Kostprobe von den Möglichkeiten einer manuellen Faszienmanilulation bieten. Leider nur für eine limitierte Zahl an Teilnehmern, die sich vorangemeldet hatten. Diese Möglichkeit wurde gerne genutzt und führte zu guten Ergebnisse, die eventuell den einen oder anderen Kollegen vor Ort als Fortsetzung aktiv werden lässt.

 Das LaVie

Seminarraum_LaVie-Seelze

Zum zweiten Mal bewährte sich das Seminarhaus LaVie als ein Ort des Wohlfühlens und Entspannens rund um den Seminarablauf. Das Haus liegt im WiGro Gewerbepark in Seelze bei Hannover. Es ist von Grünflächen umgeben, besitzt eine große und um das halbe Haus verlaufende Holzterasse und bietet unerwartet viel Ruhe und Abgeschiedenheit.

-> Ideal für Seminare über mehrere Tage.

Das Erdgeschoss besteht aus einem für zehn Teilnehmer ausreichenden und hellen Seminarraum mit Holzkamin und mehreren großen Glastüren mit uneingeschränkter Sicht nach draußen. Daran ist eine moderne Wohnküche angegliedert sowie ein separater Behandlungsraum und ein Badezimmer. Im Obergeschoss gibt es drei große Gästezimmer und ebenfalls ein großer Baderaum mit großer Dusche und Badewanne.

Helle, hüsche Zimmer mit Balkon
Helle, hüsche Zimmer mit Balkon

An diesem Wochenende haben wir uns teilweise selbst versorgt und so entstand ein geselliges, wohnliches Miteinander.

Ich bedanke mich herzlich bei den Gastgebern Stefan Grote und Isabelle Breitenbach für die Bereitstellung dieses außergewöhnlichen Anwesens.

Und ganz besonders bedanke ich mich bei der Begeisterung und der menschlichen Präsenz meiner Teilnehmer, mit denen es mir viel Spaß machte zu arbeiten.

Herzliche Grüße, Ihr Stefan Heisel

Bodymotic-Coach Stefan Heisel
Bodymotic-Coach Stefan Heisel

Teilnehmerfeedback:

Lesen Sie nun Stellungnahmen von Menschen, die an diesem Wochenende teilgenommenhaben:

Ilka in Ballengangaktion
Ilka in Ballengangaktion

„Lieber Stefan,

ich fand das Ballengangseminar sehr bereichernd!

Ich übe schon eine Weile Barfußgehen und weiß jetzt sicherer auf was ich achten darf und was für mich beim Gehen wichtig ist.

Ganz besonders schön finde ich deinen ganzheitlichen Ansatz, nicht nur die Füße und den Gang, sondern den Menschen in seiner körperlichen und auch mentalen Haltung als Ganzes zu betrachten und diese wichtigen Aspekte miteinzubeziehen. Das konnte ich mit den Körperübungen super umsetzen.

Nicht zuletzt empfand ich dich als einen sehr angenehmen, kompetenten und herzlichen Seminarleiter.

Mir hat es wirklich supergut gefallen, ich hätte noch locker weitere Seminartage dranhängen können.

Vielen Dank an dich!“

 Ilka Hempel

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Ballengang_Baumstamm1
Heike bei der Baumstamm-Challenge

„Das war es also endlich, das lang ersehnte Ballengang-Wochenende.

Seit vergangenem Dezember bin ich mehr oder weniger Vorfuß-orientiert unterwegs und obwohl ich eifrig den E-Mail-Kurs durchgearbeitet und auch sonst im Netz geforscht hatte, blieben doch etliche Fragen und Unsicherheiten bestehen.

Stefan hat uns geduldig und überaus kompetent Feinheiten wie den langen Bauch, Knierotation und die richtige Dynamik nahegebracht. Die Beschäftigung mit Themen wie Balance, Aufrichtung, Fokus ist schon an und für sich wohltuend und heilsam, um so mehr, wenn sie von einem so authentischen Lehrer vermittelt werden.

Schon alleine seinen Bewegungen zuzuschauen war eine reine Freude.

Ein besonderes Highlight war natürlich auch die Barfußwanderung durch den Wald. Nachdem mich die Vorstellung zunächst eher beunruhigt hatte, erwies sie sich tatsächlich zwar fast als Reizüberflutung, aber gut zu bewältigen. Eindringlicher kann man wohl nicht erfahren, auf wie viele Sinneswahrnehmungen man in Schuhen verzichtet.

Nach zwei gleichermaßen entspannten wie anregenden Tagen bin ich sicher: Ich werde weitermachen,  auch wenn es (konstitutionsbedingt) manchmal noch heftig ziept und hakt.“

Heike Wehn

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Alex kurz vorm Sprung
Alex kurz vorm Sprung

„Ein absolut rundes Ballenwochenende!

Die Erarbeitung der einzelnen Aspekte des Ballengangs waren absolut aufschlussreich und haben mir ein
tieferes Verständnis für die Bewegungsabläufe des Körpers gegeben. Und das sehr intuitiv und mühelos, da es um das ent-decken und erspüren eines ursprünglichen Bewegungsmusters ging. Damit bleiben alle Bausteine
auch nachhaltig präsent für das weitere, individuelle Entdecken das Ballengangs.

Hinzu kamen auch noch viele Querverweise in die Zusammenhänge mit der Kampfkunst, das war ebenfalls wundervoll!

Daher ein großes Dankeschön an Stefan für dieses absolut weiter emfpehlenswertes Wochenendseminar!“

 Alexander Kläser (http://klaeser.me)

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Kerstin tastet sich vor
Kerstin tastet sich vor

„Hallo Stefan,

ich möchte mich noch einmal für das schöne Seminar in Seelze bei Dir bedanken! Ich habe dort nicht nur nette Menschen kennengelernt und „technische Details“ zur Verbesserung meiner Körperhaltung erfahren, sondern bin auch in meiner persönlichen Entwicklung ein Stückchen weiter gekommen.

Du hast mit Deiner freundlichen und toleranten Art vermittelt, dass Bewegung von Körper und Geist für die Beweglichkeit von beiden unabdingbar ist und dass sich die Bewegung des einen auch positiv auf den anderen auswirkt.

Für die Freude an der Bewegung ist der richtige (natürliche) Bewegungsablauf wichtig und hierfür habe ich als wichtigste Punkte das „Doppel-Z“ und den „langen Bauch“ mitgenommen. Darüber gelesen hatte ich natürlich vorher schon, aber ich konnte vor dem Seminar nicht wirklich etwas damit anfangen. Jetzt wo ich verstanden habe, worum es geht, hilft mir das sehr viel weiter. Nicht nur beim Gehen, auch beim Sitzen und Reiten, mein Pferd dankt es Dir ;-).

Die Übung im Wald (das lange Stillstehen) fand ich in diesem Moment sehr anstrengend, hat mir aber im Nachhinein zusammen mit Deiner Erklärung einmal mehr aufgezeigt, dass wir selber die Verantwortung für uns und unser Wohlbefinden tragen und dafür auch ein wenig tun müssen.

Sehr hilfreich und angenehm fand ich die Faszienbehandlung und ich kann sie nur jedem empfehlen. Und nicht zuletzt haben auch das schöne Seminarhaus und die anderen Teilnehmer zu einer freundlichen Atmosphäre beigetragen.

Vielen Dank und ich wünsche Dir weiterhin viel Erfolg bei Deinen Seminaren!“

Kerstin T.

Ballengang durch barfuß Gehen?!


Wie funktioniert denn nun natürliches Gehen?

Ballengang_barfuß_Heisel Sehr geehrte Leser,

Diese kontroverse Frage stellt sich in letzter Zeit immer häufiger, weil die Zahl derer, die sich der offiziellen Lehrmeinung (Fersengang) in der Praxis widersetzen, immer größer wird.
Wie wir wissen, definiert sich die offizielle und weltweit geltende orthopädische Gehschule u.a. dadurch, dass in der Landephase die Ferse aufgesetzt und danach über der äußeren Rand des Fußes nach vorne „abgerollt“ wird.

Alle Ärzte, alle Physiotherapeuten, alle Sportlehrer dieser Erde lernen diesen Gang in ihren Schulen und Universitäten, in Seminaren und Fortbildungen. Und geben dieses übernommene Wissen genau so an Schüler, Patienten und Klienten weiter.

Doch woher kommt eigentlich diese Sicherheit, diese Selbstverständlichkeit, dass dem auch so ist? Dass wir als Menschen von Grund auf solch ein Bewegungsmuster biomechanisch entwickeln? Es geht sogar so weit, dass der aufrechte Gang an sich als evolutionäre Fehlentwicklung (s. „Bilder der Wissenschaft“, Ausg. 3/2015, S. 24 ff) erklärt wird, die nach 40 Jahren Lebenszeit einfach nicht mehr taugt und folglich nur noch Probleme bereiten muss.
Mit anderen Worten: Rücken, Knie, Fuß, Hüfte seien in den mitteren Lebensjahren „bauartbedingt“ zu Schäden verdammt. (?)

Was dabei aber vergessen wird, ist dass die heutige Lebensweise, der Lifestyle, die Mode, die Gewohnheiten, der berufliche Alltag unserem in Jahrmillionen geformten Körper ebenso wenig entspricht wie der als „Sport“ oder „Fitness“ bezeichnete versuchte Ausgleich.

Denn wir sind ohne Zweifel immer noch ein höchst effizient und ökonomisch arbeitender Bewegungskörper,
… wenn man ihn denn einfach nur „normal“ also artgerecht (be)nutzen würde!

Kein Mensch käme auf die Idee, ein Pferd auf ein Laufband zu stellen, ausgestattet mit federnden Schuhen mit Hufbett, niemand würde einem Elefanten Absätze verpassen, einen Welpen mehrere Stunden am Tag in der Hundeschule stillsitzen lassen oder seine Katze in eine Maschine setzen, die per Gewicht und Seilzug ihre Vorderbeinmuskeln trainiert…
All das und noch viel mehr tun wir aber der Bewegungsspezies „homo sapiens“ an und zwar per Verordnung, als Schulpflichtprogramm und halten das für Fortschritt…
Wen wundert es da, dass wir im Grunde genommen völlig verlernt haben, was und wer wir eigentlich körperlich sind?
Wir benötigen Trainingspläne, die uns anordnen, welche Übungen wann und wie oft zu absolvieren sind, um einen „starken Rücken“ zu bekommen, oder wir benötigen „Vorturner“, die uns in Studios auf möglichst unterhaltsame Weise dazu motivieren, im Takt zur Musik beliebige Moves irgendwie nach zu machen, auf dass der Puls immer die richtige Schlagzahl für die gewünschte Art der (Fett)Verbrennung aufweist. Fett, dass wir im Wesentlich auch deshalb haben, weil wir per Auto zum Studio und wieder zurückfahren 🙂

Zurück zum Gehen:
Betrachtet man die heutige Lehrmeinung, dann hat sich – wie immer das Geschehen konnte- diejenige Bewegung als „anatomisch korrekt“ durchgesetzt, die gar nicht mehr dem ursprünglichen Muster entspricht, sondern die sich seit der industriellen – und damit flächen- und massenübergreifenden (Schuh)industrie- als „normal“ verwandelt hat.
Ein stets barfuß gehender Mensch (der damit vom Fuß beginnend seinen Körper natürlich nutzt) wird niemals in das „orthopädische“ Gangmuster verfallen, das uns als medizinisches Nonplusultra empfohlen – ja verkauft- wird.

Nicht nur, dass genau dieses Gangmuster mit größter Wahrscheinlichkeit mitverantwortlich für quasi jegliche bisher „unbestimmbaren“ Rückenbeschwerden ist ( Verschiedene Quellen sprechen von 80-90% aller Beschwerden seien nicht bestimmbar)
Nein, es entspricht genau jenem Gehen, zu dem uns lediglich unser übliches Schuhwerk zwingt (Fersenbetontheit, Absatz, Fußbett, enger Zehenbereich, harte Sohle, ggf Schaft) das uns aber als natürlicher BARFUSSGANG beigebracht wird!

Wer jedoch offen durch die Welt geht, seinem Körper mehr vertraut, genau beobachtet und daraus lernt, der muss erkennen, dass diese „orthopädische“ Ganglehre, die in alle Bereiche hineireicht, von der Realität widerlegt ist.

Als eins von vielen Beispielen weise ich auf eine Reportage des SWR hin („Wie gesund ist barfuß laufen?“) , die zwar bereits ein halbes Jahr zurückliegt, aber glücklicherweise noch verfügbar ist. Es geht darin um eine junge Barfußgängerin, die nach einiger Praxis in das Ballengangmuster gewechselt hat und diesen nun ganz selbstverständlich praktiziert. Als Vergleich geht der Reportagepartner in dem zu fast 100% praktizierten schuhgewohnten Fersengang.

Sie, lieber Leser, sind jetzt dazu eingeladen, sich die Praxis der beiden Geher als authetisches Filmmaterial genauer anzuschauen und sich, unbedacht der im Film dargestellten Erklärungen ihren ganz eigenen Reim darauf zu machen. 😉 Vorab sei von mir bemerkt, dass es interessant ist, den Gang der jungen Frau zu loben, gleichzeitig aber keinerlei Worte für das Aneignen eben genau dieses (Ballen)Ganges zu finden und Erwachsenen sogar noch weitgehend von all zuviel barfuß gehen wegen vorhandener „Fußschwäche“ abzuraten ….

–> Hier zum Film

ballengang_Schuhträger_Filmab

Herzliche Grüße,

Bodymotic-Coach Stefan Heisel
Bodymotic-Coach Stefan Heisel

 

Das Frankenland lernt Ballengang!


Ballengang_BadSteben_Freiraum
Winterlich weißes Bad Steben

Sehr geehrte Leser, nachdem ich die Fotos erhalten habe, folgt nun der Bericht über das vergangene Ballengang- und Faszienwochenende im schönen Luftkurort Bad Steben im Frankenland.

Ganz besonders hat mich dabei gefreut, dass der Veranstaltungsort, die Biopension „Freiraum“ von einem begeisterten Ballengänger vorgeschlagen wurde, der dann auch maßgeblich bei der Vorbereitung und Vermittlung mitgeholfen hat.

 

Doch von Anfang an:

Ankunft Bad Steben
Ankunft Bad Steben

Die Anreise aus Mannheim gestaltete sich trotz obligatorischer Bahnverspätung reibungslos und es gab sogar ein kleines „Empfangskomitee“ am Zielbahnhof.

Nach entspannter Übernachtung starteten wir am Samstag dann erst mal mit einem veganen Frühstück, das, wie alle übrigen veganen Mahlzeiten des Wochendes vom „Freiraum“ gerichtet wurde.

In der Vorstellungsrunde zu Beginn stellten sich dann ganz mannigfaltige Geschichten um das „Warum Ballengang auf diesem Seminar lernen“ dar. So gab es sehr belesene Gäste, die in der Thematik „Faszien“ und „Ballengang“ absolut up to date sind und jetzt die Praxis kennen lernen möchten. Oder ein Fall, bei dem ein Gast über längerfristiges Ballengehen gute Erfolge bei fortgeschrittenem Hallux Valgus erzielte. Wieder andere wollte gerne das im Newsletterkurs Gelesene einfach mal „live“ eleben. Schließlich folgten sogar absolute Ballengang-Laien aus Neugier einer persönlichen Empfehlung, um das neue Bewegungsmuster richtig kennen zu lernen.

Balance und Struktur
Balance und Struktur

Dieser Runde folgte ein Vortrag über die Bedeutung des Ballenganges in Bezug auf Gesundheit, Entwicklung und Bewegung im Alltag.
In dem atmosphärisch sehr ansprechenden großen Übungsraum arbeiteten wir dann für den Rest des Tages intensiv an den fünf Prinzipien des natürlichen Gehens. Die Teilnehmer waren dazu angehalten, möglichst viel selbst zu probieren, zu verstehen und zu prüfen, bis letztlich alle Fragen und Probleme hinreichend geklärt waren.

Was mir bei den Übungen immer wieder auffällt, sind die Schwierigkeiten bei den Rotationen und

Intensive Rotationsarbeit
Intensive Rotationsarbeit

Gegenrotationen im Körper. Sobald es gilt, diese bewusst nachzuempfinden oder gezielt herbeizuführen, sperrt sich der Körper meistens dagegen. Hier kann ich Ihnen als Leser empfehlen, so oft es geht zu balancieren, auf einem imaginären Seil, auch und vor allem rückwärts. Die mit der freien Rotation verbundene Körperbalance ist einer der wichtigsten Schlüssel zum wirklich souveränen und geschmeidig leichten Ganges.

Der richtige Bewegungsrhythmus
Der richtige Bewegungsrhythmus

Am Nachmittag und Abend durften einige Teilnehmer ihre vorgebuchten Faszienbehandlungen genießen, die jeweils etwa 70 Minuten in Anspruch nahmen. Auch wenn der Zeitrahmen recht begrenzt ist, wird diese Gelegenheit immer wieder gerne genutzt, um eine Richtung zu spüren, wohin sich Beweglichkeit und Körperstruktur noch persönlich entwickeln können.

Mit den Faszien ging es dann am Sonntag weiter. Nach einer Einführung in die natürlichen Fußfunktionen und damit einhergehend mit den Eigenschaften von „gutem“ und „schlechtem“ Schuhwerk erlernten alle Ballengänger einen anschaulichen Lehrgang über 10 Faszientechniken für den Fuß zum Selbstanwenden. Dazu gab es auch Anleitungsmaterial und persönliche Einweisung in jede einzelne Technik.

Dynamik und Kraft
Dynamik und Kraft

So konnte am Schluss jeder in den Genuss seiner eigenen Behandlung kommen und hat natürlich die Möglichkeit, diese Kenntnisse immer wieder anzuwenden. Besonders dann, wenn die Füße müde oder überanstrengt sind.

Als besonderen Service konnte auch in Bad Steben eine Video-Ganganalyse in Anspruch genommen werden. Durch eine solche Analyse wird das Seminar ungleich wertvoller, weil hier sehr detailliert das eigene Bewegungsmuster analysiert, erklärt und bildhaft dargestellt wird. Auf diese Weise kann man auch noch Wochen und Monate nach einem Seminar ganz gezielt an der eigenen Bewegung arbeiten, ohne dass ständig ein Coach dabei sein muss, der korrigiert.

Die ZZ- Linie ganz anschaulich
Die ZZ- Linie ganz anschaulich

Auch von den spontanen Rückmeldungen konnte ich als Leiter des Seminars sehr profitieren. So waren die Teilnehmer (gerade die Laien) doch recht erstaunt darüber, wie komplex und facettenreich das „ganz normale“ Gehen bei einem größeren erworbenen Bewegungsverständnis sein kann. Bei dem Mischungsverhältnis zwischen Theorie und Praxis schieden manchmal sich die Geister, da ganz unterschiedliche Voraussetzungen und Erfahrungen mitgebracht wurde. Einer benötigt mehr Erklärung, auch für das, was er glaubt schon zu kennen. Ein anderer muss eher drauflos probieren nach festen Anweisungen. Für mich wahnsinnig interessant für künftige Unterrichtsplanungen. 😉
Der Konsens war allerdings, dass das Wochenende irgendwie zu kurz gewesen sei. Und das hört sich doch schon mal sehr kurzweilig an. 🙂

Die Video-Ganganalyse
Die Video-Ganganalyse

Auf alle Fälle war Bad Steben ein erfülltes Wochenende von meiner Seite aus. Dafür bedanke ich mich ganz herzlich bei den Gästen für ihr dabei gewesen sein und für die mitgebrachte Begeisterung und Neugier. Das motiviert natürlich zu weiterem Engagement zum Thema Ballengang.

Danke auch an Sie als Leser, der bis hierhin gefolgt ist.

 

Herzliche Grüße,

Ihr Stefan Heisel

Und hier Teilnehmerstimmen:

Gleich vorweg: Ich freue mich sehr an diesem Kurs teilgenommen zu haben und kann derlei nur weiterempfehlen 🙂

Stefan versteht es anschaulich, Theorie und Praxis zu verbinden, manch lustige und überraschende Einlagen inbegriffen. Es ist spürbar, wie wichtig ihm ist, für jeden einzelnen sich auch Zeit zu nehmen (soweit möglich) und gleichzeitig bewußt zu machen, daß jeder sein „ganz Eigenes zu finden und zu integrieren hat“ ; er also wirklich „nur als Lehrer oder Begleiter“ fungiert. Dabei wird schnell deutlich, daß dieser Kursus nicht für Menschen geeignet ist, die sich einen Guru wünschen oder gerne eine nach Methode X zertifizierte Ausbildung anstreben. Doch diejenigen, die Freude an neuer (alter) Bewegung, Wiederentdeckung schlafender Fähigkeiten, tiefen Austausch und Alltagstauglichkeit des Gelernten wünschen, kommen auf Ihre Kosten.

Gefallen hat mir die Kombination aus Ballengang bzw. effiziente Bewegung allgemein an einem Tag und der Faszienarbeit am anderen.

Angesichts des vielen Interessanten war für mich lediglich die Kürze des ganzen Seminars schade.

Doch unabhängig vom reinen Kursgeschehen empfing mich eine angenehme Gruppe unterschiedlicher Menschen, an einem Ort, der dazu einlädt sich einzulassen 🙂

Stephan Wolfgang Michel,

Brumberg im Frankenwald

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          Es war absolut toll im Seminar und in der Gruppe. Als einer nach dem anderen im Freiraum-Café eintrafen, und sich „beschnupperten“, war bereits durch die schöne Atmosphäre dort eine gemeinsame Basis einschließlich das uns bevorstehende Ballengang-Thema und leckerem Essen.

Grundsätzlich habe ich mich dazu entschieden soweit zu fahren, weil mir das endlich die Gelegenheit bot, die Unsicherheiten die trotz deinen Internet-Übungen für mich geblieben waren, anhand direkter Unterweisung und Übungen zu korrigieren und besser zu verstehen. Im Nachhinein fallen mir meine eigenen „Schlampereien“ besser auf, und kann sie viel gezielter und bewusster überschreiben. Nun wird aus „Gestakse“  langsam ein angenehmes homogenes Gehen. Die Füße kräftigen sich von Tag zu Tag, um überhaupt aus dem übermächtigen Fersengang in den leisen, lockeren Ballengang zu kommen. Die Umgewöhnung ist zwar mit meinen ledierten Füßen immer wieder mit Schmerzen verbunden, die aber erträglicher sind, als diese vorher trotz Einlagen, Rolfing und was nicht noch alles Probierte. Meine Zehen schmerzen nicht mehr, auch wenn sich der linke Hallux gerade meldet. Jedoch mit sichtbarer Verbesserung, ähnlich wie ein Rückbau der Fehlstellung. So ist auch der gefühlte Knochen-Hügel am linken Fußballen vollkommen verschwunden, der täglich meine zu ertragende Hölle war. Es ist noch viel zu tun und zu experimentieren…UND ich habe seit dem die Einlagen aus den Schuhe genommen, weil ich diese nicht mehr aushalte. Vorher konnte ich keine halbe Minute ohne Einlagen oder Schuhe gehen. Jetzt gehe ich in dicken Socken super gut. Jeder nicht ideale Schuh für mich, ist nicht mehr tragbar. Gut, dass mir meine Five Fingers und die Bär-Schuhe gute Dienste leisten. Ohne deine gezeigte Analyse, wie ein idealer Schuh aussieht, hätte ich wohl noch mehr „Lehrgeld“ in den Sand gesetzt. Ich hatte mir beim Norma Hüttenschuhe gekauft, und nach einigen Tagen richtige Probleme damit zu gehen. Die Sohle fühlte sich so eigenartig an. Beherzt habe ich das Futter innerhalb des Schuhs aufgeritzt, und siehe da, je eine art Schaumstoff-Sohle zu Tage gebracht. Die hatte sich wie ein Fußbett an den Fuß angepasst, und den Fuß bei jedem Schritt gequält. Nun ist nur noch die glatte Gummisohle da, und ich kann beinahe wie Socken darin gehen. Socken passen sich schöner an den Fuß an, als diese Schuhe. Da muss ich mir noch welche besorgen. Die Schuhe weiten sich doch mit der Zeit, und schlappen dadurch etwas. Geht aber.

Danke für alles!!! Jetzt geht es wieder aufwärts, auch wenn ich noch durch diesen Umbau durch muss. Die spür- und sichtbaren Verbesserungen motivieren sehr stark. Die Hoffnung steigt.

Monika Michallick, Landshut

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Ballengang – die (R)Evolution des natürlichen Gehens


Sehr geehrte Leser, heute präsentiere ich einen interessanten Artikel zum Thema Ballengang:

Ein Interview mit Körperbewegungscoach Stefan Heisel im Berliner Lifestyle-Magazin sein.de

 

Ballengang vs. Fersengang

Unsere alltägliche Bewegungsweise spielt für die gesundheitliche Prävention, vor allem aber auch bei der Heilung von Krankheiten des Bewegungsapparates eine große Rolle. Spezielle Gehschulen empfehlen den sogenannten Vorfuß- bzw. Ballengang, meist in Kombination mit Barfußgehen.

Während unser modernes Schuhwerk uns geradezu dazu zwingt, die Ferse zuerst aufzusetzen und den Fuß nach vorne abzurollen – der orthopädisch gewöhnlich empfohlene Fersengang – kommen immer mehr Bewegungsforscher zu der Ansicht, dass dies nicht unsere natürliche Form des Gehens ist, sondern eine Folge falschen Schuhwerks. Die Folge: Durch die unnatürliche Bewegung entstehen Verformungen, Dysbalancen, Gelenkbelastungen, Verspannungen und falsche Bewegungsmuster.

Im Barfußgang, bei vielen indigenen Völkern und in fast allen traditionellen Kampfkünsten kann hingegen der Ballengang beobachtet werden. Der Mannheimer Körpertherapeut und Körperbewegungscoach Stefan Heisel hat sich auf das Thema spezialisiert und erläutert in unserem Interview, was es mit dem Ballengang auf sich hat. …..

Zum ganzen Artikel:

Quelle: https://www.sein.de/ballengang-die-revolution-des-natuerlichen-gehens/

 

 Viel Spaß beim Lesen, Ihr Stefan Heisel

Stefan_Heisel_Naturerlebnis_Ballengang

Richtig Gehen lernen (6c) Die perfekte Bodenarbeit beim Ballengang


Richtig Gehen Lernen (6c)
Richtig Gehen Lernen (6c)

Sehr geehrte Leser

Was macht der Fuß tatsächlich beim Ballengang während des Bodenkontaktes?

In  Teil 1 und Teil 2  haben wir uns verschiedene Möglichkeiten angesehen (und auch abstimmen lassen) welche Kontaktreihenfolge optimal ist. Heute soll die Frage vollständig aufgelöst werden, denn dann verstehen wir besser, weshalb der (gesunde) Fuß genau so aufgebaut ist, wie ihn die Natur eben eingerichtet hat.

Schauen wir uns also auf allgemeinverständliche Art und Weise an, was die Füße beim Gehen optimalerweise auf dem Boden tun:

Wir müssen beim Gehvorgang sowohl Landung als auch Abdruck betrachten. Nur dann ist die Bodenarbeit des Fußes komplett und wir verstehen die Bedeutung des Ballens wieder ein Stück mehr. Ich Folgenden zeige ich – ich gekürzter Form – die Abläufe beim Bodenkontakt im Ballengang.

Ausgehend vom rechten Fuß mitten im Gehen vor dem Landen:

 Ballengang_Bodenarbeit_komplett
A. Landephase

 

Der Fuß hängt „entspannt“ im Sprunggelenk, während im Körper eine muskuläre Vorspannungskette auf die Landung vorbereitet

 

 B. Entlastungsphase

Da beim Gehen eine größere Zeitspanne auf dem Boden verbracht wird als beim Laufen, kommt hier die Ferse als Stabilisator und Entlastung zum Einsatz. Diese Phase ist auch der Grund dafür, dass Gehen wesentlich weniger Energie benötig als Laufen.

 

C. Abdruckphase

Sobald der Körper den Schwerpunkt in Gehrichtung weiterverlagert, baut sich wieder im Ballen und Zehen die Vorspannung für den Abdruck aus. Diese Spannung wird letztlich im Großzeh im letzten Moment in die Abdruckbewegung umgesetzt, bevor der Fuß dann den Boden komplett verlässt.

Man beachte, dass die Übergänge fließend sind und stets im ganzen Körper von mehreren sich überschneidenden Bewegungssegmenten begleitet werden.

Genau dieser letzte Punkt ist sehr spannend und wird an anderer Stelle noch intensiver beleuchtet werden.

Vergleicht man nun diese Erklärung mit den Vorschlägen aus den beiden Artikelteilen zuvor, dann kann man grob eine Kombination zwischen Version b und Version e erkennen. Das eine für die Landung, das andere für Entlastung und Abdruck. Allerdings ergibt immer nur das Ganze wirklich einen Sinn für wirklich natürlich fließende Bewegung.

Ich hoffe, dass Sie diesen kurz gefassten Erläuterungen folgen können und lade Sie gerne dazu ein, Ihre Frage und Anmerkung unten ins Kommentarfeld zu schreiben.

Wenn sie bisher noch gar keine Ahnung vom Ballengang haben, empfehle ich Ihnen dringend, sich den kostenlosen Emailkurs „Richtig Ballengang Lernen“ mit DIESEM Link kostenfrei zu bestellen.

 

Mit den besten Grüßen,

 

Ihr Stefan Heisel

Stefan_Heisel_Naturerlebnis_Ballengang

 

Richtig Gehen lernen (6b) Der optimale Bodenkontakt – 2. Teil


oder:

Was macht eigentlich Ihr Fuß beim Gehen?

Richtig Gehen Lernen (3)
Richtig Gehen lernen (6b)

Sehr geehrte Leser, die Frage nach dem „richtigen Gehen“ wird in letzter Zeit häufiger diskutiert. Oft geht diese Frage einher mit dem optimalen Laufstil und rückt meistens in die sportive Richtung.
Was mir dabei auffällt, ist die starke Fokussierung auf den Fuß. Wie der Fuß landet, so wird auch der Geh- oder Laufstil bezeichnet: Vorfuß-, Mittelfuß,- und Fersengang bzw-lauf. Die Gangart wird also stark auf die erste Berührungsstelle der Landung beschränkt. Ausnahmen davon bilden Methoden, die ihr Markenzeichen als Geh- oder Laufstil bezeichnen. Dies ist aber rein als Marketingvorgehen zu verstehen und weniger als Merkmalsbeschreibung. Im Tierreich gibt es gibt es diese Differenzierung übrigens ähnlich. (Zehengänger, Sohlengänger), wobei hier aber auch Ganzkörperbewegungen mit differenziert werden. So sprechen wir bei Vierbeinern vom Passgang (es geht jeweils das rechte Vorder und Hinterbein vor, danach die linke Seite usw.) und vom Kreuzgang (die jeweils diagonalen Beine bewegen sich zusammen vorwärts)

Faktisch ist das Gehen natürlich auch bei uns Menschen eine ganzheitliche Bewegung. Sie können das selbst auch recht gut nachempfinden:
– Erinnern Sie sich mal, wie das war, als sie eingeschränkte Halswirbel, verspannte Schultern, schmerzenden Rücken, Hüfte oder Knie hatten oder ein entzündetes Nagelbett an einem Zeh

-> Ihr Gang hat sich zeitweilig verändert, sich der Einschränkung oder dem Schmerz mehr oder weniger angepasst. Folglich bilden alle genannten Körperteile einen funktionalen Anteil beim Gehen, der sowohl günstig als auch (mindestens auf Dauer) ungünstig sein kann.

Wer den EMail-Kurs dieses Blogs kennt [link], weiß, auf wie viele unterschiedliche körperliche Bereich das Gehen optimiert werden kann. Genau deshalb habe ich nie eine konkrete Anleitung darüber veröffentlicht, wie der Fuß denn zu landen habe. Denn:
Bei optimaler entspannter Körperarbeit beim Gehen geschieht auch der optimale Bodenkontakt ganz von alleine. Ich nenne dieses Gehen der Einfachheit halber „Ballengang“, um nicht noch mehr Verwirrung zu stiften als nötig. Eigentlich ist es ein Körpergang nach einigen wenigen Prinzipien, die den Körper optimal zur Energienutzung statt zur Energieverschwendung (mit entsprechendem Verschleiß) bringen.

Dennoch: Im letzten Artikel [->link] gab ich eine Aufgabe vor, die 6 verschiedene Optionen enthielt, wie die Berührungsfläche der Fußsohle bei einem kompletten Gehvorgang auf beste Art und Weise zustande kommt. Wir wollen uns diese Beispiele näher ansehen und daraus lernen, welche Rolle der Fuß bei dem ganzheitlichen Bewegungsablauf „Gehen“ inne hat.

Ballengang-Bodenkontakt_a

a.   Hier tritt zuerst die Ferse und dann der komplette Vorfuß auf, der dann auch so den Boden wieder verlässt. Solch eine Fußarbeit findet man bei stark geschwächter Fußstruktur wie etwa einem Plattfuß oder einem Knick- oder Senkfuß. Die Ferse landet ungefedert hart und der Vorfuß „platscht“ als Ganzes nach vorn. Die Zehen sind dabei inaktiv

 

 

 

 

 

 


 

Ballengang-Bodenkontakt_b

b. Diese Version findet man in den meisten Anleitungen oder Büchern über Vorfußgehen oder -laufen. Sie stellt den optimalen Landevorgang dar, der sich u.a. dadurch auszeichnet, dass der Fuß in einer natürlich entspannten Position nach unten hängt, während das Bein vom Knie geführt wird. Was hier jedoch ganz außer Acht gelassen wird (und auch sonst nicht erklärt wird) ist der Vorgang des Abdrucks und der damit verbundenen Fußarbeit. Es fehlt also die Hälfte des Gehvorgangs und damit ist die Bodenarbeit nur teilweise dargestellt. (Es verlässt ja nicht die Ferse wieder als letztes den Boden)

 

 

 

 


Ballengang-Bodenkontakt_c

 

  c. Wer zuerst mit dem Innenballen auftritt, muss den Fuß aktiv in diese Position strecken/zwingen. Natürlicherweise hängt der Fuß (wie in Fall b) stärker an der Außenseite nach unten. Diese Fußarbeit sieht man häufig bei Ballenganganfängern, die sich zu sehr auf die Vorstellung „Fußballen zuerst“ versteifen und damit ein „stocherndes“ bzw. storchenähnliches Fortbewegen produzieren. Auch ist hier nur der halbe Gehvorgang abgebildet, da ja nach der Landung noch weiterhin etwas passieren muss …

 

 

 


Ballengang-Bodenkontakt_d

 

 d. Dieses Beispiel zeigt den oft bezeichneten „Mittelfußgang“. Also eine Landung auf dem äußeren Mittelfuß mit sofortigem „Abrollen“ auf dieser Außenkante nach innen vorne. Diese Gangart ist durchaus als äußerst praktikable Anpassung an ungünstiges Schuhwerk zu verstehen. Denn ein leichtes Benutzen des Ballens ist dann oft schuhbedingt nicht möglich und die Außenkante folgt durch die Schuhkante zwangläufig als Ersatz für eine Landung laut Fall b. Barfuß wäre hier der Fuß noch zu unflexibel. Leider fehlt auch hier ein wichtiger Aspekt des Abdrucks.

 

 

 


Ballengang-Bodenkontakt_e

 

 e. Hier sehen wir den klassischen orthopädischen Schritt mit Landen auf der Ferse leicht außen, dem weiteren Abrollen auf der leicht konvexen Fußaußenkante, dem Übergang auf Außen- und Innenballen und schließlich dem Abdruck über den Großzeh. Dieses Gehen tritt bei recht großen Schritten, wenn also die Beine dem Körper weit vorauseilen und bildet den typischen „Fersengang“. Dieser Gang impliziert einige unnötige und bremsende Vorgänge und zeigt entweder eine schwerfällige bzw. stark überbetont staccatohafte Fortbewegung, die dem Körper einiges an Einsteckungsvermögen abverlangt und für einen leichten Bewegungsfluss eher hinderlich ist, situativ aber zu unserem emotionalen Bewegungsmuster gehört.

 

 


 

Ballengang-Bodenkontakt_f

 

f. Bei der letzten Variante werden die Zehen sehr fein und bewusst- quasi als „Fühler“ eingesetzt, während aber der restliche Fuß kontrolliert gerade geführt wird. Bei einer solchen Bewegungsart handelt es sich entweder um eine betonte Art des Schleichens, eine stilistische Eigenart eines Tanzes oder um einen ersten Versuch, den „Ballengang“ umzusetzen, ohne zugehörige Körperarbeit, die eine Fußkontrolle überflüssigt macht.

 

 

 

 


 

Wie wir nach dieser Analyse sehen, scheint sich die optimale Bodenberührung beim gesamten Gehvorgang noch nicht so recht gezeigt zu haben. Wichtig ist, sich den kompletten Vorgang von der ersten Berührung bei der Landung bis zum Verlassen des Bodens beim Abdruck zu vergegenwärtigen.
Damit dieser Artikel für einen Blog nicht zu lange wird und auch damit Sie noch ein paar Tage Gelegenheit bekommen, sich nochmals mit Ihrem Gehen zu beschäftigen, beende ich diesen Teil und schicke die endgültige Auflösung beim nächsten Mal in angemessener Ausführlichkeit nach. 😉

Viel Spaß beim Entdecken Ihres Körpers und seiner faszinierenden Möglichkeiten.

Herzlichst, Ihr Stefan Heisel

 

PS:

Fühlen Sie sich zu Kommentaren oder Fragen eingeladen.

Richtig Gehen lernen (6a) Der Bodenkontakt


Richtig Gehen Lernen (6a)
Richtig Gehen Lernen (6a)

Hallo liebe Leserinnen und Leser,

 

Jetzt, wo die heiße Phase der Vorweihnachtszeit gestartet ist, greife ich auf ein viel diskutiertes Thema zurück und lade Sie auch gleich zum aktiven Mitwirken ein.

 

Wie berühren denn Ihre Füße beim Gehen den Boden?

Welcher Fußteil landet als erstes (Initialkontakt), welche Teile folgen und wie geht es mit dem Bodenkontakt weiter, wenn wir uns wieder abdrücken?

Die meisten Fachleute schauen sich hierzu die Knochen an und konstruieren aus ihrem Bau ein Konstrukt, welcher Teil der Ferse beispielsweise in welchem Winkel „aufzutreten“ hat, um Kräfte optimal zu kompensieren.

Nun, wären wir ausgestorben und jemand würde anhand von Knochenfunden unsere Lebensweise erforschen, dann müsste man so vorgehen. Glücklicherweise erfreut sich unsere Spezies aber noch munter des Daseins und wir können doch uns selbst befragen, wie unser Körper real funktioniert.

 Wir können so viel beobachten, an uns selbst und an anderen, an sehr jungen und an sehr alten Mitmenschen, also: nur zu!

Fangen Sie bei sich selbst an, ziehen Schuhe und Socken aus (wenn es natürlich von Ihrem jetzigen Standpunkt machbar ist 😉 ) und fühlen Sie genau, was Ihre Füße so tun – wann sie wie die Erde berühren bei einem normalen aber sehr bewussten Gang von Wohnzimmer zu Küche.

Auf den folgenden Szizzen sind verschiedene Möglichkeiten dargestellt, in welcher Reihenfolge der Bodenkontakt eines rechten Fußes im Verlauf eines Schritts geschehen kann.Versetzen Sie sich einfach mal genau in die Bewegung, die Ihnen am Schlüssigsten erscheint und klicken Sie Ihren persönlichen (aber anonymen) Tipp in dem Kasten unter dem Bild:

Folgende sechs Möglichkeiten sind gegeben:

Ballengang und Bodenkontakt    

In zwei Wochen, also zu Jahresbeginn 2015, erscheint die Auflösung an dieser Stelle in ausführlicher Form! 😉

Ich wünsche viel Spaß beim Ausprobieren und freue mich auf Ihren Tipp und/oder Kommentar!

Herzliche Grüße, Ihr Stefan Heisel

Ballengangseminare 2015


Sehr geehrte Leser und Interessierte an natürlicher, effzienter Bewegung!

Schon runde fünf Jahren existiert dieser Blog und aus einer anfänglichen Phase des Beobachtens, wie sich das Interesse am Ballengang entwickelt, ist ein immer stärker wachsendes Projekt geworden.

Ballengang_Workshops

Seit ich die neue Version des kostenlosen Email-Kurses im April 2013 eingeführt habe, erhalte ich von Monat zu Monat mehr Fragen zum Thema Gehen aber auch zu Thema

„Wie und wo kann man von dir in Persona lernen“?

Es gab erste Seminare in 2013 und 2014, und damit verbunden auch sehr interessante Erfahrungen meinerseits aber auch seitens der Teilnehmer (wie man auch hier auf öffentlichen Rezensionen lesen kann). Und so kristallisierte sich ein System heraus, um Menschen das natürliche Gehen in einem Wochende auf unterschiedliche Art und Weise näher zu bringen, so dass sie mit einer wirklichen Änderung und einem großen Ansporn des Weiterarbeitens wieder nach hause fahren konnten.

Wenn Sie auch wissen möchten, wie der Ballengang tatsächlich funktioniert und wenn Sie an einem solchen Event teilnehmen möchten, dann sehen Sie sich auf jeden Fall den Seminarplan 2015 an.

EDIT:

HIER geht es zu allen Seminaren in 2015.

Ab heute, 11.12.2014 ist die Anmeldung möglich!

-> zu allen Seminaren <-

 Mit herzlichem Gruß,

Ihr Stefan Heisel

Stefan_Heisel_Naturerlebnis_Ballengang

 

Ballengang mit Absatz?


Oder: wie passe ich meinen Gang an robuste Winter- oder Schutzschuhe an?

Liebe Leser,

die kalte Jahreszeit hat begonnen und so fragen sich nicht gerade wenige Menschen, welche Schuhe denn den besten Kompromiss zwischen Schutz und Bewegungsspielraum bieten.
Schließlich soll das im Sommer erworbene natürliche Barfußgefühl bzw. Körpergefühl nicht wieder mit zu klobigen Winterschuhen zerstört werden. Schon gar nicht durch Schuhe mit Absatz, sei er auch noch so flach.
Zwar hat auch die Barfußschuhindustrie begonnen, auf solche Bedürfnisse einzugehen und produziert immer ausgeklügeltere Modelle mit Nullabsatz, Zehenfreiheit, extrem dünner Sohle, Fütterung und extrem weichem Schaft bis über die Knöchel. Trotzdem ist das Angebot an solchen Schuhen noch dünn gesät, so dass längst nicht jeder Ballengänger im Winter zufrieden sein kann. Entweder ist die Auswahl an Design und Passform (noch) zu gering oder die Schutzfunktion ist nicht ausreichend.
Zum letzten Punkt bin ich selbst beispielführend:

Film ab:

Ballengang_in_Winterschuhen
Kann man in Winterschuhen „richtig“ gehen?

 

Als leidenschaftlicher Motorradfahrer kann ich nur in Ausnahmefällen auf eigenes Risiko leichte Schuhe ohne Absatz tragen. Im Regelfall nutze ich feste Halbstiefel mit Absatz. (Wegen der Fußrasten) Nun, in den meisten Fällen macht es keinen Sinn, mit zwei Paar Schuhen unterwegs zu sein. Vielmehr ist Anpassung an die Umstände (hier Schuhe) angesagt.
Damit das gelingt, schauen wir uns an, welche Kriterien für wirklich robuste Winterschuhe oder auch Arbeitsschuhe noch erfüllt werden müssen.

– Zehenfreiheit: unbedingt!

Um physiologische Fußfunktionen bei jeglichem Gehen nutzen zu können, sollten die Zehen im geschlossenen Schuh mühelos gespreizt werden können.

-flexible Sohle: unbedingt!
Die Zehengrundgelenke im Bereich des Ballens/ Quergewölbes müssen bewegt werden können, da der Fuß ansonsten komplett passiv gehalten wird.

– dünne Sohle: nicht unbedingt!
Zum Schutz vor Kälte oder Hitze wir oftmals ein dickeres Material benötigt.
Zusammen mit evtl. Einlegesohlen verliert der Fuß somit Kontakt zum tatsächlichen Boden. Dies trifft aber grundsätzlich auf alle Schuhe zu, sogar auf Barfußschuhe! Solange der Fuß am Sprunggelenk und Zehengrundgelenk beweglich bleibt, kann eine gewisse Sohlendicke für eine überschaubare Zeit in Kauf genommen werden. Ansonsten gilt speziell für die haptische Stimulation beim Gehen: barfuß, barfuß, barfuß + abwechslungsreiche Böden!

– Gewicht:
Hier gilt das einfach: Solange der gewünschte Schutz gewährleistet ist, sollte das leichteste Modell gewählt werden. Denn: Je leichter der Schuh, desto natürlicher und automatischer findet die Landung unter dem Körperschwerpunkt statt.

– Absatzhöhe:

Kann als FORTGESCHRITTENER (im Sinne eines gut ausgeprägten intuitiven Körpergefühls) bis ca. 1,5 cm unter bestimmten Bedingungen kompensiert werden.
Aber: Eine Erhöhung der Ferse verursacht immer eine einseitige Verlagerung der Körperstatik mit Auswirkung Beckenposition, Wirbelsäule, Schultergürtel und Kopf. Ebenso wird der Vorfuß PASSIV stärker belastet.
Das gilt aber nur, wenn die Ferse dabei stützend belastet wird. Also beim Stehen und beim „klassischen“ Fersengang. Wenn wir dagegen in Bewegung sind und unsere Faszienkette über die korrekte Kraftlinie nutzen, kann ein geringer Absatz zeitweise gut kompensiert werden. Schließlich wird er dann so gut wie nicht benutzt.

Allerdings hat das Anpassen der Gangart an leichte Absätze auch einen Nachteil: Wenn man die Ferse weniger einsetzt als im absatzfreien Zustand, entsteht auf längeren Wegen trotz Ballengangroutine eine zeitweise strukturelle und muskuläre Überanstrengung. Deshalb hat es der Anfänger umso schwerer, mit dieser Bewegungskompensation als ein Fortgeschrittener.


Fazit:

Für die kalte Jahreszeit empfehlen sich auf jeden Fall Schuhe aus dem neuen Markt „Barfußschuhe“ oder „Minimalschuhe“. Wenn Sie mehr Schutz brauchen, bspw. bei Schnee und Eis, auf dem Arbeitsplatz, beim Motorradfahren etc. kann man zeitweise auf die extradünne Sohle und den Nullabsatz verzichten.
Eine flexible Sohle, einen beweglichen Knöchelbereich und Zehenfreiheit sind dagegen für Bewegungsabläufe unverzichtbar!

Ich wünsche eine immerzu gut bewegte kalte Jahreszeit!

Herzliche Grüße,

Stefan Heisel

 

Interview mit Körperbewegungscoach Stefan Heisel


Liebe Leser, mein frischgebackener Fachkollege und Blogger Sebastian Nowak hat ein aufschlussreiches Interview mit mir geführt. Ihn hatten insbesondere folgende Fragen interessiert, die auch für Sie von Interesse sein können:

 

Studioline_Photography_ 001 - Kopie
der Fragende: Sebastian Nowak, Körpertherapeut
Stefan_Heisel_koerperbewegungscoach
der Antwortende: Körperbewegungscoach Stefan Heisel

 

 

<<—>>

 

 

 

 

 

 

Sebastian: Wann kamst du in Kontakt mit dem Thema funktionales Bewegen und welchen Stellenwert hat es in deinem eigenen Leben?

Stefan: „Nun, ein „Bewegungsmensch“ war ich immer schon. Neben der Musik hat mich dabei die Kampfkunst am meisten gefesselt. Während jedoch allgemein…..“(->weiterlesen)

Sebastian: Was macht deiner Meinung nach den Ballengang einzigartig?

Stefan: „Ballengang ist als Bewegungsmuster einzigartig, weil er ein… „(->weiterlesen)

Sebastian: Wann kamst du zum ersten Mal in Kontakt mit diesem Bewegungsmuster und was hat sich seit dem verändert?

Stefan: „Den Ballengang entdeckte ich zunächst durch einen Hinweis eines meiner Kampfkunstlehrer vor knapp zehn Jahren. Nachdem ich damit große Fortschritte…“ (-> weiterlesen)

Sebastian: Wie sorgst du sonst für deine Gesundheit?

Stefan: „Gesundheit …. Bei der Frage muss ich dazu erwähnen, dass „Gesundheit“ oft missverstanden wird. Grund dafür ist, …“ (-> weiterlesen)

Sebastian: Was ist deiner Ansicht nach die Essenz funktionalen Bewegens in kurzen Worten?

Stefan: „Die Essenz funktionalen Bewegens liegt meiner Meinung nach im Erinnern und Zulassen dessen, was unser Körper …“ (-> weiterlesen)

Sebastian: Woran arbeitest du aktuell und wie sehen deine Pläne für die Zukunft aus?

Stefan: „Zur Zeit arbeite ich an der Veröffentlichung meines Körpercoaching-Konzeptes, Bodymotic – Form & Function, welches ich … (->weiterlesen)

>> Zum ganzen Interview darf ich Sie auf Herrn Nowaks „Bewegblog“ leiten <<

Ich bedanke mich bei Sebastian für sein Interesse und die Möglichkeit, auch anderen Menschen meine Ideen und Kozepte verfügbar zu machen!

Herzliche Grüße, Stefan Heisel

Ballengang – intensiv erlebt


Eindrücke vom Ballengang- und Faszienwochenende in Seelze/Hannover

Ballengang_Seminare_Stefan_Heisel

Liebe Leser,

Was geschieht, wenn sich 9 nette, aufgeschlossene Menschen in einem wunderschönen Seminarhaus mit erstklassigen und warmherzigen Gastgebern zu einem langen Ballengang-Wochenende treffen?

Haus "La Vie" im WiGro-Gewerbepark Seelze
Haus „La Vie“ im WiGro-Gewerbepark Seelze

Offenbar sehr viel! Aber von vorne:

Begonnen hat das ganze aus meiner Sicht mit einer längeren aber angenehmen Zugfahrt Freitag nachmittag ab Mannheim mit relativ viel Gepäck, weil ja einiges geplant war …

Helle, hüsche Zimmer mit Balkon
Helle, hüsche Zimmer mit Balkon

Gastgeber Stefan Grote holte mich netterweise am gleichen Abend vom Bahnhof Seelze ab und wies mich in das Haus „La Vie“ mit allen Räumlichkeiten und Einrichtungen ein.

Das Haus ist ein Traum! Ganz neu eingerichtet, extra für unser Seminar und wir hatten die Ehre der Einweihung in alles weitere, was sich im „La Vie“ noch abspielen wird.

Es liegt inmitten des Wigro-Gewerbeparks in Seelze bei Hannover wie eine Insel mit Grünflächen und einer Architekturim amerikanischen Landhausstil mit Terasse und „Rundum-Balkon“ – alles komplett in Holz.

Noch zwei Gäste kamen ebenfalls bereits Freitags an.

 

Tag 1 – Die Basics im Ballengang

Am Samstag Morgen, nach einem sehr leckeren Frühstück (dieses Früchtemüsli … 🙂 ) , das uns Gastgeberin Isabelle Breitenbach gerichtet hat, trafen alle anderen Gäste ein und wir konnten pünktlich starten.

In der Vorstellungsrunde stellte sich heraus, dass wir Gäste aus Nürnberg, Thüringen, Lübeck, Bremen sowie dem Umland Hannovers dabei hatten. Alle waren durch den kostenlosen Newsletterkurs zwar mehr oder weniger vorgebildet, dennoch ist die reale Erfahrung eine ganz andere Hausnummer, wie sich dann schnell herausstellte.

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Ballengang-Übung in der Gruppe

Der Samstag war ganz dem Erarbeiten des Ballengangs gewidmet. Die Inhalte waren so gestaltet, dass die Teilnehmer durch Tests und zahlreiche und sehr abwechslungsreiche Übungen anschaulich an die Prinzipien des Ballengangs herangeführt wurden.

Absolute Priorität war, dass jeder am eigenen Körper fühlen konnte, wie natürliche und bereits angeborene Bewegungsmuster von sich aus entstehen und in der Summe zu einem völlig natürlichen Gang führen.

Einige der Übungen erforderten richtigen Körpereinsatz, führten aber auch zu interessanten Einsichten in funktionelles Bewegen, Aufrichten, Krafteinsatz und Wendigkeit.

So erarbeiteten wir uns in der Gruppe im Laufe des Tages insgesamt 5 grundlegende Prinzipien des natürlichen Gehens und landeten damit zielsicher im ganzkörperlichen Ballengangmuster.

Die meisten Teilnehmer nahmen die Möglichkeit der vergleichenden Ganganalyse wahr: So konnte man sich am Samstag VOR und dann wieder NACH dem kompletten Seminartag aus drei Perspektiven beim Gehen filmen lassen, um dann einige Tage später einen ausführlichen ca. 10-minütigen Film als von mir verfasste Dokumentation der Bewegungen, der Körperstruktur und der Veränderungen, sowie persönliche Anleitungen zum Weiterüben zu erhalten.

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Beste Stimmung beim veganen Essen im „La Vie“

In der Mittagspause wurden wir wieder vom Haus regelrecht verwöhnt: Es gab aufwändige vegane Kost und für später auch noch selbstgebackenen Kuchen.

Ich muss hinzufügen, dass wir an beiden Tagen mit dem Wetter sehr viel Glück hatten und einige Übungseinheiten auch draußen bei Sonnenschein genießen konnten.

Nach dem offiziellen ersten Seminartag gab es die Möglichkeit für bis zu drei Gäste eine Kurzbehandlung in Faszientherapie (Bodymotic FORM) zu erhalten. Diese wurden auch voll ausgeschöpft und bildeten einmal einen Eindruck in die immensen Möglichkeiten dieser Art der Körperarbeit und auch eine hervorragende Einstimmung auf den folgenden Tag, der ausschließlich den Faszien gewidmet war.

Tag 2 – Einführung in die Faszienarbeit

Sonntags, nach dem nochmals köstlichen und geselligen Frühstück wiederholten und verinnerlichten wir gemeinsam die 5 Ballengangprinzipien und nahmen sie mit wiederum neuen Übungen im ganzen Körper wahr.

Danach begann das zweite Seminarthema dieses Ballengang- und Faszienwochenendes:

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Faszienarbeit für alle -> zauberhafte Füße!

– Was sind Faszien, wie wirken Sie, wie können wir auf sie einwirken und was bedeutet das für unsere tägliche Bewegung?

Alles in leicht verständlichen einfachen Worten erklärt und auf den Punkt gebracht.

Nun folgte ein für Laien eher ungewöhnlicher Part:

Die Teilnehmer wurden selbst in die aktive manuelle Faszienarbeit eingewiesen und übten unter meiner ständigen Anleitung in kleinen Schritten insgesamt 9 Techniken, um ihre eigenen Füße strukturell beweglicher und im Gewölbe kräftiger zu „machen“.

Aus vorigen Erfahrungen gelernt, funktionierte dies sehr gut und zu meinem eigenen Erstaunen beschrieben die Teilnehmer die gleichen positiven Auswirkungen, wie sie auch bei einer professionellen Faszienbehandlung auftreten:

– festerer Stand, mehr Bodenkontakt, stabileres Gewölbe und stark erhöhte Geschmeidigkeit und Beweglichkeit im Fußgelenk!

-> Phänomenal und sehr erfreulich!

Gleich darauf durften sich meine Gäste gegenseitig unter ausführlicher Anleitung selbst in 6 Schritten so in Rückenlage bringen, dass die Wirbelsäule maximal lang und die Schultern maximal breit und völlig entspannt auf dem Boden auflagen.

Die so erreichte maximale Aufrichtung blieb für den Rest des Tages mindestens erhalten und kann sich sogar permanent ins Bewegungsgedächtnis einpflanzen.

Hier bereitete sowohl der passive als auch der aktive Part viel Freude. Und als zusätzlichen Effekt bildete sich beim gemeinsamen Arbeiten eine hohe gegenseitige Achtsamkeit aus.

Exakte Anleitung durch Stefan Heisel
Exakte Anleitung durch Stefan Heisel

Ein kleiner Nebeneffekt lag darin, dass man als der Behandelnde sehr an seiner eigenen Bewegung und Haltung arbeiten muss, weil:

  1. jede Anspannung auf den anderen übertragen wird -> keine Wirkung
  2. die Arbeit selbst damit überhaupt nicht anstrengend sondern ebenfalls als wohltuend empfunden wird.

Die so erworbenen Fähigkeiten in dieser manuellen Entspannungstechnik konnten nun „mit nach Hause“ genommen und weitergegeben werden.

Schließlich konnte das ganze Wochenende mit leicht und aufrecht gehenden, von innen strahlenden und begeisterten Menschen mehr als zufrieden abgeschlossen werden.

In Kombination mit der ganzen Atmosphäre im „La Vie“ ergab sich eine angenehme Gruppendynamik. Intensive Gespräche ergaben sich ganz von selbst, Beziehungen wurden geknüpft und alle Adressen wurden untereinander ausgetauscht – auch mit dem Haus „La Vie“, in dem es noch weitere unterschiedliche, spannende Seminare, auch durch die Gastgeber selbst, geben wird.

ballengang_seelze_5
So ausgelassen ging es das gesamte Wochende zu 🙂

Ich selbst bin als Seminarhalter beim Anblick der zufriedenen bis glücklichen Menschen ebenso erfüllt nach Hause gefahren. Ich freue mich schon jetzt auf die nächsten Termine In Seelze in 2015!

Abschließend noch einige Stellungnahmen und email-Ausschnitte von Teilnehmern, die ich freundlicherweise teilweise veröffentlichen darf:

__________________________

Hallo Stefan,

ich möchte dir ein ganz dickes Dankeschön schicken für das Seminar. Es hat meinen Blickwinkel für Körper und Bewegung verändert. Einfach fantastisch, was da möglich ist….

Du hast mir am WE einen wohl „alterslosen“ Weg gewiesen und ich bin sehr neugierig auf mehr. Würde sehr gerne mit dir weiter arbeiten.

Angelika Pahl, Hannover

___________________________

Lieber Stefan!

Vielen Dank auch dir für das tolle, erlebnisreiche Wochenende, dein offenes Ohr und deine humorvolle- nichtrechthaberische Art (!)! So macht Lernen Spaß….mir zumindest! …

Ich war mit einigen Wünschen und Erwartungen in das Seminar gegangen und die sind bei weitem erfüllt bzw. übertroffen worden. …Gigantisch, seit Jahren habe ich mich nicht mehr so gut gefühlt und finde wieder Zugang und Selbstbewußtsein zu meinem Körper….Und ich merke noch immer die schöne Nachwirkung deiner Faszienbehandlung, gerade im BWS/Schulterbereich. …

Eine teilnehmende Ärztin aus Lübeck

_________________________

„Stefan Heisel ist ein sehr aufmerksamer, humorvoller und erfahrener Lehrer.

Auf Grundlage seiner langjährigen Erfahrung im Kampfkunstbereich hat er in Verbindung mit dem Ballengang tiefgehende Erfahrungen gemacht, die er kompetent an seine Seminarteilnehmer übermittelt.

Die Informationen und Anleitungen zum Ballengang gehen deutlich über ein sogenanntes “Tagesprogramm“ hinaus. Ich habe als Kursteilnehmer ein Stück begreifbares Wissen in mein Leben genommen.

Freue mich schon auf seine Ganganalyse und die „weiter-gehenden“ Erfahrungen.“

Rainer aus Hannover

(wird fortgesetzt)

Auch meinerseits vielen Dank für diese bereichernde Zusammenkunft!

Ballengang_Heisel_2
Körperbewegungscoach Stefan Heisel

Ballengang „extrem“ in Anwendung


Oder: Hochgebirgstouren mit oder ohne Schuhe?

 

Ballengang_HochgebirgeHallo liebe Leser,

wenn Sie auf dieser Seite landen, haben Sie sich sicherlich schon Gedanken über Ihr Gehen gemacht oder sind neugierig darauf, welche Erkenntnisse oder Erlebnisse andere vorweisen können.

Sie kennen sich bereits mit Ballengang aus? Sie möchten ihn (endlich) selbst ausprobieren? Sie fragen sich, welche Rolle das richtige Schuhwerk dabei spielt? Dann lesen Sie jetzt diesen ausführlichen Erlebnisbericht aus meinem Alpenurlaub in den Sommerferien.

 1. Die Wahl der Schuhe

 

Wanderschuhe
Muss man solche Schuhe tragen?

Wer sich mit natürlichem Gehen beschäftigt hat, weiß, dass Schuhe mit Absatz, fester Sohle und Knöchelschaft nicht gerade optimal sind, um den ganzen Körper, insbesondere den Fuß beim Gehen adäquat einzusetzen. Gerade jene Wanderschuhe, die ja für Bergwandern eindringlich empfohlen werden, machen den Eindruck von „Panzerschuhen“ und packen Fuß samt Knöchel derart ein, dass weder Bewegung noch irgendeine Wahrnehmung unterhalb der Wade noch möglich scheinen.

Sicherlich ist der Fuß dabei vor Verletzung, Kälte und Nässe geschützt, für den Fall der Fälle, andererseits geht ja so eine Bergwanderung in der Regel über viele Stunden (z.B. von Hütte zu Hütte). Die Frage ist, wie viel Schutz überhaupt wirklich nötig ist und wie lange man sich einen derartigen Panzer um den Fuß überhaupt täglich zumuten möchte.

 

Nach meiner Erfahrung und der meiner Klienten passt sich der Körper innerhalb vieler Jahre an seine Umgebung und seinen Gebrauch an (also Ihr Körper formt sich so, wie SIE ihn durch Ihre Aktivität oder Nichtaktivität zum Formen zwingen). Deshalb bekommen beispielsweise viele Frauen, die intensiv „stöckeln“ nach Jahren tatsächlich Achillessehnenprobleme beim schieren Barfußgehen oder in flachen Schuhen, oder Ihre hinten stark verkürzte Gesamtstruktur, die auf hohen Absatz optimiert ist, fällt barfuß merklich zusammen. Die inaktive Druckbelastung einseitig auf dem Vorfuß, kombiniert mit engem Zehenbereich ist ebenso eine perfekte Voraussetzung für jene, die an der Ausbildung eines Hallux Valgus interessiert sind..
Aus gleichem Grund fühlt sich ein ungestützer Fuß beim Wandern ohne „festes Schuhwerk“ deutlich instabiler und verletzungsanfälliger an als mit entsprechendem „Fußbett“ und Knöchelstütze – insbesondere, wenn es vom Gelände her ein wenig anspruchsvoller wird

Er ist es auch. Aber nicht weil er nicht anders könnte, sondern, weil er durch Ruhigstellung gar keine Chance hat, sich so zu entwickeln und zu stabilisieren, wie er es von Natur aus locker könnte!

 

Soviel kurz zur Theorie. Mich hat nun näher interessiert, wie ein im Flachland gut trainierter Körper und insbesondere seine Füße sich zumindest bei annehmbarem Wetter im Hochgebirgigen Gelände so anschicken. Also musste zunächst mal sehr „sparsames“ Schuhwerk bei den ersten Touren herhalten, die so wenig wie möglich in die Fußfunktion eingreifen, dabei aber einen Schutz vor Kälte in den höheren Regionen ermöglichen.

 

Sie können auf diesem netten Hüttenfoto gerne selbst herausfinden, welches Paar Schuhe denn wohl von mir bei den Touren favorisiert wurde… 😉

 

Welche Schuhe testen wir denn?
Welche Schuhe testen wir denn?

 

Meine Routen ersteckten sich in einem recht überschaubaren Bereich im südlichsten deutschen Tal im Allgäu.

 

Wie also funktionierte das Gehen im Ballengang in solchem Gelände und wie schnitten die Schuhe, die ich benutzte bei alldem ab?

2. Zum Gehen selbst:

Anders als im Flachland oder leicht hügeligen Land der Mittelgebirge sind hier so gut wie permanent teil erhebliche Steigungen und Gefälle zurückzulegen. Und das über viele Stunden am Stück. Für die Muskulatur bedeutet das eine ganz andere Beanspruchung. Muskelkater ist mehr oder weniger vorprogrammiert. Die Frage ist, WO er sich bemerkbar macht. Für mich kann ich sagen, dass durch die sehr dünne Besohlung das Fußgewölbe (dessen Muskeln ja hauptsächlich im Unterschenkel liegen) sehr viel zu tun hatte. Jeder Stein (und es gab kaum Schritte ohne Auftreten auf kleine oder größere Steine oder Wurzeln) bewirkte eine „anschmiegende“ Bewegung im Fuß. Die Landung und das Abstoßen war also schon mal mit einer erhöhnten Aktivität im Unterschenkel verbunden. Dazu kommt, dass hier überhaupt kein Schritt mehr ohne Vorfußaktivität möglich war. Ein Landen auf der Ferse (beispielsweise durch einen etwas größeren Schritt) bedeutete gleich ein erhöhtes Risiko abzurutschen oder sogar wegzuknicken. Ballenarbeit war also absolut obligatorisch. Dieser Dauerarbeit entsprechend sahen dann auch meine Waden nach dem ersten Tag aus …

Nach 6 Stunden Gebirge
Nach 6 Stunden Gebirge

Zu meiner eigenen Überraschung waren auch die Waden die einzigste Muskelgruppe, die sich bei dem ganzen 6-stündigen Auf- und Abstieg in 1000 Höhenmetern bemerkbar machten. Weder Gesäß noch Rücken oder Oberschenkel fühlten sich (wie nämlich früher ohne Ballengang gerade nach dem ersten Tag) überlastet oder strapaziert an. Mit den Waden konnte ich mir glücklicherweise durch einen spezielle Massagekniff auch recht gut selbst helfen (dazu aber in einem separaten Bericht über Faszien und deren Beeinflussung mehr)

Die nächste Frage lautet:

3. Die Belastung der Gelenke beim Abstieg.

Dadurch dass ja auch beim Abstieg ein Großteil der Fallbewegung über den Vorfuß/ Sprunggelenk aber auch durch sehr feine Ausgleichbewegungen im Fußgewölbe bereits im Unterschenkel abgefangen wird (im Ballengang wohlgemerkt und auch nur bei entsprechend leichtem Schuhwerk), mussten die Knie und die Hüften nur noch wenig „Federarbeit“ leisten. Überhaupt kamen Knie und Hüfte genau dann verstärkt zum Einsatz, wenn sehr große Stufen überbrückt werden mussten oder wenn es mal zu einem kleinen Stolperer oder Ausrutscher kam. Im Gebirge kommen solche Stolperer tatsächlich auffallend oft vor, worauf ich weiter unten noch eingehen werde.

Als Ergebnis kann ich hier betonen, dass –abgesehen von der muskulären Mehrarbeit der Unterschenkel- auch hier keinerlei Überlastungen der Knie, Hüften oder der Wirbelsäule zu spüren waren. Auch nach mehreren Tagen nicht.

4. Was war aber mit den Schuhen los? 

 

Schließlich ging es über scharfkantige Felsen (wobei die Alpen gegenüber den Felsen in Kroatien sehr mild sind), über nasses Gestein, über kleine Wasserquellen und auch über feuchtes hohes Gras….

Vom reinen Gehen her muss ich sagen: TOP! Es gab nicht das geringste Problem im Geröll, bei Klettersteigen, bei groben Felsen oder dicken einzelnen Wurzel. Im Gegenteil sogar: Das Profil meiner Schuhe schaut ein wenig lustig aus, erwies sich aber trotz der Weichheit (oder auch wegen!) den Schuhen meiner Mitwanderer mindestens ebenbürtig bis sogar überlegen bei sehr rutschigen Stellen. Der Vorteil der weichen dünnen Sohle (wenn sie wie hier dennoch völlig „stich- und schnittsicher“ ist) liegt darin, dass man sehr schnell schon beim Auftreten bemerkt, wie der Untergrund grob beschaffen ist und vor Allem wie griffig er sich beim ersten kleinen Belasten zeigt. So konnte ich schnell und sicher geeignete Stellen zum Überqueren von glatten Passagen finden. Wenn der Fels sehr schräg war, war es einfach, mich – anders als Wanderer mit ganz fester Sohle – leicht an die Schräge anzupassen und auch in einer flotten, fast schon kletternden Art und Weise über einzelne Felsen vorzuarbeiten.

Wenn es sehr steil nach oben ging (aber dennoch begehbar), ertappte ich mich dabei sogar, tendenziell mit den Fußballen in leichte Hocke zu gehen und auch schnell die Hände zum Aufstieg zu benutzen. Das fühlte sich recht effizient und leicht an.

Dieses „minimale“ Schuhwerk hat aber auch natürlich seine Grenzen: Sobald es wirklich nass wurde, drang durch das Leder und die Sohlennaht recht schnell Wasser ein. Dadurch bekam ich bei einer der Touren nasse und kalte Füße und hätte strenggenommen gleich barfuß weitergehen sollen. Aber dazu unten noch mehr 😉

5. Barfuß!

 

An einem der letzten Tage –es stand eine recht lange Tour an- waren die Außentemperaturen bei sonnigem Wetter sagen wir mal „sehr angenehm“. Für mich ein Anlass, die Schuhe nun ganz wegzulassen und mich so lange wie möglich barfuß an die Aufstiege und Höhenwege dranzumachen. Da meine Fußsohlen grundsätzlich an Barfußgehen auf jeglichem flachem Gelände gewöhnt sind, stellte sich jetzt die Frage, wie es sich anfühlt, über wirkliche Felsen zu gehen. Um es vorwegzunehem: Ja, DAS GEHT!

ballengang_gebirge_barfuss
Barfuss im Gebirge

Ich konnte mich drei Stunden nach oben und über den Höhenweg „arbeiten“ und dennoch die schöne Aussicht genießen. Die ständige Konzentration auf den jeweils nächsten Schritt, das ständige Abschätzen und Ausgleichen von oft sehr spitzen und scharfen Kanten erforderte soviel Energie, dass nach besagten drei Stunden die Aufmerksamkeit allmählich nachließ. Und so passierte etwas sehr Kleines aber dennoch Folgenreiches: An einem der unzähligen Überquerungen eines einzelnen kniehohen Felsens stieß ich mir bei nachziehen des Fußes den vierten Zeh an einem vorstehen Stück Fels an. Es war nur ganz leicht aber genügte, um ein „Knacken“ ertönen zu lassen und den berühmten Schmerz erfahren zu lassen, den jeder kennt, der mal nachts barfuß in der Wohnung gegen eine Schrankkante getreten ist …. Nun, es waren noch etwa 3-4 Stunden Weg vor mir und obwohl meine Gangart schmerztechnisch nun leicht hinkend so fortgeführt werden konnte, entschloss ich mich (klugerweise) meine mitgenommenen leichten Schuhe lieber wieder anzuziehen und zumindest mit einer sichtlichen Erleichterung weiter zu gehen.

Der Zeh wurde im Schuh zwar nicht besser, aber ich konnte ohne weitere solcher Vorfälle die Tour uneingeschränkt fortsetzen.

Am Abend sah das Ganze dann so aus (siehe rechts) aber es bließ nur bei einer sehr leichten Stauchung.

Ballengang_Unfall
Wie ein kleiner Zusammenstoß nach 2 Stunden aussieht

Würde ich wieder barfuß eine solche Strecke gehen?

JA, auf jeden Fall, wenn es nicht kalt/nasskalt ist (das wäre aber dennoch denkbar für reine Barfußgänger, die ja keine Saison kennen)

Aber ich würde keinen ABSTIEG auf Fels so durchführen, weil das Landen immer mit Rutschen und Scheuern verbunden ist und die Füße damit großen Verletzungegefahren ausgesetzt wären. Und ich würde tatsächlich in einem sehr anspruchsvollen Gelände, in dem ständig Fehltritte möglich sind nur so lange barfuß gehen, solange 100% Konzentration gegeben sind. Ähnlich wie jemand, der auf Hochseil balanciert -> Einmal die Konzentration weg und dann passiert’s 😉

Die Vorteile von barfuß sind aber auch hier wie bei jeder Barfußwanderung im viel intensiveren Wandererlebnis und im höchst wirkungsvollen Körpertraining.

Wenn Wanderer mich fragten, wie ich denn überhaupt barfuß gehen könne (also wie das überhaupt bei den Felsen möglich ist), dann konnte ich nur entgegnen, dass dies ein Körpergefühl als Ergebnis von ganz bewusstem Training ist, das dann eben schnell zur Normalität wird.

 

6. Was ist nun mein Fazit aus diesen Erlebnissen:

 

Für Wanderungen jeglicher Art würde ich die Schuhe so minimal wie möglich einpacken und falls möglich, gleich sofort barfuß losgehen.

„Wanderschuhe“ sind für mich als Kategorie viel zu allgemein. Was ich in den Bergen als solche gesehen habe, erfüllen mit Sicherheit ihre Zwecke für Gletschergebiete, oder Wanderungen generell mit kalten und nassen Bedingungen oder bei wirklichem Felsklettern mit Seil. In jedem anderen Gebiet bringen sie im Grunde nichts, sind viel zu schwer und schränken die Bewegungsfreiheit der Füße unnötigerweise ein.

Mit einer guten Gehtechnik, lässt es sich völlig Belastungsfrei und ausdauernd im Gebirge gehen. Sogar barfuß unter bestimmten Bedingungen.

 

Falls Sie ähnliche Erlebnisse haben, würde ich mich freuen, darüber auch etwas lesen zu können. Gerne unten als Kommentar. Ich freue mich über jedes Feedback. Vielen Dank!

 

Ich wünsche viel Spaß beim Wandern aller Art,

Stefan_Heisel_Alpen

 

Ihr Stefan Heisel

PS: Hier die getesteten Schuhe: („Eigenbau“) 🙂

Minimalschuhe für alle Zwecke ;)
Minimalschuhe für alle Zwecke 😉

Nullabsatz, sehr weiche dünne Sohle -> Reifenmaterial, daher abriebfest, weiches Oberleder, schmiegt sich der Fußform an, 100% Zehenfreiheit

Richtig Gehen Lernen (5) – Wie flott ist man eigentlich im Ballengang?


Richtig Gehen Lernen (3)
Richtig Gehen Lernen (5)

oder Speed-Walking, der neue Zeitgeist?

Lieber Leser, wie sehr lassen Sie sich eigentlich von der zunehmenden Hektik antreiben? Wie schnell ist eigenltich Ihr „standardmäßiger Gang?

Wenn Sie wissen möchten, wie Sie Ihr individuelles Gehtempo im natürlichen Ballengang selbst herausfinden können, dann lesen Sie den Artikel weiter. Ich stelle unten eine Möglichkeit praktisch vor, mit der ich selbst immer wieder arbeite. Doch zunächst zum Problem… !

Heute berichte ich von einer schon vor langer Zeit gemachten Beobachtung, die womöglich eine sehr große Rolle bei der Entwicklung von ungünstigen Gehgewohnheiten spielt.

Schauen wir uns zunächst ein kleines Video an

Ja, recht flott und ausdauernd unterwegs, diese Sportler. Aber wie lange macht der Körper so einen Bewegungsablauf mit?

Und: Wieso gibt es diese Form der Fortbewegung, dieses „Schnellgehen“ mit durchgedrückten Knien?

An mein erstes Mal, absichtlich so richtig schnell zu gehen, kann ich mich im Alter von 10 Jahren erinnern. Das war so eine Situation, in der ich es wirklich sehr eilig hatte aber gleichzeitig nicht laufen wollte, weil mir das peinlich war. Es ging nämlich in Lackschuhen und Anzug zur Kirche, wie damals fast jeden Sonntag im ersten Jahr nach der Kommunionszeremonie. Und ich war an jenem Tag sehr spät dran. Was also tun, um nicht so sehr aufzufallen?

Die Schritte wurden sehr groß, die Beine immer steifer und die Ferse stieß immer kräftiger in den Boden. Die Gegenbewegung der Arme waren ja auch zu verräterisch also hielt ich sie ebenfalls steif an den Körper und – naja- ich erreichte durchaus ein Tempo, dass manch einer beim leichten Jogging auch drauf hatte. Ich überholte auch mehrere Fußgänger, wenn es sich nicht vermeiden ließ und hoffte, sie dächten, dass sie eben heute sehr gemächlich unterwegs seien und jeder normale Geher schon etwas schneller ist …. Als Kind machte ich mir aber irgendwann einen Spaß daraus, hauptsache nicht verspäten.

Ganz ähnlich funktionierte das dann auch in anderen Situationen, wenn zwar Eile geboten war, aber auf jeden Fall gegangen statt gerannt werden musste. Irgendwann schien es üblich zu sein, sich in einem hektischen Stechschritt mit klackernden oder polternden Fersen (ehr: Absätzen!) fortzubewegen. Ob nun als Schüler, Azubi oder Student von einer Veranstaltung zur nächsten oder zur Bushaltestelle oder eben zum Arbeitsplatz. Das Gehen nahm zunehmend den Charakter des „Getriebenseins“ an.

Beispielhaft fällt mir dazu eine kleine Anekdote ein, die ich vor gut 13 Jahren als Augenoptiker im Laden erlebte. An einem eher ruhigen Tag nutze ich die Gelegenheit, etwas in der Werkstatt auszuhelfen, die weiter hinten im Laden lag. Wie gewöhnlich klingelte es aus dem Verkaufsraum und ich machte mich auf einen Weg, der sicherlich 20 Meter betrug. Ich war schon von weitem zu sehen und dachte mir nicht das geringste dabei, diese „Routinesituation“ zum bewussten gehen zu nutzen. Anstatt im Stechschritt vorzupreschen achtete ich darauf, bei normalen Tempo kein Geräusch in meinem damaligen ersten Paar Bär-Schuhe zu verursachen. Das fiel natürlich meinen Chef auf, der mich etwas später darauf hinwies, doch bitte rascher zum Kunden zu kommen. Glücklicherweise handelte es sich aber um einen äußerst freundlichen und offenen Menschen und er ließ sich mein Gehen sogar interessiert erklären. 🙂

Selbst bei Wanderungen scheint es erstrebenswert zu sein, einen eher flotten Marschierschritt an den Tag zu legen. (Selbstverständlich mit gepanzertem Wanderschuh mit dicker fester Sohle und hohem Schaft.) Zieht man den Wanderern aber die Schuhe aus, dann scheinen oftmals richtige Gehanfänger unterwegs zu sein. Der schnelle Hackengang funktioniert barfuß auf natürlichem Waldboden nicht und eine entsprechende geeignete Gangart ist nicht routinemäßig abrufbar. Sind wir also von Gehhilfen (Wanderschuhe) abhängig, wenn es über völlig natürlichen ebenen Boden zu gehen gilt?

Es gibt auch wissenschaftliche Untersuchungen von Wiseman zum Anstieg des Gehtempos, nach denen die Geschwindigkeit von Fußgänger in Großstädten zwischen 1994 und 2007 weltweit um 10% angestiegen ist. Gleichzeitig sei auch die Sterblichkeit, die auf Herzprobleme beruht in Städten umso höher, je schneller die Menschen unterwegs sind. http://www.heise.de/tp/artikel/25/25189/1.html

[Anm: Umgekehrt gibt es auch ganz andere Studien, die messen, dass Menschen über 70 im Schnitt länger leben, je schneller sie gehen. Interessant ist hier der Rückschluss, dass man einfach durch absichtliches schnelleres Gehen im Alter sein Leben statistisch verlängern lassen könne. Hier wird aber übersehen, dass alle über 70-Jährigen viel langsamer Gehen als der allgemeine Durchschnittund die verbleibende Agilität, die ja aus dem Vorleben ableitet, logischerweise mit der verbleibenden Lebenserwartung korreliert. „Schneller Gehen“ bedeutet in diesem Alter(!) ein angemessenes Gehen ohne erworbene körperliche Gebrechen und bestenfalls in ganz natürlichen Bewegungsmustern.

Zurück zum Ballengang:

Wie schnell ist denn noch zweckmäßig und als Ballengang zu bezeichnen?

Nun, Sie können das gerne selbst feststellen, wie ich im folgenden Video erkläre:

Wenn Sie Ihr persönliches Gehtempo gefunden haben und sich dabei im Ballengang wohlfühlen, dann sind Sie bereits einen enormen Schritt weiter als jemand, der sich von der gegebenen Schnellebigkeit unbemerkt bzw. unreflecktiert beeinflussen lässt.

Zum Schluss möchte ich noch dazu ermutigen oder Sie regelrecht dazu auffordern, sich Zeit zu nehmen, gerne andere Wanderer vorausgehen zu lassen, Ihr Umfeld mit Ihrer Gelassenheit anzustecken und bei Bedarf oder Lust gerne auch mal in einen leichten Laufschritt anstelle des „Speedwalkings“ zu verfallen.

Viel Spaß beim Erforschen und Entdecken!

Mit herzlichem Gruß,

Stefan Heisel

Ein Feedback zum Ballengang


Ballengang_Fuss_SchattenLiebe Leser, heute darf ich in der Urlaubshalbzeit einen netten kleinen Leserbrief einer Frau veröffentlichen, die seit 3 Wochen am Ballengang-Emailkurs teilnimmt .

 

Frau M. aus Berlin schreibt:

 

Guten Tag Herr Heisel,

aufmerksam folge ich den Inhalten Ihrer sehr wissenswerten Mails zum Ballengang.
Vielen Dank für Ihre Hilfe auf diesem elektronischen Weg.
Die Entdeckung des GoDo vor einigen Wochen ist für mich eine Befreiung.
Ich laufe bewusst seit Wochen in dieser Gangart und erlebe Wunder.
Verstärkend kommt noch hinzu, dass ich in easy-tone Sandalen von reebok laufe, die diesen Gang balsamisch unterstützen.
Meine Nordic-Walking Stöcke erlebe ich inzwischen für das Tänzeln im Ballengang als einengend.
Schaffe ich es, eine längere Strecke auf ebener Fläche im Ballengang zu gehen, dann spüre ich eine Befreiung im Becken bis hin zu einem glücklichen Gefühl.
Auch bin ich sehr viel aufmerksamer für die Menschen, die mir begegnen, wie die laufen und schaue mit Vergnügen sehr kleinen Kindern beim Rennen zu.
Ein hilfreicher Trick, um in den Ballengang zu kommen bzw. darin zu bleiben, ist für mich, dass ich den Oberkörper im Becken ein wenig nach vorne neigen, dann fällt es schwer bzw. ist es unmöglich, in den Hackengang zu kommen.
Ich staune wirklich über die schnellen Erfolge, fühle mich stärker im LWS Bereich, kann lange Strecken problemlos gehen. Im Hackengang wurde ich schon nach kurzer Zeit pflastermüde und bekam ich je nach Schuhwerk starke Rückenschmerzen.
Vielen Dank noch mal für Ihre informativen Mails mit den wichtigen Anleitungen, die ich gerne befolge.

Freundlich grüßt Sie
Frau Mira aus Berlin
___________________________________________________________________________
Kommentar:
Vielen Dank Frau Mira für Ihre motivierenden Worte. Ich lese viel Begeisterung für die neue Entdeckung des Ballengangs heraus, die ich gut nachvollziehen kann.
Zur Erläuterung möchte ich erwähnen, dass es sich bei „GoDo“ um eine geschützte Marke von Dr. Greb handelt, der bereits in den 70er Jahren den Ballengang für sich entdeckt hat und daraus eine spezielle Lehre entwickelt hat.
Die genannten Sandalen schauen wirklich bequem aus. Ich persönlich empfehle Schuhe mit viel weniger (dünnerer) Sohle und keinerlei Vorgaben im Profil der Sohle und natürlich Nullabsatz. Am allerbesten nutze man sein natürliches Gehwerkzeug, die nackten Füße, und erlebe so auch den Untergrund in all seinen Nuancen als anregenden Sinnesreiz, der durch nichts zu ersetzen ist.
Frau Mira, Sie werden in den Lektionen 6,7 und 8 genau solche Anleitungen und Übungen, die Sie erfreulicherweise – wahrscheinlich intuitiv- ohnehin schon von sich aus machen.
Ich wünsche noch weitere interessante Entdeckungen und positive Erlebnisse mit dem Ballengang.
Mit herzlichen Grüßen,
Stefan Heisel

Richtig Gehen lernen (0) – WARUM und WIE das Lernen beginnt


Richtig-Gehen-Ballengang
Richtig Gehen im Ballengang

Guten Tag, liebe Leser

heute möchte ich mit einer Serie beginnen, die sich mit dem konkreten Erlernen des Gehens beschäftigt.

Ja, Sie haben richtig gelesen mit dem ERLERNEN des Gehens….

Normalerweise lernen gesunde Menschen das Gehen ohne jegliche Anleitung und ohne Unterstützung oder sonstige äußerliche Einmischung ganz von selbst. (Von Ausnahmen bei vorliegenden Beeinträchtigungen organischer oder anatomischer Art sehe ich ab, da in solchen Fällen unter Umständen völlig andere Vorgänge ablaufen, die sehr wohl angemessener Hilfestellung von außen bedürfen!)

Nämlich als Kleinkind in einer von der Evolution in Millionen Jahren herangebildeten Anpassung an den aufrechten Gang. Das Gehen selbst ist eine konsequente Fortsetzung aller vorangehenden Entwicklungsschritte vom Anheben des Kopfes, über das Drehen im Liegen, das selbständige Sitzen, das Krabbeln (was nicht zwingend vor dem Gehen kommt), das sich Hochziehen, das freie Stehen. Diese evolutionäre Anpassung erforderte die Fortbewegung auf sehr unterschiedlichen Untergründen (Steppe, Wald, Gräser, Sand, Felsen, Steine, …) und erforderte auch sehr unterschiedliche Aufgaben (Klettern, Schleichen, Pirschen, Fliehen, Wandern, …) Es bestand in den wenigsten Fällen eine Notwendigkeit, die Füße mit mehr als sehr dünnem Leder oder Fellen gegen Kälte zu schützen. Auch bestanden zunächst keinerlei Bräuche, die die Funktion des Körpers beeinträchtigten. (Gebundene Füße, „Giraffenhälse“ etc)

Dieses selbstständig lernende Kleinkind erlebt also seine Umwelt, je nachdem wo es geboren wurde oder aufwächst, und diese Umwelt beinhaltet HEUTE fast ausschließlich feste begradigte Wege aus Stein, Teer, Beton, Holz oder Kunststoff in einer Ebene mit ausgeglichenem Gefälle. Seine Füße werden sofort in Schuhe gesteckt, selbst dann, wenn es noch gar nicht laufen kann. In manchen ungünstigen Fällen wird es viel zu früh zum Stehen und Laufen „animiert“ bzw. trainiert, eine Weile lang sogar in „Laufstühle“ gesetzt (was zum Glück extrem nachgelassen hat) und es wird auf geometrisch exakte Stühlchen gesetzt, weil man ja „am Tisch“ gemeinsam isst. Um das Kind herum sind lauter Menschen, die wie das Kind selbst in dieser Umgebung aufgewachsen sind, und ebenso abwechslungsarm und „standardisiert“ den „Schuhgang“ demonstrieren. Selbst in der warmen Wohnung werden Hausschuhe getragen, die Absätze haben oder die mit den Zehen gehalten werden müssen und so das natürliche Bewegungsbild verzerren. Was bleibt diesem Kind also übrig, als sich den äußeren Begebenheiten anzupassen und aus der großen Vielfalt, die es noch beim instinktiven Gehenlernen innehatte, einen ebenso standardisierten Gang herauszufiltern, der mit den Schuhen und dem Planboden in einer ausgeloteten und geglätteten Umwelt abgestimmt ist. Die Bewegungsfähigkeit stumpft also mehr und mehr ab, ganz besonders von den Füßen ausgehend.

Folglich verliert das Kind in seinen ersten Lebensjahren immer mehr einen sehr wichtigen Bezug zu Bewegung und bekommt von seinen Mitmenschen, die sich ebenso unisono bewegen, die Bestätigung, dass alles seine Richtigkeit hat. (Genauso wie es seine Richtigkeit hat, alle möglichen „Verschleißerscheinungen“ am Bewegungsapparat zu erwerben)

Irgendwann wird das Kind vielleicht als Erwachsener auf gewisse Dinge aufmerksam, entweder durch eigenes Fühlen und Erkennen oder durch Informationen von außen, die darauf hindeuten, dass das moderne Leben mit den Dingen, die von der Wurzel wegführen, auch seine unguten Seiten hat. Wieso habe ich mit 21 Rückenschmerzen? Wo kommt mein Knickfuß her? Wieso schmerzt mein Knie nach 20 Minuten Gehen? Wieso bekomme ich immer öfter Blasen an die Füße? Wieso habe ich regelmäßig Migräne? Und so fort, die Themenbereiche gehen natürlich auch weit über die Ebene der reinen Bewegung hinaus.

Um diese negativen Auswirkungen des modernen Lebens möglichst weit zu reduzieren muss man sie zunächst einmal als solche erkennen. Da Sie, verehrter Leser, sich mit diesem Blog beschäftigen, sind Sie schon mal in der glücklichen Situation, diese Voraussetzung zu erfüllen. 😉 Der nächste Schritt besteht darin, Informationen zu sammeln und Dinge zu ändern. Und hier sind wir wieder am Ausgangspunkt gelandet: Etwas zu verändern ist das Resultat von LERNPROZESSEN. Oder anders gesagt:

Wenn ich nichts ändere, habe ich auch nichts gelernt!

Wir beschäftigen uns in diesem Blog um das Gehen, speziell um den Ballengang und allem, was man dazu wissen muss, um ihn schließlich auch umzusetzen. Als Erwachsener ist es wesentlich anspruchsvoller, ein derart eingeprägtes Muster wie das Gehen oder Laufen, das millionenfach ausgeübt wurde, zu verändern. Also ist hier richtiges LERNEN bzw. UMLERNEN oder auch NEU-ERLERNEN nötig. Wie jedes Lernen ist leider auch dieses mit einem gewissen Maß an „Arbeit“ verbunden.

Wir wollen uns aber diese „Arbeit“ so angenehm wie möglich machen und uns das Lernen nahtlos in den Alltag einbauen. So erhält man eine sehr lange Übungszeit sozusagen nebenbei geschenkt, ohne wesentlich mehr Zeit zu investieren.

Ich möchte Ihnen die Reihe „Gehen Lernen“ in der nächsten Zeit anhand ausgesuchter, jederzeit umsetzbarer Tipps auf diesem Blog präsentieren.

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Für den Bereich „Richtig Ballengang Lernen“ können Sie sich auch – solange Sie es möchten- in das Newsletter-Abonnement eintragen:

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Dort erhalten Sie „von der Pike auf“ die bewährtesten Übungen, Tipps und Tests, um sich selbst den natürlichen Ballengang beizubringen. Und natürlich werden Sie über Neuigkeiten auf dem Laufenden gehalten.

Viele Grüße und einen hoffentlich baldigen wirklichen Frühlingsbeginn!

Stefan Heisel

Richtiges Gehen – falsches Gehen


Ballengang_Richtig_gehen_1Wie man in (auch hier zitierten) Beiträgen oder in einigen Publikationen über Gehschule ersehen kann, wird – je nach Sichtweise- eine ganz bestimmte Art des Gehens grundsätzlich als richtig angesehen, während der Rest der Welt es total falsch machen soll.

Ein gutes Beispiel hierfür ist der Ballengang 🙂

Die Verfechter dieser Gangart bezeichnen beispielsweise den Fersengang als unphysiologisch, wirbelsäuleschädigend und als Zeichen mangelnder Leichtigkeit bis hin zu der Aussage, dass die Fersengänger emotionale sowie kognitive Einschränkungen haben müssen und den Fersengang als Kompensation für mangelndes Urvertrauen unbewusst nutzen.

Weil offenbar dennoch so viele Menschen diese (falsche) Ganggewohnheit haben, wird mit Lernen durch Imitation und frühes Tragen ungeeigneten Schuhwerks argumentiert. Ein weiteres Argument ist das vorhandene natürliche Gehmuster von Kleinkindern (die andererseits dann noch nicht rennen/ laufen können und deren Fußgewölbe noch im Aufbau ist)

Daneben gebe es einige Naturvölker, die reine Ballengänger sind. (Betonung auf „einige“)

Man habe sich als aufgeklärter Mensch umzugewöhnen und sich seiner wahren Wurzeln zu besinnen, seiner Gesundheit zuliebe, und auf keinen Fall mehr auf der Ferse aufsetzen.

Als Schuhwerk sind ausschließlich absatzfreie Schuhe mit maximaler Zehenfreiheit geboten, von denen es mittlerweile als Barfußschuhe eine eigene Rubrik im Schuhmarkt gibt.

Ganz anders die Fraktion der Fersengänger.

Sie proklamieren das Abrollen über die Ferse als natürlichen Bewegungsablauf und begründen das oft mit der anatomischen Form des Fußes. (Wenn es ganz hoch kommt, wird immerhin noch die Muskulatur im Unterschenkel mit einbezogen) Der Ballengang (der ja tatsächlich einige gegensätzliche Bewegungsabläufe verlangt) wird als widernatürlich angesehen und – falls es jemand im Alltag macht- als pathologische Auffälligkeit bezeichnet.

Die selben Menschen, oft Mediziner im weiten Sinn, empfehlen auch quasi reflexartig Schuheinlagen bei ziemlich allem, was irgendwie mit dem Fuß oder dem Aufsetzen desselben zu tun hat. Auch leichte Absätze (auch eine Form Prothese) werden empfohlen, da ja die ganze veränderte Neigung im Fuß allein im Sprunggelenk wieder ausgeglichen werde.

Und so weiter. Wer sich mit der Thematik auseinander gesetzt hat, kennt die Positionen mehr oder weniger.

Doch was ist denn nun „richtig“ oder „falsch“? Wer hat recht?

Eins kann ich mit 100%iger Sicherheit sagen:

Es bringt unsere Sache (das eigene optimale Bewegungsmuster finden) nicht weiter, wenn es pauschale und feststehende Glaubenssätze in einer Richtung gibt.

Diese verhindern den Blick auf das Wesentliche und dienen höchstens zum Polarisieren.

Auflösung:

Bevor man an dem meines Erachtens weniger relevanten Merkmal, wie der Fuß beim Ballengang oder Fersengang AUFSETZT, ganze Weltanschauungen anstellt, kommt eine andere Frage:

Was ist denn mit „Gehen“ überhaupt gemeint?

Schon semantisch handelt es sich um ein sehr großes Wortfeld, das die unterschiedlichsten Fortbewegungsarten des täglichen Lebens beinhaltet.

gehen: schlendern, wandern, laufen, stolzieren, schreiten, schleichen, eilen, marschieren, joggen, trippeln, rennen … und so fort.

Dazu kommt, dass man innerhalb des „Gehens“ verschiedene Richtungen einschlagen kann, wechseln kann und alles in ganz unterschiedlichem Tempo oder mit ganz unterschiedlichem Kraftbedarf, bergauf und bergab stattfinden kann etc.

Das ist der Alltag.

All das verlangt aber eine völlig FLEXIBLE Art und Weise, wie der Körper und speziell die Füße benutzt werden.

Es gibt also in der Praxis gar nicht DAS Gehen an sich, also kann man auch nicht stringent festlegen, wie man sich dabei optimal zu bewegen hat, bzw. welches Gehen völlig falsch sein muss. Vor allem kann man es nicht ausschließlich über das Aufsetzen des Fußes beurteilen.

Wir müssen also viel weiter in den Körper schauen und noch mehr beobachten, als den Blick nur auf die Stelle zu richten, wo der Fuß auf dem Boden aufzusetzen hat und darauf eine einseitige Theorie aufbauen.

(Anders verhält es sich tatsächlich beim Dauerlauf oder Sprint, da hier die Art der Fortbewegung sehr eng eingegrenzt ist und somit auch kaum Spielraum für optimale Bewegungsausführung besteht- da es sich hier oftmals um Wettkampfsport handelt, ist die „Richtigkeit“ sogar messbar)

Schauen wir uns Ballengang und Fersengang mal in der Praxis an.

Wann benutzt jeder Mensch Ballengang?

– Beim Rückwärtsgehen, beim Treppensteigen (auf und ab), beim Trippeln, beim Überkreuzgehen vorwärts, beim Springen aus kleinster Höhe, beim schnellen Richtungswechsel, bei schnellen kleinen Schrittfolgen in jede Richtung, teilweise, wenn er noch nicht laufen/rennen kann (Kleinkind) Und das unabhängig davon, ob und welche Schuhe getragen werden.

Und so weiter.

Wir sehen, dass – auch ohne jede Anleitung- jeder Mensch unbewusst den Fußballen dann benutzt, wenn er auf jeden Fall benutzt werden muss. Dennoch sind das sicherlich die wenigsten Schritte, die insgesamt gemacht werden.

Wann wird vorwiegend der Fersengang benutzt?

–  Bei fast jeder mittleren bis schnellen regelmäßigen Fortbewegungsart auf ebenem Boden. Also in der am meisten vorkommenden Fortbewegung. Unterstützt wird er, indem Absätze getragen werden und/oder die Sohle des Schuhwerks unflexibel ist. Beim Barfußgehen ändern manche Menschen in den Ballengang oder Mittelfußgang, wenn sie sich langsam und in kleineren Schritten bewegen und treten dabei generell leichter auf.

Wir sehen also, dass in unserer Kultur viel mehr Fersengang als Ballengang genutzt wird, da die entsprechende Situation wesentlich öfter vorkommt und wir an unsere Kultur im Verhalten angepasst sind. Wären unsere Böden nicht so begradigt und hart und würden wir entweder auf unebenem Boden mehr barfuß oder in leicht besohltem Schuhwerk gehen, dann würde sich jeder auf einen wesentlich höheren Anteil des Ballengangs früher oder später umstellen. Ganz von allein.

Auch hier hinkt unsere Evolution, unser Körper, wieder weit hinter der Kultur zurück. Wir sind körperlich nicht angemessen an ebene harte Böden angepasst, die uns zu (unperfekten) Fersengängern machen, und bedürfen auch noch der Prothese in Form von Absätzen und/oder Dämpfungen oder gar Einlagen. Obwohl wir doch eigentlich „gesund“ sind. (Ganz anders verhält es sich bei Menschen mit echten Handicaps, hier ist jegliche Art von technischer Hilfe ein Segen!)

Was ist also „richtiges Gehen“?

Abgesehen davon, wie viele Situationen und – daraus folgend – Zwecke der Fortbewegung es geben kann, wollen wir uns dabei auf jeden Fall so leicht und möglichst „natürlich“ dabei bewegen.

Anders ausgedrückt: Je bequemer sich das Gehen langfristig anfühlt und je angepasster es unserem Körper und der Schwerkraft ist, desto „besser“ ist es.

Der Fußballen spielt dabei (egal wie wir letztlich aufsetzen) eine wesentliche Rolle und hat dabei Auswirkungen  über die Beine, das Becken, die Wirbelsäule auf die gesamte Körperstruktur bis hin zum Scheitel.

Richtig gehen bedeutet also, in der Kürze ausgedrückt, das Gehen im Einklang mit der Schwerkraft, bei dem der wichtigste Kontaktpunkt mit der Erde und damit Ausgangspunkt aller Energie der Fußballen ist.

Daher lohnt es sich außerordentlich, sich intensiv mit dem Ballengang auseinander zusetzen.

Nicht, weil es „verboten“ sein soll, etwa auch mit der Ferse aufzusetzen, sondern weil wir für jegliches Gehen und damit einhergehend für unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden äußerst viel lernen.

Gerne sind Sie dazu eingeladen, am interessanten email-Fernkurs

„Richtig Gehen lernen im Ballengang“ teilzunehmen! 

 -> Hier geht es zur  ANMELDUNG <-

Mit freundlichem Gruß, Stefan Heisel

Der Barfuß-Professor


Der amerikanische  Professor Daniel Lieberman von der Harvard Universität ist praktizierender Ballenläufer.

In seiner Videodokumentation verdeutlicht er mit Hilfe moderner technischer Messmethoden den Unterschied bei der Belastung im Ballenlauf und Fersenlauf.

So entsteht beim Fersenlauf eine nahezu ungbremste Belastung am Anfang jedes Schrittes, der beim Ballenlauf komplett ausbleibt.

Sehen Sie sich im nun folgenden Kurzfilm vor allem die Zeitlupenverläufe der beiden Laufarten an, lassen Sie es auch mittels Maushalten auch vorwärts und rückwärts sehr langsam laufen.

Vergleichen Sie den  mit  bloßem Auge deutliche sichtbaren Unterschied in der Bewegungsdynamik.

Als Anmerkung sei hinzugefügt, dass der Film sich nur mit dem LAUFEN beschäftigt. Unser BallenGANG lässt sich von der Belastung her darauf übertragen- Allerdings funktioniert das Gehen als Alltagsbewegung und dem damit verbundenen Anforderung und Auswirkung auf die Wirbelsäule etwas anders 😉

Gehen wir etwa falsch?


„Gehen wir möglichweise falsch? Auf eine Weise, die uns nicht gut tut? Oder anders        ausgedrückt, könnte es eine Art des Gehens geben, die uns besser tun würde?

Ballengang-Laufen-HeiselEine kurze Sequenz eines Mickey Mouse Heftes werde ich nie vergessen. Ich  fand  sie eindrucksvoll und wusste gar nicht warum. In der Szene ging es  darum, dass  Indianern ein Verbrechen in die Schuhe geschoben wurde, das in Wirklichkeit  natürlich auf Kater Carlos Kappe ging. Dieser liederlichen List ist Mickey Mouse dadurch auf die Spur gekommen, dass die Fußabdrücke am Tatort niemals von den Indianern stammen konnten. Weil diese, und deshalb könnten sie auch so gut schleichen, beim Gehen zuerst auf dem Ballen auftreten würden. Das ist ja ein Ding, dachte ich. Wie ginge das wohl? Ich versuchte mich im Ballengang und kam nach wenigen Versuchen zu der Erkenntnis, dass das kein Gang für mich sein kann. So stokelig, so ungewohnt, so andersrum.

Vor wenigen Wochen fiel mir dann auf, dass ich auf Socken durch die Wohnung auch etwas seltsam gehe. Um unnötiges Gestampfe zu vermeiden. Sei es, um die Kinder während ihres Mittagsschlafs oder die Frau nach einer Nachtschicht nicht zu wecken, die Nachbarn unter uns nicht unnötig zu belästigen oder auch nur, weil ich es angenehmer finde, nicht laut aufzutreten. Es ging mir auf jeden Fall erst vor kurzem auf, dass ich barfuß oder auf Socken anders gehe, als mit Schuhen.

Und dann lese ich vor einer Woche einen Beitrag, der darauf hinweist, dass ein großer Teil unserer körperlichen und seelischen Probleme daher rühren würden, dass wir falsch gehen. Klingt verrückt, aber für mich nicht verrückt genug, um es nicht gleich auszuprobieren, anders zu gehen. Denn wenn Du mal eben aufstehst, Dir die Finger in die Ohren steckst und ein paar Schritte machst, wirst Du hören, wie Deine Knochen jedes Mal, wenn Du auftrittst, ein Tok machen. Jeder Schritt ein Tok. Jeder Schritt ein winziges Trauma. Dass jedes Mal bei einer der normalsten Sachen der Welt, dem Gehen, unsere Knochenstruktur gestaucht wird, und wenn auch nur ein klitzekleines Bisschen, kann doch nicht gut sein. Und dass viele Kinder Haltungsschwierigkeiten haben und Bandscheibenvorfälle und Rückenprobleme Normalität unter Erwachsenen ab 30 Jahren sind, lässt doch zumindest vermuten, dass irgendwas im Argen liegt. Natürlich kommt die Haltung, das viele Sitzen vorm Computer oder im Auto erschwerend hinzu, aber was, wenn den größten Anteil an der Misere das falsche Gehen hätte?

Auf dem Ballen aufzutreten kommt einem im ersten Moment spanisch vor, aber es ist doch tatsächlich so, dass wir die allermeisten Betätigungen auf zwei Beinen über den Ballen ausführen: Treppensteigen, Tanzen, Rückwärtsgehen, Seitlichgehen, Sprinten, Springen, alles das, was gut tut, alles das, was Aufmerksamkeit erfordert, alles das, was uns zum Teil zu Höchstleistungen anregt. Ist doch merkwürdig, dass es beim Gehen anders sein soll. Neulich hab ich mal in einer Reportage gesehen, dass der aufrechte Gang verantwortlich für die diversen gesundheitlichen Probleme sein soll. Aber vielleicht war die Analyse einfach zu ungenau und nicht der aufrechte Gang an sich, sondern die Art des aufrechten Gangs ist der Knackpunkt. Tok.

Ich fand die Argumentation für den Ballengang so überzeugend, dass ich ihn circa 25 Jahre nach meinem ersten Versuch vor einer Woche noch einmal ausprobieren sollte. Und wieder kam ich mir zu Beginn wie ein Ei auf Stelzen vor. Wie ein Storch, der durch die Wiese stakst. Ich merkte ein leichtes Ziehen in meinen Sehnen und gleichzeitiges partielles Verkrampfen einelner Muskelstränge, die jahrelang eine ruhige Kugel schieben durften. Aber trotzdem machte ich weiter. Während des Gehens jedes Mal auch bewusst zu gehen, war dabei schon eine besondere Erfahrung. Gehen neu zu lernen, wie ein Kind. Ein wenig Übung hatte ich schon in der Umstellung von Altbewährtem, weil ich vor kurzem auch meine Technik verändert habe, das “S” zu sprechen. War früher gezischt, jetzt weitgehend nicht mehr. Bin also als alter Hund auch noch bereit, neue Tricks zu lernen. Und das Ballengehen fällt mir zusehends leichter. Wirkt zwar immer noch etwas staksig, fühlt sich aber im Vergleich viel besser an als der alte Hackengang. Bin also gerade in der Übergangsphase, wo das Neue noch nicht ganz Normalität geworden ist. Du kannst ja auch mal in Dein Herz gehen, um zu erfahren, ob der Ballengang für Dich der Richtige sein könnte. Sage dafür ICH GEHE IN RESONANZ ZUR BEDINGUNGSLOSEN LIEBE, spüre die Wärme, die Weite oder die FREUDE. Anschließend gehst Du in Resonanz zum Hacken-, bzw zum Ballengang. Finde selbst heraus, was sich für Dich besser anfühlt.

Für mich ist der Gang über den Ballen auf jeden Fall der Richtige, auch wenn ich in der Übergangszeit eigenwillig aussehen mag.

…“

Quelle: http://www.du-bist-da.net/spitze-hacke-spitze-hacke/

Ballengang ist natürlich!


Ballengang ist natürlich

Ballen-Gehen-Heisel„…Kleine Kinder machen es noch richtig. Ohne Schuhe laufen sie von Natur aus im sogenannten Ballengang.

In das gleiche Bewegungsmuster verfällt auch der ausgewachsene Fuß, befreit man ihn von einer engen Hülle: Bei jedem Schritt setzt der Läufer mit dem Vor- oder Mittelfuß auf. Erst danach berührt die Ferse den Boden. In dieser Reihenfolge kann der Ballen seine Wirkung als perfektes Federelement entfalten. Unter dem Druck geht der Vorfuß in die Breite, die Zehen spreizen sich.

Das erspart dem Körper den Rückstoß in die Wirbelsäule. Beim Abdrücken wiederum wirkt das System umgekehrt. Die Fußmuskeln ziehen sich zusammen und sorgen für extra Schwung. Das entlastet die Beinmuskulatur und schont die Kniegelenke.

Der Ballengang lindert sogar das Verletzungsrisiko. Denn starke Fuß- und Zehenmuskeln mindern die Belastung für einzelne Knochen und Bänder. „Die häufigsten Verletzungen treten an der Achillessehne auf. Vor allem dann, wenn Schuhe den Fuß stark auf der Innenseite stützen“, erklärt Uwe Wegner, leitender Arzt des deutschen Leichtathletik-Verbandes. Normalerweise rollt der Fuß über den großen Zeh ab. Viele Schuhmodelle lenken diese Bewegung aber auf die Außenkante um. Der große Zehenbeuger, einer der wichtigsten Muskeln im Fuß, ist dann kaum noch gefordert.

…“

[Quelle: http://www.merkur.de/index.php?id=36353] -> leider nicht mehr online!